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Kinderlähmung

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Dies wird keine Geschichte zum Lachen, sondern sie ist bitterer Ernst.
Poliomyelitis, zu deutsch Kinderlähmung, ist eine heimtückische Viruserkrankung, für die es keine Therapie gibt. Durch weit angelegte Impfkampagnen ist die Krankheit in den Industrienationen so gut wie ausgerottet, es gibt nur ganz selten vereinzelte Krankheitsfälle.
Seit längerer Zeit wird auch in Kenia staatlicherseits kostenlos geimpft, die WHO erstattet die Kosten. Dies war aber leider nicht immer so.
Seit über sechs Jahren verbringe ich etwa zwei Monate im Jahr in Kenia, abseits der schicken Touristenhotels. In meiner unmittelbaren Umgebung leben mehrere Poliomyelitisopfer, die als Kinder erkrankten und nun die Folgen tragen.
Wer „Glück“ hat wie Jonathan, der kann sich noch selbst mit Krücken fortbewegen. Jonathan humpelt jeden Morgen an den Strand und baut aus Sand ein Tier, jeden Tag neu. Dann setzt er sich daneben und wartet, ob sich ein Tourist an Mombasas wenig belebte Nordküste verirrt, auf ihn aufmerksam wird und ihm etwas Kleingeld für seine Modellbaukunst gibt. Er bettelt nicht, ist im Gegensatz zu den aufdringlichen Beachboys, die laut zeternd irgendwelchen Ramsch an den Mann zu bringen versuchen, eher verstört und introvertiert.
Solidarität untereinander oder gar staatliche Hilfe existiert nicht.

Ein anderer Fall ist Wilfried. Seine Erkrankung im Kindesalter fesselt ihn vollständig an einen selbst gebauten Rollstuhl, in dem er sich mit Hilfe seiner Arme fortbewegen kann, seine Beine sind vollständig gelähmt. Er ist beim besten Willen zu keiner gewinnbringenden Tätigkeit in der Lage und fristet sein Dasein nur mit unterschwelligem Betteln. Pro Tag braucht er mindestens 20 Cent für Trinkwasser, Reis und Bohnen. Auch er ist ein ruhiger, zurückhaltender Mensch, der obwohl bereits 36 Jahre alt, auch mal in Tränen ausbricht, wenn ich ihm einfach so im Vorbeigehen, jeden Tag 100 oder 200 Shilling (entspricht 1 bzw. 2 Euro) in die Hand drücke und ihm vom Inder eine Cola und ein paar Kekse mitbringe. Eine Gegenleistung kann er nicht erbringen. Er betet zwar immer für mich, aber ob das etwas nutzt, wage ich zu bezweifeln.
Eine Bettelmafia, wie häufig in Europa anzutreffen (die Kinder betteln und der Vati wartet im Mercedes um die Ecke …) existiert nicht.

Mit internationalen Hilfsorganisationen habe ich persönlich sehr schlechte Erfahrungen. Intensive Recherchen (die mir seitens der Hilfsorganisation, deren Namen ich nicht nennen will, einen Haufen Ärger einbrachte) ergaben, dass von dem Spendenvolumen 2006 von 1,2 Mio Euro ganze 40 000 Euro überhaupt in Afrika ankamen, für den Rest der Spendengelder wurden in Deutschland schicke Büros angemietet, Urlaube auf den Seychellen gemacht und Porsches gekauft. So etwas nennt sich Verwaltungskostenanteil. Ich nenne es Betrug.
Zur Sache. Wer den Kinderlähmungsopfern helfen möchte, der schreibe mir bitte eine Mail an drfrankhess@web.de. Ich werde daraufhin eine Kontonummer zurück mailen, auf die der Spender Geld unter dem Verwendungszweck „Polio“ Geld überweisen kann. Ob 2, 5 oder 10 Euro, egal, auch die kleinste Summe hilft. Dieses Geld werde ich persönlich vor Ort aufteilen bzw. Dinge wie eine neue Matratze, eine neue Fahrradkette für den Rollstuhl etc. kaufen.

Verwaltungskosten: NULL. Die Spende kann anonym erfolgen oder auch auf Wunsch unter Nennung des Namens auf meiner HP. Da ich kein eingetragener Verein bin, kann ich zwar den Eingang der Spende schriftlich bestätigen, das wird aber beim Finanzamt zwecks Absetzen kaum Anerkennung finden. Fassen Sie es einfach als humanitären Akt auf. Danke.
Und hier nun die Auflistung der Spenden für mein Hilfsprojekt im Dezember 2010
20 Euro, anonym, Mecklenburg-Vorpommern
5 Euro, anonym, Niedersachsen
5 Euro, anonym, Mecklenburg-Vorpommern
50 Euro, ELEKTRO PRETZER, Mecklenburg-Vorpommern
5 Euro, Opa Dirk, Mecklenburg-Vorpommern
10 Euro, www.andy-storm-photoart.de, Sachsen
50 Euro, anonym, Brandenburg
10 Euro, Baumarktfuzzy, Niedersachsen
5 Euro, Jan W., Niedersachsen
40 Euro, Charly, Hamburg
50 Euro, ELEKTRO PRETZER, Mecklenburg-Vorpommern
20 Euro, WWK, Uwe Stoll, HGW, Mecklenburg-Vorpommern
Im Namen der Betroffenen danke ich allen Spendern herzlich.
An dieser Stelle möchte ich allen Spendern im Namen der Betroffenen nochmals ein herzliches Dankeschön sagen und berichten:
Gleich nach meiner Ankunft gab ich einem Gelähmten Bescheid, dass ich in Deutschland Spendengelder gesammelt hätte und diese in genau einer Woche um 16.00 Uhr an einem bestimmten Platz verteilen werde. Ich bat ihn, Schicksalsgenossen zu informieren und pünktlich zur Stelle zu sein.

An Spendengeldern waren 395 Euro zusammengekommen. Davon hatte ich bereits im Juli 100 Euro an einen ortsansässigen zuverlässigen Schweizer geschickt, der das Geld an die Poliopeople, wie sie dort genannt werden, verteilte. Blieben also 295, welche ich mit 155 Euro aus eigener Tasche wieder auf 450 Euro aufstockte.

Am verabredeten Tag kamen mehr Gelähmte als ich dachte, nämlich 17. Jonathan, der Mann mit den Tierfiguren am Strand war nicht dabei, er ist im Sommer gestorben.
Ich teilte das Geld zu gleichen Teilen auf, so dass jeder 2650 Shilling, ca. 26,10 Euro erhielt. Die Dankbarkeit war sehr groß, bei einer mir vorher unbekannten Frau flossen hemmungslos Tränen.
Von vielen soll ich den Spendern ein Dankeschön und herzliche Grüße ausrichten.
Die Reaktion der gesunden Kenianer war vielfältig. Mir wurde zum Teil Hochachtung entgegen gebracht, einige reagierten mit Verständnislosigkeit und einige zweifelten an meinem Verstand, wie man diesen nutzlosen Krüppeln auch noch Geld geben könne.
Ich versprach, im März wieder zu kommen und bitte weiter um Ihre Unterstützung.
Kurz vor meiner Rückreise begegnete mir ein anderes Schicksal. Tina, ein junges Mädchen, das ich vor längerer Zeit mal traf, dann aber für Jahre aus den Augen verlor, suchte mich auf und bat um medizinische Hilfe.
Sie versuchte bei Stromausfall mit einer Kerze ihren Spirituskocher in Betrieb zu nehmen, der sofort explodierte. Ihre Nylonbluse fing Feuer, was zu schwersten Verbrennungen des Oberkörpers führte. Diese Erfahrung kostete sie fast das Leben. 65% ihrer Körperoberfläche waren verbrannt, sie lag fast 6 Monate im Kenyatta-Hospital in Nairobi.

Die Rechnung dafür beträgt 2000 Euro, die ihr aber für zwei Jahre gestundet werden. Da dann nichts zu pfänden ist, muss sie danach ins Gefängnis.
Tagsüber arbeitet sie in einer Wäscherei, abends als Küchenhilfe in einer kleinen Kaschemme und versucht, die Summe Euro für Euro abzustottern. Ein Einkommen als Prostituierte kann sie, wie man den Bildern unschwer ansieht, natürlich nicht erlangen. Ich behandelte ihre offenen Stellen am Rücken, ließ ihr meine ganzen Schmerzmedikamente und ein Antibiotikum da und bezahlte 800 der 2000 Euro Hospitalrechnung.
Danke für Ihre Aufmerksamkeit.
Und hier nun die Auflistung der Spenden für mein Hilfsprojekt im März 2011
200 Euro, anonyme Spende, Wien/Österreich
50 Euro, Thomas P., Österreich
5 Euro, Schiffs- und Möbeltischlerei Pens, Mecklenburg/Vorpommern
15 Euro, Dipl.Ing. A. Langkabel, Mecklenburg/Vorpommern
25 Euro, Dr. P. Seeger und Frau Ingrid, Mecklenburg/Vorpommern
50 Euro, anonym, Deutschland
150 Euro, Zahnarztpraxis Dr. A. Zekai, Mecklenburg/Vorpommern
100 Euro, www.ostseereisebuero-wolgast.de, Mecklenburg/Vorpommern
50 Euro, Majon aus Wandlitz, Brandenburg
50 Euro, Druscha, Brandenburg
Im Namen der Betroffenen danke ich allen Spendern herzlich.
Bericht über Spendenaktion Poliomyelitis Februar/März 2011
Leider muss ich mit folgendem Satz beginnen:
Bitte stellen Sie sofort alle Spenden für dieses Projekt ein, bis ich ein neues karitatives Projekt erschlossen habe. Wahrscheinlich in einem anderen afrikanischen Land.
Was ist passiert?
Bereits im Dezember wurden Stimmen laut (wohlgemerkt von Kenianern!), die mich für verrückt erklärten, an diese „nutzlosen Krüppel“ Geld zu verteilen. Das nahm ich zwar zur Kenntnis, schenkte dem aber keinerlei Beachtung und kündigte laut und öffentlich an, im Februar wieder mit Spendengeldern zu kommen. Das war ein Fehler.
Ein Kreis von Kleinkriminellen tat sich zusammen, schob eine mir völlig unbekannte junge Frau vor und erstattete bei der Polizei Anzeige gegen mich. Den genaueren Ablauf entnehmen Sie bitte unter „News“ meinem letzten Reisereport. Ich erhielt bereits vorher Drohanrufe und SMS, um Geld zu erpressen. Eine offene Konfrontation wagten sie nicht.
Nebenbei sei erwähnt, dass der Bewohner meiner Nachbarbude, ein Deutscher aus Berlin im Urlaub, am Tag vor seiner Abreise mit KO-Tropfen außer Gefecht gesetzt wurde und der nun um 250 Euro in bar, sein IPhone, seine Kamera mit hunderten Urlaubsbildern seiner sechswöchigen Keniarundreise und seiner Armbanduhr ärmer ist.
Ein anderer Deutscher, mir weniger bekannt, wurde mittags um 12.00 Uhr auf offener Straße umringt und seiner Uhr, seines Telefones und 2500 Shilling, ca. 25 Euro beraubt.
Gegen mich erging schließlich Anzeige, dass ich einer Frau eine Arbeitsstelle als Hausmädchen versprochen hätte, für ein Gehalt von zweitausend Euro für zwei Wochen!! Angeblich hätte ich einen Vertrag unterschrieben, der nun aber nicht mehr auffindbar sei. Völliger Blödsinn! Es war eben bekannt, dass ich mit etwas mehr Geld als der übliche Pauschaltourist anreise. Und wer so blöd ist und an Krüppel Geld verteilt, der muss stinkreich und völlig bescheuert sein, den gilt es auszunehmen. Spätere Recherchen meinerseits ergaben, dass dieser Coup seit längerer Zeit vorbereitet war, sogar einige meiner guten (wie ich bis dahin dachte) kenianischen Freunde waren daran beteiligt. Kopf der Bande ist ein gewisser Festus Kipondai Hinzano, Verbrecherspitzname Tsali.
Auch habe ich den Verdacht, dass die korrupte Polizei darin mit verwickelt war. Als also die Drohungen und die Forderung nach zweitausend Euro bei mir auf taube Ohren stießen, erfolgte, wie oben gesagt die Anzeige, in der Hoffnung, ich würde aus Angst nachgeben und das Geld bezahlen. Tat ich nicht. Allerdings hat mir die Polizei unter Druck beim Verhör 200 Euro Bestechungsgeld (sie nannten es Schreibgebühren …) abgeknöpft. Sie können meine Wut und Enttäuschung sicher verstehen. Sicher, das hätte auch in jedem anderen Land passieren können, aber gerade da, wo ich so vielen Menschen, insbesondere Kranken mit Behandlung, Medikamenten und Geld, nicht zuletzt auch Ihrem Spendengeld, geholfen habe.
Aber auch diese kriminellen Machenschaften haben mich nicht davon abgehalten, die Geldverteilung unbeirrt, allerdings unter Schutz, vorzunehmen.

Hier die Abrechnung:
An Spendengeldern standen 695 Euro zur Verfügung. Davon habe ich 200 Euro plus 100 Euro von mir privat an die verbrannte Tina für die Hospitalrechnung gegeben und ihr von meinem Geld ein Telefon gekauft, 48 Euro. Das hat aber nichts mit den Spenden zu tun.

Blieben also noch 495 Euro. 100 Euro hab ich bei meinem Freund Carl, ein Deutscher, der ein Restaurant betreibt und seit 22 Jahren in Kenya lebt und dem ich absolut vertraue (wäre er nicht gewesen, wäre die Sache mit der Polizei mit Sicherheit noch teurer geworden), hinterlegt, für den Fall, dass in der Malariasaison Poliopeople dringend ärztliche Hilfe und Medikamente brauchen.
Bleiben noch 395 Euro.
Zur Verteilung erschienen 18 Gelähmte, so dass auf jeden etwa 22 Euro entfielen. Dieses Geld habe ich aufgeteilt, mit Hilfe von Philista, der Managerin von Carl und seinem Kellner James.

Barbara, deine 50 Euro habe ich dem kleinen Mädchen gegeben. Ihre Mutter hat ihr dafür Kleider gekauft und etwas für medizinische Behandlung beiseite gelegt, hoffe ich zumindest.

Ich bedanke mich nochmals herzlich bei allen Spendern, erkläre aber das Polioprojekt zunächst für zumindest zeitweise beendet. In den nächsten Monaten werde ich mir Gedanken machen, wie es weiter gehen soll. Vielleicht tue ich das Gleiche in einem anderen afrikanischen Land. Ich weiß es noch nicht. Wut und Enttäuschung sitzen noch tief.
Undank ist der Welt Lohn
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