~ Dr. Frank Hess Geschichten ~
 

Frauenfußball

Frauenfußball ist eine häufig unterschätzte Sportart. Auch unter den Pseudonymen „Pleiten, Pech und Pannen“, Chancentodparade“, Blamagenzirkus“ „Lesbenalarm“ oder „Versehrtensport“ bekannt.

Wie wird man Fußballerin?

Zunächst die Theorie. Die Frau erlernt in Abendschulkursen den Unterschied zwischen Abszess und Abseits beziehungsweise versucht, ihn zu erlernen. Dann braucht sie sich eigentlich nur 37 Paar Fußballschuhe und einen Sport-BH zu kaufen und schon geht es los.

Zu dumm allerdings, dass Frauenfußball eine Mannschaftsportart ist, oder besser eine Frauenschaftssportart. Wenn schon, denn schon.

Damit beginnt der Ärger, denn jede will ins Tor, weil dahinter die Fotografen mit ihren langen Teleobjektiven sitzen.

Und alle das gleiche Trikot, das geht schon mal gar nicht.

Und immer diese Gerüchte!

Schon gehört, die neue Mittelfeldspielerin soll gar nicht lesbisch sein!

Wenn diese Hürden genommen sind, kann es endlich losgehen. Anpfiff!

Martina stößt an. Das bedeutet, sie haut mit dem Fuß an den Ball. Irgendwie. Der kullert weg. Zu einer Gegenspielerin. Die ist aber so nett, den Ball gleich wieder zurückzurollen.

Wieder zu Martina. Die holt aus und haut ganz mächtig drauf. Der Ball fliegt mindestens vier Meter durch die Luft und landet bei Brigitte. Zu dumm nur, dass Brigitte bei der gegnerischen Mannschaft spielt. Brigitte wendet einen alten Frauenfußballtrick an. Sie versucht mit aller Kraft, den Ball wieder zu Martina zurück zuschießen. Wie zu erwarten war, verfehlt sie Martina um knapp siebzehn Meter und der Ball landet bei ihrer eigenen Mittelstürmerin, die einen mächtigen Zug zum Tor hat. Zufälligerweise sogar zum gegnerischen. Die erste echte Großchance des Spiels! Die Stürmerin zieht ab! Leider bleibt sie dabei mit dem linken Strumpfhalter an der Eckfahne hängen und kommt spektakulär zu Fall. Sie fordert lautstark Elfmeter, der ihr aber von der Unparteiischen verwehrt bleibt. Das gibt Streit! Während der Ball unbeobachtet im Gras liegt, werden die Spielerinnen handgemein. Hemmungen und Begriffe wie „Frigide Zippe“ und „Vertrocknete Backpflaume“ fallen. Zwei Spielerinnen haben sich ineinander verbissen und müssen von Sicherheitskräften getrennt werden. Blut fließt. Doch bald herrscht wieder Eintracht und es kann weitergehen. Alle bekommen die Gelbe Karte gezeigt, außer der gegnerischen Torfrau, die hatte während der Spielunterbrechung ein Techtelmechtel mit einer Auswechselspielerin und blieb so unbeteiligt.

Immer noch 0:0! Der Reporter stellt fachmännisch fest, dass, fiele jetzt ein Tor, dieses der Führungstreffer für die Mannschaft, die das Tor geschossen hat, wäre. Eine Spielerin schießt freistehend aus drei Metern Entfernung acht Meter über das Tor. Mit der Nummer könnte sie bei „Wetten, dass …“ auftreten

Wutschnaubend spielen sich die Frauen die Bälle zu, jede Mannschaft darf abwechselnd schießen. Da, eine hohe Flanke in den Strafraum! Eine Spielerin steigt zum Kopfball hoch, hält aber jäh inne! Fast wäre sie Opfer einer Intrige geworden, war sie doch erst gestern für teuer Geld beim Frisör! So kann der Ball, da er nicht berührt wurde, seinen Weg in Richtung Tor fortsetzen. Doch die Torfrau legt in letzter Minute die SUPERillu beiseite und will den Ball wegschlagen. Dabei verfehlt sie das Spielgerät um höchstens 17 cm und tritt ein Loch in die Luft. Der Schwung reißt sie von den Beinen und sie landet auf dem Hinterteil. Mit dem Hinterkopf schlägt sie auf den Ball und klemmt selbigen fest. Von dieser spektakulären Parade wird die Fachwelt noch Jahre schwärmen.

Mit dem 0:0 geht es in die Halbzeitpause. Es wird Tee und Gebäck gereicht.

Zu Beginn der zweiten Halbzeit fällt das 0:1 für die gegnerische Frauenschaft. Wie konnte das passieren? Das fragen sich die Spielerinnen auch. Es herrscht vorübergehend Ratlosigkeit auf beiden Seiten. Eine Spielerin macht einen Ausfallschritt und verliert ihren Tampon. Dafür müsste sie eigentlich Rot sehen. Kurze Unterbrechung. Einer Spielerin verrutscht die Binde. Da es sich allerdings um die Kapitänsbinde handelt, macht das nichts.

Das Spiel wogt hin und her, im Mittelkreis rollt Angriffswelle auf Angriffswelle. Martina muss ausgewechselt werden, denn sie hat sich etwas wund gelaufen.

Danach passiert nicht mehr viel. Die Mehrzahl der Spielerinnen liegt sowieso seit der siebzigsten Minute mit Wadenkrämpfen am Boden.

Abpfiff. Die Zuschauer gehen nach Hause. Alle drei.

Es ist vollbracht

Geschafft!

Die Fußball-WM 2010 ist Geschichte!

Frauen dürfen wieder das Wohnzimmer betreten, der Bierkonsum und Krankschreibungen sinken um 3,2 bzw. 23,4%, Sex steigt um 3,2%. Der DAX auch.

Doch der Reihe nach.

Wir haben eigentlich nur eine Minimalchance. Wer ist so dämlich und lässt Kuranyi zu Hause? Das wird ohne den nie was. Wer soll die Tore schießen? Podolski, der Versager? Klose, die Lusche? Mann, wird das eine Blamage. Italien wird seinen Titel wohl verteidigen, ausgerechnet diese schmalzgefederten Pizzapetzen! Oder doch die Elfenbeinküste? Man ahnt noch rein ins Blaue. Deutschland haut die Australier 4:0 weg. Absolute Weltklasse! Der Schafschurkurs im Abschlusstraining hat sich ausgezahlt! Wir werden Weltmeister, logisch!

Schließlich verliert mit Spanien ein Titelfavorit gegen den Fußballzwerg Schweiz. Die Spanier können eben bloß Tomaten pflücken. Werden die Vorrunde kaum überstehen. Wir verlieren gegen Serbien. Alle haben das kommen sehen. Mit Jogis Gurkentruppe ohne Ballack und Frings werden die nie und nimmer die Vorrunde überstehen. Vielleicht waren die Serben ja auch mit Serbischem Bohneneintopf gedopt? Jedenfalls können unsere nix! Spätestens, als Löw diesen Chancentod Gomez eingewechselt, sind alle Hoffnungen dahin!

Nein, doch nicht! Na ja, mal gerade so 1:0 gegen Ghana gewonnen. Keine Glanzleistung!

Spätestens im Achtelfinale ist Schluss. Dann 4:1 gegen England! Das Lager der Experten spaltet sich. Die Das-nicht-gegebene-Tor-für-England-hat-den-Spielverlauf-gedreht-Fraktion erklärt eindeutig Brasilien und Argentinien mit Superstar Messi zu den Favoriten.

Die Pro-Deutschland-Optimisten-Fraktion sieht gute Chancen gegen Argentinien im Elfmeterschießen. Italiener und Franzosen sind längst zu Hause und spannen sich gegenseitig ihre Frauen aus. Die Holländer hauen die Brasilianer weg. Sie sind klarer Titelaspirant, im Endspiel gegen uns. Brasilien mit seiner OPA-Truppe, deren Zeit ist längst vorbei.

Aber erst mal das Elfmeterschießen gegen Argentinien, Maradonna und den Weltfußballer Messi gewinnen! Leider kommt es dazu gar nicht erst, unsere jungen Helden walzen die Gauchos nach Blitzkriegmanier schon in der regulären Spielzeit 4:0 weg. Löw macht wie immer alles richtig! Fußballsupermegagott Messi hatte vier Ballkontakte, davon drei Fehlpässe. Die Pfeife!

Also Finale Deutschland-Holland, 2:1 durch Müller, wie 1974! Uns kann keiner stoppen! Dummerweise verliert die Multikultitruppe 1:0 gegen Spanien. War doch klar, Löw hat eindeutig die falschen Spieler mitgenommen. Der hat Null Ahnung von Fußball.

Gegen die Urus geht es um die Goldene Ananas. Wir werden WM-Dritter.

In dem Nahkampfantifußballspiel gegen Holland werden die untalentierten Tomatenpflücker, die nicht mal ein Unentschieden gegen die Schweiz holen konnten, Weltmeister.

Eins bleibt als Trost. Deutschland belegte in diesem Turnier einen hervorragenden dritten Platz, während Holland im Finalspiel am 11.Juli bloß Letzter wurde und Spanien Vorletzter.

Was bleibt in Erinnerung?

Noch nie wurde soviel getrötet. Elektronische Hörgeräte sind weltweit ausverkauft. Die WHO rechnet mit rund einer Million ertaubter Südafrikaner. Behandlungskosten soll die EU, also Deutschland übernehmen. Glücklich kann sich derjenige schätzen, der seine Tröte noch hat. Er kann sie umdrehen und als Hörrohr verwenden.

Gut daran taten auch die Trainer, die im Vorfeld der WM auf frisch gepflügten Äckern trainieren ließen, glichen doch die Plätze oft solchen. Von den hochfavoritisierten afrikanischen Mannschaften inklusive Frankreich übersteht nur Ghana mit Ach und Krach die Vorrunde. Den Zuschauern in den Stadien ist das völlig wurst, Hauptsache tröten!

Aber 2014 wird in Brasilien zurück getrötet! Um 4.45 Uhr MEZ.

Lieschen Müller guckt Fußball

Alle reden von dieser Fußball-WM. Da muss ich ja auch mal sehen, was es damit auf sich hat.

Ein Fläschchen Rotwein, eine Schachtel Cognacbohnen, und schon wird es auf der Couch gemütlich. Nanu, die spielen die Nationalhymnen von beiden Mannschaften! Macht man das denn nicht nur bei der Siegerehrung? Egal.
So, Anpfiff. Ist irgendwie langweilig, dass nur zwei verschiedene Trikotarten zur Auswahl standen. Ich glaube aber erkannt zu haben, dass die Weißen und die Blauen jeweils zur gleichen Mannschaft gehören. Und warum schießen die Weißen den Ball immer zu den Blauen und umgekehrt? Seltsam. Aber ihre Schuhe sind totschick!

Frechheit, der Reporter nennt einen Spieler immer Anschiss, so was gehört sich nicht!

Da, nun sind zwei Spieler zusammengestoßen! Einer bleibt liegen und wälzt sich vor Schmerzen. Sieht nach Oberschenkelbruch und Milzriss aus! Schon rennen Leute in bunten Jacken mit einem Koffer auf den Platz, bestimmt alles Notärzte. Dann geht alles ganz schnell. Der berschenkelbruch wird mit etwas Eisspray geheilt, der Milzriss schließt sich derweil von selbst.
Der Spieler humpelt noch dreimal, dann rennt er wieder los. Tolle Ärzte! Wenn ich mal Gallensteine kriege, lasse ich mich nur von denen operieren!

Jetzt ist Anschiss verfault. Ach. Sanchez heißt der und ist gar nicht verfault, sondern wurde gefoult! Ganz schön kompliziert, so ein Fußballspiel! Sein Gegenspieler bekommt eine gelbe Karte zu sehen. Ob das bedeutet, dass er beim nächsten Foul der FDP beitreten muss?

Jetzt pfeift der Schiedsrichter schon wieder. Scheint dem Spaß zu machen. Was? Abszess?

Für die Wunderheiler sicher kein Problem. Ach so, Abseits. Und wo ist da nun der Unterschied? Gibt es bei Jenseits auch Freistoß?

Nun liegt schon wieder einer im Gras und wälzt sich. Von weitem sieht es nach einem glatten Nierendurchschuss aus, aber der blutet gar nicht. Sind schon harte Burschen, diese Fußballer. Und wie schick die ihre Haare haben! Hoffentlich ziehen sie nachher ihre Hemden aus, die haben bestimmt tolle Waschbrettbäuche.

Plötzlich zappelt der Ball im Netz. Tor! Tor! Die blauen Spieler tauschen jede Menge Zärtlichkeiten aus. Sieht verdammt nach einem Gangbang aus. Die Weißen wollen aber nicht mitmachen und stehen ganz bedröppelt daneben. Sind bestimmt gut erzogen. Zum Trost dürfen sie aber den Ball haben. Weiter geht es. Der Ball wird nach vorne gespielt, ein Weißer fällt zu Boden, Schlaganfall, vermute ich mal, denn berührt hat ihn keiner. Der Schiedsrichter entscheidet auf Freistoß. Und was macht der Spieler? Der stößt gar nicht! Der schießt!

Ist denn das gestattet? Tor für die Weißen. Die machen nun ihrerseits einen großen Haufen aus sich selbst. Unentschieden. Na prima, so stand es vor dem Anpfiff auch, da hätten die sich den ganzen Stress sparen können und die Klamotten wären auch sauber geblieben.

Moment, warum haben die Blauen plötzlich zwei Torwächter?

Aha, weil die Flasche Rotwein alle ist. Ich geh dann mal schlafen. Fußball, gut und schön, aber Eiskunstlaufen ist doch irgendwie spannender.

Alltag der deutschen Internationalmannschaft während der WM

8.00 – 9.00 Uhr Wecken durch Jogi Löw mit Küsschen und einer Tasse warmer Milch ans Bett. Für Cacau Kakao.

9.00 – 10.00 Uhr Gemeinsames Nutella-Essen. Dabei von Jogi Löw lernen, was der Seitenwechsel zur Halbzeit für taktische Konsequenzen hat (auf das andere Tor schießen).

10.00 – 11.00 Uhr Ansehen von Torraumszenen Gerd Müllers auf youtube.

11.00 – 12.00 Uhr Entspannungsmassage und gegenseitiges Einreiben mit Jogis Niveabodylotion. Dabei Ausspucken üben.

12.00 – 13.00 Uhr Mittagessen (Spaghetti mit Nutella).

13.00 – 14.00 Uhr Mittagsschlaf für die Spieler. Währenddessen geht Jogi selbstlos mit den Spielerfrauen (wechseln täglich) ein paar Standardsituationen und Stellungen durch.

14.00 – 15.00 Uhr Lockeres Lauftraining im Township (100 m in 4 Sekunden) und Einüben von Schwalben. Gomez erklären, was ein Ball ist.

15.00 – 16.00 Uhr Autogramme für eingeborene Kinder schreiben, wird als karitative Maßnahme abgerechnet.

16.00 – 17.00 Uhr Dehnungsübungen und Torwandschießen. Der Gewinner bekommt ein Glas Nutella. Wer gerade nicht dran ist, studiert per Video die sexuellen Vorlieben des nächsten Gegners.

17.00 – 18.00 Uhr Nochmal tüchtig Ausspucken trainieren. Aber in hohem Bogen! Anschließend einstudieren, wie man nach einem Trikotzupfer sechs Meter weit durch die Luft fliegt und besinnungslos liegen bleibt.

18.00 – 19.00 Uhr Frisör. Wahlweise Gelen, Hairextensions oder Glatze scheren.

19.00 – 20.00 Uhr Abendbrot (Nutella mit Spaghetti).

20.00 – 21.00 Uhr Deutschkurs für die Polen, Bayern, Sachsen, Tunesier, Ghanaer und Türken im Team. Die fünf nicht betroffenen Spieler gehen zur Maniküre.

21.00 – 22.00 Uhr Kollektives Entspannen bei einem Gläschen Prosecco.

22.00 – 23.00 Uhr Taktikschulung am Kickertisch. Demonstration der Abseitsfalle anhand einer Mausefalle.

23.00 Uhr Nachtruhe

23.00 – 8.00 Uhr Gemeinsames Träumen vom Weltmeistertitel. Hände bleiben ÜBER der Bettdecke!

Wochenende

Da im Moment keine Bundesliga im Fernsehen läuft, muss die Bevölkerung anderweitig vom Nachdenken über die Politiker abgehalten werden.

Das Zauberwort heißt Wintersport. Ein TV-Wochenende hat da allerhand zu bieten. Gleich zu Beginn die Lieblingssportart unseres Außenministers: Viererbob.

Vier muskelbepackte Latexfetischisten in hautengen Anzügen stürzen sich mit durch Lustschreie unterlegtem Anlauf in einem gigantischen Joghurtbecher einen engen Eiskanal hinunter. Dann das Finale der Tour de Ski in Val di Fiemme, was auf Deutsch so viel wie Tal di Fiemme heißt.

Alle als Litfasssäulen verkleideten Läufer müssen diesmal nicht wie jeder mental gesunde Mensch bergab, sondern zehn Kilometer bergauf laufen. Und das, obwohl es jede Menge Skilifte gibt. Der deutsche Starter, vorher noch in ausflussreicher dritter Position, hat am Vorabend vielleicht zu lange beim Italiener gesessen und sich an Nudeln überfressen. Jedenfalls kackt er ab. Ein Tscheche gewinnt.

Proteste der norwegischen Mannschaftsleitung wegen erwiesenem Knödeldopings werden abgewiesen. Dann laufen sich die Biathletinnen den Schritt wund und holen sich beim Liegendschießen eine Blasenentzündung. Millionen Fernsehzuschauer fiebern mit. Danach geht es ab nach Norwegen.

Junge Damen in bobfahrerähnlichem Outfit rasen auf Kufen immer linksherum im Kreis. Dass ihnen kalt ist, wird optisch deutlich sichtbar. Der Verbrauch an Tempotaschentüchern steigt enorm (Denken Sie doch, was Sie wollen). Eine Jury überprüft vorher die Anzüge auf Luftdichtheit im Gesäßbereich, damit sich keine Athletin durch gezieltes Abblasen komprimierter Darmwinde einen Antriebsvorteil verschaffen kann.

Eine Läuferin rutscht aus, stürzt und knallt in die Werbebande. Ein gezielter Marketingtrick der Sponsorfirma? Jedenfalls kein Wunder, in der Kurve war nicht gestreut, gegen den verantwortlichen Hallenwart wird ermittelt.

Nun aber zum Skifliegen. Martin Schmidt kann nicht mitmachen, weil er sich seit Jahren im Hungerstreik befindet und sich ausschließlich von Vitamintabletten, chloriertem Leitungswasser und Zahnbelag ernährt. Nun ist er zu schwach. Beim Belastungstest auf seiner Physiotherapeutin ist er reingefallen, äh, durchgefallen. Was auch immer, er ist einfach zu schmal geworden.

Wieder einmal gewinnt ein Österreicher. Muss am (Insider) Sechzehnerblech liegen.

Beim Riesenslalom verliert die im tsetsefliegenabweisenden Zebralook startende Maria Riesch die Orientierung. Die Weltcupführung ist sie los. Speed aufnehmen, nicht einnehmen!

Bei der Rallye Paris-Dakar, die spaßigerweise aus Sicherheitsgründen in Südamerika stattfindet, gibt es die ersten Kollateralschäden. The Show must go on! Wären die togolesischen Fußballer mal lieber auch über Südamerika nach Angola zum Afrikacup gefahren, Aber nein, man muss ja den Helden spielen und durch Angola nach Angola fahren. Prompt wird man von angolanischen Rebellen beschossen. Der Nationaltorwart zeigt sich in Bestform und hält zwei Schüsse, einen mit dem Rücken und einen mit dem Bauch.

Die Notoperation ist gelungen, er wird durchkommen. Für einige andere, die nicht so gut durchtrainiert waren, ging die Sache nicht so glimpflich aus, sondern ganz aus.

Ja, so ein Fernsehsportwochenende hat es in sich.

Hab ich schon erwähnt, dass aufgrund der Klimaerwärmung Deutschland derzeit im Schneechaos versinkt und mehrere Autobahnen gesperrt sind? Der Klimagipfel in Kopenhagen zeigt also bereits Wirkung, unsere Kanzlerin ist mit sich und ihrer Arbeit für das Klima sehr zufrieden!

Der Straßenwinterdienst zeigt sich hingegen entsetzt. Dass es im Januar schneien würde, damit konnte doch nun wirklich keiner rechnen! Wo doch die Experten hochsommerliche Temperaturen vorausgesagt hatten wegen des ganzen Kohlendioxids und Kuhgepupses.

Ab Montag dann wieder normale Nachrichten, also Bombenanschläge, Terroristen und Selbstmordattentäter, eben wie immer.

Die nächsten Geschichten kommen Anfang Februar, bis dahin viel Spaß beim Nachdenken!

Beijing 2008

Aus, aus, aus, es ist aus!

Die Olympischen Spiele von Peking sind Geschichte.
China hat seine absolute Überlegenheit auf biochemisch-pharmakologischem Gebiet bewiesen.
Aber auch die deutsche Mannschaft hat Moral gezeigt und sich prächtig geschlagen!
Neben dem alles überragenden Schwimmstar Britta Steffen, die mittlerweile den Ehrennamen Pekingente trägt, ist es einigen anderen deutschen Schwimmern gelungen, die Vorläufe zu überstehen. Dass die deutschen Schwimmer in ausgezeichneter Verfassung waren, beweist allein der Umstand, dass niemand ertrunken ist. Respekt! Die meisten Siege holte sich ein Amerikaner namens Phelps. Seine Leistung gibt allerdings Rätsel auf. Deuten verräterische Blasenspuren im Becken auf einen Pressluftdüsenantrieb hin?

Fragen über Fragen.

Unsere glorreiche Boxstaffel, die aus einem Usbeken, einem Tataren, einem Kirgisen und einem arbeitslosen Ziegenhirt aus der Wüste Karakum bestand, hat sich wacker geschlagen. Zwar alle im ersten Kampf ausgeschieden, aber es ist ihnen gelungen, ihre übermächtigen Gegner aus solch Boxnationen wie Tunesien oder den Malediven eine Male zu treffen!
Das ringt Achtung ab! Ja, und auch unsere Ringer waren mit von der Partie und bewiesen Sportsgeist, indem sie ihren Gegnern nicht wehtaten, sondern sie beim Aufwärmen unterstützten. Ein ähnliches Ansinnen verfolgten unsere Ruderer. Viele von ihnen meldeten sich freiwillig für den letzten Platz. Eine noble Geste!
Pech allerdings im Reiten. Ein Pferd frisst eine Dose Chillischoten und wird disqualifiziert!
Auch im Turnen lief es nur mittelmäßig, da unsere Spitzensportler andauernd hinfielen oder von den Klettergerüsten purzelten.
Unsere Leichtathleten präsentierten sich hingegen in Bestform und holten sensationell eine Bronzemedaille!
Wie immer wurden die Mittel- und Langstrecken von unseren Freunden aus Afrika dominiert. Kein Wunder bei den ganzen Löwen und Leoparden, die es da gibt, da ist man Weglaufen eben gewohnt.
Abschließend ist festzustellen, dass das chinesische Volk sehr unsportlich ist. Mit 1,3 Milliarden Einwohner lächerliche 100 Medaillen zu gewinnen, ist mehr als erbärmlich.
China benötigt also 13 Millionen Einwohner, um eine Medaille zu gewinnen. Pah!
Den USA genügen dazu 2,7 Millionen, Deutschland 2 Millionen und Tadschikistan gerade mal eine Million Einwohner.
In Pingpong sind die Chinesen aber Spitze. Und im Turnen erst! Die Fachwelt staunte Bauklötzer: Die chinesischen Turnerinnen hatten sogar schon Zähne!
Sportlicher Höhepunkt der Spiele waren ohne Zweifel die Wettkämpfe in Unrhythmischer Sportgymnastik. Dies konnte nicht einmal durch das Mannschaftsasynchronschwimmen getoppt werden. Um die Attraktivität der Spiele weiter zu steigern, werden die Hockeydamen und Beachvolleyballerinnen ab sofort nackt auf den Spielstätten erscheinen.
Dazu sind ab London 2012 Serviettenwettfalten, Serviettenkunstfalten, Serviettensynchronfalten sowie Kirschkernweitspucken olympisch.
Gerade für die letztgenannte Disziplin erhofft sich das NOK reichen Medaillensegen, können wir doch die amtierende Weltmeisterin Adrunatse Schirigutatse aus Köln entsenden! Wünschen wir dem sympathischen Mädel viel Erfolg!

China - eine gute Wahl

Die Olympischen Spiele werden ein voller Erfolg!
Wie aus chinesischen Regierungskreisen verlautbar wurde, dürfen die internationalen Sportreporter einen Internetanschluss in Peking benutzen.
Einen.
Nacheinander in alphabetischer Reihenfolge.
Noch eine gute Nachricht.
80 Millionen Marinesoldaten kamen zum Einsatz und befreiten Ruder- und Segelrevier sowie das olympische Schwimmbecken von Killeralgen.
Nachdem den bereits im Olympischen Dorf eingetroffenen Athleten versehentlich zu Mittag
Dackelwelpen in Ingwersauce serviert wurde, reagierte die chinesische Regierung prompt und strich für die Zeit der Spiele Hunde, Katzen und tibetanische Säuglinge in den Restaurants der Pekinger Innenstadt von den Speisekarten.
Auf den Protest von einigen Gefühlsduselhumanisten beschränkt die chinesische Justiz die Massenhinrichtungen im Olympischen Zentralstadion auf die Mittagspause, so dass die Wettkämpfe davon nicht berührt werden.
Als weitere Sicherheitsmaßnahme ist die Masse der Pekinger Taschendiebe bereits im Vorfeld exekutiert worden.
Einiges Aufsehen erregte eine Pressekonferenz mit den chinesischen Gewichtheberinnen, die mit Brustbehaarung und Vollbärten zum Interview erschienen.
Das läge mitnichten an einer Hormonbehandlung, sondern käme von einer ausgewogenen Ernährung und vom Kauen an einer Ginsengwurzel, wiegelte der chinesische Sportminister ab.
Erwähnenswert wäre noch der größte Teilnehmer der Spiele.
Es handelt sich um einen chinesischen Basketballspieler, der anschließend auch noch bei den Paralympics teilnehmen wird.
Er hat eine Körpergröße von 2,36 Metern, eine Flügelspannweite von 3,19 Metern und Schuhgröße 112.
Problematisch dürfte das Hürdenlaufen werden. Bei Trainingseinheiten gab es mehrere schwere Stürze, da die Hürden immer erst im letzten Augenblick aus dem dichten Smog auftauchten und die Sportler nicht mehr rechtzeitig abspringen konnten.
Auf die bange Frage einiger Journalisten, ob für Langstreckenläufe die Luft nicht zu schlecht wäre, entgegnete der chinesische Sportminister, dass der Sauerstoffgehalt der Luft immer noch deutlich über zehn Prozent läge und es jedem Sportler frei stände, ein Atemschutzgerät zu benutzen. Aufkommende Gerüchte, chinesische Athleten hätten monatelang in einer Gaskammer trainiert, dementierte er auf das Schärfste.
Somit sehen wir fairen und interessanten Spielen entgegen.

EM 2008

Endlich ist es soweit.
Die Europameisterschaft beginnt
Favoriten sind ganz klar Italien, Frankreich, Deutschland und England.
Ach, die spielen ja gar nicht mit.
Geheimfavoriten sind die Türkei und die junge hungrige russische Mannschaft.
Die Schweiz verliert gleich am Anfang gegen starke Tschechen.
Tschechien ist jetzt ein ganz heißer Titelkandidat.
Ebenso Kroatien, die den anderen Gastgeber mit 1:0 förmlich vom Platz fegen.
Portugal haut in beeindruckender Manier die Türken weg und wird mit zum klaren Titelaspiranten.
Ein polnisches Revolverblatt fordert die Köpfe von Ballack und Löw.
Diesmal werden die Polen gewinnen.
Deutschland gewinnt deutlich mit 2:0 gegen Polen.
Deutschland wird Europameister, ist doch klar!
Die Holländer überrollen die Italiener mit 3:0 und die Franzosen mit 4:1.
Wer soll diese wie entfesselt aufspielenden Holländer stoppen?
Wohl keiner.
Spanien wird durch ein 4:1 gegen die Russen Titelaspirant.
Portugal schlägt auch die Tschechen.
Wer kann die Portugiesen stoppen?
Wohl keiner.
Deutschland verliert gegen starke Kroaten.
Aus der Traum vom Viertelfinale.
Schweden schlägt den amtierenden Titelverteidiger Griechenland.
Mit ihnen wird zu rechnen sein, das weiß die Expertenwelt.
Das schaffen aber dummerweise auch Russland und Spanien.
Italien erwacht und gewinnt gegen Frankreich. Jetzt sind sie im Turnier und werden hundertprozentig den Titel holen.
Nein, Deutschland gewinnt gegen die beinharten Profis aus Österreich klar mit 1:0 und steht im Viertelfinale!
Aber da geht es gegen die Portugiesen. Alle Experten sind sich einig, das wird das Aus.
Wird es nicht. Deutschland gewinnt und steht im Halbfinale. Die beste Mannschaft des Turniers ist ausgeschieden!
Kroatien gegen Türkei. Außer den Türken gibt niemand auch nur einen Pfifferling auf die Türken.
Zum Entsetzen der Experten gewinnt die Türkei.
Die spielstärkste Mannschaft muss nach Hause fahren.
Holland gegen Russland.
Den Experten tun die Russen schon vorher Leid, hoffentlich verlieren sie nicht zweistellig gegen den Topfavoriten Holland.
Tun sie nicht, sondern sie gewinnen.
Die mit Abstand spielstärkste Mannschaft muss nach Hause fahren.
Gegen den Topfavoriten Italien hat Spanien keine Chance, Fachleute wissen das.
Erstaunlich, dass Spanien trotzdem gewinnt.
Aus den beiden Geheimfavoriten sind Geh – heim – Favoriten geworden.
Der Weltmeister muss nach Hause fahren.
Nun muss Deutschland gegen die Türken ran.
Den Türken stehen wegen etlicher Gelbsperren und Verletzungen nur noch fünf gesunde Spieler zur Verfügung.
Ersatztorwart, Trainer und Physiotherapeuten sowie die Putzfrau der Umkleidekabine werden mit aufgestellt.
Trotzdem ringt Deutschland die Türkei deutlich mit 3:2 nieder.
Finale! Deutschland wird Europameister!
Wer ist der Gegner? Die Spanier wohl kaum.
Die Russen sind in den letzten Spielen förmlich über sich hinaus gewachsen.
Und noch mal so wie in der Vorrunde 1:4 zu verlieren, das passiert dem jungen und hungrigen russischen Team, das vom besten Trainer der Welt trainiert wird, sicher nicht.
Jeder, der von Fußball auch nur ein Fünkchen versteht, weiß das.
Da liegt die Fachwelt genau richtig, denn sie verlieren nicht 1:4, sondern 0:3.
Die spielstärkste Mannschaft des Turniers tritt die Heimreise an.
Hätten sie vor dem Spiel mal lieber was gegessen.
Finale Deutschland – Spanien.
Es wird ein schweres Spiel, aber Spanien? Pah!
Ballack beißt auf die Zähne und spielt mit einem völlig zerfetzten Unterschenkel. Im Spiel zieht er sich noch einen doppelten Schädelbasisbruch und schwere Fleischwunden im Gesicht zu, aber die heilenden Hände von Dr. Müller-Wohlfahrtsamt regeln das in wenigen Minuten. Trotzdem spielt Ballack von diesem Moment an ziemlich komatös. Frings spielt, obwohl ihm einige Rippen in der Lunge stecken.
In den ersten acht Minuten ist Deutschland drückend überlegen. Aber was soll man machen, wenn der Schiedsrichter Rosetti heißt?
Lahm büßt einen Fuß ein und wird durch Jansen ersetzt. Da führen die Spanier aber schon verdient mit 1:0.
Jogi Löw wechselt Kuranyi und Gomez ein und bringt Deutschland damit um die letzte Siegchance.
Aus, Spanien ist Europameister.
Die Finalniederlage wird den deutschen Spielern mit 150 000 Euro pro Nase versüßt.
Viel ist das ja nicht, ein Notarzt müsste dafür circa 1237 Menschenleben retten oder ein HartzIV-Empfänger gefühlte 213 Jahre lang jeden Tag Talk-Shows auf RTL gucken. Selbst Schuld, hätten ja auch Profifußballer werden können.

Letzte Woche in der Universitätsfrauenklinik

Etwas unsicher betritt Mathematikstudent Tobias K. das Wartezimmer der Abteilung für unerfüllten Kinderwunsch. Vier Ehepaare blicken interessiert zu ihm auf. Tobias K. räuspert sich verlegen und geht zum Anmeldetresen, hinter dem eine beleibte Frau um die Dreißig in Schwesterntracht sitzt.
Bevor er etwas sagen kann, eröffnet die sie das Gespräch. "Na, mein Junge, hast du dich verlaufen? Tripper wird in der Hautklinik behandelt!" Tobias K. tritt verlegen von einem Bein auf das andere.
"Nein, ich bin wegen der Samenspende hier", presst er leise hervor. Nicht leise genug, denn vier weibliche Augenpaare heften sich begehrlich auf seinen knackigen Hintern, während vier Männer verächtlich die Lippen schürzen. "Aha, ich bin Schwester Erika. Machen Sie das zum ersten Mal?"
"Sie meinen, Samen spenden? Ja, das erste Mal", entgegnet Tobias K. schüchtern. "So, dann werde ich Ihnen das mal erklären!", sagt Schwester Erika und drückt dem verblüfften Erstspender ein Reagenzglas und ein paar Papiertaschentücher in die Hand.
"Damit gehen Sie da durch diese Tür, schließen von innen ab, holen sich einen, na Sie wissen schon, und bringen mir dann das Glas zurück", weist sie ihn einfühlsam ein.
Tobias nickt und geht in Richtung der ihm gezeigten Tür. Acht Augenpaare verfolgen ihn, wenn auch aus unterschiedlichen Beweggründen. So, den Schlüssel herumdrehen. Und jetzt? Tobias ist unsicher. Ihm ist schon klar, was jetzt von ihm erwartet wird. Wenn er nur nicht so kalte Hände hätte! Es war eine Scheißidee, mit dem Motorrad zu kommen. Aber langsam regt sich was. Sein Blick richtet sich starr auf das Foto von Marylin Monroe. Die ist doch schon lange tot, kommt es ihm plötzlich in den Sinn. Na prima, jetzt kann er wieder von vorn anfangen. Erste Schweißperlen bilden sich auf seiner Stirn. Tobias gibt alles. Die Schwester hat gar nichts von einem Zeitlimit gesagt! Tobias, konzentrier dich! Sein Atem geht jetzt schneller, vielleicht aber auch nur aus Versagensangst. Die Öffnung des Reagenzglases scheint ihn höhnisch anzugrinsen. Was mögen wohl die vier kinderlosen Ehepaare, nur durch eine Pappwand von ihm getrennt, gerade denken? Nicht ablenken lassen!
Wie war das noch in dem Porno, den er sich gestern angesehen hatte? Mann, da ging die Post ab! Tobias fühlt, dass bei ihm die Post auch gleich abgehen würde. Er konzentriert sich auf den Endspurt. Ja, noch ein wenig! Jetzt! Im Nebenzimmer bohrt ein Handwerker mit einer Schlagbohrmaschine ein Loch für einen Dübel in die Wand. Na prima, daneben! Zum Glück hat er die Taschentücher. Alles umsonst, so eine Scheiße! Hilft alles nix, er muss noch mal ran. Zum Glück sind seine Hände jetzt warm. Tobias gibt alles. Einen Wadenkrampf ignoriert er tapfer. Da bullert es an der Tür und er hört Schwester Erikas Stimme:
"Na, Junge, eingeschlafen? Die Herrschaften hier haben nicht ewig Zeit!" Das war sein Todesurteil. Tobias und sein bestes Stück sind sich einig, das Unterfangen abzublasen. Er zieht die Hose hoch, öffnet die Tür, geht an den erwartungsvoll blickenden Paaren vorbei zum Tresen und reicht Schwester Erika das Röhrchen. Sie hält es schräg gegen das Licht, stutzt und sagt:
"Was, nichts drin? Abteilung für Impotenz eine Treppe höher." Damit ist ihre Konversation mit Erstsamenspender Tobias K. beendet. Die Jugend von heute, nur noch Schlappschwänze, denkt sie grinsend. Da wird also der Oberarzt mal wieder persönlich ran müssen. Und sie würde wie immer tatkräftig assistieren.

Fahrrad

Radeln ist ja so gesund. Besonders, wenn man sich in kakelbunten hautengen Trikots mit Tempo Neunzig im Rudel so richtig auf die Fresse packt. Die Tour le France hat es wieder einmal gezeigt. Bereits nach der Hälfte des Rennens haben die Tourärzte mehr Mullbinden verwickelt als die Sanitäter bei der Schlacht von Verdun. Die Rennfahrer sollten vorher vielleicht mal das Radfahren üben oder mit Stützrädern fahren. Oder ist da etwa Alkohol im Spiel? Oder gar Drogen?
In einem Interview befragt, warum bei Radrennen im Durchschnitt alle fünf Minuten einer hinfliegt, erklärt der Profi Luigi Spirelli, warum er so oft mit dem Asphalt Bekanntschaft macht:
„Stimmt, wir stürzen viel. Uns fehlt eben die Übung. Wann soll ich denn aber auch trainieren? Kaum bin ich gegen zehn wach, bekomme ich vom Mannschaftsarzt ein paar Infusionen und meine Morgentestosteronspritze. Soll ich etwa mit einen Tropfständer und einem Hormonständer auf öffentlichen Straßen fahren? Kaum ist der Hormonständer vom Masseur wieder in Normalposition gebracht, gibt es Mittag. Das besteht aus zwei Litern Eigenblut, einem Liter Eigenurin und vier Pfund Spaghetti mit Stierhodenextrakt. Nach der Mittagsruhe ist es Zeit, etwas für meine Beinmuskulatur zu tun. Darum muss ich mich ohne zu denken, ohne zu lenken und ohne Hose auf ein Ergometer setzen und strampeln. Ohne Hose deshalb, weil so der Arzt mir jederzeit Hormonspritzen und Aufbauzäpfchen verabreichen kann. Auch kann so besser Eigenurin entnommen werden. Nach dem Training bekomme ich ein paar Infusionen, die verhindern, dass ich bei einem Dopingtest auffalle. Schnell noch etwas Eigenblut mit Steroiden und Eigenhodenextrakt und dann muss ich auch schon ins Bett. Wann soll ich da wohl bittschön das Fahren üben?“
Jetzt ist klar, warum unser Ulle keinen Bock mehr aufs Radfahren hat. Das ist doch kein Leben! Und wofür? Einmal hat er aber doch gewonnen!
Aber nur, weil Armstrong zum Frühstück vergammeltes Hackepeter gegessen hatte und die Scheißerei bekam. Über den wird ja auch viel haltloses Zeug geschrieben. Dabei hat sich der Amerikaner im gelben Hemd zuvor sogar die Eier abschneiden und mit einer Trällertrulla trauen lassen, um über jeden Dopingverdacht erhaben zu sein. Wirken tut das Hormonzeug aber prächtig. Winokurow musste bei seinem überlegenen Zeitfahrsieg sogar zwei mal anhalten und sich einen runterholen. Ulle kann ein Lied davon singen. Macht er aber nicht.
Ulle hatte einfach von Hormonen und Eigenurin die Schnauze voll. Wie ein Fleisch gewordenes Werbeplakat mit spindeldürren Ärmchen an den Lenker geklammert drei Wochen lang jeden Tag zweihundert Kilometer bergauf und bergab zu fahren, das ist für Schließmuskel und Prostata kein Zuckerschlecken! Außerdem ist der ehemalige Tour- und Olympiasieger bekanntermaßen seit Kindesbeinen schwerstens asthmakrank und braucht eben ständig viele Medikamente. Das sieht wohl auch der hartnäckigste Dopingfahnder ein.
Der gebürtige Mecklenburger fühlt sich unverstanden, denkt an seine angeschlagene Gesundheit, zieht sich lieber ins Schweizer Asyl zurück, lächelt bescheiden über alle Vorwürfe in die klare Bergluft und verfolgt die Tour im Fernsehen. Falls es noch einen Sender gibt, der diesen Quatsch überträgt. Wenn nicht, lesen Sie in der Apothekenrundschau nach.

Schifoan

Ächzend zog sich Kai-Uwe Koslowski einarmig an der Stange hoch, die über seinem Bett montiert war. So konnte die polnische Krankenpflegerin, die so ähnlich hieß wie die vierte Zeile eines Sehtestes, den vollen Schieber unter ihm heraus ziehen.
Sie rubbelte noch ein wenig mit Zellstoff zwischen seinen Beinen, sagte „Dobrsche“ und verließ das Krankenzimmer. Mann, war ihm das peinlich!

Angefangen hatte alles, als Gabi auf die Idee kam, mal in Österreich Ski zu fahren.
Er hatte sich lange dagegen gesträubt, schließlich aber nachgegeben.
Zunächst ging alles gut, wenn man mal davon absah, dass Gabi auf dem Klo einer Tankstelle ihren Verlobungsring vergaß. Nach nur neun Stunden Autofahrt hatten sie den kleinen Ferienort in den Alpen erreicht und Quartier in einer kleinen Pension bezogen.
Den Abend verbrachte Kai-Uwe allein vor dem Fernseher, denn Gabi war nach ihrer Aussage für alles zu müde. Und das, obwohl sie ab Bielefeld gepennt hatte.
Der Morgen begrüßte sie mit strahlendem Sonnenschein. Also ab auf die Piste.
Gabis Ansinnen, einen Skilehrer zu engagieren, lehnte Kai-Uwe brüsk ab.
Reine Geldschneiderei, sagte er. Während Gabi mit ihrem überaus charmanten Skilehrer an einem kleinen Hang das gekonnte Imschneeaufdenpofallen übte, begab sich Kai-Uwe zum Sessellift.
Nach zwei Stunden Anstehen hatte er den Eindruck, dass die Temperatur seiner Füße nur noch unwesentlich über dem absoluten Nullpunkt lag. Dann war er an der Reihe.
Der Lift ruckte, Kai-Uwe strauchelte, bekam den Sitzkorb auf´s Kreuzbein gedroschen und flog der Länge nach in den Schnee. Zumindest habe ich die Lacher auf meiner Seite, dachte er, als er mühsam und unter etlichen Verrenkungen wieder in Normalposition kam.
Später würde er Gabi fragen, was „Dr depperte Piefke is uf d´Goschn gflogn!“ auf Deutsch heißt. Viel Zeit zum Nachdenken blieb ihm nicht, denn der nächste Sessel näherte sich bedrohlich rasch. Diesmal passte er besser auf und erwischte ihn perfekt, wenn man mal von dem Umstand absah, dass er dabei den linken Skistock und seinen Strickpudel einbüßte.
Egal, dachte er, Skispringer haben auch keine Stöcke! Dann genoss er die Fahrt nach oben. Obwohl er beim Aussteigen eine etwas komische Figur abgab, stand er sicher auf beiden Beinen und blickte den Abhang hinunter. Ihm stockte der Atem!
Hoppla, dachte er, da soll ich runterfahren?
Sein Ableben hatte er eigentlich für einen etwas späteren Zeitpunkt geplant, schließlich wollten Gabi und er im Sommer heiraten. Ratlos sah er sich nach anderen Verrückten und Selbstmördern um. An einer Bratwurstbude standen ein paar Leute und prosteten ihm lachend zu. Er winkte erleichtert zurück, schnallte die Ski ab und trat näher. Ein verlockender Geruch drang in seine Nase und so nahm das Unheil seinen Lauf. Die erste Abfahrt seines Lebens überstand er kurz nach Einbruch der Dunkelheit sturzbetrunken, aber unverletzt in einem Schneemobil der Pistenwacht. Glücklicherweise fanden die netten Männer in seiner Tasche den Zimmerschlüssel der Pension, so dass Kai-Uwe zielgerichtet bei Gabi abgeliefert werden konnte.
Den nächsten Tag verbrachte er allein im Bett, wenn man mal von der Gesellschaft etlicher Aspirintabletten und mehrerer Liter Mineralwasser absah.
Gabi war scheinbar gar nicht böse auf ihn. Sie hätte dann abends noch einen Privattermin bei ihrem Skilehrer Giovanni, der ihr in seinem Zimmer noch mal genau den richtigen Hüftschwung erklären wolle. Kai-Uwe nahm es gelassen hin und versuchte missmutig im Badezimmerspiegel sein geprelltes Hinterteil zu beäugen.
Als Gabi um Mitternacht immer noch nicht zurück war, trank er unter leichten Zweifeln verkrampft ein paar Flaschen Bier und schlief ein.
Am nächsten Morgen berichtete ihm Gabi ausgelassen, dass sie heute mit Giovanni eine erste Abfahrt vom ganz oben unternehmen würde. So langsam war ihm dieser Halbitaliener nicht mehr ganz geheuer und so beschloss er, die beiden zu begleiten. Der Lift stellte kein Problem mehr für ihn dar. Er würde es Gabi und diesem aufgeblasenen Gockel schon zeigen!
Mit gerunzelter Stirn beobachtete er, wie seine Verlobte zwar noch etwas unsicher, aber durchaus sportlich den Hang hinunter wedelte. Der Pistencasanova wich natürlich nicht von ihrer Seite.
Kai-Uwe kniff die Lippen zusammen, atmete tief ein, gab sich einen Ruck und begann die Abfahrt.
Geht eigentlich ganz gut, dachte er. Wenn es nur nicht so schnell ginge! Ooooohhh!
Zu seinem Entsetzen bemerkte er, dass seine Geschwindigkeit rasant zunahm! Er wurde zum Spielball der Hangabtriebskraft.
Er ruderte wild mit den Armen, was sich auf seine Gesamtstabilität nur bedingt positiv auswirkte. Er musste zudem feststellen, dass auch die Fahrtrichtung keinesfalls seinen Erwartungen entsprach. Jetzt wurde der Abhang deutlich steiler. Kurz bevor Kai-Uwe die Schallmauer durchbrach, entrang sich seiner Brust ein animalischer Schrei. „Baaaaaa ...“
„Bahn frei!“ hatte er rufen wollen, aber das hätte die alte Fichte nur unwesentlich beeindruckt. Das Letzte was er sah, war sein rechter Ski, der herrenlos den Abhang herunter segelte, und ein Stück Baumrinde. Dann wurde es Nacht um Kai-Uwe.

Plötzlich war gleißende Helle in seinen Augen und er hörte Stimmengemurmel.
In seinem Kopf spielte ein Kobold mit einem Schmiedehammer den ersten Satz von Beethovens Schicksalssinfonie und über seine Beine ratterte ein Güterzug.
Plötzlich verschwand das Licht und ein bärtiges Männergesicht erschien.
Petrus! Ich bin im Himmel, dachte Kai-Uwe.
„Herr Koslowski?“
Hatte er eben seinen Namen gehört? Woher wusste Petrus, wie er hieß?
„Hallo, Herr Koslowski, können Sie mich hören?“
Würde ihn Petrus nicht einfach beim Vornamen nennen. Und wer war überhaupt dieser Koslowski?
„Können Sie die Augen wieder öffnen?“
Hatte er die denn geschlossen? Tatsächlich! Unter unsäglicher Anstrengung hob Kai-Uwe wieder die Lider. Petrus war immer noch da und tätschelte ihm leicht die Wange.
„Haben Sie Schmerzen?“, fragte Petrus.
Schmerzen? Sein ganzer Körper tat ihm weh, ausgenommen Kopf, Bauch, beide Beine und die linke Schulter. Die taten furchtbar weh.
„Sie hatten einen Skiunfall, Herr Koslowski, und lagen einen Monat im Koma. Sie befinden sich auf der Intensivstation des Marienhospitals!“
Kai-Uwe war klar, dass eine Klinik im Himmel nicht schnöde „Städtisches Krankenhaus Wuppertal“ heißen konnte, sondern malerisch Marienhospital. Die gute Mutter Maria!
Aber warum konnte er sich nicht bewegen? Er versuchte zu sprechen, aber nur ein Krächzen kam aus seinem Hals. Mit der Stimme würde er sich beim Hosiannasingen ganz schön blamieren!
„Ganz ruhig, Herr Koslowski. Ich bin Doktor Petronka und habe Sie operiert.“
Wieso hatte der liebe Gott bloß einen Doktortitel? Müsste der nicht eigentlich Professor sein?
Kai-Uwe versuchte, seine Gedanken zu ordnen. Wenn das gar nicht der liebe Gott war, wer zum Teufel war dieser Kerl? Kai-Uwe erschrak und dachte, dass es wohl nicht angebracht sei, im Himmel zu fluchen. Er versuchte erneut zu sprechen. Mühsam brachte er „Was ist mit mir?“ heraus. Der bärtige Mann zählte jetzt Kai-Uwes Verletzungen auf. Die meisten Gefallenen des Zweiten Weltkrieges wären dagegen als „Leicht verletzt“ eingestuft worden. Kai-Uwe traute seinen Ohren kaum. Schwere Gehirnerschütterung, Milzriss, Nierenbluten, linke Schulter gesplittert, Oberschenkeltrümmerbruch rechts, Kreuzbandriss links, Beckenprellung, eingedrücktes Nasenbein, drei erfrorene Zehen und diverse Blessuren harmloserer Natur. Die Milz sei raus, aber der Rest würde so nach und nach schon wieder, meinte der bärtige Doktor.
Eine schlechte Nachricht hätte er allerdings. Da Kai-Uwe die nächsten acht Wochen das Bett hüten müsse, würde er der Einladung zur Hochzeit, die ein gewisses Fräulein Gabi Obermeier und ein Herr Giovanni Primabelli ihm letzte Woche telefonisch zukommen ließen, nicht Folge leisten können. Bevor sich eine gnädige Ohnmacht Kai-Uwes bemächtigte, beschloss er, morgen den lieben Gott zu bitten, die globale Erwärmung deutlich zu beschleunigen, alle Berge dieser Welt einzuebnen und Gabi Obermeier eine dicke Warze auf der Nase wachsen zu lassen.

Neulich im Stadion

Schiedsrichter Müller pfeift die Partie an.
Lasse Abström passt zu Kim Dong Su, der wiederum geschickt auf Schitscheritscheswili abprallen lässt. Schitscheritscheswili umspielt den heranstürmenden Babalu, lässt auch noch Karussellewski ins Leere laufen, wird dann aber von Tombabomba rüde von den Beinen geholt. Freistoß! Südfrüchte werden auf das Spielfeld geworfen. Abdel Faraduk legt sich den Ball zurecht, nimmt Anlauf und drischt den Ball auf das gegnerische Tor. Der Torhüter ist schon geschlagen, aber Pawel Labanza rettet auf der Linie. Der Konter läuft über Chin Zano und Kikogato. Wegen seiner dunklen Hautfarbe ist er gegen die tiefstehende Sonne nur schwer auszumachen. Er dribbelt über das halbe Spielfeld und kommt in Schussposition! Doch auf den Libero ist Verlass! Luigi Spaghetto trennt ihn fair vom Ball. Eierteigwaren werden auf den Platz geworfen. Der Spieler mit der Rückennummer Sieben, es ist der junge Tomasch Tomatoschwili, humpelt. Er scheint sich ohne gegnerische Einwirkung eine Zerrung zugezogen zu haben. Er wird gegen den zuletzt stark aufspielenden Finnen Kari Hantilainen ausgewechselt. Was ist das? Kari Hantilainen schnappt sich das Leder, lässt mit einer Körperdrehung Mc Dolby und Abdel Surround aussteigen. Wegen seiner hellen Hautfarbe ist er gegen die tiefstehende Sonne nur schwer auszumachen. Jetzt müsste er schießen! Hantilainen schießt! Tor!Tor!
Es steht 1:0 für die Hausherren. Vereinzelt fliegen Reiskörner auf den Rasen.
Die führende Mannschaft hat sich in ihre eigene Hälfte zurück gezogen. Der Gegner erarbeitet sich Chance um Chance. Das geht nicht lange gut! Da, sage ich es nicht? Van Bimmelen kommt im Strafraum zu Fall! Es gibt Elfmeter. Behält der erfahrene Bartholomeus Bumbululu im Kasten der Gastgeber die Nerven? Er ahnt die richtige Ecke, aber der Ball war von Raduvenscu zu scharf und platziert getreten. Außerdem war der Ball wegen seiner Hautfarbe gegen die tiefstehende Sonne für den Torwart nur schwer auszumachen. Nürnberger Lebkuchen wird auf das Spielfeld geworfen. Mit dem Unentschieden geht es in die Kabinen.
Zweite Halbzeit. Der Gast hat Anstoß. Kurukowski, der für den angeschlagenen Karambolowitsch ins spiel gekommen ist, flankt zu Sancho Punsa. Punsa hat das Leder, kommt gefährlich in Strafraumnähe, wird aber in letzter Sekunde von Kamschatkarinski mit einer Blutwurstgrätsche von den Stollen geholt. Knochensplitter fliegen durch die Luft. Kamschatkarinski erhält die gelbe Karte. Und er meckert, liebe Zuschauer, er meckert und sieht prompt die rote Karte hinterher. Die Gäste ab der 75. Minute in Unterzahl.
Die Hausherren verstärken ihre Bemühungen, den Führungstreffer zu erzielen. Richardinio mit Doppelpass zu Juri Formosa, der mit dem Hacken weiter zu Lamentironow. Klasse gespielt, meine Damen und Herren! Sie lassen den Ball jetzt geschickt in den eigenen Reihen laufen, ohne den Zug zum Tor zu verlieren. Aber langsam läuft ihnen die Zeit davon.
Nur noch wenige Minuten trennen die Gäste von ihrem ersten Auswärtspunkt.
Noch mal Labanza. Labanza setzt sich auf der rechten Außenbahn gegen Kukuruzzi durch, lässt auch noch Popow stehen und flankt nach innen zu Bongo Bomboro. Der hält nur noch den Kopf hin und es steht 2:1 für die Gastgeber. Käsewürfel und Rasendünger werden auf das Spielfeld geworfen.
Müller pfeift ab. Zum Interview begrüßen wir den Kapitän der Gäste Mingh Dao Bum. „Herr Bum, wie nahe waren Sie einem Auswärtspunkt?“ „Ming tsichi, pango dao kiatschong ...“ „Danke, Herr Peng, äh, Bum.“
Und hier haben wir noch unseren Abwehrchef am Mikrofon. „War der Sieg gerechtfertigt?“
„Icke nixe zuld an tor gegenriges. Habba imma sagt, mussa aufpass, wenna Ball da. Aba nixs zlimme, Tre pünktjes sinna wichtig.“ Vielen Dank!“ Liebe Zuschauer, damit schlägt München Berlin mit 2:1 und baut somit seinen Vorsprung auf die Schalker Knappen aus Gelsenkirchen, die durch einen Patzer ihres Keepers Van den Gouda in letzter Minute den Ausgleich kassieren mussten, auf drei Zähler aus und liegt im Championat de football Allemande vorn.

Wintersport

Wenn die grüne Langeweile plagt, bleibt immer noch das Fernsehen.
Doch bald ist selbst der geistig Minderbemittelte müde, in Talkshows geistig noch Minderbemittelten beim Streiten über Themen wie „Hilfe, meine Frau erwartet ein Kind von ihrer Schwägerin!“, „Mit 20 noch Bettnässer!“ oder „Gestehe, dass du den Staubsauger mehr liebst als mich!“ zuzuschauen. Sind auch bei den Gerichtsshows alle spektakulären Fälle gelöst und davongeschwommen, dann bleibt nur noch der Sport. Und den lässt Vater Staat sich etwas kosten! Nur, damit der kleine Mann beschäftigt ist, schön die Klappe hält und nicht auf den dummen Gedanken kommt, die Französische Revolution noch einmal zu rekonstruieren. Im Winter bietet sich Wintersport förmlich an. Wenn kein Schnee liegt, auch egal. Der wird künstlich hergestellt.
Und während sich der zahlende Zuschauer an den Hängen, Pisten und Loipen bei 12 Grad plus ein kaltes Bier schmecken lässt, drehen die Kleindarsteller tapfer ihre Runden.
Beim Biathlon wird tagein, tagaus mit abartig gespreizten Beinen durch den nicht verschneiten Wald gestapft, das Gewehr geschultert wie Daniel Boone. Nun sorgt diese eigentümliche Art der Fortbewegung sicher für eine Beckenbodenmuskulatur von der Konsistenz eines Melkschemels, aber schön ist etwas anderes. Haben dann die Damen und Herren ihre Treffsicherheit unter Beweis gestellt, brechen sie hinter der Ziellinie keuchend zusammen wie nach einem Blattschuss. Die schleimverschmierten Gesichter bezeugen, dass sie wieder das Letzte aus sich heraus geholt haben.
Oder nehmen wir Skispringen unter die Lupe. Bereits im zarten Kindesalter durch hartes Training jeglichen Selbsterhaltungstriebes entledigt, stürzen sich halb verhungerte Gestalten hohlwangig einen Berg hinunter. Die Hangabtriebskraft und die tragflächenartigen Monsterbretter besorgen den Rest. Bei der Landung wird mit einem anmutigen Ausfallschritt versucht, den Kampfrichtern hohe Haltungsnoten zu entlocken. Die Hauptfeinde des Skispringens sind Schnee, Wind und das Wetter im Allgemeinen.
Wintersport sollte überhaupt nur noch in der Halle stattfinden. Die Eishockeyspieler haben das längst begriffen. Seit Jahrzehnten stürzen sich die bis an die wenigen verbliebenen Zähne bewaffneten Raubritter der Neuzeit nur noch in Eishallen vor jeglichem Unbill der Witterung geschützt aufeinander. Den Schlittschuhläufern, die von pferdekeulenähnlichen Beinen getrieben ihre Bahn ziehen, kann das Wetter auch egal sein. Immer wieder kommt es trotzdem zu üblen Stürzen, besonders wenn in der Kurve wieder mal nicht gestreut war.
Der alpine Skisport geht auch immer mehr den Gletscherschmelzbach hinunter.
Die Verletzungsliste der Akteure gleicht der Verwundetenstatistik des aus Russland zurückflutenden napoleonischen Heeres. Wer mit 24 erst zwei Kreuzbandrisse und ein paar Knochenbrüche sein Eigen nennt, kann sich glücklich schätzen.
Und obwohl die Rennanzüge Werbeplakaten täuschend ähneln, so richtig reich wird man als Wintersportler nicht. Das sauer verdiente Geld geht größtenteils für „Amvitamine“ und Mittel gegen Blutarmut und Asthma drauf.
Und was will man nach Ende der Karriere machen? Kriegt man wenigstens einen Satz wie
„... die Zöhntlsekunde, die wo der Depperte untn dazuverlorn hot, ols er quer gstondn ist ...“ zusammengestottert, wird man Experte im Fernsehen.
Ist die Rennfahrerin optisch einigermaßen ansprechend, darf sie vielleicht mal ein paar Werbefilmchen für Brotaufstrich, Vitaminpillen oder Rheumasalbe machen. Oder in dem Pornofilm „Schamhaarlose Skihasen“ mitspielen.
Aber was macht die leberwurstähnliche Rennrodlerin? Reklame für Leberwurst?
Oder Abführzäpfchen?
Bald hat der Spuk ein Ende und die Wintersportler verschwinden wieder in der sommerlichen Versenkung. Denn dann gibt es Wichtigeres als Skilaufen.
Dann beginnt endlich wieder Bundesliga.

Lustige Sportarten

Es gibt ein Spiel, bei dem 22 geschlechtsreife Männer unterschiedlichster ethnischer Herkunft in bunten nummerierten Hemden wie wild auf einer Wiese hin und her rennen, sich gegenseitig mit den Füßen treten, umschubsen und dabei gelegentlich kopulationsähnliche Körperhaltungen einnehmen. Wenn es gerade passt, treten sie auch mal gegen einen von HIV-positiven Drittlandkindern in mühevoller Handarbeit aus dem Leder von BSE-Watussi-Rindern genähten Ball. Da die Spieler zumeist keinen Schulabschluss haben, zumindest keinen in der EU anerkannten, geht das oft schief und man schlägt nicht den Ball, sondern den linken Hoden oder die Kniescheibe seines Mitspielers ins Toraus. Im abendländischen Kulturkreis ist dann oft ein Kreuzbandriss die Folge, während in arabischen Ländern eher der Halbmondbandriss auftritt.
Auch werden gerne Bauchschüsse, und, besonders nach einem leichten Trikotzupfer in Strafraumnähe, schwere Gehirnerschütterungen und Oberschenkelbrüche simuliert. Darum ist es ja auch ein Spiel. Auf jeder Seite steht ein Tor. Da soll der Ball rein, für Geld. Weil blödsinnigerweise das Tor immer offen ist, was für ein Tor nicht artgerecht scheint, steht darin ein Spielverderber. Der brüllt am lautesten, reisst die Augen auf, fuchtelt spastisch mit den Armen und verhindert, trotz einer sichtbehindernden Baseballmütze, dass der Ball zwischen den Pfosten hindurch in ein viel zu grobmaschiges Fischernetz kullert, obwohl das die anderen Schau- äh, Mitspieler wollen. Die Erfolgsquote und der Jubel darüber sind so, als ob jeder 105. Patient die Blinddarm-OP überlebt und der Chirurg dafür auch noch den Nobel-Preis bekäme. Je nachdem wie oft das Reinkullern hier und da gelingt, jubeln die einen los, als ob sie den Megajackpott geknackt hätten und die anderen schleichen davon, als ob man ihnen gerade eröffnet hätte, dass an ihrem Peniskrebs nichts mehr zu machen sei. Beteiligt ist dann noch so ein schwarz gekleideter Miesepeter, der vertreibt sich die Zeit mit Kartenspiel und pfeift auf den ganzen Quatsch, denn er bezieht ein Festgehalt vom „Deutsch-Albanischen Förderverein für organisiertes Verbrechen“ und schlägt sich ansonsten mit Pferdewetten durchs Leben, wobei er von Roy Macaay und der Kanzlergattin gelegentlich Insidertipps bezieht. An den Seitenlinien läuft auch einer, der gelegentlich die Aufmerksamkeit auf sich lenkt, indem er mit wildem Fähnchenschwenken und schwulem Gehopse akute Paarungsbereitschaft signalisiert. Irgendwann ist dann Schluss und alle sind verschwitzt und haben sich total dreckig gemacht. Die werden noch schön Ärger kriegen mit ihren aufgetakelten Weibern wegen der versauten Klamotten. Am Spielfeldrand springen, falls ihr Gewicht es zulässt, auch welche in Anzügen auf und ab wie Massai-Krieger auf Touristen-Animation und führen sich auf wie, ne, sag ich nicht, keinen Bock auf eine Sammelklage. Das ganze nennt sich Fußball. Das ist schon wieder verwirrend, weil der Ball gar keine Füße hat und die Männer auch mit dem Kopf und, wenn es keiner merkt, auch mal mit der Hand dagegen hauen. Und wenn in Brasilien flächendeckend die Pest ausbricht, Holland Opfer einer Sturmflut wurde, England von den Nordiren besetzt wird und die hartgesottenen Profis aus den Slums von Angola vor Hunger nicht her finden oder Opfer von Kannibalen werden, dann kommt Deutschland ins 2006 Viertelfinale!! Naja, vielleicht jedenfalls.

Man kann aber auch anders seinen Körper stählen und dabei eine Menge Geld verdienen. Und seinen Spaß haben. Dazu braucht man auch einen Ball, bloß kleiner. Dieses Spiel ist was für Weicheier, denn Körperkontakt ist während des Spiels verboten. Hierbei stehen sich zwei Spieler durch ein Netz getrennt gegenüber, breitbeinig nach vorn gebeugt wie in Erwartung einer rektalen Untersuchung und wippen mit den Oberkörpern wie ein epileptischer Eisbär, wobei sie einen übergewichtigen Federballschläger umklammern. Einer fängt dann an zu stänkern und drischt den Ball ins gegenüberliegende Feld. Der andere versucht zu verhindern, dass der Ball in seiner Schutzzone zu Boden fällt. So geht das immer hin und her. Wenn Frauen spielen, ist es wichtig, dass sie einen kurzen Rock anhaben, damit man immer den Schlüpfer und den Knackarsch sehen kann. Auch darf orgiastisch gestöhnt werden.
Verletzungen sind im Gegensatz zum Fußball eher selten, wenn an von Messerstichen durch einen etwas verwirrten Liebhaber der Gegenspielerin, Sprachfehlern, umgeknickten Füßen und Blasen an denselben absieht. Apropos Blasen. Gelegentlich werden Tennisspieler aber auch Opfer von Samenraub.
Die natürlichen Feinde des Tennisspielers sind das Finanzamt und der Tennisarm. Böse Zungen behaupten, letzterer käme bloß vom exzessiven Onanieren, besonders bei denen, die vom Samenraub verschont geblieben sind. Es gibt auch einen Schiedsrichter, der zum Schutz vor aufgebrachten Spielern und Flutwellen erhöht auf einem Turm sitzt. Vielleicht hält er sich aber auch bloß für einen Rettungsschwimmer. Das Publikum wackelt im Takt mit dem Kopf hin und her und schlägt sich den Bauch mit Erdbeeren und Sahne voll. Wenn einer brechen muss, heißt das Tie-Break. Und hat dann endlich einer gewonnen , fällt er auf die Knie und reißt die Arme gen Himmel, als hätte er den dritten Weltkrieg verhindert und ein Date mit dem Playmate des Jahres klar gemacht.
Alle Spieler haben einen Nager. Meistens ist es ein Manager, der verhindert, dass der oft nicht sonderlich gebildete Spieler sein Preisgeld für Süßigkeiten oder dunkelhäutige Nutten ausgibt. Immer klappt das aber auch nicht. Dann muss ein Anwalt her, und bei dem ist guter Rat teuer. Für die meisten ist die Tenniskarriere recht einseitig. Erfolgreicher Abschluss der 6. Klasse der Hauptschule, sieben mal die Woche trainieren, 5 Jahre lang in jedem wichtigen Turnier in der Vorrunde ausscheiden und dann Sportinvalidität beantragen. Ist man weiblich und erfolgreicher als der Durchschnitt gewesen, kann man Glück haben. Man verdient dann sein Geld, indem man sich vor Kameras in Nudeln wälzt und einem wohlhabenden Kollegen namens Andreas Extasy (Name geändert) in Übersee zwei Kinder gebiert. So ist das mit dem Tennis.

 

Dr. Frank Hess
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