~ Dr. Frank Hess Geschichten ~
 

Ostern

Ostern ist ein christlicher Feiertagszyklus, den die Christen von den Juden übernommen haben, diese wiederum benannten Ostern noch anders, nämlich Pessach.

Der Einfachheit halber beließen es die Christen später bei Ostern, logischerweise nach der altgemanischen Frühlings- und Morgenrötegöttin Ostara.

Anderen Quellen zufolge soll sich der Name Ostern von Osterei oder auch von Österreich ableiten. Und da sich die Christen nicht mehr so genau erinnern konnten, wann ihr Heiland angenagelt wurde, halten sie es ebenso mit den alten Germanen, die ihr Frühlingsfest immer am ersten Sonntag nach dem ersten Frühjahrsvollmond legten. Das mag, da sich die Christen Führergeburtstag und Weihnachten ja auch merken konnten, unlogisch klingen, ist es aber auch.

Los geht die ganze Geschichte mit Aschermittwoch, da war in Jerusalem der Karneval zu Ende und es musste gefastet werden. Das bedeutete, dass Essen, Saufen, Rauchen und Rumhuren nur nachts erlaubt war.

In der Zeit fastete Jesus 40 Tage in der Wüste, um der 40 Jahre zu gedenken, in denen Moses ohne Proviant, ohne Trinkwasser und ohne Landkarte hilf- und orientierungslos durch die Gegend irrte.

Zum Ende der Fastenzeit bekam Jesus vom Hungern Halluzinationen, fing an zu randalieren und machte sich bei den Juden und Römern ziemlich unbeliebt. Gründonnerstag schmiss er für seine Jünger noch eine Fete, wobei einer von denen ihn daraufhin anschwärzte. Warum dieser Tag deswegen nicht Schwarzdonnerstag heißt, ist nicht überliefert. Wahrscheinlich war Judas Ischariot entweder der Wein zu sauer oder die Nutten zu hässlich.

Jedenfalls wurde Jesus am Freitag anlässlich der Eröffnung eines Baumarktes namens „Kar“ gekreuzigt und verschied.

Ostersonnabend war dann Ausnüchtern, äh Grabesruhe, am Ostersonntag dann seine Auferstehung.

Die wäre beinahe schief gegangen, weil die Grabplatte so schwer war.

Montag stellte man fest, dass der Leichnam von Jesus verschwunden war. So kam man logischerweise zu dem Schluss, dass er in den Himmel aufgefahren sein musste. Bei normalen Menschen macht das nur die Seele und der marode Kadaver bleibt unten. Aber Jesus war ja nicht irgendwer!

Eine Theorie, dass ein Vorläufer von Gunther von Hagen Jesus gestohlen und erfolglos plastiniert haben soll, hat sich als Unsinn erwiesen. Genauso wenig liegt er in Formalin eingelegt im Römischen Naturkundemuseum. Eine Kannibalenthese konnte auch mit einiger Sicherheit widerlegt werden.

Seit Menschengedenken gibt es zu Ostern nette Bräuche, so zu Beispiel das heidnisch-christliche Osterfeuer und die Ostereier. Dass Ostereier in irgendeinem Zusammenhang mit dem verrutschten Lendenschurz von Jesus am Kreuz zu tun haben, ist eine böswillige Unterstellung.

Auf alle Fälle wird zu Ostern tüchtig gesoffen und etliche Osterlämmer zu Ehren von diversen katholischen und germanischen Gottheiten geopfert. Dass die Menschen sie dann doch selber aufessen, erzürnt die Götter immer wieder und veranlasst sie, die Menschheit mit Erdbeben, Hasenscharten, Schweinegrippe oder Vulkanausbrüchen zu bestrafen.

Die bunten Ostereier stammen aus der Zeit, als die Hasen noch Eier legten. Ein armes Exemplar litt dabei so heftig an Hämorrhoiden, dass sein gelegtes Ei ganz blutig ins Nest fiel. So wurde der Brauch des Ostereierfärbens geboren. Die kleinen Kinder müssen ihre Ostereier am Ostersonntag immer selber suchen, Vati lässt suchen. Frohe Ostern!

Die Sintflut

Einst begab es sich, dass der liebe Gott frei hatte. Dies wurde von seinen Wächterengeln schamlos ausgenutzt, sie rebellierten und forderten mehr Rechte und Freiheiten, allen voran Skandalbube Azazel. Warum der so komisch hieß, weiß kein Schwein.

Kraft seiner Wassersuppe verbannte der liebe Gott daraufhin seine Engel zur Strafe auf die Erde, auf der sich zu dem Zeitpunkt die Menschen tummelten. Ob auch zur Strafe, ist nicht überliefert. Den Engeln war die Sache recht, sahen sie doch, was die Menschen für schöne Töchter hatten. Erst wurde nur gesoffen, aber dann ging es zur Sache. Durch das Zusammenstöpseln der Genitalien kam es zur Vermischung von Engeln und Menschen, denn es gab noch kein Internet zum Zeitvertreib.

Diese Genmanipulation machte den lieben Gott fuchsteufelswild. Die Erde war verderbt vor Gottes Auge. Er beschloss, alles, was da so kreucht und fleucht, mit Stumpf und Stiel auszurotten. „Das Ende allen Fleisches ist bei mir beschlossen!“, so der O-Ton. Ein von Vegetariern häufig missverstandene Äußerung von historischem Rang.

Nur Noah und seine Familie fanden sein Erbarmen, waren diese doch frei von Sünde. Alle anderen Menschen nicht. Der liebe Gott hatte sie zwar nach seinem Ebenbild erschaffen, aber egal! Versaufen sollte die ganze Brut! Manch einer mag dem lieben Gott mangelnde Selektionsfähigkeit vorwerfen, denn warum sollten Neugeborene auch versaufen, die doch noch gar keine Sünden begangen haben konnten?

Von solchen Spitzfindigkeiten sollte sich der gläubige Christ aber nicht irre machen lassen. Wenn der liebe Gott in seiner Barmherzigkeit befindet, dass nur acht Menschen und allerlei Getier, darunter Ratten, Zecken, Malariamücken, Ebolaviren, Gonokokken und Bandwürmer überleben dürfen, dann muss das gut und richtig sein. Schließlich hatten es ihm zuvor der Gott der Sumerer und altgriechische Götter bereits vorgemacht. Sollte er da nachstehen?

Weiter im Text.

Der liebe Gott wies Noah an, einen Holzkasten von der Größe der Titanic zu bauen. Und Noah baute los. Während die gefallenen Engel fleißig Menschentöchter nagelten, nagelte er Planke für Planke an die Spanten. Dann ließ der liebe Gott es 40 Tage regnen, für Wüstengebiete ganz schön lange. Atheisten haben ja immer was zu nörgeln und schieben diese ungewöhnlichen Regenfälle auf den Klimawandel, aber das ist natürlich Unsinn.

Kachelmann wollte sich nicht äußern. Von jeder Tierart musste Noah ein Paar finden, fangen und zur Mitreise bewegen. Darum musste er sich sputen. Es gab nämlich noch keine Tiergärten, und so musste er hastig um die Welt reisen, um Pinguine, Warzenschweine, Elefanten, Marienkäferchen, Kängurus, Regenwürmer, Nasenaffen und was es sonst noch so alles gibt, paarweise zu bündeln und auf die Arche schaffen, und das im strömenden Regen!

Ob bereits der Regenschirm erfunden war, ist nicht bekannt. Als es genug geregnet hatte, war die Menschheit bis auf die acht genannten Personen ersoffen, und mit ihr alles andere Getier, Fische mal ausgenommen. In einem Schnellkurs übers Wochenende machte Noah noch seinen Bootsführerschein Binnengewässer und Offene See und ab ging die Post.

Das Wasser war zu dem Zeitpunkt gut vier Kilometer tief, guckte doch vom Berg Ararat nicht mal mehr die Spitze heraus. Dann begann eine zehnmonatige Schiffspartie. Ob die immer lustig gewesen ist, kann man nicht sagen. Sicher ist, dass die acht Männeken alle Hände voll mit Tierefüttern und Scheiße außenbords schaufeln zu tun gehabt haben. Nach ungefähr neun Monaten ohne Nahrung und Trinkwasser ließen sie eine Taube fliegen, die auch bald mit einem Zweiglein eines Olivenbaumes wieder an Bord kam.

Die Zeit des Anlegens war gekommen!

Es gab einen gewaltigen Rammstoß. Ein Eisberg? Mitnichten, sie waren an den Gipfel des Ararat in Kurdistan gestupst. Nun fiel das Wasser schnell und sie konnten an Land. Alle Tiere wurden freigelassen und die wiederum ersten Menschen bevölkerten die Erde. Zuerst vermehrten sie sich noch vor Ort und dann teilten sie sich auf und zogen los. Einige nach Norden, die nahmen die Eisbären und Robben mit. Einige nach Süden, die hatten die Aufgabe, die Elefanten zu transportieren, worüber sie sich schwarz ärgerten. Ein Teil zog gegen den Wind nach Osten und kniff deswegen die Augen zusammen. Resultat bekannt.

Einige blieben auch gleich mit den Ziegen vor Ort und gründeten die PKK. Die Schlussfolgerung, dass der Mensch vom Kurden abstammt, scheint mir aber zu einfach.

Diese Geschichte sollte uns allen eine Warnung sein. Vielleicht ist es ja ein göttlicher Tauchsieder, der die Polkappen abschmelzen lässt.

Was Gott nur gegen die Holländer hat …

Schwein gehabt

Mann, hab ich ein Schwein! Und Sie auch! Nämlich, weil wir sterben müssen.

Das bedeutet nämlich, dass wir vorher leben durften. Die ganzen unzähligen Menschen, denen es nicht vergönnt war, geboren zu werden, sind in diesem Punkt ganz schön angemeiert. Für religiöse Menschen muss Sterben doch eine feine Sache sein. Denn wenn man immer schön brav Kirchensteuer bezahlt hat, dann kommt man doch in den Himmel.

Dort braucht man nicht arbeiten, höchstens mal Harfe spielen und kann sich den ganzen Tag die Nüsse schaukeln, pardon, die Seele baumeln lassen.

Darum verstehe ich nicht, warum die Gläubigen unter uns so ein Aufhebens davon machen, den Löffel respektive die Schnabeltasse abzugeben. Danach kommt doch die Erlösung von allen Übels und ein herrliches Leben. Nur Strolchen, Atheisten und anderen Schurken sollte die Pupe gehen, von wegen Hölle und so.

Aber nein, was macht der liebe Herr Kaplan, wenn ihm der Arzt sagt: „Tja, da kann man nichts mehr machen, wären Sie mal eher zur Krebsvorsorge gekommen. Nun ist Ihre Prostata so groß wie ein Kürbis und Ihr Körper voller Tochtergeschwülste! Ich gebe Ihnen nur noch ein paar Wochen.“

Aber anstatt dass der fromme Mann in Freudentränen ausbricht, weil er doch nun bald bei seinem Chef oben den Lenz schieben wird, fängt er an zu lamentieren, ob man da nicht doch noch was machen könnte. Und er wird beten, was das Zeug hält. Nun haben wissenschaftliche Statistiken eindeutig belegt, dass die Lebenserwartung bei Gläubigen und Gottesleugnern genau gleich ist (komisch, nicht?). Aber das weicht vom Thema ab.

Zurück zum Kaplan. Zwei Monate später. Trauerfeier.

TRAUERFEIER? Sollte Familie und Gemeinde nicht jauchzend um den Altar hopsen und den Messwein literweise fließen lassen, weil ihr guter alter Kaplan aller irdischen Bürden verlustig nun vergnügt am Manna knabbert und Nektar schlürft? Bleiben da etwa Restzweifel?

Zugegeben, die Ansage „Und der Herr wird dich weiden auf einer grünen Aue ...“ klingt schon etwas verdächtig nach vegetarischen Tendenzen im Himmel. Dabei mochte der Kaplan doch so gerne Schweinebraten mit Rotkraut und Klößen!

Schluchz. Armer Kerl! Und dann kommen per Post Kondolenzschreiben:

„Mit Bestürzung und in tiefer Trauer haben wir erfahren, dass der liebe Kaplan von uns gegangen ist.“ Angebrachter wären doch wohl Glückwunschschreiben in der Art: „Gratulation, dass der alte Schürzenjäger (tragen Ministranten eigentlich Schürzen?) nun endlich sein Leiden überstanden hat und erlöst ist! Möge er im Himmel bar jeder Sorgen die Sau rauslassen!“

Meine Heiligsprechung dürfte hiermit im Arsch sein.

Eden

Adam erwachte, furzte und kratzte sich am Sack.

Die Sonne schien und die Luft war wunderbar lau. Vöglein zwitscherten munter in den Zweigen. Wenn nur diese Langeweile nicht wäre! Jeden Tag der gleiche Unsinn. Aufstehen, Ziegen melken, Milch trinken, Sonnenschutzcreme auftragen, sonnen und ausruhen. Einfach nur öde. Adam fasste sich an seinen wie immer stehenden Adam und einen Entschluss.

„He! Hallo! Hört mich einer?“
Dunkles Gewölk braute sich zusammen, Blitz und Donner blitzten und donnerten.
„Mein Sohn, warum riefest du mich an?“, ertönte es mit mächtiger Stimme.
„Wer bist du denn?“, fragte Adam.
„Ich? Na, Gott, dein Herr!“
„Eben sagtest du, du seiest mein Vater. Entscheide dich mal!“
„Das ist doch wohl das Gleiche!“
„Das Jugendamt wird das anders sehen!“
„Jugendamt? Nie gehört.“
„Egal. Mir ist langweilig. Oder fad, falls du ein Österreicher bist. Außerdem kann ich nicht mehr ordentlich pinkeln, mein Dingens da steht andauernd hoch und ist ganz hart!“
Gott kratzte sich ein paar Läuse aus seinem verfilzten Bart.
„Hm, da hast du ein echtes Problem. Mal sehen, was ich da machen kann.“
„Da musst du erst überlegen? Gib mir etwas, was mir das Ding da wieder klein macht!“
Adam wies in Richtung seines strammen Piepmatzes.
„Hm“, sagte Gott, „da kenne ich mich zwar nicht so gut aus, aber ich glaube, du brauchst ein Weib.“
„Was ist das denn?“, wollte Adam wissen.
„Ein geschwätziges Ding mit Titten und drei Löchern.“
„Ah, eine Bowlingkugel?“
„Die ist erstens nicht geschwätzig und zweitens noch nicht erfunden.“
„Und was soll ich mit dem Weib machen?“
„Ficken“.
„Wie geht das?“
„Das wirst du schon sehen!“
„Dann mach mir ein Weib!“
„Dafür brauche ich eine Rippe von dir.“
„Spinnst du? Du erschaffst Himmel und Erde einfach so und für ein Weib brauchst du eine Rippe?“
„Du kannst doch vom Kompliziertheitsgrad Himmel und Erde nicht mit einem Weib vergleichen!“
„Du wirst wohl Recht haben. Dann leg los!“
„Gut, es wird aber ein wenig weh tun.“
„Gib mir doch eine Betäubung!“
Der liebe Gott schüttelte den Kopf.
„Dafür kommt deine Krankenkasse nicht auf. Aber sei unbesorgt, ich hab das schon sehr oft, äh, noch nie gemacht. Ich schau noch mal schnell ins Handbuch.“
Als Adam die Rippenschere knacken hörte, bemächtigte sich seiner eine wohltuende Ohnmacht.
Langsam kamen seine Sinne wieder zurück. Er richtete sich auf und erblickte so etwas in der Art wie einen nackten Affen mit Körbchengröße B.
„Bist du ein Weib?“, fragte er vorsichtig.
„Ich bin Eva“, sagte der Affe mit lieblicher Stimme. „Und ich will, dass du mir die Füße massierst!“ Das klang nicht mehr ganz so lieblich.
„Aber nur, wenn du mir vorher ...“
„Das kannst du vergessen, ich habe Kopfschmerzen!“
„Gut, und wenn ich dir zuerst die Füße massiere?“
„Dann vielleicht. Fang an!“
Und Adam massierte und massierte und massierte.
„Genug! Jetzt den Rücken!“
„Vielleicht auch mal die da?“ Adam betastete vorsichtig Evas Vorderseite.
„Finger weg! Rücken hab ich gesagt!“
Und Adam gehorchte.
Schweißüberströmt und mit schmerzendem Rücken stellte er nach einer Stunde fest, dass sein kleiner Adam schlaff und schrumplig zwischen seinen Beinen baumelte. Das mit dem Weib funktioniert also, dachte er zufrieden.

Aber Ficken hatte er sich irgendwie anders vorgestellt.

Exorzismus

Endlich hat der Papst herausgefunden, dass es viel zu wenig Exorzisten in Deutschland gibt. Das wird sich jetzt ändern, Ratzinger schafft Arbeitsplätze und sorgt für mehr Sicherheit auf deutschen Straßen.
Sind Sie arbeitslos? Wünschen Sie berufliche Veränderung? Dann werden Sie Exorzist!
Bewerben Sie sich noch heute! Kaufen Sie die Broschüre "Vom Hartz4-Empfänger zum kirchlich geprüften Exorzisten".
Eine Teufelsaustreibung ist nämlich ein Kinderspiel. Der Papst persönlich hat Ihnen mit dieser Broschüre die Anleitung in die Hände gegeben, doch lesen Sie selbst:
"Vergewissern Sie sich, dass die Person auch wirklich vom Teufel besessen ist und nicht einfach bloß zugekifft. Wobei eins das Andere nicht unbedingt ausschließt. Besonders anfällig für Besessenheit sind Berufsgruppen wie Kommunalpolitiker, GEZ-Eintreiber, Steuerbeamte, Epileptiker und Lehrerinnen.
Sind Sie sich sicher, es mit einer vom Teufel besessenen Person zu tun zu haben, dann ist Eile, aber auch Vorsicht geboten. Geben Sie sich höflich als Exorzist zu erkennen und bieten Sie Ihre Dienste an. Machen Sie ein moderates Preisangebot.
Denken Sie daran, später die Hälfte an den Vatikan abzuführen. Vergessen Sie das nicht, sonst ist Ihre Heiligsprechung gefährdet. Sollte die von Ihnen angesprochene Person sich heftig weigern, sich den Teufel austreiben zu lassen, dann liegt ein besonders hartnäckiger Fall von Besessenheit vor.
Führen Sie zu diesem Zwecke stets eine Flasche Chloroform, ein sauberes Taschentuch und ein mit Bleischrot gefülltes Säckchen mit.
Den Therapiebeginn sollten Sie möglichst nicht an belebten Örten wie zum Beispiel in einem Fußballstadion oder an einer Theaterkasse legen.
Nachdem Sie den oder die Besessene verbal, chemisch oder mechanisch, je nach Einsicht und Kooperation, von der Notwendigkeit einer unverzüglichen Teufelsaustreibung überzeugt haben, bringen Sie sie unauffällig in Ihre Wohnung. Sorgen Sie dafür, dass die von Ihnen entkleidete Person gut an ein Bett gefesselt ist, denn der Teufel ist böse und heimtückisch!
Ist die besessene Person erwacht, kann es losgehen.
Schreien Sie ihr plötzlich "Buh" ins Gesicht! Sollte der Besessene heftig an seinen Fesseln zerren und verlangen, dass Sie sofort aufhören, wissen Sie nun ganz genau, dass ein höllischer Satansbraten zu bekämpfen ist. Nehmen Sie ein Kruzifix, am besten eins aus Silber und führen Sie damit einen kräftigen Schlag auf die Stirn Ihres Schutzbefohlenen aus.
Dies sollte dem Teufel erst mal gehörig Respekt einflößen. Die Wirkung erkennen Sie daran, dass Ihr Patient kurzzeitig das Bewusstsein verliert, denn der Satan in ihm benötigt alle Lebenskraft zur Gegenwehr. Rufen Sie nun drei mal laut "Satan weiche!" Das müsste genügen.
Falls nicht, dann öffnen Sie den Mund des Besessenen ganz weit mit einem Holzkeil und führen Sie anschließend das Kruzifix ruckartig in seinen After ein. Sie werden dabei ein Geräusch vernehmen, das sich so in etwa wie "Arrgchchch!" anhört. Gelegentlich können dabei Schwefelgerüche auftreten oder eine Hämorrhoide platzen. Geschafft!
Damit ist der Teufel ausgetrieben. Entfernen Sie den Holzkeil aus dem Rachen und das Kruzifix aus dem After des nunmehr Geheilten und binden Sie ihn los. Vorher sollten Sie sich allerdings Zeit für ein paar beruhigende Worte nehmen, denn manchmal kommt es vor, dass die vom Teufel befreite Person noch etwas verwirrt ist und zu Unmutsäußerungen neigt.
Für die Ausübung Ihrer neuen Tätigkeit wünscht Ihnen Ihr Papst des Vertrauens Kraft, Glück und alles Gute!

Die Bibel

Die Bibel ist ein dickes Buch und erklärt uns die Welt.
Gott hat es schon immer gegeben, zumindest ganz schön lange schon. Er schwebte so dahin und war nackig. Irgendwann war es ihm langweilig in der finsteren Kälte und er wollte sich mal hinsetzen. Dabei bemerkte er, dass es nichts gab, worauf er sich hätte setzen können. Also erschuf er einen bequemen Sessel und einen langen Umhang. Verärgert stellte er fest, dass es nichts gab, worauf er den Sessel hätte stellen können. Und ab da wurde es spannend.
Gott schuf Himmel und Erde. Das ging relativ schnell, er brauchte nämlich noch keine amtliche Baugenehmigung. Dann machte er alle Gewässer, und ließ vom Gartenbaucenter „Himmelsschlüsselchen“ die ganze Sache begrünen. Gott setzte sich und sah dem Gras beim Wachsen zu und war zufrieden. Aber das Gras musste gemäht werden, und dazu hatte er keine Lust. Also erschuf er Kühe und Ziegen, die das Gras kurz hielten. Da diese Tiere aber nicht nur fraßen, sondern auch oft der Fleischeslust frönten, vermehrten sie sich. Gott wusste, da allwissend, Abhilfe zu schaffen. Wölfe, Bandwürmer und allerlei andere Parasiten hielten den Viehbestand bald in erträglichen Grenzen. So hätte es eigentlich bleiben können, aber da der liebe Gott das Sprichwort „Übermut tut selten gut“ noch nicht kannte, spielte er mit Lehm herum und bastelte sich einen Menschen. Diesen nannte er Adam. Adam ließ es sich in einem Nationalpark namens Eden gut ergehen, nach Gottes Meinung zu gut, was die Schafe und Ziegen anbelangte. Also blätterte der liebe Gott ein wenig in einem Handbuch für Thoraxchirurgie, las eine Zeitschrift über Frauenheilkunde und entnahm in, sagen wir einmal relativ schmerzarmer Form, Adam eine Rippe, aus der er dann, wie auch immer, eine Frau machte. Jetzt hatten die Schafe ihre Ruhe, außer, wenn die Frau, die er Eva nannte, ihre Migräne vortäuschte.
Der Rest ist eigentlich schnell erzählt. Weil die beiden Menschen entgegen allen Regeln ungewaschenes Obst aßen, warf der liebe Gott sie aus dem Park. Fortan mussten sie sich selber durchschlagen, was unter anderem zur Geburt zweier Knaben namens Kain und Abel führte. Kaum aus der Pubertät, schlug der eine dem anderen den Schädel ein. Dafür kam Kain aber nicht ins Gefängnis, sondern musste bloß auswandern. Fröhlich ging er daran, das gesamte Menschengeschlecht zu zeugen. Ob mit seiner Mutter, seinem Vater oder einer Ziege, darüber schweigt der Vatikan beharrlich.
Als es dann ganz schön viele Menschen geworden waren, stellte der liebe Gott fest, dass Unzucht und Gotteslästerung auf Erden herrschte. Kein Wunder, stammten sie doch alle von einem Brudermörder ab. So begann Gott, seine Menschen auf die Probe zu stellen. Er weckte Abraham und sagte: „Abraham, liebst du mich?“
„Klar doch!“
„Dann schnapp dir deinen Bengel und säbele ihm die Rübe runter!“
„Wie du meinst, lieber Gott!“, sagte Abraham, schnappte sich ein Küchenmesser und machte sich über seinen Nachwuchs her. Das brachte Gott so zum Lachen über die Dämlichkeit Abrahams, dass er per dringlicher Engelsaktion den Kindesmord in letzter Sekunde stoppte.
Inzwischen waren die Zustände auf Erden unerträglich geworden; was sich in Sodom und Gomorrha abspielte, das wollen Sie gar nicht wissen. Der liebe Gott hatte jedenfalls von dem Menschengezücht die Schnauze gestrichen voll, warf zwei Atombomben auf Sodom und Gomorrha und befahl einem Mann, ein Boot zu bauen, es warum auch immer, Arche zu nennen und allerlei Getier paarweise einzuladen. Das geschah in Rekordzeit. Als Gott sah dass es gut war, ließ er den Rest der Tiere und die von ihm nach seinem Ebenbilde geschaffenen Menschheit in einem Akt der gütigen Gnade einfach absaufen, Fische mal ausgenommen.
Noah und seine Familie jungten danach wie die Karnickel und bald war die Erde wieder voll mit Menschen. Ein Teil davon änderte im Lauf der Zeit die Farbe. Danach ließ Gott die Menschen erst mal machen und legte sich zur wohlverdienten Ruhe. Dadurch kam es zu so lustigen Zwischenfällen wie die Heldentat Samsons, der mit eines Esels Kinnlade eintausend Philister erschlug, David den dicken Goliath mit einem Katapult flachlegte und Judith dem General Holofernes den Kopf abhackte. Naja, Holofernes war ja auch ein ganz schönes Arschloch. Nebenbei hatten dann auch die Juden keinen Bock mehr, für die Pharaonen die Drecksarbeit zu machen. Da begab es sich, dass eine ägyptische Prinzessin von einem Fremdarbeiter geschwängert wurde, das Kind heimlich gebar und rotzfrech behauptete, sie hätte es in einem Weidenkorb im Fluss gefunden. Nach kurzer Zeit war dieses Kind dann ein Mann namens Moses, hatte, wer weiß woher, einen Bruder Aaron und fing an, von Gott unbemerkt, mit dem  Pharao einen Nachbarschaftsstreit vom Zaune zu brechen. Dabei ließ er sich allerlei Schweinskrams wie die sieben Plagen einfallen. Endlich bekamen sie die Ausreise bewilligt und ab ging die gelbe Post Richtung Rotes Meer. Nun hatte der Pharao es sich inzwischen anders überlegt und schickte seine Armee hinterher. Die konnte aber nichts ausrichten, Moses ließ sie alle im Roten Meer versaufen. Das durfte er, denn noch gab es die zehn Gebote nicht. Da Moses weder Karte noch Kompass hatte, irrte er vierzig Jahre auf einem etwa zwanzig Quadratkilometer großem Stück Wüste hin und her, bis es Gott zu bunt wurde und er Moses ein Zeichen gab. Daraufhin setzte sich Moses hinter einen Busch, um zu kacken. Wahrscheinlich rauchte er dabei eine Tüte, denn der Busch fing plötzlich Feuer und sprach zu Moses, was gewöhnliche Büsche eigentlich nicht zu tun pflegen. Moses tat, wie ihm gesagt und krabbelte auf einen Berg, wo er die zehn Gebote fand. Von dem Tage an gilt Ehebruch leider als unanständig, daher der Ausdruck „Strafe Gottes“.
Im Tale angekommen, sah Moses entsetzt, dass seine Mitreisenden eine wilde Orgie um ein goldenes Kalb feierten, soffen und, höflich ausgedrückt, arge Unzucht betrieben. Flugs besann sich Moses auf das Gebot „Du sollst nicht töten!“ und schlug der Hälfte der Partygäste den Schädel ein. Die anderen beruhigten sich daraufhin und sangen fröhlich Hallelujah. Gott sah, dass es gut war und setzte seine Mittagsruhe fort.
So konnte unbemerkt vom himmlischen Herrscher allerlei Kriege, Ehebrüche, Gotteslästerungen und ähnliches mehr passieren. Gott erwachte endlich, besah sich das Elend auf Erden und stellte fest, dass es so nicht weitergehen konnte. Also schwängerte er Jungfrau Maria mit einem Trick, über den selbst die gynäkologische Fachwelt immer wieder ins Schwärmen gerät.
Dann legte Gott sich wieder hin und ließ seinen Sohnemann, den er Jesus nennen ließ, die Kastanien aus dem Feuer holen. Der ließ nichts unversucht, um sich bei seinen Mitmenschen unbeliebt zu machen und stänkerte mit den Kredithaien und Geldwechslern. Deswegen hatte Jesus es bald im Kreuz und hing an einem solchen. Aber er starb nicht für immer, nach ein paar Tagen feierte er Wiederauferstehung. Nun setzte er aber nicht, wie man es von einem wahren Helden erwartet hätte, seinen Kampf gegen die Ungerechtigkeit auf Erden fort, nein, er verdrückte sich zu seinem Vater, nahm aber vorher noch schnell von einigen seiner Kumpel Abschied. Die bekamen den Auftrag, in die Welt zu ziehen und von den Ideen des Gottessohnes zu berichten. Das geschah dann auch. Zuerst wurden die Christen von den römischen Kaisern an die Löwen verfüttert. Das kann Gott nicht groß gestört haben, wäre Italien sonst 2006 Fußballweltmeister geworden? Dann aber gewannen die Anhänger von Jesus die Überhand, schlachteten auf die Schnelle einige hunderttausend lebensunwerte Heiden, verbrannten eifrig alle Hexen und feierten Ende des Jahres das Fest der Nächstenliebe. Die Hexenverbrennung ist meiner Ansicht nach später etwas vorschnell und unüberlegt abgeschafft worden.
Die Missionare zogen hinaus in die Welt und verbreiteten selbst in den entlegendsten Gegenden Afrikas die Lehre Christi, sofern sie nicht vorher im Kochtopf landeten. So ging das weiter bis zum heutigen Tag. Seit die Menschen das Bierbrauen erfunden hatten, hat aber keiner mehr etwas vom lieben Gott gehört. Aber immerhin sind wir Papst. Und wenn der das hier liest, ist meine Heiligsprechung wohl im Arsch.

Wie ich Pfingsten feier...

Gründonnerstag beim Chef angerufen und von meinem blutigen Durchfall mit 42 Fieber und dem Oberschenkelbruch berichtet. Danach Bier, Schnaps und Grillfleisch im Supermarkt gebunkert und mit einem Schlückchen in Ehren gemütlich das Fest eingeläutet. Am Karfreitag gegen Mittag zu mir gekommen, viel Durst und Sodbrennen.  Mit Entsetzen festgestellt, dass die Zigaretten höchstens noch für fünf Flaschen Bier und höchstens zwei mal abhusten reichen. Zum nächsten Automaten gefahren und gewundert , dass der Supermarkt am Feiertag geöffnet hat. Vier Flaschen Wodka gekauft, rein vorsichtshalber, falls Besuch kommt. Kam zum Glück nicht. Nachmittags zum Andenken an den armen Zimmermann ein Holzkreuz mit drei Nägel in den Garten gestellt. Schweigeminute. Etwas Alkohol getrunken, deswegen wohl Sonnabend komplett verpennt. Sonntag das Grillfleisch aus dem Kofferraum geholt. Wegen seltsamen Geruches der Holzfällersteaks auf Spiegeleier umdisponiert. Wegen der Tatsache, dass im Kühlschrank keine Eier auffindbar waren, beschlossen, Ostereier aus Nachbars Garten zu klauen. Da waren aber gar keine! Ein Traditionsbewusstsein haben die Leute heutzutage! Verfall von Sitte und Kultur, wohin man nur schaut. Zigaretten schon wieder alle, deswegen Pfefferminztee mit Teppichkleber geraucht. Da Bierkasten leider leer, erfolglos versucht, Hunger mit Wodka nieder zu halten. Etwas geweint. Wodka mit Kirschlikör geschmacklich deutlich verbessert, dadurch auch Nährwert erhöht und Vitaminbedarf gedeckt! Montag gegen zehn nur mit Badelatschen, Grillschürze und einer halbvollen Wodkaflasche bekleidet in einer Busbude aufgewacht. Zum Supermarkt gewankt, um Essen und Schnaps zu kaufen. Alle Läden dicht, und das am Montag! Verdammte Lh auch Nährwert erhöht und Vitaminbedarf gedeckt! Montag gegen zehn nur mit Badelatschen, Grillschürze und einer halbvollen Wodkaflasche bekleidet in einer Busbude aufgewacht. Zum Supermarkt gewankt, um Essen und Schnaps zu kaufen. Alle Läden dicht, und das am Montag! Verdammte Ladenschlussregelung! Machen alle nur noch, was sie wollen? Quälender Hunger. Einem kleinen türkischen Jungen seinen Döner geklaut und aufgegessen. Auf der Flucht vor seinen Brüdern mit einem im Wege stehendem Fahrradständer in Streit geraten. Dienstag im Krankenhaus mit Oberschenkelbruch und blutigem Durchfall aufgewacht. Fahrradständer und Döner mit einem Fluch belegt. Beschlossen, nächstes Jahr Pfingsten größere Nahrungsvorräte anzulegen. Abends Milchsuppe aus einer Schnabeltasse. Scheiß Feiertage!

Der Stern von Battleham

Über die steinige Wüste blies ein scharfer Wind. Es war Nacht und bitter kalt.
Seit Stunden stapften zwei vermummte Gestalten gebeugt durch den knirschenden Sand.
Ihre Füße schmerzten und die frostige Luft ließ sie erschaudern. Der alte Mann hatte schützend seinen Arm um die junge Frau gelegt. Vielleicht stützte er sich aber nur bei ihr auf, so genau ließ es sich nicht wahrnehmen. Sie hatte ihre Hände auf ihren Bauch gestützt, dessen Form eine Schwangerschaft im fortgeschrittenen Stadium befürchten ließ. Längst hatten sie ihre letzten Schokoriegel vertilgt und der Hagebuttentee in der Thermoskanne war auch alle. Als ihre Verzweiflung einen neuen Höhepunkt erreicht hatte, fragte die junge Frau:
„Sag mal, Jonny, wo wollen wir eigentlich bei dem Sauwetter hin?“
Jonny überlegte kurz und gab zur Antwort: „Auf die Entbindungsstation, dumme Kuh!“
„Aber hier in Battleham gibt es gar kein Krankenhaus!“
„Mir doch egal. Hättest eben nicht fremdgehen sollen!“
„Hör auf mit dem Quatsch. Du weißt genau, dass ich keine andere Wahl hatte. Außerdem hat es keine Flecken gegeben!“ Mary funkelte Jonny mit zornigen Augen an.
„Sieh mal, da ist ein Licht! Sieht aus wie eine Kneipe oder eine Pension!“
Die beiden Gestalten schwiegen jetzt und folgten dem Lichtschein. Hoch oben am Himmel zog ein hell beleuchtetes Ufo der Marsianer seine Bahn, dessen Insassen die nächtlichen Wanderer auf ihrem Bildschirm aufmerksam beobachteten.
So sahen sie, dass die beiden zu observierenden Objekte jetzt das Gebäude erreicht hatten. Auf dem Schild, das neben der Tür befestigt war, stand :
„Städtisches Tierheim, Agrarmuseum und Pension“
Jonny klopfte an die Pforte. Nach einigen Augenblicken öffnete sie sich auf einen Spalt und das mürrisches Gesicht eines alten Mannes erschien. „Was willst du zu so später Stunde?“
„Wir haben uns in der Wüste verirrt und brauchen ein Nachtlager.“
„Habt ihr einen Hund oder irgendein Tier dabei?“
„Nein, bloß meine Frau!“
„Das zählt nicht. Wir sind eine Tierpension! Hat sie wenigstens Läuse oder Flöhe?
Dann könnte ich ein Auge zudrücken.“
„Weiß ich nicht. Aber sie ist schwanger und steht kurz vor der Niederkunft!“
„Das ist doch nicht meine Schuld!“
„Denkst du etwa, meine?“
„Na gut, komm rein und bring deine Alte mit!“
Mary und Jonny betraten den Raum. An einem Tisch spielten drei Landstreicher eine Partie Canasta. In der Ecke lag eine Holsteinsche Milchkuh, an dessen Euter sich eine getigerte Katze zum Schlafen zusammen gerollt hatte. Ein Esel machte sich an einem Heuballen zu schaffen. Junge Hunde nagten an den Resten eines Wiener Backhähndls. Kurzum, ländliche Idylle und bestialischer Gestank.
Mary zeigte sich ob der widrigen Umstände für eine Niederkunft besorgt.
„Gibt es hier so was wie eine Hebamme?“, fragte sie ängstlich.
„Nein , aber ich kann den Veterinär anrufen!“ gab der Tierpensionsdirektor zur Antwort.
Plötzlich klopfte es an der Tür.
„Das geht hier heute ja zu wie in einem Rinderoffenstall!“, knurrte der Alte und öffnete.
Vor der Tür standen drei Männer in lustigen Gewändern.
„Was wollt ihr denn?“, wurden sie gefragt.
„Wir kommen vom Battlehamer Karnevalsverein und bitten um eine Spende für den Rosenmontagsumzug!“
„Ihr könnt euch dann den Ochsen nehmen, den spannt ihr vor euren Karren! Aber macht ihn nicht wieder betrunken!“
„Vielen Dank! Wir werden darauf zurück kommen!“ Das zuletzt Gesagte kam von einem Mann mit einem rotsilbernen Umhang, der auf den schönen Namen Kasperle hörte.
Aus der Ecke drang ein Stöhnen an sein Ohr. „Was habt ihr denn da?“, fragte er interessiert.
„Nichts weiter, da ist eine Schwangere, die Wehen setzen wohl ein.“
„Da trifft es sich ja gut, dass ich Frauenarzt bin!“, entgegnete Dr. Kasperle. Er wandte sich an Mary. „Wie geht es denn so? In welchen Abständen kommen die Wehen?“
Mary war ins Stroh gesunken. „Alle zwei Minuten!“
„Dann ist Eile geboten!“, war sich der Gynäkologe sicher. „Ich brauche einen Melkschemel, einen Eimer heißes Wasser, ein paar Lappen, eine Flasche Schnaps, ein Taschenmesser, etwas Bindfaden und mehr Licht.“
Die drei Landstreicher hatten ihre Karten beiseite gelegt und beobachteten interessiert, wie Dr. Kasperle mit geschickten Händen Marys dicken Bauch befühlte. Er nickte zuversichtlich, nahm einen gehörigen Schluck aus der Schnapsflasche und begann sein Werk. Nach kurzer Zeit ertönte ein heller Schrei und der Arzt hielt triumphierend einen schmierigen Bengel in die Höhe. Beim Anblick der Nachgeburt kippte ein Kartenspieler lautlos ins Stroh.
„Gratulation, es ist ein gesunder Junge. Wer ist denn der Vater?“
Jonny räusperte sich, biss auf die Lippen und schwieg.
Der Arzt tunkte das Kind einige Male in den Wassereimer, wickelte es in eine wärmende Pferdedecke und reichte das quäkende Bündel der glücklichen Mutter.
„Wie soll er denn heißen? Wir können ihn auch gleich taufen! Treffenderweise ist mein Karnevalskamerad Balthasar der Dorfgeistliche. Der erledigt das in nullkommanix.
Ballo, kommst du mal?“
Der Angesprochene trat sorgfältig seinen Zigarrenstummel im Stroh aus und trat näher.
„Aber erst einen Schnaps! Wie soll er denn nun heißen?“
„Darüber haben wir uns ehrlich gesagt noch gar keine Gedanken gemacht. Oder, Jonny, was meinst du?“
„Nennen wir ihn Julius Cäsar!“ „Ne, den gab es schon mal.“
„Dann eben anders!“
„Gute Idee!“
„Was hast du denn für Schuhe an? Nennen wir ihn doch Salamander.“
Das sind keine Salamander, das sind Birkenstocksandalen!“
„Birkenstock als Jungenname klingt irgendwie schwul. Man sagt zu den Dingern doch auch Jesuslatschen!“
„Du kannst den Knaben doch nicht auf „Jesuslatschen“ taufen!“
„Dann eben bloß Jesus!“

Keiner der Personen im Raum bemerkten die beiden grünlichen Gesichter, die sich ihre Knubbelnasen an der Fensterscheibe platt drückten. Natürlich hörten sie auch nicht ihr Gemurmel. Und wenn, hätten sie es nicht verstanden, denn es war Nordmarsianisch.
„Jetzt haben wir den Salat! Der Bengel wird mit seinen marsianischen Genen als Zimmermann nicht ausgelastet sein. Dann kommt er auf dumme Gedanken und wird zu einem Aufruhr gegen unser Fremdenverkehrsamt aufrufen. Genau, wie es der Große Deimos Hornyblub vorher gesehen hat.“
„Du hast recht. Wir müssen etwas unternehmen!“, stimmte ihm der andere Marsianer zu. „Warum musste Deimos Hornyblub die Kleine auch gleich befruchten. Er dachte, weil sein Tentakel so dünn ist, würde es keiner merken, wenn ihre Jungfräulichkeit unberührt bliebe.
An eine Trächtigkeit der Terranerin hatte er gar nicht gedacht. Typisch tentakelgesteuerter Aristokrat!“
„Meinst du wirklich, dass er uns gefährlich werden könnte?“
„Natürlich! Bedenke, durch sein überlegenes marsianisches Erbgut besitzt er Fähigkeiten,
die ihn über seine Zeitgenossen erheben werden. Er wird schnell viele Anhänger finden, zumindest mehr als zehn. Was meinst du, wie die staunen, wenn er aus Leitungswasser einen edlen Prädikatswein destilliert oder über Massenhypnose mit fünf Döner „mit ohne alles“
ein ganzes Fußballstadion zum Erbrechen bringt. Und dann noch die Sache mit der gesteuerten Antigravitation, du weißt schon, das mit auf dem See laufen können.
Und auch seine Heilkünste! Nein, der wird hier nachher eine ganz große Nummer auf Terra und wir können uns ein anderes Naherholungsgebiet erschließen. Also, was schlägst du vor?“
„Lass ihn doch erst mal etwas älter werden. Vielleicht stellt er sich selber ein Bein und kriecht rechtzeitig zu Kreuze.
Sollte uns die Sache aus dem Ruder laufen, schicken wir Spezialagentin Judith Ischarius,
der schwärzt ihn dann bei den Romolanern an. Was dann kommt, weißt du ja. Entweder eine Löwenfütterung im Circus Maximus oder zwei Balken und eine Packung Zimmermannsstifte. Schrecklich, diese unsensiblen Menschlinge!
Ich glaube, es ist besser, wenn wir diese Ischarius aus der Abteilung „Fremde Welten Ost“ gleich auf ihn ansetzen. Soll sie ihn beobachten und nach eigenem Ermessen handeln!“

Im Innenraum hatte das Geschehen seinen Lauf genommen. Ballo hielt das Kind auf dem Arm, nahm noch einen Schluck, rülpste und sprach salbungsvoll:
„Ich taufe dich dann mal auf den Namen Tennissocke!“
„Sauf nicht immer so viel vor der Taufe! Nicht Tennissocke, Jesuslatschen hatten wir gesagt.
Quatsch, bloß Jesus! Und mach ihm irgendein Zeichen auf die Stirn, so wie beim Käsekästchen, ein Kreis oder ein Kreuz oder irgend so etwas. Bloß mach hin und gib ihn dann der Mutter wieder. Ich muss los, meine Alte macht sonst wieder Theater. Ich hör sie schon keifen. Du und dein blöder Karnevalsverein, wird sie wieder sagen!“
Balthasar überlegte kurz, kreuzte den Jungen auf der Stirn an und gab ihn dann an Mary weiter. Sie hielt ihn etwas ungeschickt. „So musst du ihn halten, sonst kriegt er es später im Kreuz!“, gab Dr. Kasperle einen gut gemeinten Rat. „Wohin führt euch morgen eure Reise?“
Jonny antwortete an Marys Stelle. „Wir wollen nach Nazareth, ich hab da eine kleine Tischlerei und eine Angelhütte am See. Da werden wir es uns mit dem Knaben gemütlich machen. Ich werde ihm beibringen, was man mit Hammer und Nagel so alles anstellen kann. Mary wird dann wieder als Hostess und Sekretärin im Fremdenverkehrsamt arbeiten.“
Dr. Kasperle dachte sich still seinen Teil Ihm kam die Sache nicht so ganz geheuer vor.
Er hatte in letzter Zeit öfter Kinder auf die Welt geholt, die bei der Geburt schulterlanges Haar, einen Vollbart und einen Penis von der Länge und der Stärke gekochter Riesenspagetthi aufwiesen. Aber ihm konnte es egal sein, wie die Sache ausging.

Wie die Sache wirklich ausging, hat nie jemand erfahren, denn die, die es wissen mussten, ruinierten wenige Jahre später ihren roten Heimatplaneten mit einer defekten Gebäudetrocknungsanlage und zerfielen nach und nach zu Staub. Spezialagentin Ischarius erledigte ihren Auftrag, kam aber kurz danach bei einem Kommandounternehmen in der Wüste durch einen falsch gebundenen Krawattenknoten ums Leben. Amen.

 

Dr. Frank Hess
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