~ Dr. Frank Hess Geschichten ~
 

Unterschiede

Haben Sie schon einmal darüber nachgedacht, welche Unterschiede es bei einer indischen Ayurveda-Massage, einem chinesischen Essen und einem gleichen Unterfangen in Wuppertal (liebe Wuppertaler, ich hätte auch Potsdam, Saarbrücken oder Hodenhagen nehmen können, also setzt euch wieder hin oder geht essen oder zur Massage!) gibt? Nein? Fangen wir an.

Chinesisches Essen.

Wuppertal: Der Koch hat Wupper, äh,ne, Hepatitis A, B und C (der Rest ist in Deutschland verboten)und stammt aus Indien, die grinsende Kellnerin nennt sich Mai Thai und ist aus Vietnam. Um 19.00 Uhr war die Ente bereits zwei Jahre tot und taut gerade auf. Das Fleisch hat Gefrierbrand. Bis zur chinesischen Mauer ist es verdammt weit. Sie trinken Reiswein aus Berlin. Der Reis klebt nicht. Die Pilze sind Shitake. Der Glutamatgehalt Ihres Essens liegt bei 47%. In der Küche leben Kakerlaken. Das Essen plus zwei Pilsner kostet 23.45 Euro. Auf dem Heimweg werden Sie von einem pakistanischen Taxifahrer beschissen. Den Pilzsalat hatten Sie abgelehnt. Sie haben gute Chancen auf einen unfreiwilligen Rolex-Verlust. Private Beziehungen zur PKK sind sinnvoll. Anderentags haben Sie Sodbrennen. Dumm gelaufen.

Peking: Der Koch hat Hepatitis A, B, C, D, E, F, G H, R, S, T und Typhus und stammt aus Indien, die grinsende Kellnerin nennt sich Mai Thai und ist aus Vietnam. Um 19.00 Uhr war die Katze zwei Jahre alt und noch am Leben. Das Fleisch ist frisch. Bis zur chinesischen Mauer ist es verdammt weit. Sie trinken Reiswein aus Bangkok. Der Reis klebt. Die Pilze ähneln Shitake. Der Glutamatgehalt liegt bei 47%. In der Küche sind die Kakerlaken vor etwa 35 Jahren von den Ratten ausgerottet worden. Das Essen plus zwei Tsingtao-Bier kostet 123,45 Euro. Auf dem Heimweg werden Sie von einem pakistanischen Taxifahrer beschissen. Sie nehmen in Ihrer Umgebung seltsame Farben und Muster wahr. Sie haben gute Chancen auf einen unfreiwilligen Spendernierenverlust. Private Beziehungen zur PKK sind sinnlos. Anderentags haben Sie Typhus. Nichts läuft mehr.

Ayurveda-Massage.

Wuppertal: Sie müssen sich bis auf die Unterhose ausziehen. Der Raum ist erfüllt von wohlklingenden Düften und aromatischen Klängen. Die CD für die Klänge wurde in Wuppertal schwarz aus dem Netz heruntergeladen. Ihre Masseuse ist eine slowenische Nutte mit lackierten Fingernägeln, Körbchengröße 75 DD. Sie trägt nur einen Stringtanga. Sie genießen die entspannende Wirkung und den Duft der ätherischen Öle. Sie werden vom Verfassungsschutz gefilmt. Sie bezahlen 85 Euro. Auf dem Heimweg werden Sie von einem pakistanischenTaxifahrer beschissen. Anderentags fühlen Sie sich wohl, werden aber von der Polizei als Zeuge wegen Verstoßes gegen das Lebensmittelkontrollgesetz geladen.

Mumbay: Sie müssen sich nackt ausziehen. Der Raum ist erfüllt von seltsamen Klängen, schwarz aus dem Netz in Singapur heruntergeladen, es stinkt nach Sondermülldeponie mit defektem Damen-WC. Ihr Masseur ist ein ehemaliger Kashmeerziegenhirt mit schmutzigen Fingernägeln, Körbchengröße 175 DD. Er trägt nur Sandalen und einen Turban. Sie überleben irgendwie die Tortur und den bestialischen Geruch von verbrannten Autoreifen und Aas. Sie werden von der Drogenmafia gefilmt. Sie bezahlen 85 Rupien. Auf dem Heimweg werden Sie von einem pakistanischen Taxifahrer beschissen. Ihr Herz-Lungen-Paket hat gute Chancen, in dem Körper eines russischen Erdgasmagnats richtig groß heraus zu kommen. Anderentags müssen Sie schleunigst zum Orthopäden und werden als Verdächtigter in einem Drogenprozess verhaftet und außerdem von Greenpeace belästigt.

Das Mittelmeer

Das Mittelmeer ist ähnlich wie das Mittelohr von festen Sachen umgeben. Ebenso wie das Mittelohr sich nicht in der Mitte des Kopfes befindet, liegt das Mittelmeer auch nicht in der Mitte der Erde. Am Mittelmeer liegt ein Land, das aussieht wie ein zerknitterter Stiefel. Die Einwohner werden von einem sexsüchtigen Profilneurotiker regiert und ernähren sich von Nudeln und Mafiafladen, im Ausland auch als Pizza bezeichnet.

Gegenüber liegt Afrika. In Afrika sind nicht alle schwarz. Zebras zum Beispiel sind gestreift und kommen so nicht ihn den Genuss von Apartheitsgesetzen und der Welthungerhilfe. Somit sind Zebras arme Schweine, was zoologisch unlogisch ist. Wie so vieles.

Griechenland liegt auch am Mittelmeer und finanziell am Boden. Dafür liegt der Bodensee zum Teil in Deutschland. Deswegen müssen wir Geld nach Griechenland schicken, weil wir noch nicht ganz am Boden liegen. Ebenfalls am Mittelmeer liegt Libyen, nicht zu verwechseln mit Lybien und Siryen. Die beide auf Melmac liegen. Erwähnenswert sind auch noch die Mittelmeeranrainer Israel und Spanien. Israel kann die Araber nicht leiden, Spanien dafür auch nicht so.

Auf keinen Fall darf man in einer Geschichte über das Mittelmeer Frankreich und Algerien vergessen. Beide Länder verbindet eine innige Freundschaft. Die Algerier haben es gern warm. Darum zünden sie oft Autos in Frankreich an und freuen sich zu den Flammen. Frankreich selbst wird von einem Kleinwüchsigen regiert, der gerne Hackenschuhe trägt und Angela Merkel anbaggert.

Wer Algerien regiert, weiß man nicht so genau. Ein beliebter Volkssport in den afrikanischen Mittelmeerländern ist das Langstreckenschwimmen nach Europa. Da der Schwimmunterricht dort mangelhaft ist und Burnusse und Kaftane sehr viel Wasser aufsaugen, geht das oft schief. Dumm gelaufen oder besser, dumm geschwommen.

Auf keinen Fall darf man beim Thema Mittelmeer die Inseln vergessen. Bei denen ist im Gegensatz zum Mittelmeer das Land innen und das Wasser außen. Sehr bekannt ist Silizien, die Heimat von Mikrochips, Vulkanen und organisiertem Erbrechen.

Die Türkei, im Englischen gerne als Truthahn bezeichnet und zu Thanksgiving verspeist, liegt auch am Mittelmeer. In der Türkei wohnen die türken, die noch nicht woanders wohnen. Alle Türken sind innig in Griechenland verliebt, was historische Gründe hat..

Es muss auch an Ägypten gedacht werden. Dessen Nil füllt das Mittelmeer immer wieder auf, wenn Wasser durch die Straße von Gibraltar in den Atlantik abgeflossen ist. In Ägypten gibt es Pyramiden. Leider haben die alten Pharaonen die verfallen lassen. Deswegen erschießen die Ägypter ab und zu europäische Touristen aus pädagogischen Gründen.

Zusammenfassend kann man feststellen, dass das Mittelmeer Afrika, Asien und Europa trennt. Die einen finden das gut, die anderen nicht so. Norwegen und Japan haben keinen direkten Zugang zum Mittelmeer. Darum sind sie mächtig angepisst und jagen aus Rache Wale. Das ist unfair. Paraguay liegt auch nicht am Mittelmeer und besitzt trotzdem keine Walfangflotte. Denk ich mal.

Kenya zum x. Mal - Der Report

Dieser Reisebericht unterscheidet sich insofern geringfügig von den vorhergehenden, als dass er bereits in der Nacht vor meiner Abreise beginnt.

Mich alkohol- und somit schlaflos im Bett wälzend, fasste ich gegen 2.00 Uhr den folgenschweren Entschluss, das warme Ehebett zu verlassen, um in der Küche eine Treppe tiefer meinen trockenen Gaumen doch noch mit einem Fläschchen Bier zu befeuchten. Auf das Einschalten des Treppenhauslichtes verzichtete ich großzügig.

Unser treuer Rottweiler, der wie gewöhnlich in seinem Körbchen vor der Schlafzimmertür nächtigte und dessen eigentliche Aufgabe es war, durch Lautgeben mir das Eindringen von Räuberbanden kund und zu wissen zu geben und nach Gebrauch meines 357 Smith&Wesson die sterblichen Überreste der Verbrecher zu beseitigen, witterte Morgenluft und machte sich nicht unberechtigt Hoffnung auf ein Stück Salami, da Herrchen in Richtung Kühlschrank unterwegs war. Leider folgte er mir etwas ungestüm, und das im wahrsten Sinne des Wortes auf dem Fuße, und zwar auf meinem adilettenbewehrten Fuß. Was zur Folge hatte, dass 50 kg Hund nach dem physikalischen Gesetz W kin = m/2v² zu einer gewissen Gangunsicherheit meinerseits führten. Will sagen, ich kam auf der Treppe zu Fall.

Es ertönte ein Geräusch, das sich am ehesten mit einem „Batschgnuck“ vergleichen ließ. Dieses Geräusch war mit einem Gefühl verbunden, als ob mir ein übergewichtiger kongolesischer Kannibale einen armstarken glühenden Bratspieß in die Rosette rammen würde. Kurzum, mein Steißbein (für den medizinischen Laien Os coccygeum) war gebrochen. Wenige Stunden vor Reisebeginn, tolle Sache.

Ach was, mit Ibuprofen wird es schon geh´n! (Man beachte die hohe Dichtkunst an dieser Stelle!) Zuerst fahren, und zwar zweieinhalb Stunden Auto nach Berlin/Tegel. Zumutbar, da ich meinen Allerwertesten auf ein ringförmiges Schaumstoffkissen bettete, ein Relikt einer an Hämorrhoiden leidenden verblichenen Großtante. Aber mit dem Sitzring ins Flugzeug? Das hätte wohl beim Sicherheitspersonal und bei den anderen Passagieren Heiterkeit ausgelöst.

Um es kurz zu machen, die acht Stunden Flug wären für einen analfixierten Masochisten ein wahres Highlight gewesen, für mich war es die Hölle im Himmel sozusagen, also in 11 km Höhe.

Am Flughafen wartete wie immer mein getreuer Fahrer David mit seinem charmanten Duft einer Mischung aus lange getragenen Rosshaarsocken und vergorener Milch. Dann nahm alles zunächst seinen gewohnten Lauf. Marginale Beschwerden wie verspannte Rückenmuskulatur etc. waren nach wenigen speziellen Massagen wie (Achtung, Wortspiel!) weggeblasen.

Jetzt werde ich kurz ernsthaft. Die Verteilung der Spendengelder verfolgen Sie bitte unter „Projekt Poliomyelitis“. Dort bitte herunterscrollen. Sie werden leider unschöne Sachen lesen.

Aber zurück zur Satire. Gut bei meinem Freund Carl angekommen, jahreszeitbedingt kaum Mosquitos. Alles schön, wenn nur mein lädierter Arschhaken nicht wäre. Und dann der Schock! Temperatursturz und Sturzregen! Das Thermometer sank unter 30°C!


Gefroren hab ich direkt nicht so

Strandbesuch unmöglich, Straße glich Kongo-River-Stromschnellen. Apropos Strom, der war auch weg.

Zurück zum Steißbein. Ich suchte einen heilkundigen Inder auf, der mir für sagenhafte drei Euro eine Salbe aus Mumbay verkaufte. Voller Vertrauen und nach dem Motto „Viel hilft viel“ strich ich mir einen knappen Teelöffel auf die schmerzende Region oberhalb der Kimme und wartete auf die segensreiche Wirkung. Da ich zwar der indischen Sprache (immerhin kann ich nein, danke und Guten Tag sagen!), nicht aber des geschriebenen Hindu-Wortes mächtig bin, waren für mich Inhaltsstoffe und Anwendungsweise indische Dörfer. Dem Geruch nach musste Terpentin ein wichtiger Bestandteil dieser Zaubersalbe sein. Dem Gefühl nach eher glühende Kohlen!

Mit letzter Kraft entfernte ich mittels Tempotuch die Salbe von meinem Achtersteven, kurz bevor selbiger in Flammen aufging. Fazit: Dosis drastisch reduzieren. Mit einem Pfund Salbe hätte man einen ausgewachsenen Elefantenbullen grillen können, und zwar well done, nicht bloß medium. Finalgon extra ist eine lächerliche Marmelade dagegen.


Der Fortschritt macht auch vor Kenya nicht halt

So verstrichen die Tage mit lesen, schlafen, Mango essen, nachmittags ein paar Patienten, Simba Cane trinken. Plötzlich ein Kurier mit einem amtlichen Schreiben. Nanu?

Ich hätte mich anderentags morgens auf der Polizeiwache einzufinden, ansonsten drohe Verhaftung, es seien schwere Anschuldigungen gegen mich erhoben worden!

Keine Andeutungen, welche. Ich war mir keinerlei Schuld bewusst!

Schlaflose Nacht, folgende Strategie: Dumm stellen, mangelhaftes Englisch vortäuschen, so dass mein deutscher Freund Carl, der seit 22 Jahren in Kenya lebt, als Dolmetscher mit zum Verhör kommen durfte. Lange Hose und Hemd anziehen, rasieren und in allen möglichen Taschen Geld mitnehmen. So, also hin da. Verhör begann.

Ich hätte einer ehrbaren jungen Dame (sprich einer kriminellen Nuttenschlampe) eine Stelle als Hausmädchen zugesagt und einen Arbeitsvertrag mit ihr abgeschlossen, der ein Gehalt von 2000 Euro (!!!) für zwei Wochen Bude saubermachen versprach und diesen dann nicht eingehalten. Ich wäre nun also zur Zahlung von 2000 Euro verpflichtet. Puh!


Mein diesmaliges Hausmädchen

Ich bestritt wahrheitsgemäß solche Absprachen und einen existierenden Arbeitsvertrag vehement. Wo dieser denn wäre? Den hätte die junge Dame angeblich verloren. Aha.

Diese Summe und der nicht vorhandene Arbeitsvertrag erschienen nun selbst der Polizei als lächerlich. Trotzdem dauerte das Verhör ca. eine Stunde. Am Ende schenkte man mir Glauben, ließ mich ein fünfseitiges Protokoll unterschreiben und erklärte mir, dass ich mir keine Sorgen machen müsste, die Gerichtsverhandlung würde keine fünf Minuten dauern, dann wäre ich freigesprochen. Bis zur Verhandlung dürfe ich Kenya allerdings nicht verlassen. Wann denn die Verhandlung so wäre, war meine Frage. Schwer zu sagen, so im Mai vielleicht.

Im Mai?? Also lag meine Frage nach einer Alternativlösung auf der Hand, und zwar in Form von 30 Euro. Müdes Lächeln. Es seien ja schließlich Schreibgebühren angefallen. Okay, zweiter Versuch. 130 Euro.

Kurzes Nachdenken des Polizeioffiziers, schmieriges Grinsen. Aus diesem blöden Weißbrot muss doch noch mehr herauszuholen sein! Ich erhöhte auf 200 Euro!

Zufriedenes Lächeln, shake hands, case closed. Die Frage nach einer Quittung verkniff ich mir vorsichtshalber. Verhörprotokoll wanderte in den Papierkorb. Gute Wünsche beiderseits an die Familien.

Meine gute Laune stellte sich allerdings noch nicht umgehend ein, wähnte ich mich schon phasenweise zusammen mit 50 schwarzen Massenmördern bei Maisbrei und Wasser in einer drei m² großen Zelle auf das Erschießungskommando wartend.

Aber Ende gut, alles gut, bis auf mein Steißbein.

Ich konnte meine Recherchen beginnen, wie es zu diesem Zwischenfall gekommen war. Das entnehmen Sie bitte dem Bericht in „Projekt Poliomyelitis“. Natürlich blieb Wut und Enttäuschung in mir, und das in einem Land, für dessen Bewohner ich schon soviel getan hatte. Etliche Drohanrufe und SMS seitens der Verbrecherbande, die mich in diese Falle gelockt hatte, versüßten mir nicht gerade den Tag. Eigentlich wollte ich den Astrophysikern nahe legen, den Fachterminus „Schwarzes Loch“ in „Farbiges oder maximalpigmentiertes Loch“ umzubenennen, aber angesichts dieser Vorfälle habe ich da jetzt so meine Zweifel.


Die afrikanischen Mistkäfer neigen zu Adipositas

Nun wird dieser Reisebericht zum zweiten Mal von den üblichen abweichen, denn am 27.2. reiste meine Gattin an und wir zogen um ins Hotel Serena Beach. Abholung vom Flughafen vermittels Fahrer David, der sich zu Ehren des Tages extra eine Hose mit nur einem Loch angezogen hatte.


Meine Frau (mit Hut) und ein Dromedar

Ankunft im Hotel, Zimmer fein, Klimaanlage war auf gefühlte minus 20 Grad gestellt. Selbige sofort ausgeschaltet.

So, von nun an wird der Report im Prinzip langweilig, weil er einer normalen Reisebeschreibung eines normalen Pauschaltouristen gleicht (NICHT, weil nun meine Frau da war!).


Meine Gattin und das Krokodil

Ich zeigte ihr alles, was es in näherer Umgebung zu sehen gab, die Reptilienstation meines Freundes Jackson, die Krokodilfarm, eine kleine und eine große Safari, die Dörfer der Bevölkerung, die brennende Müllhalde namens Mombasa.


Sieht aus wie ein Einkaufsbummel in China fürs Mittagessen, ist es aber nicht

Meine Gattin kam in den Genuss einer von mir geführten Wattwanderung, eines Dromedarrittes und eines Sonnenbrandes. Bald war Zeit für die Heimreise, welche ohne nennenswerte Zwischenfälle verlief. Kwaheri, Kenya!

Afrika zum 14.

Was tut man, wenn es in Deutschland zu kalt zum Nacktbaden und Terrassenkopulieren wird und die Reifriesen ihre schwarzen Füße schon am Nachmittag herausstrecken?

Man fliegt nach Kenia, zum vierzehnten Mal.

Dank des Wolgaster Ostseereisebüros einen Direktflug mit Air Berlin von Berlin/Tegel nach Mombasa ergattert. Der Flug wie üblich. Die Normalotouristen schwer bepackt, als ob sie auswandern wollten. Jedes Gratisgetränk wird mitgenommen, Tee, Kaffee, Tomatensaft, Wasser, egal, „wennsch nix koschte tut“, her damit. Folge: meterlange Schlangen vor den Toiletten. Ich bin amüsiert.

Morgens um sieben Uhr pünktliche Landung, feuchtheiße 32°C. Welche Wonne für meinen novembergeschädigten Kadaver. Dank 20 Euro Schmiergeld keine Probleme mit Einreise und Zoll. Sächsische, schwäbische und bayrische Erstlingspauschaltouristen („Für was soll ich dem Schwarze da Geld gäbe??) bewundern, wie Zöllner in ihrer Feinrippunterwäsche herumwühlen und sich die mitgebrachte Mettwurst unter den Nagel reißen. Offiziell wegen Schweinegrippegefahr natürlich. Mein Zwerchfell flattert wie ein Segel ohne Lazy Jacks im Wind

Meine Abholung steht bereit wie immer. Fahrt durch Mombasa an die Nordküste schon Routine. Am Domizil angekommen, stehen meine Geldfälscher und der Telefonmann schon Spalier. Meine Geldfälscher ärgern sich jedes Mal noch schwärzer als sie ohnehin schon sind, dass ich mich am Vortag im Internet über den aktuellen Wechselkurs informiert habe.

Nach wenigen Minuten sind alle Formalitäten erledigt, Bude bezogen und Kreislauf mit einem halben Liter Mineralwasser am im Kreis laufen gehalten. Kreislauf gehört nämlich zu den wenigen Dingen, die man erst vermisst, wenn man keinen mehr hat. Dabei festgestellt, dass der Taliban mittlerweile zu Besuch gewesen sein muss, hat er mir doch eine dicke Bombe neben den Kühlschrank gestellt!


Die Bombe

Dann ist bis zur Abreise eigentlich nichts passiert, wenn man von meiner Spendengeldverteilung an die Poliomyelitisopfer - siehe Projekt Poliomyelitis - 376 erschlagenen Fliegen, 1348 Moskitostichen, einem Besuch bei meinem Freund Jackson Iha in seiner Reptilienstation und der Behandlung von diversen Patienten absieht.


Besuch bei Schlangen-Jackson

Der Tagesablauf sieht in etwa so aus:

10.00 Uhr aufstehen, Wasser trinken, duschen, Wasser trinken, an den Strand tappeln, Wasser trinken, eine Stunde baden (Wassertemperatur exakt bestimmt, 32,5°C), dann im Schatten einen Sonnenbrand holen, Wasser trinken, zurück in die Bude latschen, dabei 37 Bettler abwimmeln, Wasser trinken, lesen, vielleicht etwas unter dem High Tech-Ventilator schlummern, dabei mindestens dreimal von Kenianern geweckt werden, die Sodbrennen, Kopfschmerzen oder eitrige Beulen auf dem Rücken haben, Fliegen erschlagen, warten, dass es 18.00 Uhr wird.


Das Herzstück meiner High Tech-Aircondition

Denn was bedeutet 18.00?

Richtig! Mischungstime!


Mischungstime am Möbeltisch Marke Schippenstiel

Ein großes Glas mit einem Malariamedikament namens Simba Cane, Mangosaft und Mineralwasser füllen und dann Halleluja. Gelegentlich auch mal ein paar Guinness, schließlich muss man ja auch mal was essen. Nach diversen Mischungen tritt Bettschwere ein, welche mit einem gewissen Gleichgültigkeitsgefühl Moskitostichen gegenüber einher geht.


Keine Chance für Malaria!

Schließlich hat man ja vorgesorgt. Langweilig wird es nämlich nie, tagsüber wird man von Fliegen geplagt. Diese gehen aber pünktlich um 19.00 Uhr zu Bett, dafür erwachen dann die Moskitos zur Nachtschicht, nicht minder vergnügungssüchtig.


Meine patentierte Moskitonetzreparaturtechnik

Die Zeit bis zum Abflug verging wie im Fluge. Kurz vor der Abreise dann die Horrormeldungen:

Schneechaos in Deutschland!
Bayern gewinnt gegen Frankfurt 4:1!
Wintereinbruch!
Alle Straßen gesperrt, alle Flughäfen dicht!
Deutschland unter Schneemassen begraben!
Von Deutschland guckt nur noch das Kreuz auf der Zugspitze heraus!

Abflug tatsächlich zwei Stunden verspätet. „Dasch Flugzeug musch erscht enteischt werde!“
Ja, klar, bei 35°C in Mombasa, liebe schwäbische Mitreisende.

Doch Air Berlin lässt sich nicht lumpen und spendiert jedem Reisenden ein Gratis-Sandwich mit viel Majonäse, eine Mahlzeit, von der ich bei Temperaturen jenseits der 30°C dringend abrate. Durchfall im Flugzeug ist nur bedingt unterhaltsam.

Wartezeit damit verkürzt, indem ich selbiges Salmonellensandwich an die zahllosen Kungurus (das sind Krähen, nicht Kängurus) verfüttere.

Landung in Tegel, meine tapfere Frau hat sich allem Unbill der Witterung zum Trotze durch zentimeterhohe Schneewehen geschlagen und steht mit meinem winterbereiften Autowagen bereit, Rückfahrt nach Hause anne Küste hinnern Deich ohne besondere Vorkommnisse, musste nicht mal pinkeln.

Komme mir vor, wie vom brennend heißen Wüstensand in El Alamein an die eisige russische Ostfront nahe Stalingrad versetzt.

Auf wieder sehen, Kenia, bis zum nächsten Mal!

Das Wohnmobil

Interessiert sahen sich die vier Jungs auf dem Gelände des Wohnmobilvermieters um.

Sie hatten bereits ein besonders schickes Model erblickt, als Herr Kulanski, der Besitzer der Vermietung, sie ansprach.

„Na Jungs, wie kann ich euch helfen, wollt ihr ein Wohnmobil mieten?“.

Wie er das nur erraten hatte!

„Jo, genau so ist es! Den weißen-grauen Racer hier wollen wir haben. Eine Woche lang!“, war die Antwort von Torsten, der dabei abschätzend an einen Reifen des Wagens trat. Der Vermieter räusperte sich: “Äh, naja, also das ist unser neuestes Modell, das kostet sehr viel! Wollt ihr nicht vielleicht lieber den beigen da hinten haben, der ist schön billig!“. Er drehte sich um und zeigte auf ein Vorkriegsmodell, das allem Anschein nach gerade an der Rallye Paris-Dakar teilgenommen hatte. Der Antwort der vier Jungs war klar. „Nööö, die olle Mühle doch nicht! Wir haben für den Urlaub gespart, wir wollen den Neuen hier haben! Der ist genau richtig für uns! Wir bezahlen ja auch.“

Der Vermieter kam aus der Sache nicht mehr heraus. Nun musste er den schönen neuen Wohnwagen für die Jungfernfahrt an diese vier Rüpel geben. Hm, vielleicht waren sie ja doch ganz vernünftig. Trotzdem warnte er: „Denkt dran, der ist ganz neu! Auf dem Lack ist nicht ein Kratzer und das wäre schön, wenn das so bleibt! Und der Teppich da drin muss auch unbedingt sauber bleiben, der kann nur ganz schonend gereinigt werden. Und nutzt die Bordtoilette möglichst selten. Und während der Fahrt müssen alle von euch auf den Sitzen angeschnallt sein, im Wohnwagen umherlaufen ist nicht erlaubt, klar?“ Obgleich der ernsten Stimmlage, hörten die Jugendlichen gar nicht hin. Der Vertrag wurde unterschrieben und die Jungs zahlten in bar. Die Geldscheine sahen alle aus wie schon dreimal mitgewaschen. Egal, Geld ist Geld. Die Urlauber verließen euphorisch das Büro und Herr Kulanski vertiefte sich wieder in seinen Papierkram auf dem Schreibtisch.

Vor der Tür entbrannte plötzlich ein Streit, wer das Wohnmobil denn nun zuerst fahren dürfe. Einer setzte sich durch, dann stiegen alle ein. Der Vermieter, durch den Streit leicht irritiert, versank wieder in seinen Unterlagen. Plötzlich hörte er einen Motor aufheulen und blickte nach draußen. Die vier Verrückten fuhren mit durchdrehenden Rädern auf dem Schotterplatz los und drehten sogar noch hupend eine Extrarunde auf dem Parkplatz. Die Steine des Schotters wurden durch die Reifen ununterbrochen an den neuen Lack geschleudert. Dem Vermieter fiel der Stift aus der Hand. Sein schönes Wohnmobil! Im Racer selbst war natürlich gute Stimmung! Die Stereoanlage hämmerte auf voller Lautstärke elektronische Klänge durch die Boxen, Benni, Torsten und Mike sprangen freudig durch den Wagen. Nur Basti nicht, der musste ja fahren. Dumm war nur, dass bei der Kreisfahrt auf dem Parkplatz das neue Geschirr durch die hohe laterale Beschleunigung aus dem Hängeschrank fiel und unter lautem Scheppern auf dem Teppich zerschellte. „Egal, ich hab eh schon Pappteller gekauft!“, rief Benni unter Lachen. Die anderen waren begeistert. Bei dem Versuch, bei voller Fahrt vier Wodka-Cola zu mischen, schäumte die geschüttelte Cola über und ergoss sich auf den Teppich. Triumphierendes Gelächter bei den Jungs. „Torsten, wisch das mal auf oder leg da Küchenrolle rauf!“, meinte Mike, der längerfristige Verschmutzung verhindern wollte.

„Hää, bist du weich oder was? Das trocknet doch von alleine!!“, entschied Torsten fachmännisch und konnte Mike so überzeugen.

Zuhause angekommen luden sie schnell ihr Gepäck, Essen und die restlichen Getränke ein, dann ging die Reise los. Nach Barcelona sollte es gehen! Alle drei Stunden sollte der Fahrer gewechselt werden, weshalb sich die Vier selbst die Regel auferlegten, pro Stunde maximal einen Wodka-Cola pro Person zu trinken. Schließlich musste die Fahrtüchtigkeit bewahrt werden. Benni war der erste Fahrer und nach zwei Stunden so betrunken, dass er abgelöst werden musste. Das machte aber nichts, denn Mike übernahm gekonnt das Steuer. Der Fahrerwechsel erfolgte auf der Autobahn. Nein, nicht auf einem Rastplatz, sondern bei 140 Km/h auf der linken Spur.

Nach weiteren drei Stunden übernahm Basti lallend das Steuer. Benni schlummerte derweil hinten im Bett, nachdem er kotzend das Bordklo eingeweiht hatte. Lange Zeit später und kurz hinter der französischen Grenze war keiner mehr fähig, klare Bilder zu erkennen. Daher entschied Mike weise, eine Pause einzulegen. Mit abwechselnd einem zugekniffenem Auge steuerte er das Wohnmobil präzise auf einen Parkplatz. Dass er dabei die Begrenzungspfeiler und ein anderes Auto streifte, interessierte ihn nicht. Erschöpft tranken alle ihren letzten Wodka-Cola aus und gingen zu Bett.

Geweckt wurden sie kurze Zeit später durch ein lautes Hämmern an der Wohnwagentür, doch nur einer war in der Lage aufzustehen. Die anderen drehten sich um und schliefen wieder ein. Torsten, nur mit Boxershorts bekleidet, taumelte zur Tür und öffnete selbige. Eine aufgebrachte Frau gackerte auf einer Sprache, die er nicht verstand, wild gestikulierend auf ihn ein und zeigte abwechselnd auf das Wohnmobil und auf den abgefahrenen Seitenspiegel ihres nebenan parkenden Autos. Torsten, völlig überfordert mit der Situation, nuschelte „Lass mich in Ruhe…“, drehte sich um und knallte die Tür zu. Da er jetzt schon mal wach war, beschloss er, gleich weiterzufahren. Er entleerte seine Blase im Waschbecken der Bordtoilette und startete den Motor. Die aufgebrachte Frau stellte sich hinter das Wohnmobil und versuchte so, die Rowdies von der Abfahrt abzuhalten. Unbeeindruckt stieß Torsten zurück. „Hau ab da, alte Meckerziege! So’n kleiner Parkrempler kann doch mal vorkommen…“. In letzter Sekunde sprang die Frau beiseite. Konzentriert steuerte Torsten den Wagen zurück auf die Autobahn und spülte drei Coffeeintabletten mit einem abgestandenen Kaffee runter. Das macht fit.

Als sie 12 Stunden später an ihrem Zielort ankamen, wurden die anderen auch langsam wieder wach. Allgemeines Klagen über Kopfschmerzen und Übelkeit setzte ein. Jetzt war es Zeit für das erste gemeinsame Frühstück im warmen Spanien. Da es draußen regnete, mussten sie drinnen essen. Es gab Marmeladenbrötchen und Wodka-Cola. Aus Bennis erschöpfter Hand rutschte ein Brötchen, das gesetzeskonform mit der Marmeladenseite auf dem Teppich landete. „Tritt sich fest.“, war sein einziger Kommentar dazu. Nach dem zweiten Mischer wurden alle langsam wieder fit. Die Stereoanlage wurde aufgedreht und da der Regen aufgehört hatte, konnte die Party nach draußen verlagert werden. Die Jungs bauten einen kleinen Pavillon auf und stellten einen Tisch und vier Campingstühle drum herum.

Da sie nicht an eine Fußmatte gedacht hatten, wurde der vom Regen aufgeweichte Boden bei jedem Schritt in das Wohnmobil in den Teppich einmassiert. Am Abend war der ganze Teppich gleichmäßig mit Sand und Schlamm bedeckt, sodass weiterer Dreck nicht mehr auffiel. Zur Toilette mussten die Vier leider immer auf das Gemeinschaftsklo vom Campingplatz gehen, da das Bordklo durch Bennis Erbrochenes immer noch kontaminiert war. Es fühlte sich auch niemand zuständig, die Misere zu beseitigen.

Die Tage in Barcelona vergingen schnell. Schäden am Wohnwagen traten keine auf, nur eine Flasche Ketchup wurde von Benni aus Versehen auf dem Armaturenbrett verteilt. Die wichtigsten Anzeigeinstrumente, wie Drehzahlmesser, wischte er jedoch verantwortungsbewusst wieder frei.

Dann kam der Tag der Abfahrt. Den Flaschenberg, bestehend aus 23 Wodka- und 21 Colaflaschen, ließen die Jungs, als Andenken an sie, großzügig zurück.

Da die Boxen durch die basslastige Musik bereits stark schnarrten, konnte die Stereoanlage nur noch leise betrieben werden. Und da bis auf Benni, der gerade Fahrer war, alle anderen auf den Betten lagen und schliefen, wurde auch Benni immer müder. Krampfhaft versuchte er sich wach zu halten. Plötzlich schreckte er durch eine Erschütterung und ohrenbetäubendes Quietschen hoch! Sofort erkannte er die Situation: er war eingeschlafen und dann mit dem Wohnmobil nach rechts gezogen und schliff nun an der Leitplanke! Von hinten rief Mike: „Benni, jetzt fahr doch mal ordentlich, wir wollen schlafen!“. Rücksicht nehmend steuerte Benni das Wohnmobil zurück auf die Straße. Sind bestimmt bloß ein paar Kratzer, dachte er.

Der Rest der Fahrt verlief ohne weitere Vorkommnisse, mal davon abgesehen, dass ein Steinschlag in den Pyrenäen die Frontscheibe beschädigte.

Endlich Zuhause angekommen, luden sie ihre Sachen aus dem Wohnwagen und fuhren zum Vermieter zurück. Sie parkten auf dem Parkplatz und gingen in das Büro. „Moin, da sind wir wieder und wollten das Wohnmobil zurück geben und die Kaution abholen!“, begrüßten sie Herrn Kulanski. „Ja, äh, ist denn alles in Ordnung mit dem Wagen? Keine Schäden?“, fragte der Vermieter.

Benni übernahm die Rolle als Gruppensprecher und versicherte dem Mann: „Nö, mit dem ist alles gut! Ein paar Gebrauchsspuren, aber das ist ja normal! Nur das Geschirr ist kaputt gegangen, aber das lag daran, dass das nicht kurvengerecht im Schrank lag. Also können wir da nix für! Achso, und die Frontscheibe hat einen Riss, aber da konnten wir auch nix für, in den Pyrenäen ist nämlich ein Stein vom Berg gefallen, genau auf die Scheibe.“ Dem Vermieter wurde langsam anders. „Ja, äh, am besten, wir sehen uns das mal an“, beschloss er mit langsam größer werdenden Schweißperlen auf der Stirn.

Als er das Wohnmobil sah, fiel er vom Glauben ab: ein Riss über die ganze Frontscheibe, zwei Felgen zerschrammt und zerbeult und offensichtlich unrund, und die komplette rechte Fahrzeugseite eingedrückt und so zerkratzt, dass kaum noch etwas von der ursprünglichen Farbe zu sehen war. „Jo, da sind wir ganz leicht gegen die Leitplanke gekommen, aber nix Wildes!“, tat Benni die Sache lässig ab, „Ich hab Zuhause noch ne Sprühdose mit weißer Farbe, die würde ich Ihnen auch mal leihen um den Kratzer da überzusprühen!“. „Kratzer????“, dachte Herr Kulanski aufgebracht, aber er kam nicht dazu sich weiter aufzuregen, denn der Innenraum schockte ihn mindestens genauso. Vom Teppich war nichts mehr zu sehen- Schlamm, zerbröselte Salzstangen und Porzellansplitter des ehemaligen Geschirrs verdeckten ihn komplett. Das Armaturenbrett war nur noch stellenweise unter der zentimeterdicken, angetrockneten Ketchupschicht zu erkennen. Ein Bett war zur Hälfte verkohlt. „Jo, achso, da bin ich einmal kurz mit ner Kippe in der Hand eingeschlafen, sorry. Aber mir ist zum Glück nix passiert, weil Basti gleich mit Cola gelöscht hat!“, erklärte Mike die Sache.

Die Bordtoilette sah der erschütterte Vermieter sich gar nicht erst an. Verzweifelt und mit Tränen in den Augen sank er sank auf die Knie.

So etwas hatte er noch nie gesehen. In einer Woche war sein brandneuer Wohnwagen komplett verwüstet worden. Sein Geschäft war ruiniert, das zahlt die Versicherung bestimmt nicht. Erst haut seine Frau ab, dann das Schimmelproblem in seinem Keller und jetzt auch noch das neue Wohnmobil schrottreif. Er konnte sich den Strick nehmen. „Ey, was ist denn nu mit unserer Kaution? Wir kriegen noch 500 Euro von Ihnen!“, holte Mike den Vermieter aus seinen Gedanken zurück.

„Kaution??? Ich müsste euch verhaften lassen! In den Kerker gehört ihr! Ihr habt den Wagen ruiniert!! Seht zu dass ihr abhaut!! Haut einfach ab!!! Ihr kriegt ne fette Rechnung per Post!! Daran könnt ihr euer Leben lang zahlen!!“, schrie der Vermieter, wobei eine dicke Zornesader seine Stirn zierte. „Keule, nu beruhig dich mal! Der sieht doch noch ganz gut aus! Bisschen Pflege und der ist wie neu! Außerdem bist du doch versichert, oder was?? Na gut, behalt’ die 500 Euro, der Urlaub war ja geil. Nächstes Jahr kommen wir bestimmt wieder, hat uns gefallen mit dem Mobil! Aber gibt es da nix schnelleres?? Mehr als 140 Sachen waren ja nicht drin mit der Möhre!“

Diesen kleinen Urlaubsbericht verdanken Sie meinem Sohn Felix.

 

Sizilien... ein Report

Sizilien, klingt das nicht nach Chianti, Spaghetti und Mafia? Nach Sonne und Strand?

Also hin da. Zweieinhalb Stunden mit Air Berlin Bauch einklemmen. Kopfhörer für drei Euro? Nein, danke. Currywurst für acht Euro fuffzich? Ne, lassense mal.


Das Hotel verfügte über einen eigenen Feuerlöschteich,
der allerdings von den Touristen gern als Außentoilette zweckentfremdet wurdet

Landung in Catania, die Frisur sitzt, das Deo hat versagt, die Abholung steht dank Premium-Susi-Sorglos-Paket bereit. Der Taxifahrer heißt Giovanni. Wie sonst? Brütende Hitze.

Mir ist nach einem kalten Mineralwasser. Nix da, Supermercado no aperto, wegen weil zu caldo, heiß, erst ab 16.00 Uhr. Hm. Ein Geistesblitz! Was ist mit Stazzione gasolini? Ein Versuch ins Blaue. Treffer! Tankstelle heißt da wirklich so! Geöffnet, Getränke, Zigaretten. Problem gelöst.

Hotelzimmer perfetto. Ein winziger Makel: Durch die Klimaanlage war das Blumenwasser von einer fingerdicken Eisschicht bedeckt! Flugs Fenster und Türen auf, Anlage abgeschaltet. Lass die Sonne in dein Herz! Innerhalb von 30 Minuten alle lebenserhaltenden Systeme gecheckt. Minibar, Wasser vom nun offenen Supermercado, Gin Tonic an der Hotelbar, in Ordnung. Rauchen gestattet. Il fantastico. Einziges Problem: Außerhalb vom Hotel spricht kein Mensch auch nur ein wenig Englisch. Und Lateinkenntnisse nutzen wenig. Die Italiener haben das Latein total verhunzt.

Beispiele:
Aus „et“ (und) wurde „e“. Na, das geht noch.
Aus „Conchae“ (Muscheln) wurde „Cozze“, steht auch so auf der Speisekarte. Bueno appetito. Weiterhin erwies sich Sitschilia, so nennen es die zumeist gegelten und mit Sonnenbrillen ausgestatteten Eingeborenen, als überaus bergig. Unser geborgter Lancia Diesel hatte bergauf ordentlich zu tun. Schicke Landschaft, bloß eben völlig nutzlos. Alles vertrocknet, schroff, optisch total toll, aber eben nutzlos. Dann mal ab nach Palermo. Vom Paten vorerst keine Spur, dafür aber die Heilige Rosalia besucht!


In diesem Glaskasten ruht ausgestopft die Heilige Rosalia

Palermo. Ein Moloch von abermillionen kleiner Gassen, kleiner Autos, Vesparollern, zugeparkt, verstopft, gesperrt, Hupkonzerte allerorten. Herumkullernde Melonen, wild gestikulierende Menschen.

Verkehrsregeln:
Fahre nach ihnen und du kommst auch nicht einen einzigen Meter voran.
Rote Ampel, also anhalten. Schon hat man 100 aufgebrachte Palermonesen an der Backe.
Es wird bei Rot gefahren oder man hat den Paten am Hals.
Beachten Sie ein Stoppschild, dann stehen Sie schon so gut wie mit den Füßen im Betoneimer.
Auf der Autostrada allerdings strikt Tempo 110. Da hätte ich mir ja auch ein Fahrrad ausleihen können.

Andererseits ist der Sizilianer freundlich, wenn auch klein von Wuchs. Die Körpergröße steht allerdings indirekt proportional mit der Kinderschar und dem erzeugten Lärmpegel in Korrelation.
Falls diese Formulierung bei einem Mathematiker Sodbrennen hervorrufen sollte, Natron hilft. Aber jetzt bloß keinen Rotwein!


Die Flaschengröße ist auf Sizilien der Körpergröße der Eingeborenen angepasst


Unbedingt erwähnenswert ist das Begrüßungsgespräch durch eine deutsche TUI-Mitarbeiterin. Ein unbedingtes Muss!!

Begrüßungsdrink.

Alkoholfrei. Schon Scheiße.

Sie lächelt und legt los.

„Herzlich willkommen in Ihrem Urlaubsdomizil! Sizilien ist eine Insel im Mittelmeer und gehört zu Italien!“ Echt jetzt? Donnerschlag, man lernt nie aus.

„Da Sizilien eine Insel ist, gibt es auch Strände!“ Is nich wahr, was ich da 30 Meter weiter sehe, hätte ich glatt für einen Gletscher oder einen gefluteten Tagebau gehalten.


Sizilien ist bekannt für seine weißen menschenleeren Sandstrände

„Wenn Sie das Hotel verlassen und sich nach rechts wenden, erreichen Sie nach wenigen Minuten die Post. Die Öffnungszeiten sind ...blabla“.

Gott sei Dank ist die Post in der Nähe, will ich doch so pro Tag fünf bis sechs Pakete mit Nudeln nach Deutschland schicken!

„Dann kommen viele Restaurants, in denen man gut essen kann!“

Merkwürdig, lässt man sich normalerweise in Restaurants die Fußnägel schneiden oder den Blinddarm heraus nehmen? Wieder was gelernt.


Hier ein Foto vom Paten. Natürlich ist er phantomhaft unscharf

„Da Sizilien am Wasser liegt (ach, WASSER ist das Blaue dahinten), können Sie Fisch essen“. Ich kann nicht mehr und frage dazwischen: „Und was ist mit Geflügel?“

Die TUI-Tante rafft nix und antwortet „Ja, auch Geflügel!“

„Und was ist mit Entenbrust an Orangensauce?“ Der musste sein!

„Und noch mal zur Post. Wie heißt denn da die Schalterbeamte?“

Da war die Arme mit ihrem Latein am Ende. Ich empfand so etwas wie Mitleid, wünschte noch einen schönen Abend und begab mich an die Hotelbar.

Der Traumstrand, liebevoll Lido genannt. 73 Meter lang, 14,6 Meter breit, grober, ungesiebter Kies mit Felsbrocken en masse. Plastikliegen. Prinzip Sardinenbüchse.

Geschätzte achtundzwanzig Zentimeter von meinem linken Ohr Mutti. Schwanger, Baby auf dem Arm und mit 117 dB: „Jowannniii! Massiiimooo! Alessandrooooo!“ brüllend. Das sind ihre anderen Söhne. Beziehungsweise auch alle anderen Knaben in weitem Rund, viel Auswahl an Vornamen gibt es da nicht. Und erst recht keinen Kevin oder Finn. Höchstens noch mal einen Sergio.

Dort auch zum ersten Mal Mafiosi gesehen. Die kommen aus Indien und brüllen trommelfellzerreißend: „Coco!Coco! Fresco Coco!“

Nein, ich möchte jetzt keine Kokosnuss essen.

Jetzt wieder „Jowaaanniiiiiiii!“

Ein Gehörschutzverkäufer kommt leider nicht vorbei, aber irgendetwas ist ja immer.

Zum Aetna geht es beim nächsten Mal. Mit Pullover und Sprachduce, äh, -führer.

Mille grazie, Bella Italia!

Das elfte Mal Afrika

Genau genommen das zwölfte Mal, in Ägypten war ich ja auch schon.

Ja, nun wird von mir erwartet, dass ich wieder einen humorvollen Reisebericht abliefere.

Gar nicht so einfach. Denn so humorvoll, wie manch einer glaubt, ist es nicht, morgens bei 45°C völlig verschwitzt auf einer patschnassen Matratze aufzuwachen. Das Hausmädchen, das sonst üblicherweise die meiste Zeit des Tages schlafend verbringt, entwickelt nämlich so ab 7.00 Uhr ungeahnte Aktivität, was Wäschewaschen und Fußboden wischen anbelangt. Dem Wischmob hat der Zahn der Zeit den größten Teil seiner textilen Wischbestandteile geraubt, so dass mein Erwachen zumeist von metallischen Schabegeräuschen auf dem Steinfußboden ausgelöst wird. Doch von Anfang an.

Anreise wie üblich via Tegel und Moloch Frankfurt/M. nach Mombasa. Vermittels fünf Valium sogar etwas gepennt. Angebotenes Nudelpüree a la Condor ausgeschlagen.
Ankunft 9.00 Uhr Ortszeit. Schwüle Hitze, kein Schnee.
Einreise problemlos. Auf Einreisevisum als Beruf diesmal „Einarmiger Karussellbremser“ eingetragen und 20 Euro in den Pass gelegt. Wohlwollendes Kopfnicken und schon bin ich ganz offiziell in Kenya. Obwohl es das elfte Mal ist, kommt keine Karnevalsstimmung auf. Der Schweiß rinnt in Strömen, die Jeans klebt wie eine vollgeschissene Windel am Gesäß,

T-Shirt und Rückenhaut bilden eine homogene Masse. Nun warten auf Godot, welcher auch als Koffer bezeichnet wird. Selbiger ist durch die Aufkleber „Im Zweifel für den Zweifel“ und „Keine Meisterwerke mehr“ (eine Hommage an Tocotronic) sowie durch zahlreiche Schrammen leicht zu identifizieren. Da kommt er schon! Jetzt nur noch der Zoll.

Der Zöllner, schwarz wie ein Mocca bei Neumond, lugt streng unter seinem Mützenschirm hervor und fragt nach meinen Papieren. Meine Papiere, das ist eigentlich nur ein Papier. Nämlich ein Zwanzigeuroschein. Seine Gesichtszüge hellen sich auf. Also nicht farblich, sondern physiognomisch. Der Zwanziger verschwindet in seiner Hosentasche und ich unbehelligt aus dem Flughafen.

Dem Geruch nach müsste mein Taxifahrer schon da sein und so ist es auch.

Rein in den Toyota, Baujahr 1897. Beifahrertür muss ich wie immer von innen selbst zuhalten, kenne ich ja. Nun die gewohnte Strecke durch Mombasa. Immer wieder ein Erlebnis, so eine Stadtrundfahrt. In etwa so lustig wie Durchfall in der U-Bahn oder ein eingewachsener Zehnagel. Dann durch malerische Vororte, die ein Mittelding zwischen brennender Müllhalde und Pappkartonslums darstellen, mit den klangvollen Namen Kishimani, Bamburi, Bombululu und endlich Shanzu. Erste Begegnungen mit der exotischen heimischen Fauna. Ziegen, die sich von schwarzen Müllbeuteln ernähren, Krähen und räudige, halbverhungerte Hunde. Der Nährwert von Plastiktüten scheint sich für Fleischfresser in Grenzen zu halten. Egal, Hauptsache, die Sonne scheint! Und wie sie das tut.

Im Türschloss meiner Bude steckt ein abgebrochener Schlüssel. Zum Glück hat es der eingeborene Dieb nicht so mit links und rechts gehabt, er wird die Drehrichtung vertauscht und dann seinen Frust am Schlüssel ausgelassen haben. So fehlt nichts.

Matratzen, Klobecken, Kühlschrank, Alutopf, alles noch da. Mehr Wertsachen wären sowieso nicht zu stehlen gewesen, denn meine Zahnbürste nehme ich immer mit nach Hause. Klamotten vom Leib, vermittels einem lose aus der Wand hängendem Schlauch schön duschen, herrlich. Das Hausmädchen ist inzwischen zum Inder an der Ecke, einem Tante-Emma-Laden (hier wohl eher Onkel- Singh-Laden) und füllt den Kühlschrank mit den Grundnahrungsmitteln: Mineralwasser en gros, Mangosaft und Simba Cane, einem 43%igem Zuckerrohrschnaps.


Die Gottesanbeterin sorgt für Ordnung auf dem Klo

Wasser dient allgemein zum Überleben, der Schnaps zum Desinfizieren der Speiseröhre und zum Abtöten von unerwünschten Würmern im Magen. Dann beginnt schlichtweg der Alltag.

Der lokale Geldfälscher wartet schon zwecks Tausch, das gute alte Siemenstelefon wird aktiviert und aufgeladen, dann zum Baden, Wasser trinken, unter Palmen sitzen und aufs Meer schauen, Wasser trinken, etwas Mango und Papaya essen, Wasser trinken, ausruhen, Wasser trinken, duschen, Wasser trinken, auf die Uhr schauen, Wasser trinken, etwas lesen, Wasser trinken, noch mal auf die Uhr schauen. Hurra! 18.00 Uhr, Mischungstime! Das bedeutet, in einem Halbliterhumpen vermittels Schnaps, dickflüssigem Mangosaft und Sodawasser eine Flüssigkeit kreieren, die sowohl satt macht, den Durst löscht, den Körper mit Vitaminen und Mineralien versorgt und letztendlich eine angenehme Betrunkenheit hervorruft. Müde.

Trotzdem Patrouille durch die Gemächer, ob sich unter den zahlreichen anwesenden Tierarten nicht vielleicht ein der Gesundheit nicht zuträgliches Wesen befindet. Nein, nur 14 Ameisenarten, Kakerlaken, eine Gottesanbeterin, ein paar Geckos und wunderschöne Wespen entdeckt.


schlachtreife Kakerlake

Besonders jene sind mir sehr willkommen, halten sie doch die Fliegenpopulation kurz. Interessant zu beobachten, wie eine Wespe (bei der Größe würde man hier Riesenhornisse dazu sagen) eine Fliege im freien Flug erbeutet. Wie ein Falke eine Taube. Und dabei können die Fliegen irgendwie hören! (Wortwitz, dauert etwas …). Nichts Gefährliches wie Hundertfüßer oder Skorpione entdeckt, also weg mit dem Weichei-Moskitonetz! Der Ventilator über mir wiegt mich mit sch-sch-sch-krrks-sch-krrks-sch sanft in den Schlaf.

Am nächsten Morgen die große Überraschung!


Leichter Nieselregen in Afrika

Dank Klimaerwärmung hatte es sich (relativ …) abgekühlt und ein Regen ging hernieder, und das in der Trockenzeit. Nichts in die Milch zu brocken, aber im Februar Blumen gießen, dafür haben sie Geld, diese Kenianer! Na, hat nicht lange gedauert, dann war wohl wie gewöhnlich das Wasser alle.


Speedbootrennen auf dem Highway

Ein paar Tage und geschätzte 20 Liter Schweiß später der obligatorische Besuch bei meinem Freund Jackson Iha. Der betreibt eine Reptilienschutzstation und kümmert sich um kranke und verletzte Tiere, die zumeist später wieder ausgewildert werden. Stolz zeigt er mir einen Afrikanischen Uhu, und erzählt mir dessen traurige Geschichte. Der Uhu saß friedlich auf seinem Nest und hatte nichts anderes im Sinne, als seine drei Eier auszubrüten. Nun gibt es für den streng katholischen Schwarzen Mann gegen Malaria, Impotenz, Pocken, Pestilenz und sonstige Gebrechen nichts Wirksameres als angebrütete Uhueier. Durch Kokosnusspflücken seit früher Jugend ans Bäumeerklimmen gewöhnt, machte man sich an die Eier heran. Nun war Mama Uhu nicht ganz der gleichen Meinung, was die therapeutischen Fähigkeiten ihres Nachwuchses anbelangte, und setzte sich frevelhaft der überlegenen Kreatur gegenüber zur Wehr, was ihr einige Stockhiebe und einen gebrochenen Flügel einbrachte. Trotzdem konnte sie sich irgendwie in Sicherheit bringen, ihr Gelege fiel dem Nesträuber zum Opfer.

Da nun zwangsweise Fußgänger, wurde sie schnell Beute von anderen Dorfbewohnern. Nun hat Alter nicht nur Nachteile, sondern durchaus auch Vorteile, denn sie wurde als zum Essen zu zäh befunden und sollte als Rattenfängerinfanteristin dienen. Jackson kam die Geschichte zu Ohren, er machte sich auf, fing den verletzten Uhu ein, schiente seinen gebrochenen Flügel und pflegte ihn gesund. In den nächsten Wochen soll der Vogel bei Shimba Hills ausgewildert werden. Hier also in letztes Foto vor der Freiheit, Käfig trendy im Retro-Look.


Uhus letzte Tage in Gefangenschaft

Bereitwillig holte Jackson viele seiner Schützlinge aus ihren Käfigen und bereitete meinem mich begleitendem Kollegen ein unvergessliches Erlebnis. Nur die Schwarze Mamba durfte er nicht anfassen. Das lag daran, dass wegen der hohen Temperaturen das Verwesen des menschlichen Körpers sehr schnell beginnt und mit besonders unangenehmen Gerüchen verbunden ist.

Anschließend dann die obligatorische Fütterung der Dorfjugend mit Bonbons. Nicht mit mitgebrachten, nein, die sind schon vor Ort, und der Bonbontütenbesitzer entscheidet je nach Geldsumme, wie viele Tüten er aufmacht. Ein Geschäftsgebaren, das man erst verstehen muss. Bringt man nämlich selber Bonbons mit, beschwört man Ärger herauf. Mitnichten geht es den Erwachsenen darum, dass die Kinder da auch mal einen Bonbon kriegen, nein, es geht um das Business, eine Tüte für 20 Shilling zu kaufen und dann für 200 an ein dummes Weißbrot weiter zu verkaufen. Ein Schelm, wer Arges dabei denkt.


Raubtierbonbonfütterung in Mtwapa

So, nun genug für dieses Mal. Ich bitte Sie allerdings, die folgende Geschichte „Kinderlähmung“ aufmerksam zu lesen. Zum Lachen werde ich damit wohl keinen bringen. Danke.

Sansibar

Sie werden es wohl erahnt haben.

Lange nichts Neues hier erschienen, wird der Kerl sich wohl wieder in Afrika rumgetrieben haben. Genau!

Die übliche Anreise. Tegel/München/Mombasa. Ich dachte, ich hätte alle Papiere inklusive der 50 Dollar Eintrittsgeld für den Zoo da, also die Visumgebühr, beieinander.

Fehlanzeige. In der Airporthalle großes Trara! Ich hatte kein Formular ausgefüllt, auf dem ich bestätige, dass ich nicht an Swine-flu, also an der Schweinegrippe erkrankt bin! Klar, wo doch nun in Deutschland sogar das erste Schwein an Schweinegrippe gestorben ist! Also Zettel Nr. 3 ausfüllen.

Ankreuzklausur: Husten? Klar, vom Rauchen, aber lieber mal „nein“ ankreuzen. Alles andere sowieso „nein“. Besser ist das. Da kann man mal wieder sehen, welche hohen internationalen Gesundheitsstandards Kenia vertritt. Nach dem Ausfüllen wurde mir der Zettel entrissen und zu 500 anderen in einen blauen Plastikkorb geschmissen. War dieser voll, wurde er hinter der Ankunftshalle auf die grüne Wiese entleert, wo sich sofort einige Ziegen und Krähen darüber hermachten. Mir wurde klar, dass sich nur so eine Pandemie oder Epidemie stoppen lässt.

Doch das nur am Rande, über Kenia habe ich ja schon genug berichtet.

Tansania, ich komme! Also, nach Tansania. Nicht in. Mit dem Kleinbus zur Grenze sind es 140 km. Das Visum, von der tansanischen Botschaft in Mombasa für 50 Dollar gekauft, klebt im Pass. Die Grenzübergangsstelle ist eigentlich gar keine, sondern genau genommen eine Grenzaustrittstelle. Denn dahinter fängt nicht Tansania an, sondern da fängt erst mal gar nichts an. Aber nicht vorgreifen.


Zu meinem Erstaunen die Tochter des letzten Mohikaners in Tansania aufgefunden!

Das Grenzaustrittsgebäude erinnert an ein Zollhäuschen des 15. Jahrhunderts, bloß in zerfallen. Ich zeige mein frisches Visum vor.
„50 Dollar!“
„Wofür?“
„Für das Visum!“
„Ich hab doch schon eins!“
„Aber da steht nicht, dass es bezahlt ist!“ Ja, ist klar, die tansanische Botschaft stellt mir ein Visum aus, bloß weil ich so nett bin, oder was? Kurze Diskussion, 100 Keniashillinge (knapp ein Euro) wechseln von verschwitzter weißer Hand in dreckige schwarze Hand. Rein ins Auto, 10 km Niemandsland. Dann ein zaunähnliches Gebilde. Die tansanische Staatsgrenze! Wieder eine zerfallene Baracke. Daneben ein großes Schild, auf dem in abblätternden Lettern zu lesen ist:

„Moneychanging is strictly forbidden!“

Afrika wäre nicht Afrika, wenn nun nicht genau unter diesem Schild etwa 20 Männer in zerlumpten Gewändern lungerten, die lautstark „Change money?“ brüllen und dabei bündelweise tansanische Schillingnoten in die Höhe recken würden.


Der Speckgürtel von Dar Es Salaam

Die Umtauschraten waren mehr als abenteuerlich. Glücklicherweise hatte ich mich noch in Deutschland über den aktuellen Kurs informiert, so dass ich mit 50 Euro alle Taschen prall mit einheimischem Papiergeld füllen konnte. Einreise geglückt, da meine Papiere, sprich ein paar Geldscheine, in Ordnung waren. Dicker Stempel in den Pass, ab ins Auto und weiter Richtung Dar Es Salaam. Verfahren unmöglich, es gibt nur eine Straße. Straße? Fehlanzeige. Es begann eine 60 km lange Tortur über eine stoßdämpfer- und bandscheibenmordende Buckel- und Schotterpiste. Der Nissan, Baujahr so circa 1634, hält! Dann endlich Asphalt. Und eine Tankstelle! Kaltes Wasser für mich und Diesel für den Nissan. Liter Diesel umgerechnet 36 Cent. Doch so viel? Volltanken! Sofort Volksfest an der Tankstelle! Man stelle sich vor, man sagt in Wanne-Eickel zum Tankwart „Volltanken, bitte!“ und der verfällt sofort in Freudengeheul und spontane Regentänze, die binnen Sekunden einen Massenauflauf auslösen.


Der parkt im Halteverbot

Langsam beruhigt sich die Situation. „Wie weit ist es noch bis Dar Es Salaam?“
„Nicht weit, da kommt gleich eine Kreuzung, da links abbiegen, und dann immer geradeaus.“
Gut, also los. Unter „gleich“ versteht man offensichtlich nicht das gleiche „gleich“ wie in Deutschland. Nach vier Stunden wird mir etwas mulmig, denn es kommt keine Kreuzung. Aber falsch fahren ist ja unmöglich, also Ruhe bewahren. Langsam wird es dunkel.

Da, endlich! Ein Schild sagt mir, dass es nach Dar Es Salaam links abgeht. Und nur noch 287 km! Ich beglückwünsche mich, vollgetankt zu haben. Stunden später erreiche ich mein Ziel.

Das Hotel heißt „Sleep Inn“. Hotelbar? Nicht existent. Restaurant? Längst geschlossen. Zimmer? Winzig, mit vergitterten Fenstern. 30 Euro pro Nacht. Draußen vor der Tür bewachen mich Soldaten in abenteuerlichen Uniformen mit noch abenteuerlichen Schießgewehren.


Leibstandarte Kaiser Wilhelms

Nun wäre ich nicht ich, wenn ich nicht eine Flasche lauwarmen Kenya Cane im Rucksack gehabt hätte. 43% wiegen mich sanft in den Schlaf. Lala salama. Morgens um acht infernalischer Lärm rundherum. Blechlawinen wälzen sich träge durch den Smog. Die Stadt stößt pro Stunde mehr Ruß und Kohlendioxid aus als alle Kohlekraftwerke Deutschlands in einem Jahr. Darum ist es in Afrika so schön warm. Womit die Theorie vom Treibhauseffekt ja wohl endgültig bewiesen wäre. Die riesigen brennenden Müllhalden allerorten tun ihr Übriges. T-Shirt über die Nase und ab zum Hafen, Ticket für die Fähre nach Sansibar kaufen. Will ich doch unbedingt ins weltberühmte Freddy Mercury – Museum, da, wo der weiland Sänger von Queen das Licht der Welt erblickte. Ich hatte es mir schlimm vorgestellt, aber es kam schlimmer. Es entbrannte ein Bürgerkrieg zwischen den zahllosen Ticketverkäufern. Nach stundenlangem Gezerre, Geschiebe und Angebrülle war es endlich vollbracht! Ich war Besitzer eines Tickets nach Sansibar, hin und zurück, hin mit einem Speedboot, zurück mit der Fähre. Der Preis blieb mir unbekannt, letztendlich habe ich 60 Euro bezahlt. Der, bei dem ich die Tickets erwarb, wird wahrscheinlich bis Ostern zu Hause die Füße hochlegen und Allah einen guten Mann sein lassen. Egal, Sansibar, morgen bin ich auf dir!


Auf Sansibar sind die Birnen etwas größer

Zurück ins Hotel. Das Restaurant hat geöffnet! 6 Tische mit Wachstuch, außer einer Großfamilie Fliegen keine weiteren Gäste. Ein Kellner schlurft heran. Zunächst bemängele ich, dass kein Kaiserbild an der Wand hängt. Er lächelt. „Ah, Geiser Willem gutt!“ Ich bitte um die Speisekarte und um ein kaltes Sodawasser. Speisekarte ist nicht, entweder Hühnerbein oder Beef Curry. Gut, Hühnerbein. Eine halbe Stunde und zwölf erschlagene Fliegen später kommt mein Essen. Von Aussehen und Geschmack einmal abgesehen ganz gut. Ausruhen im Zimmer. Der Fernseher funktioniert!

Ich zappe ein wenig. Was ist das?? Big Brother!!! Natürlich sind die Insassen schwarz wie eine ägyptische Neumondnacht, aber sonst genau wie bei RTL2. Das nenne ich doch mal erfolgreiche Entwicklungshilfe!

Abend. Zeit für Alkohol. Zu meinem Entsetzen erblicke ich im Restaurant ein großes Schild, auf dem in Englisch, Suaheli und Arabisch, jedenfalls in komischen Kringeln, vermerkt ist, dass der Verzehr alkoholischer Getränke jeglicher Art strengstens verboten ist. Ich glaube, Allah, der Papst und der Präsident haben persönlich unterzeichnet. Ich rufe den Kellner und bitte um Erklärung. Ja. Hier ist nix mit Saufen. Keine Chance! Ich gehe aufs Äußerste und zeige ihm einen 10 000 Schillingschein, also 5 Euro. Na, da drückt der liebe Gott und die tansanische Justiz doch gerne mal ein Auge zu!

„Konjaki?“ Ob da so was wie Cognac ist? Eigentlich nicht mein Fall, aber wenn es doch desinfiziert! Ich nicke. Der Kellner saust mit der atemberaubenden Geschwindigkeit von etwa acht Metern in der Minute los und kommt nach zwanzig Minuten mit einem Pappkarton zurück. In diesem Karton, den er mir freudestrahlend auf den Tisch stellt, ist eine Flasche mit einer klaren Flüssigkeit. Außen klebt ein Etikett, auf dem doch tatsächlich „Konjaki 45%“ steht. Ein Geschenk Gottes. Egal welcher.

Der Kellner besteht allerdings darauf, dass ich nach dem Eingießen die Flasche immer wieder in den Karton stelle. Einverstanden. Nach einer Stunde festgestellt, dass zwei Flaschen SevenUp ganz schön müde machen, wenn man sie mit einer Flasche Konjaki vermischt. Anderentags morgens zum Hafen, durch das Gewühl der Ticketverkäufer kämpfen, das Boot liegt bereit. Vier Außenbordmotoren mit je 150 PS! Anderthalb Stunden über den Indischen Ozean, glatte See, viele kleine palmenbewachsene Inselchen. Postkartenanblick. Dann taucht Sansibar am Horizont auf

.
Sansibar in Sicht! Wo bleiben die Boote mit den nackten Mädchen?

SANSIBAR! Traum aller Seeleute! Anlegen. Wie, was jetzt? Einreise? Passport? Sansibar gehört doch zu Tansania! Mag sein, aber das heißt nicht, dass man da ohne Pass, Ausfüllen von Einreiseformularen und, natürlich, Abdrücken von Einreisegebühr so einfach hindarf! Zum Glück hatte ich alles dabei. Dann Idylle pur. Oder doch nicht? Schon stehe ich inmitten eine Horde gröhlender Taxifahrer, die um meine Gunst buhlen. Ich entscheide mich für einen etwas Älteren mit Piratenkopftuch. Enttäuschtes Gezeter bei der Konkurrenz, strahlende Augen bei Käptn Hook.

Ich will zum Freddy Mercury – Museum!!

Später, erklärt er mir, erst Inselrundfahrt. Dann beginnt er zu erzählen. Donnerwetter, der wusste Bescheid! Von Bismarck, dem Tausch Sansibar gegen Helgoland, von den Portugiesen, den Arabern. Ich bin beeindruckt. Dann der Sultanspalast. Dem gefiel es einmal, sich eine wenige Kilometer lange private Dampfeisenbahn bauen zu lassen, von den Eingeborenen liebevoll Bububu genannt. Die Straße heißt noch immer Bububu – Road. Dann eine Gewürzplantage, alles durcheinander. Ich rieche an Pfeffer, Muskat, Lorbeer, Koriander, Nelken, Chili, Ingwer, Kakao und Kaffee. Ein junger Bursche klettert auf eine Palme und holt mir eine frische Kokosnuss. Das ist mein Mittag. Nach einer Stunde geht die Fahrt weiter. Sansibar sieht ansonsten so aus wie überall in Kenia und Tansania, die Häuser schwarz vom Smog, die Straße voll mit Plastiktüten und plattgefahrenen PE-Flaschen, Kühe, Ziegen und Hühner. Und brennender Müll.

Dann bin ich am Ziel meiner Träume. Das Freddy Mercury-Museum! Ein Holzschild über der Tür. Ich betrete gespannt den Raum.Was ist das? Keine Spur von Queen und Freddy! Ein kleiner Laden, in dem man bunte Tücher, Holzfiguren und Postkarten kaufen kann, nix mit Museum. Auf Nachfrage bekomme ich Bescheid, dass das Holzschild das Museum sei.


Das Freddy-Mercury-Museum

Achso, ja, klar. Dafür 1500 Kilometer Buckelpiste. Man gönnt sich ja sonst nichts. Noch mal schnell auf den Sklavenmarkt. Muss aber Ruhetag gewesen sein, war nichts im Angebot. Also zurück und rauf auf die Fähre.

                                                  
                                                                             Ruhetag auf dem Sklavenmarkt

Halt, erst Ausreisepapiere ausfüllen und Pass vorzeigen!

Die große Fähre braucht fast vier Stunden. Das Wetter hat sich verschlechtert, raue See. Einigen Passagieren scheint der Kartoffelsalat oder das Beef Curry nicht bekommen zu sein, sie huldigen Neptun. Ankunft, ab ins Hotel, erneut der Deal mit dem Konjaki-Mann. Morgens Abreise. Auf Nimmerwiedersehen, Dar Es Salaam! Nach einer Stunde ist die Stadtgrenze erreicht und die Luft wird besser. Da, aus einer Laubhütte kriecht etwas Uniformiertes und stoppt mich!
Führerschein!
Mist, okay.
Feuerlöscher!
Mist, vorhanden!
Angeschnallt?
Mist, ja.
Passport!
Mist, hab ich.
Er überlegt kurz.
First Aid Kit!
Dumm gelaufen, ich zeige ihm meine Reiseapotheke.
Er verzieht das Gesicht. Dann ein Leuchten in seinen Augen!
Warndreieck.
Hurra, da muss ich passen.

Ich bin drei Euro los und er kann für den Rest der Woche Feierabend machen. Viele Stunden später bin ich an der Grenze, an meiner und an der tansanischen. Ausreise problemlos. Dann wieder das Niemandsland. Einreise Kenia. Ha! Da haben wir es! 50 Dollar für das Visum!


Ali hatte so eine Wut, der war gleich drei mal auf der Palme!

Ich erkläre, dass ich am 22.11. für 50 Dollar ein Visum gekauft habe und zeige ihm, dass dieses drei Monate gültig ist. Aber ich wäre doch ausgereist! Nun wäre es ungültig. Klar hätten zwei Euro das Problem sofort gelöst, aber nun bin ich bockig und verlange seien Vorgesetzten. Der wäre nicht da und ich solle zusehen, dass ich Land gewinne! Zurück in Kenia. Nach weiteren drei Stunden liege ich im Zimmer unter meinem Ventilator, lasse langsam mit Kenya Cane vermischten eiskalten Mangosaft zu medizinischen Zwecken in mich hineinträufeln und denke an die schönen Stunden im weltberühmten Freddy Mercury-Museum zurück.


Ungehorsames Hausmädchen zur Strafe zum Schein gekreuzigt

Lexikon

(in einem amerikanischen Reise-Lexikon, Stichwort „Deutschland“)

Deutschland ist etwa doppelt so groß wie New York und eine kleine türkische Provinz auf der antiken Halbinsel Europa. Genau wie in Amerika findet man dort Berge, Ebenen und Flüsse, bloß in klein. Die Hauptstadt von Deutschland ist Berlin, ein Bonner Vorort. Von dort nach Moskau sind es nur wenige Autostunden. In der nördlichen Provinz Dänemark wird plattdeutsch gesprochen.

Dass John F. Kennedy in Berlin erschossen wurde, ist ein hartnäckiger Irrglaube.

Als 1914 das kleine Nachbarland Österreich Stress mit der Barackensiedlung Serbien wegen überzogener Bohnensuppenpreise und eines erschossenen Kronprinzen machte, griff Deutschland ein und hatte den Ersten Weltkrieg am und vier Jahre später den Kaiser und Elsass-Lothringen vom Hals. Danach ging es den Deutschen eine Zeitlang nicht so gut.

Aus Rache für den Versailler Vertrag brachen sie die Weltwirtschaftskrise vom Zaun und wir hatten den Salat. Wieder trat Österreich auf den Plan und entsandte einen Wanderprediger namens Adolf Hitler. Der sah sich dummerweise den Charly-Chaplin-Film „Der große Diktator“ an, war von der Idee begeistert, erfand die vierspurige Autobahn und eroberte mit seiner Armee „Rammstein“ fast ganz Europa. Dadurch wurde Deutschland ein Konkurrent für Amerika und wir sahen uns leider gezwungen, militärisch einzugreifen.

Durch eine Fügung Gottes, auch Dummheit des Generalstabes genannt, befanden sich zum Zeitpunkt der Landung der Alliierten nur ein Trupp Hitlerjungen mit Holzgewehren in Frankreich, die ausgewachsenen deutschen Soldaten kämpften an der Ostfront gegen Läuse und den Bolschewismus. So konnten unsere tapferen Streitkräfte unbemerkt bis an den Rhein vorstoßen und es gab nur knapp hunderttausend gefallene Amerikaner.

Die meisten davon haben sich gegenseitig erschossen oder sind in Paris Alkoholismus und Tripper erlegen. Dann war der Krieg vorbei und der Siegeszug von Swing und Nylonstrümpfen begann. Amerika lieferte Unmengen von Kaugummi, Mickeymouse-Heften, Zigaretten und Coca-Cola nach Deutschland und stellte so die Versorgung der Bevölkerung sicher.

Ein kleiner Teil Deutschlands wurde allerdings von den Kommunisten eingemauert und fiel an Russland. 1989 stellte Amerika kurzzeitig die Getreidelieferung an Moskau ein und legte so die russische Schnapsindustrie lahm. Darum war aber auch mit diesem Unsinn Schluss, die Sklaverei wurde in der Ostzone abgeschafft und die Russen zogen sich hinter den Ural zurück. Nach dem Krieg verhielten sich die Deutschen recht friedlich, mal davon abgesehen, dass sie hinterrücks Mallorca besetzten und Amerika in den Korea-, Vietnam- Afghanistan- und Golfkrieg verwickelten.

Pickelhaubenpflicht besteht allerdings nach wie vor und der Führergeburtstag hält sich beharrlich als Feiertag.

Momentan stellt die deutsche Armee allerdings höchstens für Andorra eine militärische Bedrohung dar. In Deutschland leben neben einigen Deutschen Millionen von Angehörigen anderer Nationen. Da Deutschland aufgrund eines ausgeklügelten Steuersystems sehr reich und zudem sehr ausländerfreundlich ist, werden die problemlos miternährt und können sich unbehelligt ihren Hobbies wie Drogenhandel, Autodiebstahl und Schutzgelderpressung widmen.Deutschland ist zumeist ein sehr liberales Land. Derzeit wird erwogen, Kopftücher und Homosexualität zur Pflicht zu erklären und die Polizei abzuschaffen.

Manchmal mangelt es den Deutschen aber noch an demokratischem Verständnis, so sind zum Beispiel Ehrenmord und Todesstrafe illegal. Der typische Deutsche heißt Hans, Peter oder Kevin und ist von Beruf Bundestagsabgeordneter oder Hartz4.

Wie unsere Recherchen ergaben, essen die Deutschen in ländlichen Gegenden wie im Münchner Umfeld den ganzen Tag Haxen oder gekochte Bratwürste mit Sauerkraut und Knödel, wozu sie Lederhosen und Hüte mit Gamsbart tragen und Unmengen Bier konsumieren. Ihre Frauen sind blond, rasiert und vollbusig, heißen Inge, Gabi oder Schantalle und sind durchweg Granaten im Bett. In den Städten verhält es sich aber anders, dort isst man Döner und die Frauen heißen Ayshe und haben einen Schnurrbart.

Bekannt ist Deutschland durch seine Bauwerke, wie zum Beispiel die Kölner Moschee oder die Dresdner Innenstadt. Leider haben die Deutschen dieses schöne Denkmal nach dem Krieg kaputtgemacht und alles wieder aufgebaut. Die Wahrzeichen der hohen amerikanischen Luftkriegskunst sind damit unwiederbringlich zerstört.

Deutschland hat viele große Dichter und Denker hervorgebracht. Goethe gelangte durch ein Boxlehrbuch zu Weltruf, Oppenheimer war so nett, für uns die Atombombe zu erfinden und der bayrische Monarch Franz Beckenbauer ist nicht nur in seiner Heimat unsterblich.

Im Sport schlägt sich Deutschland ziemlich gut, und das, obwohl sie zwecks Ermangelung nur wenig auf Kolonialtruppen und deren Nachfahren zurückgreifen kann. Mit dem allmählichen Aussterben der Sportler aus der russischen Besatzungszone und der Pensionierung von Max Schmeling wird es aber in den nächsten Jahrzehnten abwärts gehen.

Die deutsche Wirtschaft ist stabil und produziert mehr Autos und andere nützliche Geräte als gebraucht werden. Darum wurde die Bevölkerung von der Regierung angeregt, Gebrauchsgegenstände des täglichen Lebens zu zerstören. Dies wird mit Abwrackprämien belohnt.

Der letzte, der diese geniale Idee hatte, war Adolf Hitler, da gab es aber bloß Eiserne Kreuze als moralischen Anreiz.

Intellektuell geht es mit Deutschland allerdings seit Jahren bergab. Nicht mal die Hälfte der Einwohner beherrscht die türkische Sprache in Wort und Schrift. Die Kenntnisse über Amerika und dessen Kultur sind trotz der intensiven Bemühungen von Walt Disney und Karl May erschreckend schlecht. Auch halten viele Arnold Schwarzenegger für einen österreichischen Schauspieler.

Die Deutschen sind die einzigen Menschen, die bei Rot an der Kreuzung stehen bleiben, auch wenn weit und breit kein Fahrzeug zu sehen ist. Und die Deutschen klatschen nach der Landung im Flugzeug.

Eine Reise nach Deutschland können wir Ihnen nur wärmstens empfehlen. Sie sollten sich beeilen, denn bald heißt Deutschland Mittel-EU, die Mark ist schon abgeschafft. Bei der Gelegenheit können Sie auch gleich Israel, Stalingrad und die Ägyptischen Pyramiden besichtigen, liegt alles ganz in der Nähe.

Danke für Ihr Interesse.

Island

Island liegt auf dem Rücken.
Und zwar auf dem Mittelatlantischen. Auf Island leben ungefähr 350 000 Tausend Menschen, davon sind 70 000 Polen. Es ist ganz von Wasser umgeben und kann deshalb mit Fug und Recht als Insel bezeichnet werden. Wer wollte das bestreiten.

Während der Eiszeit war ganz Island von Gletschern bedeckt, vor 1000 Jahren fast eisfrei und nun aufgrund der allgemeinen Erderwärmung wieder tüchtig vergletschert. Entdeckt hat Island ein schwedischer Wikinger namens Svarvarsson, der sich im Suff versegelt hatte.

Lustigerweise haben Archäologen aber Hausreste aus viel früherer Zeit auf Island gefunden, aber von solchen Spitzfindigkeiten lassen sich die Historiker nicht bange machen. Später zogen so allerlei andere Menschen nach Island, zumeist Norweger und Kelten, in der letzten Zeit auch viele Polen. Die Norweger übernahmen auch gleich das Heft des Handelns, bis sie von den Dänen verhauen wurden. Seitdem ist Island christlich.

Ab 1904 souverän, ab 1918 von Dänemark unabhängig, seit 1944 selbständiger Staat mit eigener Regierung. Island ist Gründungsmitglied der NATO und mit seinen 120 Wasserschutzpolizisten, die die gesamte Kampfkraft Islands darstellen, ein sicherer Garant für den Weltfrieden. Hauptwirtschaftszweig Islands ist der Anbau von Kokosnüssen. Da auf Island gar keine Kokospalmen wachsen, kam es 2008 zu einer ausgemachten Finanz-und Wirtschaftskrise.

Auch findet man dort selten Obstbäume, darum ist mit Isländern nicht gut Kirschen essen.

Essen tun die Isländer seltsame Sachen. Erst einmal rund um die Uhr Schaffleisch, am besten roh oder leicht angegangen. Und dann zu Weihnachten Gammelrochen. Das ist ein Rochen, den man vier Wochen in einer Tonne vor sich hingammeln lässt. Gegessen wird er, wenn der Gestank unerträglich wird. Auch stehen in saurer Milch eingelegte Schafshoden, schwarzgesengte Hammelköpfe und gesäuerter Walspeck ganz hoch im Kurs. Oft gibt es da Stockfisch, der allerdings in kalten langen isländischen Winternächten auch schon mal zweckentfremdet wird, so wird gemunkelt.

Seit 1986 ist die Waljagd verboten, außer zu Forschungszwecken. Island ist darum weltweit mit führend in der Walforschung, es werden keine Wale mehr gejagt, sondern nur noch ein paar Tausend im Jahr zu wissenschaftlichen Zwecken geschlachtet. Ziel der Forschungsarbeit ist es, den Geschmack von gesäuertem Walspeck zu verbessern.

Auf Island gibt es viele Vulkane und heiße Quellen. In denen kann man baden. In manchen sogar Eier kochen, mit etwas Pech seine eigenen. Zu erwähnen wäre noch das Islandpferd und Isländisch Moos. Volkssport auf Island ist Glima, eine Art Ringkampf, bei dem man sich aber nur an den Gürtel fassen darf, nicht an die Füße. Sozusagen Sumo für Arme.

Dann wird noch gern geritten. Während die isländischen Fußballer zumeist nur ein billiger Punktelieferant sind, spielen die Handballer international ganz gut mit. Island hat auch viele kleine Städte, aber die kann man nicht aussprechen, wenn man nicht Isländisch kann. Und wer kann das schon.

Zum Schluss sei noch angemerkt, dass sich die Isländer auf gewöhnliche Art und Weise vermehren, man eine Eisenbahn vergeblich sucht und dass das Wetter zumeist beschissen ist.

Ibiza

Von Gattin überraschend auf eine Woche Ibiza eingeladen worden, vier Sterne, all inclusive.

Die Anreise war eigentlich völlig normal, abgesehen davon, dass vor mir ein bis auf wenige Stellen seiner sichtbaren Körperoberfläche schwarz tätowierter Lümmel saß, der im Minutentakt die Position seiner Rückenlehne änderte. Rein optisch war er in puncto Hautfarbe, Hakennase und allgemeiner Physiognomie eine Mischung aus zensiert, Kongozensiert und zensiert.

Nachdem er mir das dritte Mal mein Esstischchen in die Rippen gerammt hatte, schob ich ganz behutsam seine Rückenlehne nach vorn, in 0,3 Millisekunden.

Er drosch mit seinem geierschnabelartigen Riechorgan an die Rückenlehne seines Vordermanns und drehte sich um. Sein wütender Blick, der mich unter zahlreichen Augenbrauenpiercings traf, wurde, als er meiner ansichtig wurde, sofort freundlich, hatten seine schwarz tätowierten Oberarme doch in etwa das Aussehen von in Erdöl eingeweichten Salzstangen. Fortan Frieden.

Aufsetzen nach gut zweieinhalb Stunden.

Zum Glück war der Kleinbusfahrer nicht in der Lage, Klimaanlage und Soundmaschine seines Gefährts zu aktivieren, so dass sich die Anreise zum Hotel Nautilus in Sankt Antonio angenehm gestaltete.

Dort passierte das, womit ich nicht gerechnet hatte.

Weder bei der Ausreise aus der Bundesrepublik Deutschland noch bei der Einreise in die Stierkampfrepublik Spanien hatte irgendwer Papiere von uns verlangt, die Rezeptionistin zog alle relevanten Pässe umgehend ein. Ich war so sprachlos, und das will etwas heißen, dass ich vergaß, mir eine Quittung geben zu lassen.

Nun zum Zimmer. Die Tür war ein Fall für den Notarzt. In Afrika habe ich immer Werkzeug dabei, dass dies in Spanien auch notwendig war, hätte ich nicht gedacht. Öffnen und Schließen ließ sich die Tür nur durch obelixartige Übungen. Nach dem ersten Öffnen schlug mir eisige Kälte entgegen.

Die Klimaanlage lief ratternd auf Hochtouren. Dieses Übel ließ sich leicht abstellen.
Dieses auch dem Zimmermädchen verständlich zu machen, bedurfte allerdings einer schriftlichen Mitteilung.

 

So, nun die Minibar inspizieren. Welche Minibar? Hätte ich bei vier Sternen erwartet. Also kein Kühlschrank. Wozu auch? Ließe sich doch der gesamte Raum in eine Gefrierzelle verwandeln. Fernseher? Fehlanzeige. Safe? Vorhanden, aber nur für 25 Euro die Woche. Hallo? Wir hatten all inclusive gebucht!

Dafür wie versprochen einen herrlichen Meerblick, für den man allerdings Gefahr lief, vom Balkon zu stürzen.

Entschädigt wurde ich durch byzantinische Deckenmalereien im Bad und kenianische Fensterverkittungstechnik.

Die ersten zehn Wodka Tonic an der Hotelbar, wenn auch aus Papp- oder wahlweise Plastebechern, ließen die kleinen Unzulänglichkeiten schnell in Vergessenheit geraten. Mischungsverhältnis 1:1.

Ist doch klar, jeder All inclusive-Gast säuft so lange, bis er hackedicht ist, am Wodkaquantum ändert sich also nichts. Da spart man eben Tonic.

 

Sollte mir recht sein.

Die Hotelmitbewohner, zumeist krebsrote junge Inseldingens, äh, Engländer, verhielten sich, von ihrer Esskultur und dem 24 Stunden am Tag währendem Rumgegröhle abgesehen, relativ anständig. Wobei das Wort „relativ“ relativ relativ war. Die erste Nacht verlief dank anderthalb Flaschen Wodka ohne besondere Vorkommnisse. Aus Solidarität morgens mit Gattin zum Frühstück gelatscht. Für vier Sterne kümmerlich. Massenabfertigungsfresshalle, kein Mineralwasser. Die Käsescheiben wölbten sich in der Sonne.

Die Söhne Albions ließen es sich nicht verdrießen und ergötzten sich an Bohnen in Tomatensoße und Speck mit Majonäse. Nun zum Strand. Badehandtuchverleih? Verleihnix. Liege und Sonnenschirm? Selbstverständlich, für 15 Euro pro Tag. Dem geneigten Leser noch mal zur Erinnerung: All inclusive, vier Sterne.

Der Strand. Strand? Eigentlich ein wenige Meter breiter, mit Zigarettenkippen und leeren Bechern übersäter dreckiger Kiesweg, war ziemlich leer am Vormittag.

 

Das lag wohl daran, dass ein großer Teil der Gäste ihren gindurchtränkten Kadaver erst am späten Nachmittag aktivieren konnten. Nach kurzem Rundumblick festgestellt, dass bei den Frauen Oben-Ohne-Sonnen üblich war, leider auch bei der Quarktaschen- und Silikonfraktion. Bild: zensiert. Die Verpflegung am Strand bestand aus ungetoasteten Toaststullen, Cola, Sprite und Bier. Mineralwasser kostete extra. Die Engländerwaschanstalt, auch Pool genannt, haben wir gemieden.

So sicher wie das Amen in der Kirche war allerdings der Ruf: „Sunglasses! Sunglasses!“

Ah, meine Freunde aus Schwarzafrika. Als ich angesprochen wurde, antwortete ich freundlich auf Suaheli. Da lag ich daneben, die Jungs kamen aus dem Senegal, da spricht man diese Sprache nicht. Trotzdem war ich nach etwa acht Sekunden über die breit gefächerte Angebotspalette des Sonnenbrillenverkäufers informiert.

Alles rein pflanzlich, Marihuana, Haschisch, Kokain und was die Felder in Afghanistan und Kolumbien sonst noch so an Näschereien hergeben. Abends zum ersten und letzten Mal versucht, das All inclusive-Essen einzunehmen. Die Verpflegung in einem Gefängnis in Ruanda dürfte besser sein.

Aber Ibiza wäre ja nicht Ibiza, wenn nicht jeder Quadratmeter mit Hotels, Geschäften und eben Restaurants voll gebaut wäre. Gleich gegenüber ein Chinese! Von Filipinos geführt. Annehmbares Essen, guter Wein. Eine Woche Stammgast gewesen, tagsüber aus dem Supermarkt Spar versorgt. Die Ilse vom Sparmarkt hieß dort Inez und die Möwen nicht Emma, sondern Emanuelle.

 

Nachdem wir uns Luftmatratzen, auf denen wir stundenlang auf dem Wasser plätscherten, gekauft hatten, wurde das Leben angenehmer. Einer alten Tradition folgend, musste ein Mietwagen her.

Inselrundfahrt, Suche nach abgelegenen Stränden.

 

Ich denke, das bedarf dann keines weiteren Kommentars mehr. So verging die Woche zwischen Luftmatratze und Chinese, verfeinert mit Wodka.

Zugegeben, ein Tag Stubenarrest, bedingt durch die unglückliche Verkettung von widrigen Umständen. Dies alle aufzuzählen, wäre zu lang, es sei nur gesagt, dass die Wörter „Sonne“ und „Wodka“ darin vorkommen.

Spanier haben wir so gut wie keine getroffen. Wieder zu Hause angekommen, hat sich wohl nur unser Rottweiler mehr als ich gefreut, dass die Woche um war.

Maidera

Nach dem Genuss einiger Flaschen Madeira beschlossen, Madeira zu besuchen. Deswegen Flugtickets gekauft, da Gummistiefel für Fußmarsch nicht lang genug.
In Fenchel gelandet, aber da die Leute auf Madeira portugiesisch sprechen, nennen die das Funchal. Nur 60 Kilometer bis zum Hotel, sollte auszuhalten sein. Leider nicht bedacht, dass Madeira eine Insel in der Form eines Fingerhutes ist und somit straßennetztechnisch nur aus Serpentinen besteht.

Vier Stunden im Bus gesessen, das erste Mal angepisst gewesen. Hotel ging so, Bar hatte geöffnet.

Am nächsten Morgen tatendurstig mit Badelatschen, Familie und Handtuch Hotel verlassen, um baden zu gehen, denn Inseln haben die angenehme Eigenschaft, von Wasser umgeben zu sein. Wasser war auch genug da, leider 600 Meter unter uns. Tolle Sache. Von anderen Touristen wie Außerirdische begafft worden. Andere Touristen wie Außerirdische begafft, weil diese mit Bergsteigerausrüstung herumliefen. Irgendwo muss doch ein Strand sein! An Rezeption erkundigt, nein, kein Strand.

Zum zweiten Mal angepisst gewesen! Auto gemietet, Ford Fiasco, Baujahr gefühlt 1642. Aber immerhin mit Slicks ausgestattet. Straßenkarte besorgt. Es muss doch eine Stelle geben, an der keine Klippen sind! Drei Stunden entweder links rum, rechts rum, berghoch oder bergab gefahren, geradeaus nie. Endlich kleinen Fischereihafen gefunden.

Festgestellt, dass Reiseplanung unzureichend gewesen ist, mit Wassertemperatur und Wetter etwas verpeilt. Bei 17°C und Nieselregen trotzdem im Hafenbecken gebadet, dabei von einer Schar japanischer Touristen mit Spiegelreflexkameras und Pudelmützen gefilmt worden. Beinahe den Arsch abgefroren.

Zurück zum Hotel. Bremse hinten links fiel aus, konnte aber durch Gegenlenken kompensiert werden. An einer Steigung von circa 135 Grad Getriebeschaden. Konnte durch Gegenlenken leider nicht mehr kompensiert werden. Natürlich kein Telefon dabei, da selbiges aufgrund mangelnder Beherrschung der portugiesischen Sprache sowieso sinnlos.

Eine Stunde und elf Zigaretten später Motorengeräusche! Rettung! Ein deutsches Ehepaar aus Wanne-Eickel gewährte uns in ihrem gemieteten Opel Latrino Mitfahrgelegenheit bis zum Hotel. Roch mächtig nach Kupplung, fuhr aber immerhin. Das Auto, nicht das Ehepaar. Das roch nach Kölnisch Wasser.

An der Rezeption Meldung über Verbleib der Luxuslimousine gemacht und nach Zeitvertreibmöglichkeit gefragt, da zum Saufen noch zu früh. Empfehlung, die Sauna zu nutzen, bekommen. Sehr gute Idee, da immer noch durchgefroren. Zustand in Sauna nach einer halben Stunde unverändert. Nachfrage an der Rezeption, warum es in der Sauna nicht heiß sei. Antwort bekommen, dass im Hotel überwiegend kreislaufschwache Invaliden mit Herzschrittmachern und künstlichen Darmausgängen wohnten, deswegen nur Bio-Sauna, das hieß vierzig Grad. Ja klar.

Saunabesuch abgebrochen. Warten. Schon mal einen Schluck? Endlich Abendessen. Was ist das? Pünktlich 18.00 Uhr Hereinrollen der Gäste. Anschließen an diverse medizinische Geräte, Fütterung mit Bananenbrei. Suchend ums Büffet geschlichen, erinnerte an eine Mischung aus Vogelfutterladen und Magenschonkost. Totalausfall. An der Hotelbar Kalorienbedarf mit Erdnüssen und einer Flasche Wodka plus Fruchtsaft gedeckt. Die restlichen sechs Tage siehe oben. Beschlossen, nie wieder Madeira zu trinken!

Schon wieder

Ja, ich habe es schon wieder getan.

Seit Weihnachten eine Rotznase zu haben ist doch wohl Grund genug, zum neunten Mal nach Kenya zu fliegen. Damit es nicht langweilig wird, baue ich diesmal Bilder ein.

Also, es geht los. Wieder ticketloses Reisen. Oh Wunder, diesmal keine Probleme.

Aber da war ein ungutes Gefühl! Irgendetwas vergessen? Geld, Pass, Reiseunterlagen? Reiseunterlagen, Pass, Geld? 50 Dollar Eintrittsgeld? Alles da. Das ungute Gefühl blieb. Lusthansahopser nach Frankfurt. Zwei Stunden abgammeln. Nanu, kein Gedrängel am Abfluggate? Im Jumbo eine Dreierbank ganz für mich allein? Weder Sachsen noch Schwaben in der Nachbarschaft? Paradies?

Dank Obama blüht der Handel auf!

Nein, Weltwirtschaftskrise!

Amerika, ich danke dir und deinen Bankern. Ins Einreisevisum zur Abwechslung als Name mal Käptn Blaubär eingetragen, Beruf Karussellbremser.

Abendessen. Ein (Ironiemodus on) köstliches (Ironiemodus off) Essen serviert bekommen, vier Valium eingeworfen, der Nachtflug hatte jeglichen Schrecken verloren. Kaum hatte ich es mir auf der Dreierbank bequem gemacht, landete die Maschine überpünktlich in Mombasa. Und da war es wieder dieses ungute Gefühl. Geld, Pass, 50 Dollar? Alles da.

Das ungute Gefühl verstärkte sich und wich einem unangenehmen Gefühl in der Gürtelgegend. Und plötzlich wusste ich, was ich vergessen hatte!

Loperamid! Ich hatte ein Problem. Ein Problem, das mit Stuhl anfing und mit Gang endete. Zwiesprache mit meinem Nasendarmtrakt.
„Junge, hältst du noch anderthalb Stunden durch?“
„Ich kann es versuchen, aber es sieht nicht danach aus!“

Also Klo suchen. Der Albtraum jedes Afrikareisenden. Letzter Versuch, hochzuziehen. Letzte Warnung des Schließmuskels. Allerletzte. Also Augen auf und durch! Das Klo hatte eine (sensible Damen bitte weggucken) stinkige Pissrinne, einen Aufseher und zwei Kabinen, die nach vorn durch eine circa ein mal ein Meter große Pendeltür von der afrikanischen Außenwelt abgetrennt waren. Nun hört man ja immer diese Unkenrufe, da wäre nur ein Loch im Boden! Mombasa ist, bittschön, ein internationaler Airport! Da kackt man nicht nur in ein Loch, nein, über dem Loch stand eine 35 Zentimeter hohe Röhre aus, hm, ich glaube, es war so etwas wie ein Vorläufer von Porzellan! An nichts denken! Mein Inneres mahnt zur Eile. Also, Hosen runter und Feuer frei!

guter Bulle

böser Bulle

 

„Mbwana, kuna matata?“ (Gibt es Probleme, mein Herr?”). Breit grinsend schaut ein sonnenverwöhnter Toilettenbeamter in meine Kabine. Äh, nö, alles klar. Ne, doch nicht! Klopapier! Hilfsbereit reicht er mir eine Rolle. Afrika eben. Für einhundert Schilling darf ich mir sogar die Hände waschen. Das nenne ich doch mal Luxus. Doch dies nur nebenbei.

Ich muss ja nicht noch einmal erzählen, was es in Kenya alles so zu bestaunen gibt. Aber Einiges sollten Sie wissen.

Seit der Wahl Obamas zum Präsidenten ist Kenya ein Bundesstaat der USA. Glauben zumindest die meisten. Das dem nicht ganz so ist, haben als Erste die indischen Bankbetreiber realisiert, denn die Visakarte ist wieder benutzbar! Aber die Wirtschaft boomt, die Baubranche ist im Aufwind, der Handel blüht entlang der Prachtstraßen von Mombasa. Güter und Waren aller Art wechseln den Besitzer.

Die Gastronomiebranche hat Hochkonjunktur

Da es keine Arbeiter gibt, gibt es auch keine Arbeitslosen, eine feine Sache, wenn man zu Amerika gehört. Daran sollten wir Europäer uns mal eine Scheibe abschneiden. Da jammert keiner, wie schlecht es ihm doch geht! Man legt sich einfach irgendwo auf einen Müllberg und schläft.

Morgen wird wie heute sein, ab halb sieben Sonnenschein!

Und wenn der kleine Hunger kommt, könnte man sich ja eine Papaya abpflücken, aber das wäre mit Bewegung verbunden und die wird tunlichst vermieden. Irgendein dämlicher Mzungu (Weißbrot) wird einem schon hundert Schilling schenken, oder man verkauft ihm einen Holzelefanten (wird in einer Fabrik in Südafrika von Drittklässlern für ein paar Pfennige hergestellt) für zweitausend Schilling. Das ist doch mal ein Geschäft, damit kann man sich eine neue Existenz aufbauen. Man kann aber auch ein völlig neues Leben beginnen.

Auch in puncto Kopfschmucktrendsetting liegt Kenya jetzt vorn

Das geht so:

Erste Variante bei Sonnenschein: Während einer sich vor einen mit Sandalen und Kniestrümpfen bewaffneten Mzungu mit der Bräune einer Milchflasche stellt und ihm lautstark erklärt, dass er taubstumm sei und dringend Geld für Essen braucht, zieht ihm ein zweiter von hinten die Brieftasche aus den überaus kleidsamen Bermudashorts.

Zweite Variante bei Dunkelheit: Einfach von hinten eins mit dem Knüppel über die Rübe und man hat nicht nur Geldbörse, sondern auch noch Sandalen, Bermudashorts, Kniestrümpfe und wenn es richtig gut läuft, auch noch eine Tube Hämorrhoidensalbe erwirtschaftet. Das Leben kann eben so schön sein. Und wenn nichts mehr läuft, dann bleibt ja noch der liebe Gott.

Alle Kenianer sind sehr religiös, hier eine Gottesanbeterin beim Gebet

Um ganz sicher zu sein, geht der tiefgläubige Kenianer nämlich vormittags in die Katholische Kirche, versichert sich des Beistandes der Heiligen Dreifaltigkeit, schaut nach dem Mittagsschlaf mal bei den Zeugen Jehovas oder den Baptisten vorbei und liegt nachmittags punkt fünf in einer Moschee auf den Knien. So ist man auf der sicheren Seite. Und um die Sache wasserdicht zu machen, wird nachts schnell noch ein kuku (Hühnchen) für Mungu geopfert, im Beisein einer Buddhastatue, versteht sich.

So ist man gegen jeglichen Unbill gefeit und hat es sich mit keinem verdorben.

Junger Tag, du kannst kommen! Frauen haben es noch einfacher, ihren Lebensunterhalt zu sichern, denn sie haben eine Kuma (Wenn Sie jetzt erwarten, dass ich das übersetze, dann haben Sie sich zu früh gefreut).

Nacktputzservice

Man verdingt sich als Begleiterin oder offeriert einen Nacktputzservice, der in Kenya im Vergleich zu Deutschland finanziell recht günstig ist. Dieser Erwerbszweig steht aber auch Männern offen.

Hier eine selbst erlebte Anekdote.

Omma aus dem Ruhrpott, um die 75, in etwa einen Doppelzentner schwer, geblümtes Sommerkleid Größe Zirkuszelt, Stützstrümpfe, stampft schweißüberströmt mit letzter Kraft den Strand entlang Richtung Bar. Nicht allein, nein, das nicht. Hand in Hand mit einem stolzen Massaikrieger, der etwas zu jung wirkt , um ihr Enkel sein zu können, tut sie das.

Ein stolzer Massaikrieger. Noch, denn morgen kommt die Omma aus dem Ruhrgebiet

 

Das Haupt in den Himmel gereckt, eingehüllt in prächtige Tücher, versehen mit einem Kopfschmuck aus Federn und Glasperlen, ist er ihr Begleiter. Selbstverständlich ist er unsterblich in die Ruhrpottschönheit verliebt, das zeigt jeder Muskelzucker seinen ebenholzfarbigen Körpers. So, die Bank ist erreicht. Uff, Omma nimmt ächzend Platz. Neben ihr ihre Eroberung. Dann wird bestellt. Saft für sie (um ihre 23 Herz-und Blutdrucktabletten herunter zu spülen), Bier für den tapferen Krieger. Eine Stunde Verschnaufpause, dann ab ins Hotelzimmer. Am nächsten Morgen die gleiche Prozedur am Strand. Omma hat schon eine etwas gesundere Gesichtsfarbe angenommen, der Massai wirkt leicht erschöpft.

Überspringen wir einmal eine Woche. Omma stampft im Sturmschritt den Strand entlang, ihren einst so stolzen Krieger im Schlepptau. Gebeugten Hauptes, keuchend, zerlumpt die Sachen, abgeknickt die Federn. Zollen wir ihm Respekt, er erwarb sein Brot im Schweiße seines Angesichts durch ehrliche Arbeit. Glauben Sie nicht? Fliegen Sie doch selbst hin, ich tue das im November auch wieder.

Der Junge hat Pech gehabt. Mboro verloren!

Kerguelen

Die Kerguelen sind keine Druckfehler, sondern ein paar Inseln.

Selbige sind komplett von Wasser umgeben und liegen im südlichen Indischen Ozean.
Von Deutschland aus sind die Kerguelen zu Fuß nur sehr schwer zu erreichen.

Warum die Kerguelen Kerguelen heißen, wusste lange Zeit keine Sau. Später stellte sich heraus, dass ein Franzose namens YvesJoseph de Kerguelen de Tremarec die Inseln 1772 als erster Mensch entdeckte. Da die Kerguelen keine dauerhaften Einwohner haben, ist das Leben dort sehr einsam. Einige Schafzüchter teilen sich die Insel mit Robbenfängern und Schafen.

Einen König gibt es dort nicht, ebenso sind Parkverbot und Straßenstrich gänzlich unbekannt, wenn man ein paar schwarze Schafe außer Acht lässt. Wenn man von Vogelscheiße absieht, haben die Kerguelen keine Bodenschätze. Die Kerguelen werden weder in „Mein Kampf“ noch im Alten Testament erwähnt und sind somit historisch nur von untergeordneteter Bedeutung.

Pflanzen wachsen dort so gut wie gar keine. Erwähnenswert ist allerdings der Kerguelenkohl. Der Kerguelenkohl ist universell einsetzbar. Er dient sowohl Robbenfängern als auch Schafen als Nahrung, getrocknet wird er als Tee und zum Rauchen verwendet. Hervorzuheben sind seine aphrodisierende und adstringierende Wirkung. Die Robbenfänger setzen ihn sowohl zur Behandlung von Libidoverlust als auch von Einrissen im Analbereich ein.

Die Tierwelt besteht aus Pinguinen, Robben, der flügellosen Kerguelenfliege, Schafen und Schafzüchtern.

Auf den Kerguelen ist es sehr windig. Unverständlich ist, dass dieser Umstand nicht dazu führt, die Kerguelen zu einem El Dorado der Windsurfer und Windmühlenbetreiber zu verwandeln. Es wird vermutet, dass dies eventuell mit den etwas seltsamen Paarungsritualen der Robbenfänger zusammen hängen könnte.

Um die Kerguelen ranken sich viele Mythen. Es wird behauptet, dass Taiwan dort heimlich Atombomben baut, um China in die Knie zu zwingen. Weiter wird gemunkelt, dass dort deutsche U-Boote aus dem Zweiten Weltkrieg auf den Befehl des Führers, Amerika dem Erdboden gleich zu machen, warten. Einige Nihilisten glauben, dass die Kerguelen, ähnlich wie Bielefeld, gar nicht existieren.

Das Deutsche Auswärtige Amt und die Tourismusbranche rät von einem Urlaub auf den Kerguelen ab, je nach Geldbeutel und sexueller Neigung sollte man die Lüneburger Heide oder Thailand vorziehen. Oder auf Balkonien bleiben!

Kenya - Teil 2

So, weiter geht es im Text.

Der Flieger rollt aus, das übliche Gedränge geht los.

Man muss wissen, dass es nämlich von alleräußerster Wichtigkeit ist, als Erster am Einreiseschalter zu stehen, man hat dann nämlich länger Zeit, das Warten am Gepäckband zu genießen. Ich schlendere also bei brütender Hitze den Pauschaltouristen hinterher.

Die Einreise erfolgt in drei Schritten.

Zuerst beäugt eine Schalterbeamtin scheinbar argwöhnisch die Pässe, wobei sie schon mal den einen oder anderen verkehrt herum hält. Die ach so sorgfältig ausgefüllten Visa werden dem Pass entnommen und wandern ungelesen in eine Holzkiste. Damit ist man theoretisch in Kenya.

Praktisch aber noch lange nicht, denn nun heißt es Eintritt bezahlen.

Seit Jahr und Tag beträgt der Eintritt in Kenya 40 Euro, die ich wohlbedacht passend in der Hosentasche habe. Denn wer nur einen Fünfziger hat, erkennt schnell, dass Wechselgeld nicht existent ist. Ich halte mich aus dem Getümmel heraus und beobachte aus sicherer Entfernung, wie sich 250 Wazungu (Weißbrote, wie wir dort genannt werden) um einen Glaskasten scharen, in dem ein sonnenverwöhnter Flughafenangestellter vom Stamme der Kikuyu sitzt, dahinter zwei Soldaten mit Sturmgewehren, da kohlrabenschwarz, wahrscheinlich Luo oder Meru. Die Soldaten, nicht die Maschinenpistolen. Die sind vom Stamm Kalaschnikow.

Nanu, was ist das? Tumult lässt erkennen, dass etwas nicht stimmt. Ich prüfe die Situation. Ach, ich vergaß! Obama hat die Wahl in Amerika gewonnen! Freudentaumel in Kenya, jetzt ist man Amerika!!

Dass Obamas Vater, der tatsächlich aus Kenya stammt, sich nach dem Schwängern von Obamas Mutter auf dem typisch afrikanischen Weg aus dem Staub gemacht hat, interessiert keinen, da es keiner weiß. Dafür weiß Obama nicht mal, wo Kenya auf dem Globus zu suchen ist. Ausgleichende Gerechtigkeit eben.

Egal, wir sind schließlich Papst und die sind jetzt eben Amerika. Das wäre mir von der Sache her piepegal, aber nun kommt der Haken! 40 Euro als Eintritt?

What the fuck means Euro? Dollar, liebe Freunde des Safariurlaubs, Dollar! Sonst nix mit Einreise! Das lässt die Sachsen-Schwaben-Koalition, unterstützt von einigen Berlinern, nicht auf sich sitzen! „Wo solle mir nu Dollar herkriesche, sog emal? Dös is a Sauerei! Mache de Negers nu, wat se wolle? Nisch mit uns, gell?“ „Jenau, die hamse wohl nich mehr alle, wär ick bloß wieder nach die Thais hinjeflogen!“

Stimmen des Unmuts werden lauter. Ich erahne die logische Konsequenz.

Zuerst versteht der Schalterbeamte, der sich mit seinem einen Streifen auf dem Ärmel sicher für einen General hält, kein Deutsch und keinen Spaß mehr. Nach zwei Minuten auch kein Englisch.

Nach weiteren Schimpftiraden auch nicht mehr Suaheli und dann schließt er ab und geht Tee trinken. Bloß die beiden finster blickenden Herren mit den Sturmgewehren nicht.

Zeit zum Eingreifen. Habe nämlich keine Lust, drei Tage auf dem Flugplatz zu campieren.

Ich drängle mich nach vorne („Lassen Sie mich durch, ich bin Arzt!“), nehme gelassen ein paar Ellbogenstöße einer älteren Dame mit geblümten Sommerkleid hin und wende mich höflich und freundlich lächelnd an den inzwischen wiedergekommenen Generalfeldmarschall mit einem Streifen. Ich spreche ihn zunächst auf Suaheli an, nenne ihn selbstverständlich Marshall und bitte um Aufklärung.

Auch zeige ich ihm meine Papiere, und zwar einen 500- Shilling-Schein. Den lässt er unauffällig in seiner verschwitzten Uniformbluse verschwinden. Ich wechsle teilweise ins Englische, schwatze ein wenig Suaheli über das Wetter (Moto sana leo! Hapana mawingu na hapana upepo!“ (Sehr heiß heute! Und wolkenlos. Und kein Lüftchen regt sich!“, erkundige mich nach dem Wohlergehen seiner Ziegen, Kühe und Eltern. Das imponiert! Schon ist er mit meinem Vorschlag, dass einige von uns Passagieren unter Zurücklassung der Reisepässe die immerhin ca. zwölf Meter entfernt liegende Wechselstube aufsuchen, um kollektiv Euro in Dollar umzutauschen, einverstanden.

Nach gut einer halben Stunde (manchmal untertreibe ich etwas) habe ich den Passagieren mein Vorhaben klargemacht. Es melden sich sechs Männer freiwillig, ich bleibe als Pfand beim Officer.

Ich glaube kaum, dass es erwähnenswert wäre, dass der Wechselkurs Euro in Dollar seit eben eins zu eins beträgt. Mittlerweile habe ich auch bei den Deutschen Helfershelfer, die mit mir gemeinsam den erneut aufkommenden Unmut der Afrikaexperten unterdrücken.

So, 50 Dollar abgeliefert, Stempel im Pass, ran ans Gepäckband.

Ob es an der hohen Temperatur oder am heiteren, gelassenen Gemüt der Flughafenarbeiter liegt, dass das Ausladen noch nicht einmal begonnen hat, mag jeder für sich selbst entscheiden.

Da mein Freund Carl nun schon seit einer guten Stunde draußen auf mich wartet, um mich abzuholen (und weil ich mittlerweile von dieser ganzen Scheiße die Schnauze voll habe), entscheide ich mich für Trick 17. Ich verspreche einem jungen Bengel glatte 100 Shilling, wenn er mir meinen Koffer besorgt, schwarz, Samsonite, mit einem speziellen Aufkleber.

Er willigt ein und schleicht eilfertig los, krabbelt durch die Gummilappen an dem Loch, wo sonst das Gepäck herauskommt und kommt nach zwei Minuten freudestrahlend mit meinem Koffer wieder. 100 Shilling, je nach Wechselkurs so um einen Euro, wechseln den Besitzer. „Asante sana!“ (Vielen Dank!). Nun noch zum Zoll, für mich mittlerweile ein Kinderspiel.

Mit entschlossenen Schritten gehe ich auf den Zollbeamten hin und begrüße ihn freundlich: „Sema, mambo, rafiki! Habari gani? Poa? (Hi, Tachschön, mein Freund, wie geht es denn so, was gibt es Neues? Alles fit im Schritt?). Dabei halte ich ihm nicht meinen Koffer, sondern meinen Pass hin, aus dem wie zufällig oder von Gottes, Allahs oder Buddhas Hand (Nichtzutreffendes bitte selbstständig streichen), ein 1000-Shilling-Schein (Zehn Euro) purzelt. Schon steht er mit seinem Fuß auf dem Schein, lächelt freundlich zurück und sagt: „Nzuri sana! Haia safari, rafiki. Mungu akubariki!” (Alles bestens, mein Freund, gute Reiseund Gott segne dich!) Ende der gefürchteten Zollkontrolle.

Aus den Augenwinkeln sehe ich noch, wie ein dicker Mann neben seiner lamentierenden Frau schwitzend seine ganzen langen Unterhosen und den Beutel mit Blutdrucktabletten und Hämorrhoidenzäpfchen aus seinem Koffer wühlen muss. Okay, dafür hat er einen Zehner gespart, cleveres Bürschchen. Ich verlasse das Flughafengebäude und treffe meinen Freund Carl, der wissend lächelt.

Die erste Zigarette macht mich leicht schwindelig. Nun erst mal ab nach Mombasa und dann weiter nach Shanzu.

So, Freunde von Reiseberichten der etwas anderen Art, in ein paar Tagen kommt Kenya 3!

Kenya - Teil 3

Also rein in Carls Auto und los.

Der Schweiß rinnt. Am Flughafenausgang wieder das Übliche, Kontrolle plus Geld einsammeln, die so genannte Flugplatzverlassensgebühr. Sie fällt mit 200 Shilling recht bescheiden aus, aber die Sache hat natürlich einen Pferdefuß.

Vier Soldaten lungern neben dem Wachhäuschen, Bewaffnung a la Sturm auf El Alamein, Uniformsitz a la Hauptfeldwebelschlaganfall. Wazungu mbili? (Zwei Weißbrote?) Da muss etwas zu holen sein!

Was denn da in meinem Koffer sei? Ich verkneife mir zu sagen, dass ich wie üblich 25 Handgranaten und ein paar Tüten Kokain dabei habe, sondern antworte wahrheitsgemäß, dass ich neben ein paar kurzärmligen Hosen viele Medikamente für seine afrikanischen Brüder und Schwestern im Gepäck habe. Das erregt seine Aufmerksamkeit.

„Wewe daktari?“ (Bist du Arzt?). „Ndio.“ (Ja.).

Da wäre dann doch wohl auch ein passendes Medikament für ihn dabei, da ist er sich sicher. Klar, mit einer Kalaschnikow als Meinungsverstärker wäre ich auch überall ziemlich sicher. Ich reiche ein Aspirin, eingewickelt in einen 100–Shilling–Schein, aus der Seitenscheibe. Sesam öffne dich, die Schranke geht hoch.

Nun aber los! Der gewohnte Anblick des Stadtrandes von Mombasa nimmt mich gefangen. Zuerst der Anblick, dann der Gestank. Ich ziehe mein Shirt über die Nase. Ich kann jetzt die Moslems gut verstehen. Eine Sharia kann eine echt starke Sache sein! Neben verfallenen Ruinen aus der Kolonialzeit türmen sich brennende Müllkippen. Vom Qualm ungestört, fressen dort unzählige Ziegen genüsslich schwarze Plastiktüten (liebe Bauern hierzulande, bitte nicht nachmachen!).

Zu meinem Leidwesen erfahre ich, dass wir noch mal auf die Schnelle zum Schlachter müssen, Fleisch für Carls Restaurant kaufen. Da ich nicht die Absicht habe, Veganer zu werden, warte ich neben draußen neben dem Auto. Pro Minute verliere ich nun gefühlte vier Liter Schweiß. Meine Erfahrung sagt mir, dass ich in den nächsten drei Wochen höchstens vier mal pinkeln muss. Carl kommt wieder, einige pralle Tüten im Arm.

Als er sie in den etwa 60°C warmen Kofferraum wirft, fällt mir spontan das Wort „Unterbrechung der Kühlkette“ ein, vergesse es aber schnell wieder. Afrika eben, die Sonne scheint, alles ist schön. Hakuna matata! (Kein Problem!) Dann noch schnell zur Barclays Bank, Geld holen. Wie immer Visacard in den Automaten. Wie bitte? Wrong number? Vielleicht vertippt, der Schweiß brennt in meinen Augen. So, nu aber! Card out of order!

Sollte meine Frau zu Hause mein Konto leergeräumt haben und mit einem ihrer Steuerberater durchgebrannt sein? Dann eben rein in die Bank zum Schalter.

„Vipi, kuna matatakubwa!“ (Grüß dich, ich hab ein großes Problem!”) Habe ich wirklich. Ob ich denn nicht wüsste, dass der Kenyaner Obama jetzt Präsident von Amerika sei? Das wusste ich. Was ich nicht wusste, ist die Tatsache, dass seit gestern Visa-und Masterkarten in Kenya ungültig seien, nur wer die güldene Amexo hat, der sitzt am Ruder. Oder wenn ich Kunde der Barclays Bank sei.

“Pole sana, hapana.” (Nein, leider nicht.”)

Doch jetzt zeigt sich die Überlegenheit des europäischen Pioniergeistes! Ich stecke todesmutig meine 0815-Sparkassenkarte in den Automaten, gebe die Geheimzahl ein und der Kasten spuckt ratternd 20 000 Shilling aus. Carl staunt Bauklötzer. „Spezial card from Germany, only for a few special agents!“, erkläre ich. Anerkennendes Nicken. Finanzproblem vorerst behoben.

Nun weiter durch die Slums der Vororte Bombolulu (Honolulu wäre mir in diesem Moment lieber gewesen ...), Kishimani und dann endlich Shanzu Village.

Drei Salami für Carl, und ab in meine Bude. Kühlschrank und Ventilator laufen schon. Heizung anscheinend auch, das Fieberthermometer ist außer Stande, die Raumtemperatur festzustellen. Na, kenne ich ja. Also raus in die Kneipe, Sodawasser, baridi sana, tafadhali! (sehr kalt, bitte). Nun das Telefon aktivieren. Siemens, sechs Jahre alt, sieben mal runtergefallen. Simcard noch vom letzten März.

Schon schleichen ein paar finster aus- und dreinschauende Gestalten in meine Richtung, um mir eine Simcard von Safaricom oder am besten noch ein Telefon zu verhökern.

„Samahani, Siemens!“ (Tut mir leid, ist ein Siemens!“) Der Firmenname lässt ihre Gesichter lang werden. Mist, die Dinger funktionieren wohl ewig.

So, nun aber schnell die Klamotten vom Leib und das Hausmädchen anrufen! Warum geht die Nummer nicht? Noch mal. Fehlanzeige. Ohne Hausmädchen ist man, außer man wohnt wie die Sachsen-Schwaben-Koalition (weischt?) hinter Stacheldraht in einem schicken Hotel an der Südküste. Diani Beach, falls mal einer gugeln möchte.

Aber bei mir geht es ohne Hausmädchen nicht. Letzter Versuch! Nichts.

Also David, meinen Kraftfahrer vor Ort anrufen und herzitieren. Ich notiere ihm eine Reihe von Mädchennamen, die er in Mtwapa (kein Tippfehler, heißt so), einer knapp 20 km entfernten sagen wir einmal Stadt abklappern soll und nach meinem Hausmädchen fragen.

Klar, macht er. „But I have a problem!“ Kenne ich. “How much?”

Dreihundert, na, das nenn ich doch einen Freundschaftspreis! David beseitigt mit einem Tritt an den Vergaser alle technischen Probleme und saust mit glatten vierzig Sachen davon, halsbrecherisch, wenn man den Zustand der Straße bedenkt.

Ich gönne mir erst mal eine heiße Dusche. Ja, eine heiße, denn kaltes Wasser gibt es nicht. Nachts und morgens ist es warm, mittags heiß, liegt an der Sonne, die auf den Wassertank auf dem Dach scheint.

Dann gehe ich im Zeitlupentempo zum Inder an der Ecke, so was wie ein Tante Emma-Laden. Großes Hallo, auch schon unterwegs. Auf den hundert Metern werde ich pro Meter in etwa acht mal gefragt, ob ich Geld wechseln will, ein Telefon oder eine Simkarte brauche, ob ich eine Nacken- oder Mboro-Massage ( muss ich nicht übersetzen, oder?)wünsche oder eine schnelle Nummer hinter einem dreckigen Vorhang. Nein, eine Safari will ich jetzt auch nicht buchen. Und auch keine Holzgiraffe kaufen.

Der Laden ist erreicht, Sodawasser in größeren Mengen, Mangosaft, Simba Cane (ein afrikanisches Schlaf- und Belustigungsmittel mit 43%, gebrannt aus Zuckerrohr, das ich natürlich ausschließlich zur Desinfektion des Rachenraumes und der Speiseröhre einsetze). Zigaretten sind teurer geworden, pro Schachtel jetzt schon achtzig Cent! Egal, man gönnt sich ja sonst nichts. Eilfertig schleppt ein Boy das ganze Zeug zu meiner Bude.

Ein Trinkgeld erwartet er natürlich nicht, nein, er fordert es.

Und schon ist David aus Mtwapa zurück, schlechte Nachricht.

Hausmädchen Tina ist im Sommer verrückt geworden, kann auch sein, verhext, sie wäre lange im Hospital gewesen und sei nun verschwunden.

Sie sei eben weg. Fertig. In Kenya ist man eben einfach weg. So ist das da, da macht man nicht so ein Gewese wie hier. Da wird niemand vermisst, da ist man eben weg, so. Also erst mal kein Hausmädchen. Da ist guter Rat teuer. Und zwar genau fünfhundert Shilling, dafür würde David nämlich Tinas ehemalige Freundin in Shemo Latewa aufspüren, die lebt da jetzt bei ihren Eltern, seitdem Tina weg ist.

Eine gute Idee, denn wie ich höre, ist ihr Vater Polizist. Kennt man einen Polizisten nicht, ist er gefährlicher als zehn Banditen, kennt man aber einen gut, dann kann er sehr wichtig sein! Und eine von den hunderten herumlungernden Nutten als Hausmädchen zu engagieren, ist, glauben Sie mir, keine so besonders gute Idee.

So mancher biedere Afrikatourist, der natürlich nur der Elefanten und des schönen Wetters wegen ohne Mutti nach Kenya kam und dank Viagra eine angenehme Nacht mit einer Achtzehnjährigen verbrachte, sprach schon morgens nach dem Erwachen als Erstes:

„Scheiße, alles weg!“

So, weiter geht es nächste Woche!

Kenya - Teil 4

So, nun aber ab auf Safari.

Werde auf der Straße, wenn man das wohlwollend so nennen mag, von einem Mann angesprochen, der so aussieht, als ob er jeden Moment platzen würde. Soviel zur Hungersnot in Kenya.

Er hieße Zacharias und sei mein bester Freund, ließ er mich wissen. Sollte sich Dirk Bach umbenannt und schwarz lackieren lassen haben? Und dessen bester Freund solle ich sein?? Falls jemals das Wort Skepsis angebracht ist, dann jetzt.

Ob ich nicht Lust auf eine Safari hätte?

Meinen Erklärungsversuch, dass ich bereits acht mal in Kenya war, erstickte er mit einem nicht zu übertreffenden Preisvorschlag im Keim. Zwei Tage Tzavo East für unschlagbare 275 Euro war seine Offerte. Aber nur, weil ich sein Bruder sei (vorhin bloß sein Freund ...) und er mich so gut leiden könne!! Und dass er bei dem Preis selbst ordentlich zusetzen würde und wochenlang kein Essen zu sich nehmen. Sein XXXL-Bauch bebte vor Geschäftstüchtigkeit.

Meine ungläubige Frage: „275? Lodge inside?“ Nein, im Nationalpark wäre die Lodge natürlich teurer. Aha. Dass ich die gleiche Safari bereits für 150 Euro gemacht hatte, konnte er ja nicht wissen. Ich ließ ihn in dem Glauben, mir die Sache zu überlegen und schlug mich seitwärts in die Büsche.

Nun ist so eine Safari an sich eine unterhaltsame Sache und mein Hausmädchen war begeistert von der Idee, dass ich sie mitnehmen wolle. Schließlich hatte sie noch nie im Leben einen Elefanten gesehen. (Für Insider: Elefenaten).

Also ab zu einer alten Bekannten, Safari buchen. Da ich ihr bestens bekannt war, gab es keine Preisdiskussionen, Hausmädchenrabatt, also für uns beide zusammen 200 Euro, Fünf-Sterne-Lodge, all inclusive, außer Schnaps. Abgemacht.

Freitag pünktlich um sieben in der Frühe sollte es losgehen, man würde wie immer mit einem Jeep abgeholt. Das bedeutet in Kenya, dass man so in etwa gegen acht aufstehen muss. Rucksackpacken ist schnell erledigt. Vier Liter Mineralwasser plus einen Liter Schnaps, zur Malariaprophylaxe versteht sich. Zigaretten dabei? Fertig.

Der Morgen der Abreise.

Frühstück (Tee plus Zigarette), ab aufs Klo. Alles schön, bis auf den nicht unbedeutenden Umstand, dass kein Wasser da ist. Aber wozu gibt es Hausmädchen? Selbige eilfertig los, einen Eimer Wasser besorgen. Zwecks Ermangelung von Zeitungslektüre beobachtete ich eine Ameisenkolonne, die einen toten Brummer in ein Loch in der Wand zerrte, während ich geduldig auf dem Zylinder wartete. Aha, Wassereimer ist da. Geht doch. Zuerst spülen. Dann mich nass machen lassen, einseifen, mittels Wasserglas abspülen, fertig. Selbige Prozedur an Hausmädchen vollziehen, Bude verrammeln, auf den Jeep warten.

Der kommt pünktlich gegen halb neun, Donnerwetter. Großes Hallo, entstammte er doch dem selben Stamme, dem auch mein Hausmädchen entstammte. Eine richtige Stammerei war das!

So, nun aber los! Schon hegte ich die Hoffnung allein im Jeep zu sein, da hielt nach einer guten halben Stunde der Bengel doch vor so einem Touristenhotel!

Mir schwante Schlimmes. Es kam schlimmer.

Zwei Ehepaare, die aussahen, als ob sie zu Fuß ganz Afrika durchqueren wollten, stiegen in den Jeep. Und nun kam es ganz dicke.

Die Dicke von den beiden Frauen sagte : „Gute Morsche! Mache Se ooch Safari? Mir mache Safari, weischt?“

Mir lag auf der Zunge zu erwidern, dass ich mich auf einer Polarexpedition wähnte, verkniff es mir aber. Ich überspringe jetzt mal einige Stunden Jeepfahrt, damit es nicht noch langweiliger wird. Im Nationalpark angekommen, wurden am Einlass die Formalitäten erledigt, die „Weischt-Frau“ innerhalb einer Viertelstunde mit Englischradebrechen, ich in elf Sekunden mit einem kurzen „Vipi!“ (Hi!) und zweihundert Shilling. Dann ging es los.

Am Horizont erblickte man einige Elefanten, etwa drei Kilometer entfernt. Die Schwabenfraktion verschoss die ersten dreihundert Bilder. Man raunte sich Sätze wie „Der, der wo die Schwarze mit hat, scheint sisch fir Diere net zu intreschiere!“

Die Sachsen waren etwas netter und baten den Fahrer, der so gut Deutsch sprach wie Moses Japanisch, höflich: „Gennse vleisch ma e bissel dichter da nunner an die Biesters ran?“

Ich versuchte zu übersetzen, ein Fehler. „Nu gugge, Sie sind ja ooch een Deitscher?“ Mist. Mit meinem Hausmädchen hatte ich mich zur Tarnung natürlich nur Englisch und Suaheli unterhalten. Zum Glück kreuzen einige Strauße unseren Weg. Das lenkte die Mitfahrer von mir ab.

Die Sachsen und die Schwaben stritten, ob es sich nun um Nandus oder Emus handelte. Der Streit wurde heftiger, als es um die richtige Aussprache des Wortes „Giraffe“ ging.

Ich amüsierte mich köstlich und mein Hausmädchen beobachtete fasziniert die afrikanische Savanne ihrer Heimat.

So, und weiter geht es demnächst hier auf dieser Seite!

Kenya - Teil 5

Weiter im Text.

Die süddeutschen Ornithologieexperten einigten sich nach einigem Hin und her, dass es sich „bei die fettschen Veegel“ um „Sträuße handeln tut“. „Nu gugge, fliechen kanner nich!“

Am Horizont tauchten Berge auf, die Taita Hills. Die Sonne brannte unbarmherzig. Meine Mitreisenden Afrikaspezialisten dürsteten. „Gennse nich amal an ein Konsum oder Kneipe ranfahren?“ „Jo, mir habe Durscht!“ Unverständliches Kopfschütteln des Fahrers.

In einem Anfall von Nächstenliebe erklärte ich, dass wir in ungefähr zweieinhalb Stunden die Voi-Lodge erreichen werden, dort gebe es Verpflegung, vorher sei eben nur Savanne. Deswegen hieße es ja Safari und nicht Tierparkbummel. Mein Angebot, von meinem Wasser abzugeben, wurde gegen 15.00 Uhr vehement abgelehnt. „Die lauwarme Briehe könnse alleene drinke!“ Nun will ich aber nicht sagen, dass meine Mitreisenden durchweg unfreundlich waren. Ganz im Gegenteil, sie boten meinem Hausmädchen, das die Hautfarbe einer kenianischen Neumondnacht besitzt, Sonnenschutzcreme an.

Das hört sich an wie von mir dazu gedichtet, ist aber die lautere Wahrheit.

Und besonders die Schwäbin, die ihren dicken Busen mit einer durchgeschwitzten buntgeblümten Bluse bespannt hatte, kannte ausnahmslos jedes Tier, das uns begegnete, beim Namen. Bis auf Elefanten und Zebras zwar alle falsch, aber solche Nebensächlichkeiten sollten uns hier nicht weiter beschäftigen. Sogar eine Horde Eisvögel wurde ausgemacht. In der Savanne, man höre und staune! Vor soviel Fachkompetenz blieb mir glatt die Spucke weg. Ich übersetzte die zoologisch sachkundigen Erklärungen immer leise meinem Hausmädchen, das darauf hin vor Lachen bald das Wasser nicht mehr halten konnte.

Ach ja, Wasser, gegen 16.00 Uhr wurde ich von einem männlichen Mitreisenden, ich weiß nicht mehr, ob es der Schwabe oder der Sachse war, höflich um einen Schluck Selbiges gebeten. Ich kam seiner Bitte nach und er stürzte gierig die „lauwarme Briehe“ hinunter. „Kannsch ooch was ham?“, fragte seine Gattin mit leicht devoter Stimmung. „Vorhinne warschs dir nich gut genug, denn brauschte jetze ooch nix!“ Na prima, nun hatten wir auch noch einen handfesten Ehekrach an Bord.

Kurz nachdem wir eine gewaltige Herde Kaffernbüffel passiert hatten („Nu gugge, was die Kiehe hier fier grumme Hörner ham!“), erreichten wir die Lodge, malerisch auf einer Anhöhe gelegen, an denen Fuß sich ein See befand. Dass in Seen Wasser ist, wird allgemein als bekannt vorausgesetzt. Das Wasser dieses Sees wird aber durch eine windradbetreibene Pumpe künstlich aus der Tiefe befördert, eine Hinterlassenschaft der englischen Kolonialherren. Somit ist diese Wasserstelle auch in der Trocken-, sprich Touristenzeit ein Magnet für allerlei wildes Getier, das man dann genüsslich beobachten kann und somit ein Garant für interessante Tierbeobachtungen.

Wie gesagt. Lodge erreicht, einchecken an der Rezeption. Einzelzimmerzuschlag für Hausmädchen 50 Dollar, der Herr. Hausmädchen kurzerhand zu Ehefrau umdeklariert, Problem gelöst. Unser Zimmer bot einen traumhaften Ausblick auf die weite Savanne mit ihren typischen Akazien- und Affenbrotbäumen und den oben beschriebenen See. Ausstattung mehr als annehmbar. Nachdem ich die Duscharmatur mit meiner Sandale und meinem Schweizer Offizierstaschenmesser in Gang gesetzt hatte, konnten wir uns den roten Feinstaub abspülen. Während mein Hausmädchen interessiert trinkende Zebras, Giraffen und diverse Antilopen beobachtete, legte ich mich aufs Ohr, denn bis zum Abendessen war noch eine Stunde Zeit. Ich bat um Erweckung um 18.00 Uhr.

„Ndio, hakuna matata“.(Ja, kein Problem.) Gegen 18.15 Uhr erwachte ich von lautem Schnarchen. Das Hausmädchen machte neben mir ein Nickerchen (mit ck!!). Doch noch war nichts verloren, Ich weckte sie und wir gingen zum Buffet.

Zunächst mit ausreichend Wasser und Tusker, ein kenyanisches trinkbares Bier eingedeckt. Dann ans Essen. Es war sehr gut, allerdings bis auf das Obst ziemlich mitteleuropäisch gestaltet. Ich vermisste mein geliebtes Ziegenragout. Dafür gab es so etwas ähnliches wie Rinderbraten, Knacker und sogar Brokkoli. Dann kam plötzlich Stimmung auf, denn eine kleine Gruppe Paviane bediente sich ungeniert, die Bediensteten mit Knüppeln dazwischen. Da die Paviane aber im überfallartigen bandenmäßigen Raubüberfall gut trainiert waren, fiel ihre Beute recht beachtlich aus. Auch mag der Umstand, dass der mutigste der Kellner, nennen wir ihn einmal Jonny Lionheart, sich nicht näher als vier Meter an die Affen heranwagte.

Aber es blieb genug für uns zum Sattwerden. Dann ab an die Bar. Schock, Schnapspreise wie im Adlon Kempinski Berlin. Also Plan B. Hausmädchen zum Rucksackholen ins Zimmer geschickt. Den Inhalt des Rucksacks überlasse ich mal der Fantasie des geneigten Lesers ...

Kellnerin erklärt, ich säße gerne an der frischen Luft und Bitte ausgesprochen, sie möge mir doch netterweise alle 15 Minuten ein Glas Mangosaft herausbringen. Draußen würde nicht bedient, samahani! (Entschuldigung!) Bitte mit 200 Schilling etwas freundlicher gestaltet, selbstverständlich würde ab jetzt für den Mbwana (Herrn) auch draußen serviert!. Herrlichen Abend mit Mangosaft und Rucksackinhalt verbracht, bis nötige Bettschwere erreicht war. Viele Tiere, darunter eine Löwin mit zwei Jungen beobachtet. Danach schlafen gegangen. Die nächsten neun Stunden überspringe ich mal, denken Sie doch was Sie wollen!

So, Fortsetzung hier in diesem Theater demnächst.

Kenya - Teil 6

So, nachdem Sie nun genug gedacht haben, was Sie wollten, erzähle ich mal weiter, und zwar die lautere Wahrheit.

Im Zimmer angekommen, nahm ich aufgrund des Rucksackinhalts seltsame Farben und Muster wahr. Mühsam streifte ich die Sandalen von den Füßen, brachte noch einen Satz über Lippen ( „Weck mich morgen um acht!“) und fiel der Gravitation, die in Afrika offensichtlich deutlich höher als in Europa ist, erliegend der Länge, lala salama (schlaf gut!) lallend nach aufs Bett. Motorische Ausfälle verhinderten selbst das Zähneputzen.

Mein Schlaf war traumlos. Plötzlich klopfte es laut an der Tür. Verdammt, ich war doch eben erst eingeschlafen! Ein Blick auf meine Armbanduhr belehrte mich eines Besseren. Viertel nach Neun! Die Sonne schien zehn Pfund. Ja, zehn, nicht bloß sieben wie hier.

Der nächste Blick fiel auf das Bett meines Hausmädchens. Der Schreck fuhr mir durch die Glieder, sie war weg! Damit sicher auch mein Geld und mein Telefon. Gedanklich sah ich schon die Paviane mit meinen Kreditkarten Patiencen legen.

Ich sprang auf und öffnete die Tür. Anzuziehen brauchte ich mich ja nicht, ich war in voller Montur. Vor der Tür stand ein schwarzer Bediensteter und machte mir klar, dass ich das Frühstück verpasst hätte und der Jeep in zehn Minuten zur nächsten Safari abführe.

Ich bedankte mich artig und erklärte ihm, dass ich ganz andere Sorgen hätte, mein Hausmädchen sei weg! Ein Griff in den Rucksack, und mir wurde etwas leichter ums Herz, Telefon, Geld und eine leere Schnapsflasche bildeten den Inhalt. Wieso weg, sagte der Hotelangestellte, da läge sie ja!

Tatsächlich! Sie hatte sich zusammengerollt wie ein junges Kätzchen und lag schnarchend auf dem nackten Fußboden. Ich weckte sie etwas unsanft. Schlaftrunken erklärte sie mir, dass es ihr in ihrem Bett zu warm gewesen sei und dass ich sie schlafen lassen solle, bis sie mich um acht weckt. Das sind so Momente, in denen man sich sagt: Nie wieder Afrika.

Das sagt man sich aber auf jeder Afrikareise einige Male und fliegt doch immer wieder hin. Für Frühstück war es jedenfalls zu spät, also Kurzdusche, Schluck lauwarmes Wasser, Zigarette und los!

Im Jeep wartete bereits jammernd die Schwaben-Sachsen-Koalition. Meine martialischen Blicke bewirkten allerdings Kommentarlosigkeit. Nun wurde es lustig, denn eine der beiden Frauen erzählte unserem Fahrer in tadellosem Oxford-Englisch ihr gestriges Abenderlebnis. Nein, nicht, dass ihr Mann wegen der Hitze keinen hochgekriegt hatte, sondern sie erklärte: „Jesterdeh ivening ei zieh a laienmama wizz tuh schields!“

Hinter der Stirn des jungen Mannes arbeitete es fieberhaft. Seit wann rennen die Löwen mit Schildern durch die Savanne und seit wann nehmen sie Jagdtrophäen, wenn sie ein paar Massai gefressen hatten? „Juh anderständ? Tuh smohl schields!“ Nein, er anderständete nichts. An ihren Mann gewandt, bemerkte sie abfällig: „Nu gönne die Schwarze hier nich amal richtsch Englisch! Da schlage mir beim Reisebüro Proschente für naus!“ Nur die Bongotrommel in meinem Kopf bewahrte mich vor einem Lachanfall.

Bevor die Situation eskalieren konnte, kreuzte eine Zebraherde unseren Weg. „Nu gugge!“ Alles guckte, Kameras klickten. „Karl-Heinsch, mir habe nur noch 175 Fotos aufm Schipp!“

Also theoretisch genug für sieben Safaris, aber das sieht halt jeder anders. Meine Bemerkung, dass es ja genügen würde, wenn sie jedes Zebra nur zehn statt fünfundzwanzig Mal fotografiere, löste Entrüstung aus. „Hier mit ner Schwarze rummache und nu och noch frech werde, des ham mer gerne!“

Mein Hinweis, dass ich in Deutschland glücklich verheiratet sei, aber hier nicht wie ein Pauschaltourist in einem schicken Hotel mit Restaurant und Personal wohne und deshalb ein Hausmädchen benötige, wurde überhört. Vielleicht verstanden sie ja mein Hochdeutsch nicht. Zum Glück tauchte rechts hinter einer Buschgruppe eine kleine Elefantenherde auf, das lenkte ab. Der Jeep hielt. „Nu gugge, die sind nich grau, sondern ganz rot! Des musch ne schpezielle Sorte sein! Vielleicht hamse ooch Sonnenbrand! Karl-Heinsch, nu knipsch ooch!“ Karl-Heinsch knipschte, was das Zeug hielt. Auch das Hinterteil einer hübschen Giraffe.

Ja, die Elefanten in Tsavo East sind rötlich, aber nicht von der Hautfarbe her, ebenso wenig sind die Rüsseltiere Linkswähler, sondern der rote Staub der Savanne färbt sie einfach rot. Aus diplomatischen Gründen behielt ich diese Erklärung aber für mich.

In den nächsten Stunden sahen wir eine ganze Reihe von Tieren, die Zeit verging schnell, die Rückreise nahte. Nach einigen Stunden verließen wir den Nationalpark und erreichten die Hauptstraße von Mombasa nach Nairobi.

Nun hatte unser Fahrer noch ein ganz besonderes Bonbon auf Lager.

Wir würden ein echtes Massaidorf besuchen, könnten die Kuhfladen und Lehm gebauten Manjattas bestaunen und würden an einem kleinen Laden halten, der sich, rein zufällig natürlich, direkt neben dem Massaidorf befände, um Souvenirs und Süßigkeiten für die kleinen Nachwuchsmassai kaufen. Das machte mich stutzig. Die Dörfer der Massai liegen im Massailand, zum Beispiel in Massai Mara, aber nicht hier in Küstennähe! Mein Hausmädchen war ebenfalls sehr skeptisch.

Tatsächlich erreichten wir nach einer knappen Autostunde ein mit Dornbüschen umgebene kleine Siedlung mit einem Kiosk davor. Meine Mitfahrer deckten sich gehörig mit Dropsen und anderem Naschwerk ein. Nun sollte es in den Kral gehen. Am Eingang stand ein Schwarzer, der sich angeputzt hatte wie ein Apache auf Kriegspfad. So läuft doch kein normaler Massai, von denen ich eine Reihe persönlich, auch ein echtes Massaidorf, kenne, herum? Ich witterte Verrat! Nicht umsonst!

Er erklärte uns in fließendem Englisch, was für Massai eher selten ist, dass wir pro Nase 500 Schilling Eintritt zu entrichten hätten. Da war bei mir Ende der Fahnenstange. Ein Massaidorf mit Kiosk und 50 Meter von einer Fernverkehrsstraße gelegen, da lachen ja die Perlhühner! Ich verweigerte mich und erklärte, dass es sich bei dem Massaidorf um eine speziell für Touristen angelegtes Objekt handele und die Massai so echt seien wie die Indianer bei den Karl-May-Festspielen in Bad Segeberg.

In aller Seelenruhe schlenderte ich zum Jeep zurück und rauchte eine Zigarette.

So, nun die Schwaben-Sachsen-Koalition. Was tun? Unschlüssigkeit. Dann aber, oh Wunder, schloss man sich meiner Meinung an. „A bissl was von die Neger scheinense ja zu verschtehn! Wennsch ne echt is ...! Denn spare mir das Geld ooch.“

Unser Fahrer war leicht verstimmt, kam er doch nun um seine schon sicher geglaubte Provision. Und ich hatte mal wieder von Afrika die Schnauze voll. Deswegen fahre ich im März wieder für ein paar Wochen hin. Ende der Geschichte.

Zum achten mal Kenya

Nun soll meine werte Leserschaft auch einmal teilhaben an den Sachen, die ich so treibe, wenn ich dem kalten und verregneten Deutschland zwei- bis dreimal jährlich den Rücken kehre.

Hin- und Rückflug über Reisebüro buchen, also wie immer. Diesmal kamen allerdings keine Flugtickets, sondern ein paar Din-A4-Seiten. Aufgeregter Anruf meinerseits beim Reisebüro, wo die Tickets blieben. Beruhigende Antwort, es hätte alles seine Richtigkeit, im Zeitalter der Computertechnik seien Tickets nicht mehr erforderlich, das ginge alles klar, wenn ich diese Papiere vorläge. Ich also voller Gottvertrauen.

Betrete Flughafen Tegel mit großer Gelassenheit und Vorfreude, will einchecken, zunächst mit Lufthansa nach Frankfurt. Der Schalterbeamte beäugt argwöhnisch meine Papiere.

Dann kam die Frage, auf die ich gewartet habe: „Und wo sind Ihre Flugtickets?“

Meine Antwort ist noch gelassen. „Mein Reisebüro hat mir bestätigt, dass dieses Schreiben hier ausreicht, Sie müssen mich im Computer haben!“

Hatte er nicht.

Ich fragte ihn, wie wir die Situation lösen können, schließlich habe er meinen Beleg, dass die Flüge gebucht und bezahlt seinen. Er gab alles und telefonierte hektisch mit der Gesellschaft Thomas Cook, dem Oberindianer von Condor, die mich und meine 13 kg Medikamente plus einer Salami wie gewohnt sicher nach Mombasa gondeln sollten. Resultat: „Ich kann Ihnen da leider nicht weiterhelfen, rufen Sie mal Ihr Reisebüro an!“

Uhrzeit 18.30 Uhr. Reisebüro ab 18.00 Uhr geschlossen. Erste Anzeichen von Sodbrennen.

„Tja, da haben Sie Pech gehabt, es sei denn, Sie suchen das Büro von Condor auf, vielleicht können die Ihnen helfen!“

Danke, liebe Fachkräfte von Lufthansa! Ich also los, Condorbüro suchen.

Zum Glück ist Tegel recht winzig, ich wurde fündig.

Eine nette Schalterbeamtin von Mitte 50 erklärte sich, nachdem ich ihr einige Komplimente über ihren Dutt und ihre modische weiße Bluse gemacht hatte (ich umschreibe das jetzt mal einfach so), bereit, meine Geschichte anzuhören.

Nachdenklich wiegte sie mit ihrem Kopf und murmelte etwas, das sich nach „Mein Gott, sind die von Lufthansa doof!“ anhörte. Sie nahm sich dann meiner rührend an und druckte mühselig die Flugtickets aus, vier an der Zahl, Tegel-Frankfurt, Frankfurt-Mombasa und dasselbe retour. Triumphierend hielt ich Minuten später diese dem Lusthansamann unter die Nase.

„Na sehen Sie, es geht, doch, warum nicht gleich so!“, sprach er hochmütig.

Während ich überlegte, welches Auge ich ihm zuerst ausstechen sollte, beklebte er meinen Koffer mit dem üblichen Mombasaaufkleber und drückte mir eine Bordkarte in die Hand. Eine. Eine? Und die von Frankfurt nach Mombasa?

Dafür wäre er nicht zuständig. Aber ich flöge seit vielen Jahren mindestens dreimal im Jahr ins richtig weit weg gelegene Ausland, also nicht bloß nach Bayern und hätte immer gleich auch die andere Bordkarte ...

„Papperlapapp, die bekommen Sie dann in Frankfurt.“ Hm.

Zu meiner großen Erleichterung erinnerte ich mich daran, dass der Frankfurter Flughafen ja bloß hundert Meter im Quadrat misst und es pupseinfach sein würde, in anderthalb Stunden eine Bordkarte nach Mombasa zu ergattern. Diese Hoffnung erwies sich als überaus trügerisch. Als erfahrener Globetrotter beschloss ich Pappnägel mit Köpfen zu machen und begab mich zu meinem Abfluggate. Dort traf ich auf eine etwa dreißigköpfige, heftig gestikulierende Menschentraube und zwei verschüchterte Condormitarbeiterinnen mit hektischen Flecken im Gesicht. Und dann kam die Aussage, die einem 15 Minuten vor einem Neunstundenflug ohne Bordkarte das Blut in den Adern gefrieren lässt:

„Wir haben ein Problem mit dem Computer und der Flug ist überbucht!“

Aus dem heftigen Gestikulieren der Wartenden wurde die Erstürmung der Bastille.

„Wir haben reserviert, Sie dumme Kuh! Machen Sie das heute zum ersten Mal!“, wurde die Mitarbeiterin freundlich gefragt.

Eine ältere Dame mit Hut hatte ein ganz anderes Problem:

„Huhuhu, ich hab solche Flugangst, wenn ich nicht neben meinem Mann sitzen kann, dann flieg ich nicht! Komm, Hermann, wir gehen!“

Ich konnte sie gut verstehen. Man stelle sich vor, die Maschine explodiert in zehn Kilometern Höhe, sagen wir mal über dem Mittelmeer oder dem Sudan, und sie säße nicht genau neben ihrem Herrmann, gar nicht auszudenken! Aber: Wunderbar, meine Chancen, noch einen Platz in der überbuchten Maschine zu ergattern, stiegen! Die verbalen Attacken gegen die beiden Condormädels wurden heftiger. Ich tat das einzig Richtige, ich hielt die Klappe und lächelte die Ältere der beiden freundlich an. Prompt drückte sie mir eine Bordkarte in die Hand und ich schlenderte zum Flugzeugeingang.

Platz 33D, aha, ziemlich weit hinten. Here we are! Auf meinem Platz saß ein älterer Herr mit Safariweste, Safarihut, Safarihemd, Safarisocken und sicher auch Safarikondomen.

„Entschuldigung, Sie sitzen auf meinem Platz!“, sagte ich freundlich.

„Das glaube ich nicht“, entgegnete er kämpferisch und hielt mir seine Bordkarte unter die Nase. Potzblitz, auch 33D! Was nun?

Auf mein Versprechen hin, höchstens drei Tomatensaft zu trinken, besorgte mir eine Stewardess einen anderen Sitzplatz.

Der Flug verlief reibungslos, der Flieger landete planmäßig. Den Flug vertrieb ich mir mit Lesen und dem Spaß, zu beobachten, wie die anderen Passagiere die Visaformulare ausfüllten. Man muss wissen, dass man bei der Einreise in Kenya ein Visum braucht, das bedeutet, man füllt einen Zettel aus. Womit man den ausfüllt, ist allerdings völlig unerheblich, den schwarzen Kameraden unterhalb des Äquators geht es nur um die Visagebühren, die bis dato immer 40 Euro betrugen. Doch dazu später. So füllte ich die ersten Zeilen des Visumantrages wie gewohnt mit einigen Kinderreimen, gab als Namen Königin Elisabeth und als Beruf Papstlehrling an. Dieses Grundwissen und dazu jegliche Kenntnisse der englischen Sprache entbehrend, wurde das Ausfüllen für die meisten der Passagiere in etwa so anstrengend wie einen Sack Zement auf den Mt. Everest zu schleppen, im Laufschritt, versteht sich. Auch die beruhigenden Hinweise der Stewardessen, dass es nicht so wichtig sei, was da stände, wurde von den ordnungsliebenden Deutschen, Schwaben und Sachsen an vorderster Front, ignoriert!

„So gäht des net, Des musch ordentlisch ausgefillt werde, gell, weischt?“ Herr im Himmel!

„Frollein, gönnse mir ma sachen, was „First name“ heeßen tut? Mir ham daheeme a Flachdach ohne First!“

So verflog der Flug wie im Fluge.

Was nach der Landung geschah, erzähle ich in ein paar Tagen in „Kenya2“, versprochen.

Frankreich

Der Name Frankreich hat nichts mit den Franzosen zu tun, sondern mit den Franken.
Ich möchte damit auch nicht in Verbindung gebracht werden.
Die Franzosen, wie sich die Eingeborenen jetzt nennen, sind ausgesprochene Feinschmecker. Sie sind mit den Störchen verwandt und essen am liebsten Frösche und Schnecken.
Von vielen Deutschen, die im Frühjahr dem Fröscheüberdiestraßetragen frönen, werden sie liebevoll Franzacken genannt.
Der Durchschnittsfranzose trägt einen Schnurrbart im Gesicht, ein langes Weißbrot unter dem Arm, sitzt an der Seine, raucht und angelt oder lungert zeitungslesend am Hauptbahnhof rum.
Hauptnahrungsmittel ist neben diesem achselschweißgetränkten Weißbrot billiger Rotwein, wobei sich Tetrapacs zunehmender Beliebtheit erfreuen.
Die Hauptstadt von Frankreich heißt Paris.
Deren Einwohner müssen es sich gefallen lassen, Pariser genannt zu werden. In Paris findet man unheimlich viele Nieten, die meisten davon im Eiffelturm und an Losbuden.
Außerdem gibt es in Paris eine Rote Mühle, welche weltweit für allerlei Schweinkrams bekannt ist.
Paris ist ohnehin berühmt für seine vielen Bordelle und das Louvre. Die Prostituierten nennt man in Frankreich Hugenutten, nicht mit den Hagebutten zu verwechseln.
Früher hatte Frankreich viele Könige, aber die kamen 1789 nach einem Fußballspiel, bei dem Paris 0:3 gegen Bordeaux verlor, zwischen die Fronten der verfeindeten Fanclubs und wirkten danach etwas kopflos. Später nannten die Franzosen das ihre Revolution, um international bedeutsamer zu erscheinen.
Eine Zeit lang ging alles drunter und drüber, bis ein kleinwüchsiger Korse mit Dreispitz die Sache in die Patschhand nahm, die Französische Gesellschaft für Sport und Technik gründete und ganz Europa überrollte. Sogar am Fuße der Pyramiden in Ägypten bekam ein Mameluckenheer von ihm die Hucke voll. In Moskau bekam er aber den Arsch versohlt und fror sich selbigen beinahe ab. Seinen Künstlernamen wählte er nach einer bekannten Cognac-Sorte - Napoleon.
Das Kriegsglück wogte damals hin und her, bis es 1815 einem gewissen Marschall Blücher zu bunt wurde. Entgegen allen Regeln eilte er den Engländern zu Hilfe und zog Napoleon bei Waterloo das Fell über die Öhren. Danach wollten auch die Franzosen nichts mehr von dem cholerischen Gnom wissen und verbannten ihn auf die Insel Sankt Helena. Dort aß er zuviel Hummer und bekam Krebs.
Seitdem haben die Franzosen in allen darauffolgenden Kriegen aus Anstand immer gegen die Deutschen verloren. Noch schlechter stehen eigentlich nur noch die Italiener da.
Als unschlagbar gilt allerdings die Französische Fremdenlegion, in der in Wirklichkeit kaum Franzosen kämpfen. Die Politoffiziersplanstellen sind durch ehemalige Öffiziere der DDR-Staatssicherheit besetzt.
Heute ist Frankreich ein modernes Land mit Atomwaffen und einigen Gewächshäusern in Übersee. Frankreich ist auch eine Sportnation, die es sich zur Maxime gemacht hat, mindestens einmal im Jahr gegen England im Rugby zu verlieren. Fußballerisch sind sie den Engländern und sogar uns Deutschen leicht überlegen. Relativierend muss aber hinzugefügt werden, dass Frankreich bei seinen Spielen regelmäßig Hilfstruppen aus Nordafrika einsetzt. Aus Frankreich kommen viele bekannte Persönlichkeiten wie Monet, der Sonnenkönig, die Musketiere, Charles de Gaulle, das Eclaire und der Chablis.
Biologisch betrachtet zählt der Franzose zu den Dauerbrünftlern. Schließlich hat er immer nur drei Sachen im Kopf - Schnecken in Weißweinsauce, Champagner und "Wullewuh kuhsche awegma züzwa?"

Die Urlaubsländer der Deutschen

Österreich
Ein großer Teil der Menschen, die in Österreich leben, sind Österreicher. Wenn nicht so viele deutsche Touristen nach Österreich kommen würden, müssten sie sich Österärmer nennen.
Aber zum Glück strömen Jahr für Jahr Millionen von Piefkes in das kleine Alpenland und lassen sich von dem gewieften Bergvölkchen sauber abziehen. Nun sollte man aber nicht schlecht von unserem Nachbarland reden, verdanken wir ihm doch, dass wir nicht direkt an Italien grenzen.
Österreich hat einst der berühmten Söhne viel geboren. Denken wir allein an Mozart und seine Kugeln. Oder an Adolf Hitler, der es geschickt verstand, Deutschland zuerst zu annektieren und dann zu ruinieren. Hätte er schon Ötzi gekannt, hätte er es vielleicht gelassen. Denn schon damals waren längere Fußmärsche im Winter ausgesprochen ungesund.
Andere bekannte Österreicher sind Franz Kafka, Schneckerl Prohaska, Hans Hölzel alias Falco und das Wiener Schnitzel.
Der Lieblingsbuchstabe der Österreicher ist das L.
In Österreich befinden sich viele Berge, von denen man für viel Geld prima herunter fahren kann. Die Österreicher tun das allerdings weniger, 15 000 Selbstmordversuche pro Jahr beweisen, dass viele Österreicher den Strick dem Genickbruch auf der Abfahrtspiste vorziehen.
Die österreichische Küche ist sehr abwechslungsreich. Besonders beliebt ist der Kaiserschmarrn, bloß nicht bei den Österreichern selbst.
Die Hauptstadt von Österreich ist Wien. Die Wiener hören oft auf den Namen Würstchen und verbringen den Tag im Kaffeehaus.
Die Österreicher sind ein sportbegeistertes Volk. Besonders in den Sportarten, in denen es rasend schnell bergab geht, sind sie Spitze. Bloß beim Fußball tun sie sich etwas schwer.
Alles in Allem betrachtet, kann man ruhig mal nach Österreich fahren. Oder wenigstens mal durch, wenn man nach Italien will.

Italien
Auch in Italien lässt es sich gut Urlaub machen, besonders dann, wenn man einen Patenonkel auf Sizilien hat.
Wenn es Italien nicht geben würde, läge Österreich am Mittelmeer und hätte eine Marine, die es liebevoll Marinerl nennen würde.
Italien sieht von oben aus wie ein Stiefel. Darum sind die Schuhe da sehr teuer.
Die italienische Bevölkerung ist zweigeteilt in Männer und Frauen. Der italienische Durchschnittsmann ist einen Meter sechzig groß und hat einen riesigen Penis. Jedenfalls behauptet er das von sich. Wenn er nicht gerade Fußball spielt, gelt er sein Haar oder weicht Blumentöpfen aus, die seine Frau vom Balkon nach ihm wirft.
Bis zu seinem 30. Lebensjahr wohnt der Italiener bei Mama, danach wird geheiratet und von Handbetrieb auf Funkstille umgestellt.
Die Hauptstadt von Italien ist Rom. Wissenschaftler vermuten, dass Rom deswegen so heißt, weil früher die alten Römer dort ansässig waren. Die alten Römer hatten ein riesiges Imperium und wähnten sich als Herrscher der Welt, bis sie von den Germanen den Arsch voll bekamen. Heute ist Italien nur noch im Fußball Weltmacht. Und das nur, weil sie zum Petzen neigen.
Die Italiener ernähren sich von allerlei Nudeln und Mafiafladen, dort Pizza genannt, Tiramizu und Speiseeis. Pesto ist dort keine Krankheit, sondern was zu essen.
Auch trinken sie gerne Wein. Die guten Weine trinken sie selbst, der letzte Dreck wie Asti Spumante und Chianti wird exportiert. Aus dem allerletzten Dreck wird Grappa hergestellt, der im Ausland sehr beliebt ist.
Architektonisch ist Italien sehr interessant, auch wenn ein Großteil der Bausubstanz sehr baufällig wirkt wie zum Beispiel das Kolosseum in Rom oder der Schiefe Turm von Pisa in Pisa.
Ein Teil von Rom ist an den Papst vermietet. Der sitzt da, trägt einen lila Mantel und spielt mit Männern in bunten Strumpfhosen, besser als Schweizer Garde bekannt.
Vom italienischen Fremdenverkehrsamt unterstützt, unterhält Italien zwei aktive Vulkane, um noch mehr Touristen anzulocken.
Weltruf erlangte der italienische Rennfahrer Micaelo Calzolaio-Scomaccero, der jetzt allerdings in einem kleinen schweizer Bergdorf von der Stütze lebt.
Wenn man schon mal in Italien ist, darf ein Venedigbesuch nicht versäumt werden. Venedig sieht dem Spreewald täuschend ähnlich, bloß ohne Gurken und Bäume. Südlich von Venedig mündet ein großer Fluss in die Adria. Da muss man unbedingt mal hin und angeln. Wo hat man sonst jemals die Chance, Aale aus dem Po zu ziehen? Ein sehr schönes Gewässer ist auch der Zürichsee, der aber den unangenehmen Charakterzug aufweist, in der Schweiz zu liegen. Da kann man nämlich auch hinfahren, wenn man sowieso unterwegs ist.

Schweiz
Vier von fünf Schweizern sind Schweizer, der Rest sind Ausländer und Kühe.
Die Schweiz ist ein sehr reiches Land, insbesondere an Bergen, Tunneln und Stauseen.
Der Schweizer Käse hat Weltruf erlangt. In die Schweiz kommt man, wenn man nach Italien reist und in Österreich vom rechten Weg abkommt.
Sprachlich ist die Schweiz recht verwirrend, es wird deutsch, französisch, italienisch, rätoromanisch, schweizerdeutsch, bosnisch, türkisch, serbisch, kroatisch und eine Vielzahl von unverständlichen Dialekten gesprochen. Darum verständigen sich die Schweizer oft mit Kuhglocken.
Wer glaubt, dass seit Wilhelm Tell in der Schweiz kein Schuss mehr gefallen ist, der irrt gewaltig. Nachdem die Amerikaner im Zweiten Weltkrieg versehentlich (oder absichtlich?) Schaffhausen bombardiert hatten, wurde jedes amerikanische Flugzeug über der Schweiz gnadenlos abgeschossen, was die Wehrmachtsführung aus Dank und Anerkennung davon abhielt, in die Schweiz einzumarschieren.
Der Schweizer ist von Natur aus recht langsam. Das stört ihn aber weiter nicht, er ist daran gewöhnt. Vorzeitiger Samenerguss ist dem Schweizer unbekannt, meist kommt es ihm erst ein paar Tage später.
Wer in der Schweiz Hunger kriegt, kommt an Käsefondue, Raclette und Döner Kebab nicht vorbei.
Das Wahrzeichen der Schweiz ist das Schweizer Offiziersmesser, mit dem man beinahe alles kann. Es ist sozusagen die Hightech-Variante eines Faustkeils.
Wäre der Eiffelturm in Zürich gebaut worden, würde er Züricher und nicht Pariser Eiffelturm heißen. Aber das Schicksal ist nun manchmal grausam. Die Schweizer trösten sich mit der Tatsache, dass das Matterhorn viel höher ist und nicht rostet.
Sollten Sie je die Schweiz besuchen, vergessen Sie nicht, einen Koffer voll Schwarzgeld mitzunehmen, die Schweizer Nummernkonten sind bekannt für ihre Verschwiegenheit.

DomRep

Die Dominikanische Republik teilt sich mit Haiti die Insel Hispaniola. Da Inseln die unangenehme Eigenschaft besitzen, komplett von Wasser umgeben zu sein, kann man also nicht mit dem Auto hinfahren, sondern muss ein Schiff oder ein Flugzeug benutzen. Ich entschied mich der Bequemlichkeit halber für Letzteres und beschränkte meinen Lebensraum für elf Stunden auf die Größe eines Käfigs in einer Legebatterie.
Langeweile kam nicht auf. Einige Eltern waren der Meinung, ihren Sprösslingen schon früh die Welt zeigen zu müssen. Und so war die Luft erfüllt vom pausenlosen Geschrei einiger Frühgeborener und dem anheimelnden Duft ihrer vollgeschissener Windeln. Auch kann man sich die Zeit mit Tomatensafttrinken und ärgern über den ungenießbaren Bordfraß vertreiben.
Aber alles hat ein Ende und so entstieg ich lendenlahm dem Flieger. Endlich wohlige Wärme! Ein Taxi stand bereit und ich stieg ein. Eisige Luft schlug mir entgegen, die Klimaanlage hatte den Innenraum auf gefühlte minus zwanzig Grad heruntergekühlt. Ein Dominikaner mit Pudelmütze und dickem Wollpullover begrüßte mich freundlich mit „Hola!“. Ich dachte, schlimmer kann es nicht mehr kommen. Aber es kam schlimmer. Stolz präsentierte er mir die Durchschlagskraft seiner Musikanlage. Hip Hop! Auf Spanisch!
Auf der Fahrt zum Hotel machte ich einige interessante Beobachtungen über den Straßenverkehr. Mit Straßenverkehr sind nicht die öffentlichen Paarungsrituale der Insulaner gemeint, sondern das Fortbewegen in und auf Motorfahrzeugen.
Die Straßen bestehen zu gleichen Teilen aus Beton, Asphalt und Schlaglöchern.
Zahlreiche Unfälle sorgen für Verluste, gegen die sich der Zweite Weltkrieg wie eine Tupperparty ausnimmt. Der Fahrstil lässt sich auch leicht klassifizieren, 50% Vollgas, 50% Vollbremsung.
Es gibt nur eine Vorfahrtsregel: Hubraum ist durch nichts zu ersetzen, auch nicht durch die Tatsache, dass man von rechts kommt.
Im Hotel bemerkt man schnell, dass drei Viertel der Touristen US-Amerikaner sind. Man erkennt sie unschwer am Lärm, an der kakelbunten Kleidung und an dem, was sie essen:
Es muss schwabbelig und fett sein, also wie sie selbst.
Der kleingeistige Europäer irrt gewaltig, wenn er denkt, Truthahn, Buttercremetorte, Pommes, Vanilleeis und Majonäse auf einem Teller würden sich schlecht machen. Oder es würde einem schlecht davon werden.
Über solche weltfremden, veralteten Ansichten kann der Amerikaner nur müde lächeln. Und noch mal zum Buffet gehen. Wo liegt eigentlich Europa?
Der Strand ist schön, zumal das Wasser bis ans Ufer reicht. Hineinzugelangen ist allerdings schwierig, da 95% der Strandfläche von Amerikanern belegt ist. Das funktioniert natürlich nur, weil Hotelangestellte pausenlos Bier und Sandwiches anschleppen und verteilen. Das Baden ist allerdings nicht sonderlich ratsam, man läuft schnell Gefahr, von einem der zahllosen Speedboote gerammt zu werden, die durch das Wasser pflügen. Trotzdem fühlt man sich sicher, denn im Minutentakt rasen Hubschrauber über den Strand.
Die Essenszeiten sind moderat. Die fünf Restaurants bieten Frühstück von 6.00 bis 12.00 Uhr, Mittag von 12.00 bis 18.00 Uhr und Dinner von 18.30 bis 23.00 Uhr.
Sollte dies ein Amerikaner lesen, wird er erschreckt feststellen, dass ihm der Hungertod droht, denn was soll er bloß zwischen 18.00 Uhr und 18.30 Uhr essen und was erst, wenn zwischen 23.00 und 6.00 Uhr der Blutfettspiegel sinken sollte?
Keine Angst, liebe Freunde! Es ist vorgesorgt. EIN Restaurant hat 24 Stunden am Tag geöffnet.
Dies soll nun aber kein falsches Bild auf die Amerikaner werfen, es kommen schließlich nur die, die sich ein All Inclusive – Hotel auf Florida nicht leisten können.
Die Dominikaner an sich sind ein freundliches Völkchen und spielen am liebsten Domino.
Sie sind auch Weltmeister, allerdings nicht im Sport, sondern im Kakaoexport. So sehen sie auch aus.
Über solchen Kinderkram wie Zigaretten können die Dominikaner nur schmunzeln. Zigarrerauchen ist neben Kokosnusspflücken und Religion eines der drei Hauptfächer an der Staatlichen Grundschule.
Das Nationalgetränk ist Rum. Man trinkt ihn zu jeder Tageszeit, vorzugsweise gemischt mit Fruchtsaft, Cola oder Rum.
Von Weintrinken haben die Dominikaner so viel Ahnung wie der Vatikan von Pornofilmen. Hm, schlechter Vergleich. Von Pornofilmen, in denen auch Frauen mitspielen.
Die Hotelanlage ist malerisch und ähnelt dem Schloss des Sonnenkönigs Ludwig dem XVI.
Damit man nicht von so ekligen und giftigen Tieren wie Ameisen, Geckos oder bunten Singvögeln belästigt wird, ist ein Gärtnertrupp ständig mit großen Kanistern auf dem Rücken unterwegs und versprüht Gift. Natürlich völlig unschädlich, wie mir auf meine Nachfrage ein Gärtner mit Gasmaske und Atombombenschutzanzug bestätigt.
Das Hotel fügte sich ein in eine romantische Umgebung aus etlichen Baustellen und einer Zementfabrik. Es wird überhaupt viel gebaut. Wenn das so weitergeht, wird die Insel durch den ganzen Beton bald so schwer sein, dass sie untergeht. Und das schieben militante Umweltschützer wieder darauf, dass der Audi 80 von Opa Kruse keinen geregelten Katalysator hat.
Alles in allem ist die DomRep also eine Reise wert, man kann aber auch zu Hause bleiben.

Skandinavien

Norwegen
Am nördlichsten liegt Norwegen. In der Landessprache heißt es Norge, was so viel wie Norwegen bedeutet. Die Norweger sind sehr schwer zu verstehen, besonders wenn sie Norwegisch sprechen. Norwegen ist bekannt für seine Blockhäuser, Lemminge und Rollkragenpullover. Schnaps ist in Norwegen sehr teuer, was die Norweger aber nicht davon abhält, ständig besoffen zu sein.
Ganz Norwegen liegt irgendwie am Wasser. Die Entwässerungskanäle werden Fjorde genannt und heißen auch so. Die Norweger haben auch einen König, der aber altersbedingt nicht mehr mit seinem Zepter fuchtelt. Die Hauptnahrungsmittel sind geschmuggelter finnischer Wodka Hammelfleisch mit Kohl und Stockfisch.
 
Schweden
Schweden liegt bei Norwegen und ist recht groß, besonders im Vergleich zu Liechtenstein. In der Landessprache heißt Schweden Sverige, das klingt ja auch nach Schweden.
Die beliebteste Sportart der Schweden ist es, die Finnen beim Eishockey zu verhauen.
Die schwedische Sprache ähnelt der deutschen sehr, ist aber irgendwie ganz anders.
Am liebsten essen die Schweden Fisch, Hackfleischbällchen und geschmuggelten finnischen Wodka. In Nordschweden leben die Lappen und die Rentiere friedlich nebeneinander.
Obwohl es viele Elche in Schweden gibt, spielen sie in der Außenpolitik des schwedischen Königshauses nur eine untergeordnete Rolle.
 
Finnland
Die Finnen sind ein friedliebendes Volk und lieben es, sich von Schweden im Eishockey verhauen zu lassen und haben komische Nachnamen. In der Landessprache heißt Finnland nicht etwa Fänländiainen, sondern Suomi. Warum, weiß keine Sau.
Der echte Finne trägt erst ab minus 25 Grad langärmlige Unterhosen.
In Finnland gibt es auch Lappen. Abwaschlappen und richtige Lappen. In kalten, dunklen Winternächten lappern die finnischen Lappen sich mit den schwedischen zusammen und würfeln um Rentiere.
Von allen skandinavischen Ländern liegt Finnland am dichtesten zu Japan.
Finnland ist Weltmeister im Seebesitzen. Zu essen gibt es Rentierschinken, Rentierwurst und russischen Wodka, der ist billiger als der finnische.
 
Dänemark
Die Dänen sind oft eingeschnappt, weil sie für Norweger, Schweden und Finnen keine richtigen Skandinavier sind und kein Eishockey können. Und das, obwohl sie ihr O auch durchstreichen. Der bekannteste Däne ist Egon Olsen von der Olsenbande. Manchmal sind die Dänen etwas verwirrt, denn sie nennen ihr Bier Öl und sagen zum Abendbrot Middag.
Zu Dänemark gehören viele Inseln, die meist von Wasser umgeben sind.
Die dänische Kriegsmarine hat sich aber als ungefährlich erwiesen. Zu Dänemark gehört auch Jütland, worauf besonders die Jüten sehr stolz sind. Die Rentiere werden in Dänemark Kühe genannt. Die Dänen trinken grundsätzlich keinen Alkohol, wenn man von der Flasche Aquavit pro Tag mal absieht, haben alle ihre Fahne vor dem Haus und essen gerne Kuchen.

In Virginia ist was los - schon wieder ein Amoklauf im jungfräulichen Virginia!

Zunächst war man sehr verwundert ob der vielen Opfer, da Amerikaner bekanntlich gerne rumballern, aber es mit dem Zielen und Treffen nicht so haben. Doch des Rätsels Lösung war rasch gefunden. Der Todesschütze war gar kein Amerikaner, sondern ein Student aus Südkorea! Und weil sich seine Kommilitonen immer wieder über seine Schlitzaugen und die Unart, Hunde und Katzen in der Gemeinschaftsküche zu Nasi Goreng zu verarbeiten, lustig gemacht hatten, schlenderte Li Bung Soon zum Supermarkt und fragte: „Was haben Sie denn so an Schusswaffen auf Lager?“ „Alles, was das Herz begehrt. Wie viele wollen Sie denn umlegen?“ „Ich dachte so etwa an fünfzig Personen.“ „In diesem Fall müssten Sie mir aber anhand Ihres Führerscheins Ihre Volljährigkeit belegen.“
Da dies kein Problem darstellte, nannte unser fernöstlicher Freund mit dem lustigen Namen nach kurzer Zeit ein Sturmgewehr mit 180 Schuss und einen Revolver Smith&Wesson Magnum sein eigen. Er begab sich zurück in seine Wohngemeinschaft, griff zu Papier und Feder und hinterließ einen Abschiedsbrief folgenden Inhalts (Der besseren Lesbarkeit ist die Orthografie von der Redaktion korrigiert und ins Deutsche übersetzt):
An euch amerikanischen Arschlöcher! Jetzt habt ihr es geschafft! Ich kann eure blöden Sprüche wie „Wo liegt eigentlich Korea? Wo ist mein Goldhamster? Hat einer meine Katze gesehen?“ nicht mehr hören Mir reicht es jetzt und ich lege euch einfach um!
Was dann folgte, ist jedem hinlänglich bekannt. Augenzeugen berichteten, dass der Amokläufer mit freundlicher Miene einen Studenten nach dem anderen erschoss, um Eintönigkeit zu verhindern, zwischendurch auch mal einen Professor. Als seine Munition sich dem Ende neigte, lächelte er versonnen, lehnte das Sturmgewehr vorsichtig an den Landkartenständer und demonstrierte den Überlebenden in eindrucksvoller Manier, wie eine 357er sozusagen im Handumdrehen einem menschlichen Kopf eine völlig neue Struktur verleiht.
Bevölkerung und Regierung waren gleichermaßen schockiert. Der Waffenverkäufer aus dem Supermarkt musste sich sogar in psychologische Behandlung begeben. „Ich dachte doch nicht, dass er Ernst macht. Er sah so friedlich aus“, stieß er unter Tränen hervor.

Die Behörden reagierten umgehend und erließen neue Gesetze:

§1: Vorlesungen an Universitäten sind künftig nur noch mit schusssicheren Westen zu besuchen.

§2: Der Lehrkörper hat zusätzlich Schutzhelm zu tragen.

§3: Jeder männliche Student hat einen einwöchigen Kurs in Selbstverteidigung und richtigem erhalten unter feindlichem Feuer zu absolvieren sowie ein Praktikum als Sozialarbeiter in der Bronx abzuleisten.

§4: Jede Studentin muss bei der Immatrikulation einen Erste-Hilfe-Kurs vorweisen und in der Lage sein, durch sofortiges Freilegen ihrer Brüste einen Amokschützen abzulenken, um den Zugriff der Polizei zu ermöglichen.

§5: Jeder Hörsaal ist mit einem Scharfschützen der Nationalgarde zu besetzen.

§6: Ausländischen Studenten ist es untersagt, während Lehrveranstaltungen mit automatischen Waffen zu schießen.

Insbesondere gegen die Paragrafen 4 und 6 laufen feministische und promultikulturelle Vereinigungen Sturm. Die nordkoreanische Regierung schickte dem südkoreanischen Präsidenten in Kondolenzschreiben zum Ableben von Li Bung Soon und bedankte sich gleichzeitig für die unerwartete Seouler Schützenhilfe.
Und auf dem Campus wird man wieder häufiger in Hundescheiße treten.

Die deutschen Bundesländer

Hamburg
Die Stadt am Meer, die gar nicht am Meer liegt, sondern mit Ohlsdorf den größten Parkfriedhof der Welt besitzt. Bismarck wendet sich mit Grausen.
Viele Hamburger sind gar keine Hamburger, essen aber welche oder sehen so aus.
Hamburg liegt in etwa links oben und hat am Wasser einen Puff.
Die berühmtesten Hamburger sind Uwe Seeler, Klaus Störtebeker, Udo Lindenberg und die Hamburger Aalsuppe.

Bremen
Ist so wie Hamburg in lütt, liegt aber woanders und ist für einen bekloppten Schneider sowie die Gebäckvorstufe Klaben bekannt. Die Landesflagge sieht aus wie durchwachsener Speck.
Unter Einfluss von Bremer Fischbier haben sich die Gebrüder Grimm den Unsinn mit den
vier Stadtmusikanten ausgedacht. Bremen hat einen Weserhaven und einen Nordseehaven, der heißt Bremerhafen, manchmal auch andersherum.
Fußballerisch ist Werder Bremen oft der natürliche Feind der Bayern.
Nationalgericht siehe Niedersachsen.

Nordrhein-Westfalen
Ist etwas kleiner als Australien, liegt aber dichter an Belgien und bringt lustige Gegenden wie Ostwestfalen hervor. In Nordrhein-Westfalen wird die virtuelle Ortschaft Bielefeld vermutet. Ruhrerkrankungen sind nicht häufiger als woanders. Wird oft mit Südrhein-Ostfalen verwechselt. NRW schmiss im Jahre Neun die Italiener aus der Championsleague.
Obwohl in Köln die meisten Jecken wohnen, ist Düsseldorf Hauptstadt. Häufigste Ursache für Verletzungen ist die Verwendung der Grußwörter Helau und Alaaf am falschen Ort.
Auf dem Gebiet des heutigen NRW wurden viele Politiker und Philosophen geboren, so Beethoven, Adenauer und Willy Millowitsch. Der 1. FC Köln möchte momentan ungenannt bleiben.

Niedersachsen
Bildet nach dem Aussterben der Vorder-, Ober-, Hinter- und Untersachsen mit Sachsen-Anhalt und Sachsen eine Diagonale von links oben nach rechts unten. Kenner der deutschen Geschichte sprechen hinter vorgehaltener Hand von der Achse
Hannover-Magdeburg-Dresden. Dieses Bundesland ist neben einem Rattenfänger für Otto bekannt, einem blonden Teetrinker mit Bewegungsstörungen und einem Hang zum Albernsein. Im Norden findet der aufmerksame Wanderer lustige Inseln, die manchmal weg sind. Niedersachsen wird von neun Nachbarländern behutsam in die Mitte genommen. Weltberühmt sind der Heidedichter Hermann Löns und der Regionalligist VfL Osnabrück. Hauptgericht ist neben Korn Grünkohl mit Knipp und Speck.

Thüringen
Stellt mit Sachsen und Bayern eine schwer verständliche Randsprachgruppe dar. Thüringer sind entweder Biathleten, Rostbratwürste oder arbeitslos. In Weimar hat Goethe sich den Faust ausgedacht und das Gewicht seiner Leber vermittels Rebensaft mehr als verdoppelt.
In Thüringen fand 1525 der Bauernkrieg statt, weil 1521 Martin Luther in Eisenach die Bibel ins Deutsche übersetzte. Aus Thüringen stammen so bekannte Sportler wie Bernd Schneider, Johann Sebastian Bach, Heike Drechsler und Alfred Brehm sowie die Thüringer Klöße.

Saarland
Grenzte es nicht an den Fußballriesen Luxemburg, wäre es eigentlich nicht erwähnenswert. Die Einwohner würden gerne mal Froschschenkel essen, wenn sie dürften. Dürfen sie aber nicht, deswegen essen sie Dibbelabbes, was außer den Saarländern kein Schwein kennt. Häufigste Vornamen sind Oskar, Erich, Karl und Jean Louis. Will man auf die andere Seite, geht man über eine der zahlreichen Saarbrücken.

Schleswig-Holstein
Schirmt Hamburg vom dänischen Einfluss ab. Wenn es im Sommer warm wäre, könnte man dort im Westen in der Nordsee, im Osten in der Ostsee und mittendrin im Nord-Ostsee-Kanal baden. Ist bekannt für pfeiferauchende oder tanzwütige Ministerpräsidenten. Mit der Insel Sylt hört Deutschland oben auf. Die Karl-May-Festspiele werden weltweit in einem Atemzug mit den Olympischen Spielen und der Kieler Woche genannt.

Berlin
Hat mehr Einwohner als Niebüll, Osnabrück und Bielefeld zusammen, deswegen auch Hauptstadt genannt. Die berühmtesten Berliner sind J. F. Kennedy, der Hauptmann von Köpenick, Checkpoint Charly und der Berliner Bär.
Viele Bonner Politiker verdienen sich hier ihre dick belegten Lachsbrötchen.
Erwähnenswert sind neben dem Pergamentmuseum der Fußballverein „Tennis Borussia“ und der Tennisclub „Weißes Höschen Spandau“. Dank 22 Straßenbahn-, 15 S-Bahn- und 9 U-Bahnlinien findet der Verkehr in Berlin weitgehend öffentlich statt. Döner hat die Currywurst als Hauptnahrungsmittel abgelöst.

Rheinland-Pfalz
Hat die Hauptaufgabe, das Saarland vom Rest Deutschlands abzuschotten. Keltert aus Moselwasser jede Menge Wein. Unter dem Einfluss von Kröbbelche erfand Johann Gutenberg hier den Buchdruck mit beweglichen Lettern und Kohl den gefüllten Saumagen. Keine Sau weiß, dass Bruce Willis in Rheinland-Pfalz geboren ist.

Mecklenburg-Vorpommern
Liegt rechts oben. Hat sehr unter der letzten Eiszeit gelitten, deswegen sind besonders die Mecklenburger noch ziemlich unterkühlt. Besitzt die schönsten Seen, die schönsten Strände, die größten Inseln und mit Peenemünde die Wiege der Raumfahrt. Wird leider demnächst als Bombenübungsgelände an die Amerikaner vermietet. Gegessen wird alles, was sich trinken lässt.

Sachsen-Anhalt
Ist wie Hessen völlig von Feindesland umschlossen. Sachsen-Anhalt teilt sich mit Niedersachsen den Harz ,Deutschlands nördlichstes Mittelgebirge.
Die höchste Stelle ist ein ganz dicker Brocken und meistens eingenebelt. Die dort früher ansässigen Hexen stellen infolge konsequenter Verfolgung nur noch eine Minderheit dar. Berühmtester Anhaltersachse ist der ehemalige Hallebewohner Genscher. Die Hauptstadt Magdeburg hat wie Niedersachsen auch einen berühmten Otto, der durch seine Halbkugel berühmt wurde. Diesem Bundesland verdanken wir den Harzer Käse und das Hasseröder Bier. Kröbbelche und Dibbelappes heißen hier schlicht Kartoffelpuffer.

Hessen
Wird lustigerweise vom 275 000- Seelen-Dorf Wiesbaden regiert, obwohl die Banken in Frankfurt stehen.
Stellt regelmäßig den deutschen Meister in den Disziplinen „100 Meter Frankfurter Kranzkuchen essen ohne zu krümeln“ und „10 Bembel Äppelwein trinken ohne Luft zu holen“. Der Kartoffelpuffer trägt die fantasievollen Namen Reibekuchen oder Kartoffeldätscher. Kasseler, das nicht aus Kassel, sondern aus Berlin stammt, heißt hier Geselchtes.
Der Hessische Rundfunk sorgt während der Karnevalszeit hin und wieder für gute Laune.

Brandenburg
Speckgürtel von Berlin. Wird seit Jahrhunderten von Mecklenburg-Vorpommern gehindert, auch mal an den Strand zu gehen. Waldmeer, Sandmeer, nichts mehr. Manche Einwohner neigen zu vorzeitigem Haarausfall. Im Potsdamer Schloss Sanssouci feierten die preußischen Könige, die alle Friedrich hießen, ihre Partys. Spreewälder Gurken, Teltower Rübchen und der FC Energie Cottbus haben Brandenburg neben dem gleichnamigen Tor weltberühmt gemacht.

Baden-Württemberg
Hält die Bayern davon ab, über die Franzosen herzufallen.
Es werden latente Neigungen zum Schneckenverzehr beobachtet. Am Monatsende wird der Rest der Rente im Casino verdaddelt. Hat schon ganz schön lange warmes Wasser, deswegen leben dort auch 0,3% Buddhisten. Alle anderen Einwohner stammen von den Heidelbergern oder den Heidelbeeren ab. Verspeist werden neben Schnecken die überregionalen Spätzle, Schwarzwälder Schinken und Kuckucksuhren.

Sachsen
Eigentümliches, da das Erz im Erzgebirge alle ist, notgedrungen von der Schnitzkunst lebendes Bergvölkchen mit Geheimdialekt. Hat neben Holstein und Mecklenburg eine Schweizer Exklave. Sachsen liegt von allen Bundesländern am dichtesten an Japan.
Wer auf sich hält, nimmt am Polterabend Meissner Porzellan. August der Starke hält immer noch den Rekord in Vielweiberei. Das Herz der meisten Sachsen schlägt für Dünamoh Dräsdn. Zu essen gibt es neben Gaffe un Guchen das Leipziger Allerlei, den Dresdener Stollen und Radeberger Bier.

Bayern
Bayern ist das größte und kälteste deutsche Bundesland und hat trotzdem die kürzeste Verkehrsanbindung nach Afrika. Die Bayern sprechen ähnlich wie die Sachsen kein Deutsch und essen ihre Bratwürste gekocht mit süßer Soße, stellen aber momentan den Papst.
Bier ist dort teurer als Schnaps, deswegen trinken alle Bier, obwohl das ganz schön teuer ist. Stichwort Enzian.
Bayern besitzt eine Marionettenregierung. Eigentlicher Chef ist der Kaiser.
Erwähnenswert ist das Oktoberfest im September. Im Norden Bayerns leben die unterjochten Franken, in Richtung Marokko wird es hügelig. Bayern schreibt sich erst seit 1825 mit Ypsilon. Grund ist die Wahl des Sohnes des bayrischen Königs Ludwig I., Otto, zum König von Griechenland. Mit Otto Rehagel hat das aber nichts zu tun. International gefürchtet sind die renommierten Fußballklubs 1.FC Bamberg, Spvgg Bayreuth und, wenn mal in Form, der 1. FC Bayern München.

Thailand - eine wahre Geschichte, oder ein Reisebericht, wie er so nicht im Katalog steht...

Wollen Sie sich mal so richtig besaufen?
Ohne dafür auch nur einen Pfennig extra auszugeben?
Dann ist Thai Airways genau das Richtige für Sie! Doch der Reihe nach.
Die Anreise beginnt mit einer nostalgischen Zugfahrt durch den Nordosten der Republik. Vorbei an verfallenen Lagerhallen, leerstehenden Russenkasernen, überschwemmten Wiesen und überglücklichen Kühen. Auf den Bahnhöfen darf noch überall geraucht werden! Schnell ist die Hauptstadt erreicht.
Der Hopser von Tegel nach München/Riem ist so kurz, dass die Stewardessen alle Hände voll zu tun haben, die leeren Tomatensaftbecher wieder einzusammeln, bevor die Maschine landet. Ab jetzt ist Gerissenheit und eine gehörige Portion Abenteuerlust vonnöten, will man noch schnell mal eine rauchen.
Thai Airways hat sich nicht lumpen lassen und eine richtig dicke Boing 747/400 bereitgestellt. Der Gedanke, die nächsten zwölf Stunden auf einem Kindersitz Spielball der Naturgewalten zu sein, gibt scheinbar wenig Anlass zur Freude. Aber an Bord hat man an alles gedacht. Die Flugbegleiterinnen, allesamt von ausgesuchter Anmut und Grazie, sind in seidene Gewänder gekleidet, mit farbenprächtigen Schärpen verziert. Solch dem Auge schmeichelndes Ornat legt selbst Buddha sicher nur zu Ostern an. Kurz nach dem Start wird die dreisprachige Speisekarte gereicht. Man stürzt den obligatorischen Tomatensaft hinunter und studiert das Angebot. Die ersten Seiten sind etwas unleserlich, da die thailändische Schrift in etwa so aussieht, als würde ein schizophrener hebräischer Rabbi auf Speed den Koran auf Japanisch rückwärts schreiben und dabei gelegentlich einen epileptischen Anfall bekommen. Da im Flieger aber gar keine Thailänder sitzen, sondern nur Europäer, ist das Ganze dann noch in Englisch und ganz hinten auch in Deutsch zu lesen. Man hat die Wahl zwischen Hühnchen nach Ding-Yong-Bum- Art mit Jam-Tom-Lie-Sauce und sautiertem Mekongbarsch mit Tung-Kung-Gi-Dressing. Dazu werde ein Tom-Kung-Fu-Salat gereicht und als Dessert ein Bing-To-Jambo-Küchlein. Der welterfahrene Fernosttourist trifft zielsicher seine Entscheidung und wählt den Fisch. Selbiger erweist sich leider als grätiger Klumpen mit einem Geschmack, der an eine Mischung aus verbranntem Gummi und überlagertem Holzkaltleim erinnert. Der Salat entpuppt sich als eine gelungene Komposition aus klebrigem Reis, gekochten Sägespänen und vergammelter Salbeimajonäse mit Terpentin.
Nach drei Flugstunden beginnt der Nacken zu schmerzen, nach fünf Stunden schmerzt alles. Nur um Sie zu beruhigen, nach etwa acht Stunden spüren Sie nichts mehr, Ihr Körper ist taub und steif. Die Landung in Bangkok glückt, der einstündige Weiterflug nach Phuket, auf dem zumeist gesalzene Bananenchips gereicht werden, ist nur noch Formsache. Ein Kleinbus bringt den Weltenbummler nach Patong. Das ist da, wo neben Khao Lak der Tsunami die größten Verwüstungen angerichtet hat. Bis auf ein paar Wasserlachen ist davon aber nichts mehr zu sehen. Selbige könnten aber auch vom letzten Regen verursacht worden sein. Später erklärt man , es handelt sich um Garnelenaufzuchtteiche.
Patong ist auf Phuket das, was in Hamburg die Reeperbahn ist und das Hotel befindet sich sozusagen direkt in der Herbertstraße. Das soll aber nicht heißen, dass es auf Phuket Nutten gibt. Auf gar keinen Fall! So wird man niemals, wirklich niemals, wie in Europa üblich, mit den Worten „Na, mein Süßer, wie wäre es denn mit uns beiden?“ angesprochen.
Bei den Mädels, falls es denn welche sind, handelt es sich um zauberhafte, zurückhaltende Geschöpfe, die einfach nur Spaß haben wollen. So heißt das Zauberwort in Thailand
„Maazzzaahzz? Battibatti-Ollmaazzzaahzz?“ Will heißen, dass sie im ersteren Fall für fünf Euro eine geschlagene Stunde versucht, ihrem Kunden Arme und Beine auszureißen, um ihm anschließend das Kreuz zu brechen oder im zweiten Fall für fünfundzwanzig Euro unter Einsatz ihres unbekleideten eingeölten Körpers alles, aber auch alles daran setzt, überaus gekonnt das Letzte aus dem überraschten Urlauber heraus zu holen. Bis zum wirklich allerletzten Tropfen.
Bezahlt wird übrigens hinterher, wie beim Frisör. Mittelpunkt des Zentrums der geballten thailändischen Unterhaltungskunst ist die Bangla-Road, was auf Deutsch soviel heißt wie Bangla-Straße. Hierbei handelt es sich um ein Gässchen von den Ausmaßen der Pariser Champs Elysees, in der sich normale Bars, also ohne nackte Mädchen, die mal Jungs waren, mit diversen Etablissements abwechseln. In etlichen Shows kann der verduzte Feriengast erleben, zu welchen sportlichen Höchstleistungen das weibliche Geschlechtsorgan in der Lage ist, sei es im Blasrohrschießen, Tischtennisballweitwurf oder Trillerpfeifen. Und das bei freiem Eintritt! Allerdings schlägt das lauwarme Pflichtbier mit zehn Euro zu Buche. Reeperbahn, ick hör dir trapsen.
Hat der deutsche Sommerfrischler davon die Nase voll, kann er sich in einer der zahlreichen Thaiboxveranstaltungen darüber informieren, wie einfach es ist, seinem Gegner mit ein paar gezielten Fußtritten das Nasenbein zu brechen. Pazifisten sollten das Thaiboxen aber nicht vorschnell verurteilen. Es gibt feste Regeln. So ist zum Beispiel der Gebrauch von Schuss- und Stichwaffen nicht gestattet, ebenso gilt das Verbeißen in die Genitalien seines Gegners als verpönt. Nun besteht Thailand aber nicht nur aus Nachtleben, sondern es wird morgens hell, genau wie in Bielefeld, Zwickau oder Wanne-Eickel. Bis um zehn hat man dann Ruhe vor den „Maazzzaaahzz“-Rufen, weil die Mädels auch mal schlafen müssen. Also ab an den Strand.
Jedem Badegast stehen 59 Quadratzentimeter Sand, 128 Liter Meerwasser, sieben Strandhändler, vier herrenlose Hunde, drei Brauseverkäufer, eine Maazzzahzz-Tante, ein Speedboot und für zwei Euro eine Liege mit Sonnenschirm und einer halben Ananas (geschält und geschnitten) zur Verfügung.
Hängt dem schwedischen Blondschopf oder dem bleichen Ruhrpottkumpel nach einer Stunde die krebsrote Haut in Fetzen vom Leib, so bleibt die Flucht in eins der 394 Strandlokale, die es in Patong gibt, pro 100 Meter. Jetzt begibt sich der Reisende das erste Mal in akute Lebensgefahr, denn es gilt, eine Straße, die den Strand vom Lokal trennt, zu überqueren. Dem Fernreisenden kommt es so vor, als ob die gesamte südostasiatische Bevölkerungsgruppe in Turnhemden und nur mit Badelatschen bewaffnet, auf ihren Motorrollern genau in dem Moment diese Straße entlang fährt, in der Sie selbige zu überqueren gedenken. Thailand hat prozentual zehnmal mehr Unfalltote als Deutschland, was aber durch das heitere Gemüt und die hohe Fruchtbarkeit der Einheimischen mehr als wettgemacht wird.
Nun besteht ein Thailandurlaub nicht nur aus Maazzzaahzz, Tom-Yung-Koong-Suppenessen und Hautkrebspflege, sondern der Fernosttourist kann dem heiteren Treiben der Strandmetropolen auch entfliehen. Am besten tut er das in einem Kleinbus. Dabei ist zunächst wichtig, die Hegemonialstellung unter den Insassen zu erlangen, denn der thailändische Fahrer sieht seine Lebensaufgabe darin, seinem Nationalstolz durch Aufdrehen der Klimaanlage Ausdruck zu verleihen. Am liebsten demonstriert er den technischen Höchststand seines Heimatlandes indem er versucht , die Innentemperatur des Fahrzeugs dem Nullpunkt anzugleichen. Will man Erfrierungen oder zumindest einen tüchtigen Schnupfen vermeiden, ist schon mal ein Machtwort des europäischen Alpha-Insassen angebracht. Selbiges wird von der schlitzäugigen Frohnatur nicht übel genommen, besonders dann nicht, wenn in regelmäßigen Abständen Zigaretten in Richtung Fahrersitz wandern.
Zunächst heißt es in der Regel ein Tempel zu besuchen, der zu Ehren Buddhas errichtet wurde und ein architektonisches Wunderwerk aus Blattgold darstellt. Von diesen Tempeln kann der Tempelfan mehrere besichtigen, auf einen Thailänder kommen statistisch 2,36 Tempel. Den Naturfreund ziehtes aber in den Dschungel. Dort warten schon die Rüsseltiere. Der Elefant wird von den Thais verehrt. Deswegen muss er in seiner Jugend tagein, tagaus schwere Baumstämme durch den Busch ziehen und darf im gesetzten Alter, wenn er es schon etwas im Kreuz hat, Touristen aus aller Welt durch die Gegend tragen. Die Tiere sind sehr sanft und freundlich, was einen aber nicht dazu verleiten sollte, sich ein Pärchen davon mit nach Hause zu nehmen. Der Rüsseltierliebhaber sollte nicht vergessen, dass ein Elefant pro Tag vier Zentner Grünzeug frisst und deswegen zumeist unter übelriechenden Flatulenzen leidet. Zudem jungen sie alle zwei Jahre und produzieren genug Kot, um innerhalb eines Monats ein Gebiet von der Grüße Schleswig-Holsteins zur Gänze zu bedecken.
Im Dschungelcamp findet das Frühstück unter freiem Himmel statt. Das hat Vorteile. Nachteilig ist hingegen, dass die zahmen Gibbons, obwohl possierlich anzusehen, eine Vorliebe für Rührei, Buttertoast und Orangensaft entwickeln. Manch ein unbedarfter Städter, ob aus Melbourne, Tokio, Stockholm oder Castrup-Rauxel, beginnt so die Tagestour zu einem der zahlreichen Wasserfälle mit knurrendem Magen.
Die Thailänder selbst sind nette und überaus freundliche Menschen, wenn sich auch die Verständigung mit ihnen als schwierig erweist. Selbst dem englischen Muttersprachler fällt es schwer, „An tu tie, Karobie, tutause“ oder „nägjir“ als „One, two, three, Caron beach, two thousand“ und „next year“ zu deuten. Gut zu verstehen sind allerdings „Tenjo“ und „Jäzzöh“, was „Thank you“ und „Yes, Sir“ heißt.
Nachdem man irgendwann sein gesamtes Geld für maazzzahzz, bunte Hemden, Laserpointfeuerzeuge, Mekongwhisky und Krabben in Kokosmilch ausgegeben hat, heißt es Abschied nehmen. Der Gedanke an den gut zwölfstündigen Rückflug lässt die durch etliche Thaimädchenhände geschmeidig wie Hefeteig gewordene Rückenmuskulatur zu einer Raufaserplatte erstarren. Egal, es war schön hier und nun freut man sich wieder auf die lieben Daheimgebliebenen und Kartoffelsuppe mit Bockwurst.
Die ersten Flugstunden vergehen wie im Fluge. Nordthailand mit seinen bewaldeten Bergen, Myanmar und der Golf von Bengalen gleiten unter dem Flieger hinweg. Vom Hinflug gewarnt, verzichtet der Heimkehrer über Neu-Delhi auf den Jan-Too-Kao-Bim- Rinderbraten und belässt es bei einem Butterbrötchen und der mitgebrachten Banane. Gesättigt lehnt er sich zurück, als die pakistanische Grenze erreicht ist. Plötzlich gehen seltsame Veränderungen vor.
Die ansonsten überaus freundlichen und gelösten Stewardessen verlieren ihr fernöstliches Dauerlächeln, bekommen hektische Flecken auf der makellosen Haut und führen untereinander wortreiche Gespräche. Das Flugzeug fliegt zudem etwas eigenartig. Dann die erlösende Durchsage des Piloten: „Jing tao, jing tao, kim jum bo taka, jung bing! Hui do bung, pong da kom. Bim bam bum nirvana. Bong dong Bangkok!“
Die Durchsage scheint auf das Bordpersonal nicht wirklich beruhigend zu wirken, denn die exotischen Schönheiten teilen an alle Fluggäste Plastebecher aus, die ganz nach Wunsch und ohne Limit mit Wein, Bier oder Wodka gefüllt werden. Ihr Magen sagt Ihnen, dass der Flieger an Höhe verliert.
Sie erinnern sich an den Film „Katastrophenflug 374“. Was ist los, um alles in der Welt. Endlich kommt ein Flugbegleiter, der in nahezu verständlichen Englisch erklärt: „Änjin foor böönt aud. Feier eggstingischd. No Plobläm. Go daun flom ilewentause tu eitause mietel.
Ämädschenzie lenting. Islamabad zäzz no, Kabul nod gutt, Dubai tu ikspenziff. Wie go bek to Bangkok! Mooh Wodka, Zöh?”
Wie jetzt, Triebwerk Vier ist ausgebrannt? Feuer gelöscht? Von elf auf acht Kilometer runter? Notlandung? Islamabad verweigert selbige? Kabul geht auch nicht? Wieso ist eine Notlandung in Dubai zu teuer? Wie bitte, fünf Stunden mit einem ausgebrannten Triebwerk zurück nach Bangkok? Na klar will man jetzt mehr Wodka.
Leider ist der Brand auf der anderen Seite gewesen, so dass Sie nichts mitbekommen haben. Auch nicht, wie vielleicht der Kopilot in halsbrecherischer Manier mit einem Handfeuerlöscher bewaffnet auf der Tragfläche herumgeturnt ist, um dem Feuer den Garaus zu machen. Endlich passiert mal etwas Aufregendes, und man kann kein Foto schießen.
Die würden zu Hause vielleicht Augen machen! Naja, irgendwas ist ja immer. Ja, Gin ist auch genehm. Und noch ein Fläschchen von dem trockenen australischen Weißwein.
Die armen Stewardessen laufen sich den Wolf an ihre kleinen Hintern. Sie hätten nicht gedacht, welchen Appetit auf Alkohol ein Europäer in ungewöhnlichen Situationen entwickeln kann. Als die Maschine nach fünf Stunden zur Landung in Bangkok ansetzt, ist die Hälfte der Passagiere blau wie eine indische Mondnacht. So bemerken viele gar nicht, dass der Riesenvogel sanft wie eine Daunenfeder aufsetzt und vorbei an einem beachtlichen Aufgebot von Feuerwehr- und Krankenwagen ausrollt.
In der ersten Klasse intoniert ein Kölner Kegelklub lautstark „Flieger, grüß mir die Sonne!“.
Die weiteren Geschehnisse laufen wie ein Rausch an vielen vorbei. Tränen fließen, alle Pässe werden eingesammelt, Sanitäter justieren einige Herzschrittmacher neu, auf den Flughafentoiletten wird verstohlen manche Unterhose gewechselt. Dann bringen Luxusbusse die Gestrandeten in ein Luxushotel, wo in Luxussuiten sechs Stunden ausgeruht wird. Die Hotelbar macht noch einmal richtig Umsatz.
Zufrieden sinkt der Fastabgestürzte später in die weichen Seidenkissen. Zehn Stunden Ostasienrundflug, jede Menge Spaß, sturzbetrunken und nicht einen Pfennig dazu bezahlt!
Der Rückflug am nächsten Tag nimmt sich dagegen regelrecht langweilig aus.
Lächelnde Stewardessen, Tomatensaft und Sonnenschein. Hin und wieder ein hoffender Blick auf die Treibwerke. Nichts. Nach zwölf Stunden ist man wieder in Deutschland. Vier Grad, Nieselregen und ein total verspanntes Genick. Das Bier vier Euro. Einziger Lichtblick: Bayern hat verloren.
Jetzt könnte man gut und gerne eine „Maazzzaahzz“ gebrauchen. Die für fünfundzwanzig Euro.

Dr. Frank Hess
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