~ Dr. Frank Hess Geschichten ~
 

Hexenverbrennung

Seit es Menschen gibt, gibt es auch die Hexenverbrennung. Oder zumindest, seitdem der Mensch Feuer machen kann. Erste Hinweise findet man bereits bei den alten Germanen, die aber wegen der oft feuchten Witterung und mangels suffizienter Brandbeschleuniger die verurteilten Personen auch mal im Moor versenkten.

Im Mittelmeerraum, wo das Holz meist knochentrocken war, kam das Ersäufen seltener vor. Dann erfolgte eine weitgehende Abkehr von der Hexenverbrennung, man ging gegen Magier und Schadzauberer eher mit der weit humaneren Kreuzigung vor. Später kam auch Vierteilen in Mode. Teeren und Federn erfreute sich auch zunehmender Beliebtheit. Die Abneigung gegen die hohe Schadstoffbelastung und den hohen CO2-Ausstoß bei einer Hexenverbrennung ging sogar soweit, dass Karl der Große Hexenverfolgern den Kopf abschlagen ließ.

Aber gut Ding will Weile haben und so kam es ab dem 13. Jahrhundert zu einer regelrechten Blütezeit der Hexenverfolgung. Ein Vorläufer des heutigen Innenministeriums, die Heilige Inquisition, ging erfolgreich mit der Hexenverfolgung gegen Glaubensabweichler, Kräutersammlerinnen und Jesus-Christoph-Leugnern vor. Um 1600 erreichte die Hexenverbrennung ihren wahren Höhepunkt. Gründe für die Verbrennung waren unter anderem das Sammeln von Kamille und Pfefferminze zur Teezubereitung, ein missgünstiger Nachbar, die Verweigerung des Beischlafes mit dem örtlichen katholischen Pfarrer, der Ausbruch einer Pestepidemie, Rothaarigkeit, der Besitz einer schwarzen Katze oder einfach Langeweile.

Auch konnte es reichen, dem Papst nicht zuglauben, dass die Erde eine Scheibe sei. Wer auf einem Besen flog, hatte ebenfalls schlechte Karten. Die verdächtigte Person, zumeist eine Frau um die 18 oder um die 78, wurde verhaftet und zunächst gütlich befragt. Danach der Wasserprobe unterzogen.

Die ging so:

Die Hexe musste einen Ring aus einem Kessel mit kochendem Wasser holen. Verbrühte sie sich dabei, war sie natürlich schuldig, da Gott ihr nicht beistand. Verbrühte sie sich nicht, war sie natürlich schuldig, denn das war ja Zauber.

Auch war die Nagelprobe, ein Vorläufer der heutigen Akupunktur, in Mode. Half das nichts, wurde ihr ein Heimwerkerkasten gezeigt und zur Erklärung schon mal ein, zwei Finger abgezwickt. Stellte sie sich immer noch bockig, wurde sie ausgezogen, enthaart und gefoltert. Mit Daumenschrauben, glühenden Eisen und so.

Auch war die Verlängerung der Wirbelsäule vermittels Streckbank recht beliebt. Heute ist dies nur noch Chiropraktikern gestattet. Dann gab es nur noch zwei Möglichkeiten. Sie gestand oder nicht.

Beide Varianten führten zur Verbrennung, zumeist bei lebendigem Leib. Eine Vorläuferorganisation von Amnesty International konnte allerdings zeitweise durchsetzen, dass dem Opfer aus purer Nächstenliebe vor dem Verbrennen der Kopf abgeschlagen wurde. Das beweist, dass die Menschen im Mittelalter mitnichten roh und gefühlskalt waren, sondern auch zartfühlende Seelen hatten. So gab es auch eine Entschädigung, falls sich später herausstellte, dass die Hexe gar keine Hexe war, sondern nur an Epilepsie litt oder als Kind in einen Topf mit Salbeitee gefallen war.

Beliebte Zeitpunkte für Verbrennungen waren Kirmes, Weihnachtsmarkt, Führergeburtstag und der Erste Mai. Im 18. Jahrhundert begann die Begeisterung der Menschen für Hexenverbrennungen nachzulassen und man wandte sich dem ebenfalls unterhaltsamen Exorzismus zu. Heute ist die Hexenverbrennung in Europa verboten. Uri Geller, mehrere Politikerinnen der Grünen und David Copperfield haben nichts mehr zu befürchten. Und Alice Schwarzer kann ruhig schlafen.

Wir finden die Hexenverfolgung heute aber leider noch in vielen Teilen Afrikas und Lateinamerikas sowie in der Hölle. In den führenden Industrienationen haben sich aber Relikte der Hexenverbrennung erhalten. So sehen Zuschauer begeistert bei Pommes mit Ketchup und Hotdogs bei Hinrichtungen mit dem Elektrischen Stuhl in Amerika zu. Das qualmt und stinkt auch. Und in Bayern wird insbesondere zum Oktoberfest als Ersatzhandlung das Haxenverbrennen praktiziert.

Azteken

Die Azteken sind ein altes, lebensbejahendes Volk. Sie kamen einst aus Atzlan, irgendwo aus dem Norden. Wie sie da hingekommen sind, weiß keine Sau. Eigentlich sind sie Mexikaner, aber das wussten sie damals noch nicht.

Im 14. Jahrhundert, vielleicht auch schon früher, wer weiß, irrten sie durch die Wüste, angeführt von Moses. Äh, Quatsch, das verwechsle ich jetzt mit einem anderen Märchen. Ihr Anführer hatte einen viel wohlklingenderen Namen, er nannte sich Huitzlipochtli. Wer jetzt denkt, dass das schwul klingt, Vorsicht! Der Typ war nämlich der Kriegsgott der Azteken! Jedenfalls kamen sie an einen Kaktus, auf dem ein Adler saß und eine Schlange verspeiste. Sofort erkannten die gebildeten Azteken das Wahrzeichen Mexikos und beschlossen, an dieser Stelle eine Stadt zu bauen, was sie auch taten.

Sie nannten sie Tenochtitlan, auf Deutsch Mexiko- Stadt.

So, kaum da, fingen sie mit ihren Nachbarn Streit an, zum Beispiel mit den Mixteken und den Zapoteken, nicht zu verwechseln mit Mixtheken und Apotheken. Auch führten sie ständig Krieg mit den Tlaxcalteken, was sich später rächen sollte. Irgendwo herkommen und gleich mit Stänkern anfangen, immer die gleiche Leier. Die Azteken hatten eine sehr hohe Kultur, was sich insbesondere dadurch ausdrückte, dass sie mit Messer und Gabel aßen, sich regelmäßig die Hände wuschen und 1600 verschiedene Götter hatten.

Ein beliebter und regelmäßiger Zeitvertreib der aztekischen Priester waren die Menschenopfer. Diese waren zum Beispiel dafür unabdingbar, dass die Sonne morgens aufgeht. Das war damals eine wissenschaftlich bewiesene Tatsache. Man schlachtete kurz vor Sonnenaufgang probehalber ein paar Menschen und schon ging die Sonne auf! Na also, hier ist der Beweis! Als Opfer nahm man gern Kriegsgefangene, Kinder und Freiwillige. Die Opferpraktiken waren recht unterhaltsam, am beliebtesten war es, dem Opfer (von denen man wegen der 1600 Götter jede Menge brauchte) bei lebendigem Leib das schlagende Herz herauszureißen. Diese Vorgehensweise mag dem Europäer etwas burschikos erscheinen, an dieser Stelle sei aber auf die große Kinderfreundlichkeit der aztekischen Hohepriester verwiesen. Kinderopfer schlachtete man natürlich nicht, sondern sperrte sie zuhauf in Käfige, stellte diese auf dem Marktplatz auf und ließ sie dann einfach verhungern.

Kindern einkaufsbummelnd beim Verhungern zuzusehen, ein Alltagsspaß für die aztekische Durchschnittsfamilie. Dagegen ist Big Brother doch echt pillepalle. Hinzuzufügen sei noch, dass gelegentlich hohe Adlige sich selber etwas anritzten, um ein paar Tropfen Blut für die Götter zu spenden, eine Vorgehensweise, die sich bis heute unter dem Namen Emo-Cutten erhalten hat. Aber jeder Spaß hat mal ein Ende, denn 1519 kam ein Spanier namens Cortes mit ein paar verlausten spanischen Kriegern angesegelt, verbündete sich geschwind mit den angefressenen Tlaxcalteken, verhaute die Azteken ganz fürchterlich und riss sich deren Gold unter die schmutzigen Fingernägel. Unterstützung erhielten die Spanier dabei von den Pocken.

Das ist kein Indianerstamm, sondern eine Krankheit, die 60% der Azteken dahinraffte.

Ein paar Hundert der einst so stolzen Adler - und Jaguarkrieger hopsten in einem Anflug von Götterdämmerung freiwillig von den Opferpyramiden in den Aufpralltod, um den Schwertern der 27 Spaniern zu entgehen. Dem Rest wurde erst einmal gründlich christliche Nächstenliebe eingetrichtert und das böse Opfern ausgetrieben, indem man einfach den Priestern, zack, die Köpfe abhackte. Kurze Zeit später war auch den letzten Altazteken/Neumexikanern völlig klar, dass Jesus auch für sie gestorben war. Das passierte zwar vor der Entdeckung Amerikas und in der Bibel spielen auch keine Azteken mit, aber na ja ...

So kam die europäische Kultur nach Mexiko. Da haben auch die 1600 Götter nicht geholfen.

Die wenigen Überlebenden von Krieg und Pest holten sich von den Spaniern einen Tripper und wurden zum Christentum bekehrt. Ganz ausgestorben wie zum Beispiel die Saurier sind die Azteken allerdings nicht. Ihre Nachfahren ernähren sich heute von Fußballwetten, Taschendiebstahl, der Tourismus- und der Drogenbranche.

Von einem Besuch Mexikos ist momentan dringend abzuraten, es grassiert die mörderische Schweinegrippe. An der sind nämlich schon fast so viele Leute gestorben, wie in der gleichen Zeit vom Blitz erschlagen wurden.

Mondlandung

Endlich hebt die Trägerrakete ab. Die gewaltige Beschleunigung presst die drei Astronauten in die Polster ihrer bequemen Fernsehsessel. Ab jetzt gilt absolutes Rauchverbot.
„Mist!“, entfährt es Edwin. „Ich wollte doch noch mal aufs Klo!“
Dazu ist es jetzt zu spät. Die Reise zum Mond hat begonnen. Mit stetig zunehmender Geschwindigkeit rast die Rakete dem Erdtrabanten entgegen. Als die erste Brennstufe abgeworfen wird, kracht es gewaltig. Verängstigt schaut Eddy seinen Kommandanten an.
Der bleibt die Ruhe selbst.
„Keine Angst, Jonny hat noch mal alle Schrauben nachgezogen!“ Das reicht Eddy nicht.
„Aber du weißt schon, dass er dabei sturzbetrunken gewesen ist, oder?“
„Was heißt hier sturzbetrunken? Auf der Abschiedsfeier waren schließlich alle ganz schön besoffen, das hat nichts zu sagen. Außerdem ist Jonny das Trinken gewohnt.“
Aus der Ecke ertönt die Stimme des Bordfunkers.
„Sind wir bald da?“, quengelt er.
„Wir sind doch eben erst losgeflogen, Mann! Stell mal lieber Funkkontakt mit Houston her!“
„Gut, mach ich. Hallo, Houston, hier ist Apollo 99, können Sie mich hören?“
„Na, melden die sich?“
„Ich hab nur ein komisches Rauschen im Ohr.“
„Egal, ich mach das auch ohne Bodenkontakt. Wir können uns jetzt abschnallen.“
Der Kommandant löst seinen Gurt und schwebt zum Funker herüber. Erstaunt betrachtet er die ganzen Knöpfe.
„Wozu ist dieser hier?“ will er von seinem Funker wissen.
„Keine Ahnung, musst mal draufdrücken!“ ist die Antwort. Das beunruhigt den Kommandanten in keiner Weise, kann er sich von der Funktion der Vielzahl an Schaltern und Knöpfen an seinem eigenen Pult auch nur vage Vorstellungen machen. Er schaut aus dem Fenster. Die Erde liegt wie ein weißblauer Ball unter ihm, von der Chinesischen Mauer keine Spur. Die wurde doch vor ein paar Jahren bei der Wiedervereinigung abgerissen, erinnert er sich.
„Alle mal herhören! Da kein Kontakt zur Bodenstation herstellbar ist, ändere ich den Flugplan. Ich habe keine Lust, hier tagelang herumzufliegen, also erhöhe ich mal den Schub. Aufgepasst, ich geb jetzt Gummi!“ Die Düsen des Boliden jaulen auf, das Raumschiff gewinnt deutlich an Fahrt. Der Kommandant ist zufrieden.
„Sind wir auf Kurs, Captain?“
„Laut Kompass liegen wir goldrichtig. Zeit zum Essen, Leute! Ran an die Bouletten!“ wie es sich für richtige Raumfahrer gehört, gibt es Cheeseburger mit Pommes in Tuben. Das ist praktisch und es gibt keinen Streit um den Abwasch. Genüsslich lassen sich die drei Weltraumabenteurer ihr Essen schmecken. Plötzlich ertönt ein schriller Alarmton und die Kabine wird in rotes Licht getaucht.
„Was ist los, Kommandant?“
„Woher soll ich das wissen? Ich schau mal im Handbuch nach. Hier ist eine Checkliste für Alarmfälle. Aufgepasst! Erstens hinsetzen. Zweitens auf Handsteuerung umschalten. Drittens Flugbahn stabilisieren. Viertens die Landung mit Umkehrschub vorbereiten. Falls Eins bis Vier nicht klappt, fünftens sterben wie ein Mann. Also, ich leg dann mal los.“ Mit geschickten Händen legt der Flugkapitän ein paar Schalter um und drückt auf ein zwei Knöpfe. Das Raumschiff reagiert vorbildlich, wendet und bremst mittels Gegenschub.
„Wir landen gleich!“
„Kommandant, es geht mich zwar nichts an, aber sollen wir nicht erst in eine Umlaufbahn gehen?“
„Das geht dich in der Tat nichts an, Eddy. Umlaufbahn, dass ich nicht lache! Pure Zeitverschwendung! Wir landen direkt!“
„Ich denke, nur die Landekapsel fliegt zur Oberfläche, der Raumtransporter bleibt im Orbit?“
„Überlasse das Denken anderen, das ist unamerikanisch. Anschnallen, es geht los!“ Rumpelnd setzt die Rakete auf der Oberfläche auf.
„Raumanzüge anziehen und klarmachen zum Ausstieg!“
„Äh, Kommandant, ich hab da mal eine Frage.“
„Na, was willst du denn wissen, Eddy?“
„Ich hab meinen Raumanzug vergessen. Ist das schlimm?“
„Und meinen krieg ich nicht zu. Ich muss irgendwie dicker geworden sein!“
Der Kommandant verliert die Fassung und spricht ein Machtwort.
„Vergessen? Dicker geworden? Mit welchen Dilettanten schickt man mich denn ins Weltall? Dann steig ich eben allein aus und ihr bleibt drin, so!“ Der Kommandant macht sich an der Luftschleuse zu schaffen. Plötzlich ertönt ein metallisches Klopfen. Schlägt da etwa jemand an die Außenhaut?
Die Raumfahrer sind fassungslos. Nur die Ruhe, denkt der Kommandant und öffnet die Luftschleuse. Grelles Sonnenlicht lässt ihn blinzeln. Was ist das? Ein Außerirdischer! Erschrocken fährt er zurück.
„Sofort aussteigen!“, ertönt es von draußen. Ein Alien spricht doch eigentlich anders, denkt der Captain verwundert und öffnet wieder die Luke. Vor ihm steht ein bärtiger Mann und sieht ihn böse an.
„Sind Sie der Mann im Mond?“, fragt der Kommandant unsicher.
„Da muss ich Sie enttäuschen. Haben Sie getrunken?“
„Ja, aber nur zwei Dosen Bier. Wir sind hier doch auf dem Mond, oder?“
„Auf dem Mond? Nein, Sie stehen mitten im Kakteenschutzreservat der Wüste Nevada. Was machen Sie hier? Sind Sie verrückt geworden?“
„Nein, wir sind zum Mond geflogen. Allerdings, wenn ich so nachdenke, der Flug hat ja nicht mal eine Stunde gedauert, das ist eigentlich zu wenig. Nevada, sagen Sie? Kann ich mal telefonieren, unser Funkgerät ist kaputt.“
„Tut mir leid, hier Nevada. Was machen Sie hier? Sind Sie verrückt geworden?“
„Nein, wir sind zum Mond geflogen. Allerdings, wenn ich so nachdenke, der Flug hat ja nicht mal eine Stunde gedauert, das ist eigentlich zu wenig. Nevada, sagen Sie? Kann ich mal telefonieren, unser Funkgerät ist kaputt.“
„Tut mir leid, hier ist kein Empfang, aber ich kann Sie mit zu unser Forschungsstation nehmen.“
„Das ist nett, ich sag den Jungs Bescheid. Hallo, ihr könnt herauskommen, wir sind in Nevada!“ Zwei ungläubige Gesichter erscheinen im Luk des Raumschiffes.
„Wir sind wieder auf der Erde? Ein Glück, denn Funkverbindung hätten wir nie mehr bekommen, die Batterien waren alt und sind ausgelaufen. Dafür hab ich aber mein altes Taschenmesser wieder gefunden, es lag unter dem Kompass, Captain!“ Die Männer steigen in den Jeep des Mannes und brausen, eine lange Staubfahne hinter sich herziehend, davon. Als sie die Forschungsstation betreten, überträgt BBC im Fernsehen gerade live ihre geglückte Mondlandung.

Geschichtsprüfung

Studienrat Ballenstein saß hinter seinem Eichenschreibtisch, rückte seine Brille zurecht und nahm den nächsten Prüfling interessiert in Augenschein.
Bleich und zusammengesunken saß dieser in einem etwas zu klein wirkenden, wahrscheinlich noch von der Konfirmation stammenden Anzug  in angemessener Entfernung auf  einem kleinen Schemel.
„Und, junger Mann, fühlen Sie sich körperlich und geistig in der Lage, Ihr Geschichtsexamen bei mir abzulegen?“, richtete er das Wort an den entfernt an einen Delinquenten erinnernden jungen Mann.
„Körperlich ja, aber wie es mit dem Geist so steht, werden wir gleich sehen!“, bekam der Studienrat zur Antwort.
Auf´s Maul gefallen ist der Bengel gerade nicht, dachte er und sann über seine erste Frage nach. Eine kleine Zornesfalte bildete sich auf der Stirn des Examinators und sein Blutdruck stieg um einige Millimeter Quecksilbersäule.
„Nennen Sie mir bitte den genauen Anlass, der zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges führte!“ „ Ich nehme mal an, dass es sich um eine Kriegserklärung gehandelt haben wird. Das ist doch so üblich“
„Das wohl, doch warum und durch wen wurde der Krieg erklärt?“
„Welcher Krieg noch mal?“
Die Zornesfalte nahm langsam die Ausmaße des Andreasgrabens an und der Blutdruck des Studienrates erreichte einen Wert, der selbst einen lethargischen Internisten in Besorgnis versetzt hätte.
„Der Erste Weltkrieg! Wann, wer, warum?“ Die Stimme des alten Mannes wurde lauter.
„Nun schreien Sie mich bitte nicht an, ich hab mit dem Ersten Weltkrieg nichts zu tun.“
Dem Studienrat verschlug es kurzzeitig glatt die Sprache. Dann fasste er sich und antwortete: „Wie meinen Sie denn das jetzt?“
„Na, ganz einfach, ich war 1939 doch noch gar nicht geboren!“
„Der Erste Weltkrieg begann 1914 und endete 1918. Womit?“
„Mit dem Kriegsende, denke ich mal.“
Der Blutdruck beschloss, seine eigenen Wege zu gehen. Kleine Sternchen tanzten vor Studienrat Ballensteins Augen.
„Sicher doch, aber ich meinte den Versailler Vertrag und der Kapitulation des deutschen Kaisers!“
„Kann ich wissen, was Sie meinen? Das hätte ich auch gewusst.! Zumindest hat dann Amerika mit der Sache nichts zu tun.“
„Wieso das denn jetzt nicht?“
„Weil Amerika da noch gar nicht entdeckt war!“
„Herr im Himmel, Amerika wurde 1492 entdeckt! Wissen Sie wenigstens, von wem?“
„Natürlich! Erst von den Indianern, dann von den Wikingern und zum Schluss von Fidel Castro. Aber was hat das mit dem Ersten Weltkrieg zu tun?“
Die Adern am Hals des Studienrates ähnelten dem Amazonasdelta. Schweiß perlte von seiner Stirn.
„Haben Sie schon mal was vom Attentat in Sarajevo gehört?“
„Was, bei den Olympischen Winterspielen 1984 gab es ein Attentat? Ich dachte, das war 1972 in München. Aber reden wir jetzt hier über Sport?“
„Es gab 1914 in Sarajevo ein Attentat. Wer wurde da von wem erschossen?“
Der Prüfling schürzte die Lippen, dachte einen Moment nach und murmelte:
„Mit Cäsar und Brutus, das war früher. Könnte es Marie Antoinette gewesen sein? Oder Maria Stewart?“
 
Resignation machte sich in Studienrat Ballenstein breit. „Die wurden enthauptet.“
„Oh, das tut mir jetzt aber aufrichtig leid.“ Der junge Mann zeigte sich ehrlich betroffen, fand aber schnell zu neuem Selbstbewusstsein zurück.
„Aber man kann ja nicht alles wissen.
Wissen Sie zum Beispiel, um wie viele Zentimeter man einen Opel Manta tiefer legen darf, damit er noch durch den TÜV kommt?“
Ballenstein sah verwundert auf. „Nein, natürlich nicht, aber was hat das denn ...“
„Sehen Sie, auch Sie sind nicht unfehlbar. Und was ist nun wichtiger im Leben, der TÜV oder irgend so ein Krieg, der hundert Jahre her ist?“
Studienrat Ballenstein holte tief Luft, fühlte seinen Puls steppen wie einst Fred Astaire und sagte nur noch drei Worte:
„Sie sind durchgefallen!“
„Was, obwohl ich das mit den Wikingern und dem Attentat in München wusste?“
Als Antwort kam nur ein mattes Nicken.
„Na, dann kann ich das Lehramt für Geschichte wohl vergessen. Macht nichts.
Werde ich eben Autotuner oder heirate die Prinzessin Stephanie von Marokko.“

Diese Geschichte entstand mit der freundlichen Unterstützung von Herrn Dennis Nobbe, dem Bassgitarristen und Texter der Metalband Sylent Green

Neandertaler - eine reichlich absurde Abstammungsgeschichte

Bekanntermaßen ist der Australopittiplatsch ein möglicher Vorfahre von uns.
Es handelt sich um eine unrasierte Dame namens Lucy, weil die Ausgräber beim Ausgraben pausenlos den damaligen Beatles-Hit "Lucy in the scy with diamonds" hörten. In Deutschland haben wir aber auch Taler, nämlich neben Sterntaler und den Schokoladentalern den Neandertaler.
Es windet sich ein Flüsschen namens Neander in Mäandern durch ein Tal namens Neandertal. Dieses Flüsschen Neander gab dem schönen Neandertal seinen Namen, nämlich Neandertal. Dort fand man was. Ein paar Knochen, die noch etwas nach ihm rochen. Das wäre alles zu schön, um wahr zu sein, das ganze lustige Neandermäandere, in Wirklichkeit heißt das Flüsschen Erft und das Tal wurde nach dem Pastor Joachim Neander benannt.
Ja, ist denn das ...?
Vor kurzer Zeit behaupteten Wissenschaftler noch, der Neandertaler sei unser Vorfahr und seine Gene leben in Form der roten Haare und der Trunksucht der Iren in uns weiter.
Nach einer Genanalyse steht nun fest: Der Neandertaler ist mit uns nicht verwandter als ein Berggorilla und nicht unser Vorfahr, gehört nicht mal zur Gattung Homo sapiens. Warum er ausgestorben ist (ist er das wirklich?), da gibt es viele mehr oder weniger unsinnige Thesen. Syphilis, Tuberkulose, zwanghaftes Dauermasturbieren und Verdrängung durch den Jetztmenschen seien genannt. Verdrängt? Heute leben in einer mittleren deutschen Großstadt mehr Menschen als damals auf der ganzen Welt und es verdrängt sich nichts, es spielen sich nicht mal blutige Szenen vor Lebensmittelgeschäften ab. Ich weiß, wie es gewesen ist. Zu der damaligen Zeit übersprang die NSDAP ( " Neandertaler Schwule Denken Anders-Partei")
die 5%- Hürde des Neandertaler Parlaments, gingen zunächst in die Opposition, bildeten dann einen Part einer Koalitionsregierung und übernahmen schließlich die Macht im Neandertal. Durch Politmüdigkeit und den übermäßigen Genuss von vergorenem Obst lag die Wahlbeteiligung damals bei etwa 3 %. So wurde die Verfassung geändert, Schwule übernahmen überall die Schlüsselpositionen an den zentralen Schaltstellen der Neandertalmacht, z. B. Oberneandermeisterposten. Schlussendlich wurde der Gegutsverkehr (die Translation in GeSCHLECHTsverkehr ist eine Erinnerung an damals, der wurde dann nämlich von Gut in Schlecht umgewandelt) und schließlich wurde der gesamte Schweinkram zwischen den Gegütern, heute Geschlechtern, verboten. So blieb der Nachwuchs aus, die Bevölkerungspyramide stand Kopf und das Neanderrentensystem brach zusammen. Als dann noch viele Australopittiplatsche aus dem Süden wegen dortiger zu großer Hitze ins Neandertal strömten, war es aus. Der letzte Neandertaler verfiel vollends der Trunksucht, versuchte erfolglos, sich mittels einer Dose weißer Bohnen selbst in die Luft zu sprengen und warf sich im Neandertal vereinsamt und verzweifelt in die reißenden Fluten der Neander. Die zugereisten Australopittiplatsche paarten sich munter untereinander, zähmten Bergziegen und Holunderbüsche, bekamen Haarausfall und fertig war der EU-Europa-Rat. Oder ist es doch nicht so gewesen?

 

Dr. Frank Hess
Hohendorfer Chaussee 37
17438 Wolgast OT Hohendorf
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