~ Dr. Frank Hess Geschichten ~
 

Die Kuh Yvonne

Vergessen Sie Libyen! Vergessen Sie Fukushima! Vergessen Sie Pippas Po!

Seit Wochen hielt Kuh Yvonne die Welt in Atem! Ausgerissen auf dem Weg zum Schlachthof, getrieben von unbändigem Lebenswillen. Die halbe Welt war hinter ihr her.

Der Tiergnadenbrothof Gut Aiderbichl erwarb sich die Rechte an Yvonne, um sie vor der Burgerwerdung zu bewahren. Wochenlang herrschte Schießbefehl auf Yvonne, hatte sie doch voller Verzweiflung einen Polizeiwagen angehalten und um Schutz für Leib und Leben gebeten. Die verwirrten Beamten hielten dies für einen tätlichen Angriff. Da die Kuh aber größer als ein durchschnittlicher Bankräuber war, wagten sie es nicht, das Feuer zu eröffnen, sondern riefen ein Sondereinsatzkommando zu Hilfe. Yvonne verschwand, während die Polizisten in ihrem Wagen verschanzt auf Entsatz hofften, unerkannt in einer Fichtenschonung. Die Verfolgung begann. Aber alles war vergebens. Obwohl BILD minutiös täglich vom ersten Fladenfund bis zur Festnahme berichtete, war es nicht möglich, Yvonne dingfest zu machen. Profiler studierten die Memoiren von Buffalo Bill. Stuhlproben wurden abgeglichen, Gipsabdrücke ihrer Spuren analysiert.

Etliche Großwildjäger, Fährtenhunde, ein Fallschirmjägerregiment, diverse Fressfallen, brünstige Lockbullen, süße Lockkälbchen, ganze Geschwader der Luftwaffe mit modernsten Infrarotkameras suchten vergeblich jeden Quadratzentimeter des 1,3 Hektar großen Waldstücks ab. Selbst eine Satellitenüberwachung durch die im Moment beschäftigungslose NASA wurde erfolglos abgebrochen.

Bilanz: 87 neu entdeckte Tierarten, darunter der Schwarzrot Gestreifte Eichenprozessionsrüssler und den Zwerglindenschwalm, den man seit 1631 als ausgestorben wähnte. Ferner fand man 43 Patronenhülsen aus dem Zweiten Weltkrieg, 9 Steinpilze, eine illegale Marihuanaplantage, widerrechtlich weggeworfenes Bonbonpapier (Werthers Echte), das fast vollständige Skelett eines bisher unbekannten Flugsauriers, zwei leere Weinflaschen (Riesling halbtrocken und einen 1998er Bordeaux), ein kopulierendes Pärchen aus dem Nachbardorf, die seit 1956 vermisste Gleitsichtbrille von Oberforstrat a.D. Wilhelm Dingelbein und einen linken Herrenhalbschuh (dunkelbraun, Größe 43). Aber nicht Yvonne, die sich durch geschickte Meidbewegungen und taktisch hervorragendes Agieren jeglichem Zugriff der Spezialisten und staatlichen Organe entzog.

Nun ist sie doch in die Falle gegangen! Bauer Konrad erblickte sie, öffnete das Gatter zu seiner Kuhweide und Yvonne marschierte brav hinein. Die Jagd auf Yvonne verschlang anderthalb mal so viel Geld wie der neue EU-Rettungsfallschirm und bescherte der BILD eine Vervierfachung ihrer Auflage. Bauer Konrad strich satte 10 000 Euro Fangprämie ein. Demnächst ist Yvonne in diversen Talkshows bei Jauch, Maischberger und Anne Will zu sehen. Yvonne ist für das Bundesverdienstkreuz nominiert.

Mittagessen

Laut Werftspeiseplan heute Auswahl zwischen Schinkenschnitzel mit Röstkartoffeln und Krautsalat, Kalbsragout, Pangasiusfilet und Broccoli-Nuss-Ecken.

Puh, ich frage mich, was zum Henker ein Schinkenschnitzel sein soll! Schinken an sich ist klar. Schnitzel auch. Aber das kombiniert? Vielleicht ein Stück Schinken paniert und gebraten? Klingt unappetitlich. Aber ich weiß, was mit Röstkartoffel gemeint ist. Das macht der Werftkoch nämlich jedes Mal, wenn er zu faul ist, richtige Bratkartoffeln zu machen. Bei Röstkartoffeln spart er sich nämlich das lästige Zerschneiden der Kartoffeln in Scheiben und wirft stattdessen ganze Kartoffeln in die Pfanne und brät diese liebevoll, bis sie außen schwarz und innen immer noch roh sind. Geschmackserlebnis beim Verzehr: Na ja, geht so.

Den Krautsalat kann man essen, muss man aber nicht.

Das Kalbsragout rühre ich gar nicht erst an. Gutes Rindfleisch ist nämlich viel zu teuer für eine Kantine. Also Finger davon lassen, damit ist was faul! Vielleicht BSE.

Und Pangasiusfilet? Das ist doch diese asiatische Welsart, in der ständig verbotene Antibiotika gefunden werden. Außerdem hat das Fleisch eine Konsistenz wie Schaumstoff und einen Geschmack wie chlorfrei gebleichtes Toilettenpapier (unbenutzt). Kurzum: Für den menschlichen Verzehr nur bedingt geeignet.

Der Oberhammer sind allerdings die Broccoli-Nuss-Ecken. Das klingt doch schon irgendwie krebserregend! Broccoli an sich schmeckt nach gekochtem, destilliertem Wasser (schonend gegart) und sieht aus wie radioaktiv verseuchter Blumenkohl. Nüsse sind gut, doch zum Mittag stelle ich mir da schon etwas Herzhafteres vor. Und warum überhaupt Ecke? Wurden Broccoli und Nüsse in einem Mixer zu einer homogenen Masse verarbeitet und dann in einer Dreiecksform gebacken? Allein die Vorstellung, welche Farbe diese Nahrungsmittelkreation wohl haben würde, ruft in mir leichte Übelkeit hervor.

Nach reichhaltiger Überlegung und gedrängt durch meinen knurrenden Magen entscheide ich mich letztlich doch für das Schinkenschnitzel. Liebloses Auffüllen durch den genervt aussehenden Koch. Krautsalat und Röstkartoffeln sind wie erwartet. Doch das Schinkenschnitzel übertrifft alle meine Erwartung. Positiv? Leider nein, leider gar nicht! Es handelt sich nämlich nicht um ein herkömmliches Schnitzel, sondern um eine rechteckige, undefinierbare, zähe und wabbelige Masse, die mich stark an eine ausgelatschte Schuhsohle erinnert. Geschmackstest: salzig. Mehr nicht. Beim Komprimieren mittels Gabel entweicht dem vermeintlichen Stück Gummi ein beachtlicher Anteil Fett. All diese Aspekte führen zu dem folgerichtigen Schluss, dieses seltsame Stück Fleischersatz (neudeutsch: Analogfleisch) zu verschmähen. Die Kartoffeln haben auch gereicht, um ein Sättigungsgefühl herbeizuführen. Naja, was soll’s…heute Abend gibt’s Zuhause wieder Garnelen. Das smett mir.

Hier beschreibt mein Sohn und Dualstudent in Kiel das Essen in der Kantine der Howaldtswerke während eines Praktikums.

Die Marsmission (oder von der Notwendigkeit des bemannten Raumflugs)

Im Jahre 2023 wurde im Rat der Nationen für gut befunden, dass es an der Zeit wäre, dem Nachbarplaneten Mars einen bemannten Besuch abzustatten. Anfangs scheiterte das Projekt an Geldmangel. Aber dank großzügiger Spenden von Bill Gates, Osama bin Laden, eines kolumbianischen Drogenbarons und Dagobert Duck konnte das Projekt in Angriff genommen werden.

Zur erfolgreichen Durchführung der Marsmission war internationale Zusammenarbeit unabdingbar. Jedes Land trug etwas dazu bei. Die Mongolei lieferte die komplizierte Mikroelektronik, Russland den Sprit für den Antrieb, die Türkei 37 Tonnen Döner mit alles und scharf, Amerika die Rakete und große Mengen eines braunen coffeinhaltigen Limonadengetränkes.

Deutschland stellte die Crew der Marsonauten, so die offizielle Bezeichnung für die Marsreisenden.

Die Auswahl fiel nicht schwer, Dieter Bohlen kümmerte sich persönlich um die Kandidaten. Selbige waren schnell gefunden. Werner Böhm bot sich mit seiner Dschungelcamperfahrung und seiner unglaublichen Fähigkeit, sich das Kacken über Monate verkneifen zu können, als Kommandant an. Erst wollte er nicht so recht, aber nachdem ihm 500 Euro geboten und ein Artikel in der BILD in Aussicht gestellt wurde, willigte er ein.

Ihm zur Seite standen als Bordingenieure Daniel Küblböck und Praktikant Elton.

Als Kontaktperson für Außerirdische bewarb sich Johannes Heesters, er wurde aber mit der Begründung, es gebräche ihm an Lebenserfahrung, abgelehnt. Für diesen Posten konnte die Boygroup „Tokio Hotel“ gewonnen werden, da sie Außerirdischen wahrscheinlich optisch täuschend ähnlich waren.

Bordkoch wurde ein gewisser Herr Lafer, der im Schlepptau Rainer Calmund und Ottfried Fischer mitnahm. Seine Begründung „Eiserne Reserve“ nahm niemand richtig ernst.

Für den unwahrscheinlichen Fall, von einem Alienraumschiff angegriffen zu werden, wurde ARD-Allzweckwaffe Jörg Pilawa rekrutiert, der zu diesem Zweck einen einminütigen Boxkurs mit Regina Halmich absolvieren musste und somit hin- und damit ausfiel. Danach wurde kurzerhand Klaus Wowereit zum Raumtorpedooffizier ernannt.

Und damit es nicht so langweilig werden würde, wurden die Bordnarren Mario Barth und Cindy aus Mahrzahn engagiert. Mit Cindy wurde auch die Ossi-Quote erfüllt.

Die Frauenquote zwar gewichtsmäßig auch, zahlenmäßig aber leider noch nicht, darum wurde Verona Pooth gebeten, am Flug teilzunehmen.

Mit ihrer Antwort „Zum Mars? Prima, ich mag diese kleinen Schokoriegel. Eine Werksbesichtigung wäre doch supi! Wenn ich Sie damit eine Freude machen kann. Da muss Franjo eben ein paar Tage ohne mich bankrott machen!“ profilierte sie sich für den Posten der wissenschaftlichen Leiterin.

Somit machte sich nun allerdings die Mitnahme eines Frauengleichstellungsbeauftragen erforderlich. Die Wahl fiel auf Guido Westerwelle.

Bordarzt wurde Klausjürgen Wussow. Leider musste man bereits in der ersten Trainingswoche feststellen, dass der schon 2007 gestorben war.

Der nächste Kandidat war Dr. House. Seine Nominierung scheiterte daran, dass er mit seiner Krücke nicht durch den Metalldetektor auf dem Weltraumbahnhof kam. Schließlich einigte man sich auf Sascha Hehn, der sich als Frauenarzt Dr. Markus Merthin genügend medizinische Erfahrung angeeignet hatte. Sein besonderer Vorteil war es, sich als Gynäkologe im Hinblick auf Verona mit Hysterie und prämenstruellem Syndrom auszukennen. Auf die Mitnahme eines Veterinärmediziners wurde bewusst verzichtet, obwohl Werner Böhm sowohl zum Sänger von „Tokio Hotel“ als auch zu Verona mehrfach „Geile Sau“ gesagt hatte.

Nun war es soweit, das Team stand. Das Astronauten - bzw. Marsonautentraining konnte beginnen. Am Beginn stand die Theorie. Verona wäre fast aus dem Team geflogen, weil sie nach drei Tagen intensiven Astronomieunterrichtes immer noch die Sonne mit dem Mond verwechselte.

Dann hieß es Physis testen. Zu diesem Zweck begab sich das Ausbildungsteam auf die Kirmes in Unterammergau, wo alle Kandidaten eine halbe Stunde Kettenkarussell fahren mussten, und zwar, nachdem sie eine Maß bayrischen Bieres und eine Salzlaugenbrezel verzehrt hatten.

Danach wurde getestet, wer sich am längsten das Pinkeln anhalten konnte. Verona schaffte es gerade einmal bis zur Qualifikationszeit von fünf Minuten, Westerwelle und Sascha Hehn überboten die Norm gemeinsam um mehrere Stunden. Seitdem verbindet beide eine innige Freundschaft.

Bald waren alle Vorbereitungen abgeschlossen. Ein unglaublicher Meilenstein in der Geschichte der Raumfahrt, ja, der ganzen Menschheit!

Der Start wurde in alle Länder der Welt live übertragen, in Deutschland wurde dafür sogar ein Werbeblock für Slipeinlagen und Abführpillen gekürzt und die Sendung „Schlag den Raab!“ für einige Minuten unterbrochen. Jubelnde Massen lagen sich am Brandenburger Tor in den Armen, als die Rakete abhob. Wäre ihr Jubel noch größer gewesen, hätten sie gehört, was der Chef des technischen Bodenpersonals sich zerknirscht in seinen Bart murmelte? Diese epochalen Sätze waren:

„Mist! Ich hab vergessen, den Tank für den Rückflug zu füllen. Die sehen wir nie wieder.“

Tatsachenbericht

Mein Sohn ist zwar kein Apfel, doch er fällt nicht weit vom Stamm! Hier eine Geschichte, die auf wahren Tatsachen beruht und die er selbst verfasst hat:

Gestern Dienstreise von Kiel nach Bremen gehabt.
Dafür Mietwagen gestellt bekommen- einen grauen Golf 6 Kombi.
Gerade mal ein halbes Jahr alt, Ersteindruck zufriedenstellend.
Starten des Motors. Hm. Nochmaliges Starten des Motors. Ach, er war schon an!? Nicht zu hören das Aggregat. Egal, wenn der Kat erstmal ausgeglüht ist, wird der schon sportlich laut werden. Die Reise geht los und die erste Ampel kommt schnell.

Jetzt kann der Golf zeigen was er drauf hat! ESP und Traktionskontrolle ausgeschaltet, Umdrehungen bei 4000 pro Minute gehalten. Dann bei Grün Vollgas und die Kupplung ruckartig kommen lassen.

Erster Gedanke: Das ist alles?? Die Enttäuschung ist groß. Die Reifen haben nur gefühlte 5cm geburnt, dann hat die Motorkraft nicht mehr ausgereicht, um die 175er Schmalspurreifen durchdrehen zu lassen. In 200 Metern kommt die nächste Ampel, das bedeutet Versuch Nummer 2! Diesmal die Drehzahl nicht bei lächerlichen 4000 UpM gehalten, sondern gleich voll in den Begrenzer bei 6500 UpM. Dann bei grüner Ampel gnadenlos die Kupplung springen lassen.
Ist ja nur ein Leihwagen, die sind für derartige Aktionen speziell ausgelegt.

Und siehe da: die Reifen quietschen deutlich länger, die Burnoutstrecke beträgt jetzt gut und gerne über 5m! Die anderen Verkehrsteilnehmer sind beeindruckt und nicken anerkennend. Vielleicht ist es auch verständnisloses Kopfschütteln. Mir egal, Hauptsache, das Auto burnt.

Aus Erfahrung weiß ich jedoch- so ein Burnout geht noch besser! Aber dazu benötige ich eine andere Streckenführung. Die kommt später. Jetzt geht´s erstmal in Richtung Autobahn! Die Auffahrt ist eine enge 180 Grad- Kurve, vor der ein großes 40-Km/h Schild prangt. Aber das zählt
nicht für mich mit meinem Rennboliden. Sportlich lege ich mich mit 80 Km/h und im 2. Gang in die Kurve und muss feststellen, dass sie doch deutlich enger war, als erwartet! Der Wagen quietscht
auf allen 4 Reifen und die ESP-Warnlampe im Armaturenbrett flackert wie ein Discolicht. Mein Beifahrer krallt sich mit geweiteten Augen am Angstgriff fest und vergisst in seiner verkrampften Haltung fast das Atmen. Als sportlich ambitionierter Fahrer gehe ich natürlich nicht vom Gas und nehme die komplette Kurve am absoluten Limit mit durchgehend quietschenden Reifen. Dann kommt die Autobahn.

Mein Beifahrer atmet erleichtert auf. Aber zu früh! Denn jetzt heißt es alles geben. Das Auto ist mit 189 Km/h eingetragen, das gilt es natürlich zu überbieten. Geschaltet wird grundsätzlich erst am Begrenzer, im 4. Gang bis 182. Dann der 5. Gang, in dem ich nach gefühlten anderthalb Stunden Beschleunigungsphase endlich 201 Km/h erreiche.
Dann ist aber endgültig Schluss. Beeindruckend ist das nicht gerade, aber um die vielen polnischen LKW zu überholen reicht es gerade so.
Überrascht bin ich jedoch vom Momentanverbrauch bei Vollgas: gerade einmal 16 Liter auf 100 Km! Da verbraucht mein Privatwagen im Standgas ja mehr.

Autobahnfahrt relativ langweilig, deshalb beschlossen, einen Abstecher auf einen Autohof zu machen und was zu essen. Mit 90 Km/h auf den Parkplatz geknallt und gekonnt mit Handbremse in die enge Parklücke gedriftet. Oma und Opa im Nebenauto sind begeistert.
Beim Runterfahren vom Burgerkingparkplatz kam Burnout-Test Nummer 3. Dazu Handbremse voll angezogen, ersten Gang rein, Kupplung getreten, Vollgas, Kupplung losgelassen, weiterhin Vollgas, aber immer schön die Handbremse angezogen gelassen! Das Auto bleibt stehen aber
die Vorderräder drehen unter lautem Quietschen durch.
Qualmentwicklung ist recht anständig für einen Golf. Handbremse dann lösen und man macht zwei schöne schwarze Striche auf den Asphalt.

Autofahrt aufgrund des höheren Spaßfaktors auf der Landstraße fortgesetzt. StVo dabei vorsätzlich missachtet. Vor mir ein weißer Lieferwagen. Doch der ist kein Hindernis!
Sportlich im Windschatten angesaugt, ruckartig links ausgeschert, Vollgas, vorbei und dann -BLITZ. Scheiße, die Rennleitung hat zugeschlagen!
Ein Blick auf das Tacho- 125 Km/h. Und das in einer 70er-Zone. Das war´s mit dem Führerschein. Doch man muss so etwas sportlich nehmen und darf sich nicht zu lange ärgern.
Als ich fertig war mit Aufregen, hatte ich Bremen schon erreicht. So kriegt man die Zeit auch rum. Dienstangelegenheiten schnell erledigt und unter Vortäuschung eines Zahnarzttermins eine
Stunde früher als geplant auf den Heimweg gemacht.

Auf der Rückfahrt war dann Straßenrennen angesagt. Ein aufmüpfiger VW Beetle vor mir auf der linken Spur. So was kann ich mir natürlich nicht bieten lassen, denn so ein Spielzeugauto ist ein einziges Verkehrshindernis auf einer Autobahn! Selbstverständlich hat der Beetle mehr PS und in der Beschleunigung komme ich mit dem Mietwagenbummelantenauto nicht ganz mit. Aber bekanntlich ersetzt entschlossenes Fahren ja Leistung und eine Niederlage muss unbedingt abgewendet werden.

Also versuchen, im Windschatten dran zu bleiben. Außenspiegel angeklappt, um den Luftwiderstand zu minimieren. Mittlerweile leuchtet die Tanklampe schon, der Gewichtsvorteil ist also auf meiner Seite. Aufgrund von Verkehr muss mein Gegner plötzlich bremsen, das ist meine Chance! Wer bremst verliert, ich also weiter auf dem Gas geblieben und ihm das Gefühl vermittelt, ihn von der Straße rammen zu wollen. Straßenrennen sind Psychologie pur!
Man muss dem Widersacher nur richtig Angst machen! Also mit Schwung und reichlich Geschwindigkeitsüberschuss 7 cm dicht aufgefahren, Blinker links, Fernlicht an und Hupe auf Dauerfeuer. Und siehe da: die Masche zieht!

Völlig verängstigt zieht er zügig rechts rüber und lässt mich vorbei. Neidisch schaut er mir nach. Das Rennen habe ich für mich entschieden. Aber er ist ein fairer Verlierer und versucht nicht einmal mehr mich noch zu verfolgen. Wäre auch zwecklos gewesen, denn für solche Situationen gibt´s es ja noch den Standstreifen.

Fahrt ohne besondere Vorkommnisse fortgesetzt. In Kiel wieder vollgetankt, 53 Liter nach 400 km Fahrt, nicht schlecht für einen 1,6 Liter Miniaturmotor.

Aber mir egal.
Sprit zahlt ja die Firma.
Den Wagen wieder abgegeben, selbstverständlich ohne äußerliche Mängel, nur die Profiltiefe der Vorderreifen hat um ca. vier mm abgenommen, der Kat ist ausgebrannt und die Bremsscheiben sind ausgeglüht.
Denn wer später bremst, ist länger schnell, aber wer länger schnell ist, muss auch stärker bremsen. Na ja, jedenfalls ist der Motor jetzt erstmal wieder frei gebrannt! Und dass die Fahrt das Aufregendste an der Dienstreise ist, ist ja nichts Neues. Jetzt heißt es gelassen dem Schreiben der Verkehrsbullerei entgegen zu sehen. Zum Glück wohnen meine Punkte und ich im gleichen Bundesland, da zählt der Heimvorteil.

Sylvester 2009

19.00 Uhr. Die Sylvesterparty beginnt.

19.41 Uhr. Die erste Flasche Sekt ist leer, alle gucken „Dinner for one“.

20.12 Uhr. Keine Sau hat mehr Bock auf Kartoffelsalat.

20.47 Uhr. Die Runde hat sich in drei Gruppen gespalten und diskutiert über verschiedene Themen. Während in Gruppe 1 um Bayern München, Tripper und die Frage, ob die Titten von Sonja Krauss echt sind, gefachsimpelt wird, geht es in Gruppe 2 um Soßenbinder und Brad Pitt.

Heino, Karl Moik und Harninkontinenz dominieren den Gesprächsinhalt von Gruppe 3.

20.56 Uhr. Onkel Ewald schläft ein.

21.09 Uhr. Glühwein ist alle. Es sind noch vier Wiener Würstchen übrig. Eins davon steckt in Onkel Ewalds linkem Nasenloch, ein anderes hat Tante Doris irgendwo anders hin verschwinden lassen.

21.51 Uhr. Karsten rutscht auf Onkel Ewalds Kotze aus und fällt mit der Nase in die Brotschneidemaschine. Schöne Sauerei.

22.13 Uhr Im Fernsehen läuft der Sylvestergalaabend mit Superstars wie Heidi Mross, Stefan Silbereisen und Hanni Pfifferling, oder so. Dazu Rotwein satt.

23.11 Uhr. Die Themen Genitalherpes und Schweinegrippe sowie der Bombenangriff deutscher Stukas auf eine Tankstelle in Kabul sind weitgehend abgearbeitet.

Man geht auf Wodka über. Die Frage, ob Rotwein Rotweinflecken macht, ist nur noch von untergeordneter Bedeutung. Alle ist er sowieso. Der Glasbruch ist enorm.

23.19 Uhr. Karsten holt sich bei einem verunglückten Kopulationsversuch einen Hexenschuss.

23.49 Uhr. Dieter sprengt sich mit einem polnischen Chinaböller koreanischer Herkunft die Kuppe des linken Ringfingers ab und ruft lautstark: „Kölle alaaf!“.

23.58 Uhr. Die Sektgläser werden mit Apfelschorle und Wodka gefüllt. Man zählt die Sekunden.

23.59 Uhr. Allgemeines Auf- und Anstoßen. Jeder, der noch bei Bewusstsein ist, äußert einen guten Vorsatz für das neue Jahr. So will sich Dieter Fett vom Penis absaugen lassen.

Den größten Applaus erntet der von Doris: sich vom Rauchen scheiden zu lassen und mit Ewald aufzuhören.

0.01 Uhr. Prosit Neujahr allen Lesern.

 

Silvesterrückblick

19.00 Uhr, Gazastreifen: Ali macht es sich mit seinen vier Frauen, einem Fladenbrot, einem Topf Ziegengulasch und seinen 13 Kindern gemütlich. Es gibt Tee, Alkohol ist natürlich tabu!

Stockholm: Das tägliche Silvesterkampftrinken ist im Großen und Ganzen beendet. Bis auf den Chefarzt der Uniklinik sind alle besoffen.

Berlin: Opa Rudi setzt die Bowle an. Drei Flaschen Aldisekt, vier Liter Tafelwein aus dem Pappkarton und zwei Flaschen Korn, dazu eine Dose Mandarinen. Ordnungsgemäß wird der Inhalt jeder Flasche vorher sorgfältig geprüft.

Chicago: Polnischer Wodka fließt in Strömen, allerdings nur bei den dort lebenden Polen, die paar Amerikaner, die in Chicago wohnen, haben die erste Pulle Leichtbier leer und lallen.

Rom: Luigi hat fünf Liter Chianti intus und vögelt die erste Frau für heute.

20.00 Uhr, Gazastreifen: Ali mümmelt am Fladenbrot, nörgelt über das Gulasch und trinkt heimlich eine Flasche Pils. Die Deutschen sind zwar ungläubige Hunde, aber Bier brauen, das können sie! Alle Kinder unter Zehn müssen ins Bett.

Stockholm: Chefarzt Söderström schnüffelt mal ein wenig am Äther und stellt mit Bedauern fest, dass Schwester Agnetha zum Blasen zu besoffen ist.

Berlin: Opa Rudi setzt die erste Pulle Korn bei sich an, um die Bowle besser zu verdauen. Oma Else den Kartoffelsalat. Draußen wird geböllert, dass die Goldelse wackelt.

Chicago: Vereinzeltes Feuerwerk und gemeinschaftliches Erbrechen setzen ein. Das FBI prüft, ob es sich bei den Knallern um einen Terrorakt handeln könnte und verschärft vorsorglich die Haftbedingungen in Guantanamo.

Rom: Luigi vögelt die zweite Frau an diesem Abend.

21.00 Uhr, Gazastreifen: Fladenbrot ist alle. Ali rätselt noch, welche seiner Frauen heute dran ist. Alle Kinder müssen zu Bett. Italiener sind zwar ungläubige Hunde, aber ihr Rotwein, alle Achtung!

Stockholm. Mist, auch Schwester Annegret (die mit den dicken, na ja ...) ist sternhagelbesoffen. Ersatzweise ein Schlücksken Wodka.

Berlin: Während Opa Rudi tüchtig der Bowle zuspricht und alte Hans-Albers-Platten auflegt, macht Oma die Würstchen heiß.

Chicago: Gemeinschaftliches Einbrechen setzt ein. Sprengstoffanschlag auf Polizeipräsidium erweist sich als Knallfrosch.

Rom: Luigi vögelt die dritte Frau an diesem Abend, aber so richtig mit Schmackes!

22.00 Uhr, Gazastreifen: Ali zieht einen Flachmann aus dem Burnus und schwankt vom Bier und zwischen Suleika und Leila. Gulasch geht zur Neige. Die Schotten sind zwar ungläubige Hunde, aber Whisky brennen, das können sie!

Stockholm: Im festen Vertrauen, dass ab jetzt keine ernsten Erkrankungen mehr auftreten, gönnt sich der Chefarzt einen weiteren finnischen Wodka und Schwester Annegret, die zwischenzeitlich das Bewusstsein wiedererlangt hat.

Berlin: Das Geballer am Brandenburger Tor wird stärker. Diese Geräuschkulisse wird von Anlageberater R. Raffke geschickt genutzt, um sich eine Kugel in den Kopf zu jagen. Große Sauerei im Bad. Große Sauerei auch in Oma Elses Küche. Opa hat es aber fast bis zum Klo geschafft!

Chicago: Detective Miller erwacht von nervendem Geklingel. Welcher Idiot ruft denn jetzt noch bei der Polizei an? Aha, Einbruch in der Bacon Street. Okay, wir schicken sofort einen Streifenwagen. Also nächstes Jahr.

Rom: Luigi ist drauf wie ein Eisenbieger aus Palermo und knallt die vierte Belladonna, dass es kracht.

23.00 Uhr, Gazastreifen: Ali geht mal kurz in den Ziegenstall. Die Franzosen sind zwar ungläubige Hunde, aber Cognac, da verstehen sie was von. So, die Flasche wieder schön im Heu verstecken. Leila wird zu Bett geschickt, Suleika mit Seife und Rasierzeug in den Waschzuber.

Stockholm: Der Wodka ist leer, Chefarzt Söderström auch. Schwester Annegret voll, im doppelten Sinne.

Berlin: Opa Rudi erbricht erneut, diesmal in die Bowle. Scheiß Kartoffelsalat. Oma Elses Schimpfen wird ignoriert. Zum Glück ist noch Bier da.

Chicago: Bis auf ein paar polnische Fleischereiarbeiter schlafen alle.

Rom: Luigi besorgt es der fünften heißen Braut volle Kanne!

24.00 Uhr, Gazastreifen: Ali steigt von Suleika, wünscht ihr Shereve, ein gesundes neues Kind und zündet zur Feier des Jahreswechsels eine chinesische Silvesterrakete mit drei bunten Sternen. Diesen feigen militärischen Akt beantwortet Israel umgehend mit einer Luft-Boden-Offensive. Eine Bombe trifft die leere Bierflasche, die Ali als Raketenabschussrampe benutzt hat. Krieg in Nahost! Gnihad!

Stockholm: Chefarzt Söderström flüstert Schwester Annegret ein leises „Skal!“ ins Ohr, glaubt er jedenfalls. Irgendwie riecht das Ohr komisch.

Berlin: Opa Rudi vermisst sein Gebiss. Oma Else findet es in der Bowle, zusammen mit dem Kartoffelsalat. Trotzdem wird ein fröhliches „Prosit Neujahr“ ausgetauscht.

Chicago: Das vom Bürgermeister spendierte gigantomanische Feuerwerk wird automatisch gezündet. Bis auf die Feuerwehr interessiert das keine Sau.

Rom: Luigi vögelt die sechste Dame des Abends und wacht danach endlich durch den infernalischen Krach des Feuerwerks auf. Kopfschmerzen ohne Ende, nasse Unterhose, Salute!

Horoskope

Gabriele Flickenschild ist in einer bösen Sinnkrise. Seit heute morgen!

Wie immer saß sie am Frühstückstisch und kaute an ihrem Biomüsli, das sie ernährungsphysiologisch mit einem Teelöffel Biohonig (Ja, ihr unsensiblen Idioten, fresst nur weiter euren Physikhonig und eure Chemiehühnereier, ihr werdet schon sehen, was ihr davon habt!) und zusätzlichen vollwertigen Cerealien (Das heißt zwar eigentlich Hackfrüchte, aber was interessiert so eine Lappalie eine Esoterikerin, die mit der Natur im Einklang steht?)noch gesünder gemacht hatte.

Dazu schlürfte sie genüsslich eine Tasse Tee aus ökologischem Freiluftanbau.(Alle anderen Konsumfaschisten und Gesundheitsmuffel trinken ihren Tee nämlich aus unkontrolliertem Käfiganbau!). Sie sollte jetzt eigentlich ein zufriedenes Gesicht machen, denn ihr Vollkorntoast von glücklichen Getreidehalmen war knusprig wie noch nie.Sie war aber nicht glücklich. Mit der linken Hand zerrte sie am Ausschnitt ihres selbstgestrickten Pullovers, (Falls man das potthässliche Ding so nennen mag!), mit der anderen fuhr sie durch ihr wirres Haar, dass sie erst letzte Woche mit einem Brennnesselaufguss gespült hatte. Vor ihr lagen fünf Zeitschriften, alle aufgeschlagen. Über jeder der aufgeschlagenen Seiten (Als Pazifistin wird Gabriele mich jetzt für das Wort „schlagen“ hassen!) prangte in großen Lettern:

„Tageshoroskop“, „Ihr persönliches Horoskop“, „Ihr ganz persönliches Horoskop“, „Das ganz spezielle persönliche Horoskop“ und einmal auch nur schlicht „Horoskop“.

Gabriele begann zu zittern, Schweiß quoll aus ihren buschigen Achselhöhlen und verlor sich in den Maschen der Schafswolle ihres Leibchens. Was war geschehen? Wie der gescheite Leser bereits vermuten wird, begann Gabriele ihr Leben unter dem Sternzeichen „Jungfrau“. (Dass sie Selbiges auch allgemein als solche fortführte, bleibt an dieser Stelle unerwähnt!) Und was musste sie über sich lesen?

Das „Tageshoroskop“ wusste zu berichten:

„Um Ihre Gesundheit ist es ausgezeichnet bestellt! Achten Sie aber in Zukunft auf eine gesündere Ernährung! (Wie jetzt, zu Mittag den Löwenzahnsalat weglassen? Oder besser gar nichts mehr essen?). An Ihrem Arbeitsplatz herrscht heute besonders gute Laune, Sie erhalten viel Lob von Ihren zufriedenen Kunden! (Gabriele arbeitete auf Ein-Euro-Job-Basis zur Aushilfe als Leichenwäscherin bei einem Bestattungsunternehmen). Am Abend werden Sie einem Mann begegnen, mit dem Sie viel Freude haben werden!“ (Hm, zu 17.30 Uhr hatte sich der Gerichtsvollzieher angesagt, um ihr Spinnrad und die Töpferscheibe zu pfänden.)

Dazu meinte „Ihr persönliches Horoskop“:

„Achtung, der Mars nähert sich dem Haus des Wassermanns, eine Erkältung ist im Anzug! (Das machte Gabriele besonders stutzig, zumal sie keine Anzüge besaß!). Ernähren Sie sich vielseitig, aber achten Sie auf ihr Gewicht, noch mehr Hüftgold wird Ihrem Mann nicht gefallen!“ (Gabriele wog bei einem Meter fünfundsiebzig gerade mal einundfünfzig Kilogramm und hatte noch nie einen nackten Mann gesehen, geschweige denn geheiratet!) Achtung, bleiben Sie standhaft, auf Arbeit wird Ihnen heute ein Kunde ein unmoralischen Angebot machen!“ (Hm, siehe oben.)

Ihr ganz persönliches Horoskop“ meinte dazu:

„Heute bekommen Sie ein dickes Lob von Ihrem Chef! (Ihr Chef war die griesgrämige Bestattungsinstitutsbesitzerin Hertha Obermeier, die sie täglich mindestens drei mal zusammenschiss.) Gönnen Sie sich doch eine Auszeit! Wie wäre es mit einem Flug auf die Malediven? (Malediven, ja klar. Ihre letzten Ersparnisse waren für die Töpferscheibe draufgegangen, und die holte am Abend der Gerichtsvollzieher. Denn Bioäpfel sind nun mal eben doppelt so teuer wie die, die industriell hergestellt werden, oder? Außerdem lief ihr schon allein beim Wort „fliegen“ das Wasser eiskalt die Arschritze herunter, da lohnte auch der dicke Frotteeschlüpfer nichts!) Verhalten Sie sich heute beim Autofahren besonders vorsichtig! (Dass Gabriele weder Führerschein noch Umweltkiller Auto besaß, ist klar, oder?)

Nun noch „Das ganz spezielle persönliche Horoskop“:

„Saturn und Skorpion stehen in Opposition mit dem vierten Uranusmond von rechts! Das bedeutet, dass Ihr Mann Sie verlassen wird! (Welcher Mann? Sie besaß nicht mal einen elektrischen Vibrator, sie benutzte Feng-Shui-Gurken.) Aber in der nächsten Woche wird sich alles zum Besten wenden, auch wenn Sie noch einen schmerzhaften Verlust erleiden werden! (Das stimmte nun aber wirklich, denn am nächsten Dienstag hatte sie einen Termin zum Entfernen eines eingewachsenen Zehnagels!) Beruflich steht eine bedeutsame Veränderung vor der Tür! (Auch das stimmte genau, nächsten Monat war sie ihren Job als Leichenwäscherin wieder los.)

Bis dahin hatte sie ja noch die Fassung bewahrt, aber das „Horoskop“ machte ihre Verwirrtheit perfekt:

„Achten Sie auf Ihre Mitarbeiter, jemand ist scharf auf Ihren Chefposten! Gesundheitlich sollten Sie ganz auf Homöopathie setzen! Bedenken Sie, je höher die Verdünnung, um so größer die Wirkung! (Das bedeutet folgerichtig, dass die Wirkung am größten, ja geradezu eine ungeheure ist, wenn GAR kein Wirkstoff mehr in den Tropfen respective Globuli enthalten ist! Und das Schlimmste für Gabriele war, dass sie das jetzt selbst begriff!) Die Venus steht im Haus des Wassermanns. (Huch, steht da nicht schon der Mars? Scheint ja ganz schön Betrieb zu sein!) Noch heute werden Sie einen zärtlichen und sensiblen Partner finden, der Sie verwöhnt! (Wirklich? Beim Tantrakurs wollte von Anfang an keiner mit ihr kuscheln und aus dem Töpferkurs war sie wegen ihres unangenehmen – naturbelassenen, wie Gabriele das nannte – Körpergeruchs geflogen.)

Gabriele tat nun das einzig Richtige! Sie beschloss, den Zeitungshoroskopen keinen Glauben mehr zu schenken.

Und gleich nachmittags zu einer echten Wahrsagerin zu gehen!

Im Gericht

Staatsanwalt: „Sehr geehrter Herr Angeklagter, geschätzter Doktor Nickelgoldner, Ihnen wird zur Last gelegt, durch, sagen wir einmal, zugegebenermaßen etwas leichtsinnige Anlagestrategie, die in unserer heutigen Zeit natürlich entschuldbar ist, eine gewisse Summe, ich will es mal so nennen, in den Sand gesetzt, also, ich meine durch Börsenturbulenzen, die wie uns ja allen bekannt ist, derzeit das gesamte Finanzgefüge, ähm, ja, also, das Geld ist weg“
Angeklagter: „Dazu sage ich nichts!“
Rechtsanwalt: „Lieber Herr Staatsanwalt, Sie wollen meinem Mandanten doch nicht etwa Unfähigkeit oder gar Absicht unterstellen?“
Staatsanwalt: „Natürlich nicht, aber durch so ein paar blödsinnige Gesetze bin ich gezwungen, Anklage zu erheben.“
Richter: „Na, na, Herr Staatsanwalt!“
Staatsanwalt: „Entschuldigung, Herr Richter, aber das Gesetz haben sich die Sozis einfallen lassen!“
Richter: „Da haben Sie auch wieder Recht! Also, weiter. Um welche Summe handelt es sich?“
Staatsanwalt: „Um immerhin 800 Millionen Euro, Herr Richter.“
Rechtsanwalt: „Einspruch! Einspruch! Ein klarer Versuch des Herrn Staatsanwaltes, meinen Mandanten zu verunglimpfen. Ich reiche Klage wegen Verleumdung und Rufmord ein!“
Richter: „Nun mal langsam, Herr Rechtsanwalt. Welche Summe steht denn nun zur Debatte?“
Rechtsanwalt: „Es handelt sich lediglich um 796 Millionen und 348254 Euro!“
Staatsanwalt: „Und zwölf Cent!“
Rechtsanwalt : „Korinthenkacker!“
Richter: „Ich bitte beide Parteien zur Mäßigung! Angeklagter, was haben Sie zu diesem Vorwurf zu sagen?“
Angeklagter: „Nichts.“
Richter: „Na, unter diesen Umständen wollen wir mal nicht so ein Aufhebens veranstalten. Ich verurteile Sie zu einer Geldstrafe ...“
Rechtsanwalt: „Nein! Auf keinen Fall! Bei dem Wort „Geld“ reagiert mein Mandant allergisch!“
Richter: „Soll ich einen Arzt rufen lassen?“
Angeklagter: „Nein, danke, es geht schon.“
Richter: „Gut, dann verurteile ich Sie eben zu einer Spende an die Stiftung „In Not geratene Immobilienmakler e.V.“ in einer Höhe von drei Tagessätzen. Ist Ihnen das recht, Herr Doktor Nickelgoldner? Wieviel verdienen Sie am Tag?“
Angeklagter: „So in etwa zweitau...“
Rechtsanwalt: „Zweitausend im Jahr, wollte er sagen!“
Richter: „Dann stellen wir den Fall wegen Nichtigkeit und mangels öffentlichen Interesses ein. Die Sitzung ist geschlossen! Der nächste Fall, bitte“
Staatsanwalt: „Angeklagter, Ihnen wird zur Last gelegt, durch Steuerhinterziehung und Steuerbetrug der Wirtschaft böswillig einen immensen Schaden zugefügt zu haben!“
Rechtsanwalt: „Hm.“
Richter: „Angeklagter, erklären Sie den Sachverhalt!“
Angeklagter: „Ja, gern, das war so. Ich habe mir für meine kleine Tischlerwerkstatt, ich bin in einem Einmannbetrieb selbständig, müssen Sie wissen, einen Schraubenzieher gekauft und diesen von der Steuer abgesetzt. Die Werkstatt ist gleich neben unserem Häuschen. Und da hat die Gertrud, was meine Frau ist, sich mal den Schraubenzieher aus der Werkstatt geholt, um ein Einweckglas aufzumachen, wissen Sie, unsere Tante Hilde kocht immer so lecker Birnen ein. Und als sie den Schraubenzieher wieder zurückgebracht hat, ist sie von der Frau Meldner, was unsere Nachbarin ist, gesehen worden. Die hat dann gleich die Polizei verständigt.“
Richter: „Was, Sie Volksschädling setzen heimtückisch ein hochwertiges Produktionsgerät von der Steuer ab und verwenden es privat? Sie Sauhund, schämen Sie sich gar nicht?“
Angeklagter: „Na ja, Herr Richter, es tut mir ja auch sehr leid, und ich hab der Gertrud auch schon eine anständige Tracht Prügel verpasst, aber was soll ich denn jetzt machen?“
Richter: „In den nächsten Jahren bei Wasser und Brot über Ihre schändliche Tat nachdenken, Sie Mistkäfer! Bereichern sich unverschämt am Gemeinwesen! Staatsanwalt, um was für einen Schraubenzieher handelt es sich?“
Staatsanwalt: „Um einen kostbaren Universalspezialschraubenpirouettierer der Firma Bosch!“
Angeklagter: „Aber das Ding hat nur sieben Euro gekostet! Genaugenommen, sechs Euro neunundneunzig!“
Staatsanwalt: „Ha, nun spielen Sie Ihr Verbrechen auch noch herunter! Das hat Sie mindestens drei Euro Steuern gespart, die Sie dem Staat hinterrücks vorenthalten haben! Stellen Sie sich vor, jeder der 82 Millionen Deutschen würde das tun, das wären dann schon 246 Millionen!“
Richter: „246 Millionen? Oh, da kommen wir nicht mehr mit einer Bewährungsstrafe aus! Angeklagter, Sie Staatsparasit wird die volle Härte des Gesetzes treffen! Staatsanwalt?“
Staatsanwalt: „Ich beantrage fünf Jahre Freiheitsentzug!“
Rechtsanwalt: „Ich gebe mildernde Umstände zu bedenken, Herr Richter!“
Richter: „Ach ja? Welche denn?“
Rechtsanwalt: „Der Mann ist nicht vorbestraft, ein angesehener Bürger der Stadt, hat ehrenamtlich den Kindergarten mit Möbeln ausgestattet und ist mit seiner Frau Gertrud verheiratet, die allgemein als zänkisch gilt!“
Richter. „Hm, ja, das sollte ich bedenken. Das Urteil. Angeklagter, im Namen des Volkes verurteile ich Sie wegen Steuerbetrug in einem mittelschweren Fall zu einer Haftstrafe von zwei Jahren, die zur Bewährung auszusetzen ist.“
Angeklagter: „Danke, Herr Richter!“
Richter: „Ja, ja, nun gehen Sie zu Ihrer Gertrud!“
Staatsanwalt: „So, meine Herren, das war die letzte Verhandlung für heute, also dann bis 14.00 Uhr auf dem Golfplatz? Dr. Nickelgoldner gibt einen aus!“

Ingrid

Bauer Lindemann erwachte aus einem traumlosen Schlaf.

Sein Schädel brummte und sein Gaumen war trocken. Gestern ging es im Dorfkrug aber auch wieder heiß her! Den ganzen Abend wurde heftig darüber diskutiert, dass viel zu wenig davon berichtet würde, dass Stefan Effenberg und Claudia Effenberg-Strunz (Sie erinnern sich? „Was erlauben Strunz?“) zusammenziehen wollen.

Bestürzt wurde sich daran erinnert, dass Claudias Sendung „Club der Ex-Frauen“ so fürchterlich floppte und so manch hartgesottener Melker verdrückte heimlich ein paar Tränen. Aber nun stand dem jungen Glück nichts mehr im Wege. Daran änderte auch die Tatsache, dass Otto schon mal mit der Claudia gerüsselt hatte, nichts. Schließlich hatte Stefan seiner Nachbarin in Florida auch mehr als nur seinen Stinkefinger gezeigt!

Allgemein wurde gleichfalls beklagt, dass die Medien höchstens zweimal am Tag etwas über Dieter Bohlens neues Buch berichten würden. Auch hatte man an den vergangenen zwei Tagen vergeblich auf Fotos der verhungernden Naddel und der Schlauchbootlippen von Chiara Hochofen gewartet. Sauerei, das. Statt dessen immer nur Börse, Börse, Börse. Als ob jemand im Dorf Aktien besäße. Selbst der Bürgermeister besaß nicht mal eine Aktentasche! Bauer Lindemann wälzte sich stöhnend auf die Seite und langte zu Ingrid herüber. Zärtlich tätschelte er ihre strammen Hinterbacken, was sie mit einem wohligen Grunzen quittierte.

Nach dem zehnten Bier waren sich gestern alle einig, dass Bayern Münchens Krise eindeutig drei Gründe hat: Rheuma-Kai darf nicht mehr mitspielen, Klinsmann hat von Fußball überhaupt keine Ahnung und Gierschlund Hoeness ist zu fett geworden. Hat man ja damals an Buffetfräse Calmund gesehen! Aber Thema Nummer Eins waren die erhöhten Heizkosten gewesen! Das bereitete Bauer Lindemann allerdings die geringsten Sorgen.

Soviel, wie über die Klimaerwärmung berichtet wurde, würde er ja bald gar keine Heizkosten mehr haben, da war er sich sicher! Außerdem wärmte ihn nachts Ingrid. Dankbar spielte er an ihren Nippeln. Des Bauern einzige Sorge war es, endlich eine Frau auf den Hof zu bekommen. Mit Ingrid müsste die sich allerdings arrangieren.

Das würde sicher etwas problematisch, da Ingrid in letzter Zeit ordentlich an Gewicht zugelegt hatte. Bauer Lindemann beschloss, ihr weniger Schrot und Kleie zu geben. Eine Apfeldiät würde ihr gut tun! Und sollte er das nächste mal bei der Tombola auf dem Dorffest wieder ein Spanferkel gewinnen, würde es als Spießbraten enden!

Die Wahl - Schicksal eines Wahllokalleiters

15.00 Uhr Mittagsschlaf beenden und sich von der Gattin schnell noch einen Orgasmus vortäuschen lassen.
15.15 Uhr feststellen, dass von der Anzugsordnung „Pinguin“ nur noch der Schlips passt.
Also Plan B, Jeans und T-Shirt.
15.56 Uhr Betreten des Wahllokals.
Wahlhelferinnen begrüßen und nach Problemen fragen.
Problem (kein Bier da) durch Fahrt zur Tankstelle beheben.
16.21 Uhr feststellen, dass keine Sau mehr wählen gekommen ist.
Abgammeln bis 18.00 Uhr angesagt.
Erst mal ein Bier.
17.59 Uhr kommt doch noch ein Wähler, Mist.
Opa Kleinschmidt studiert den Wahlzettel, stellt fest, dass die NSDAP gar keinen Kandidaten aufgestellt hat und verlässt empört „Wenn das der Führer wüsste!!“ murmelnd das Wahllokal. Mit seinem Krückstock verpasst er der Urne eine unschöne Beule.
18.00 Uhr, das Auszählen der Stimmzettel kann beginnen.
Vorher schnell noch ein Bier.
18.05 Uhr, den Wahlhelferinnen erklären, worum es geht und wie die Stimmen ausgezählt werden.

19.45 Uhr beginnt das Auszählen. Urne und letztes Bier aufmachen.
Wahlhelferin zur Tankstelle schicken, Nachschub holen.
Großzügig auch noch Geld für ein paar Pullen Sekt mitgeben.
Erst mal Pause.
20.15 Uhr Urneninhalt auf den Tisch kippen.
Blöde Witze über nicht vorhandene Asche machen.
Der erste Sektkorken knallt.
Zur besseren Verdauung einen Kräuterschnaps trinken.
20.47 Uhr knallt der zweite Sektkorken.
Wahlhelferin Chantalle Krause öffnet die beiden obersten Knöpfe ihrer Bluse.
Ist ja auch verdammt heiß heute. Dagegen hilft nur Bier und Schnaps. Prost!
21.09 Uhr ist die erste grobe Zählung abgeschlossen.
2345 Stimmen bei 2331 Wählern.
Da kann was nicht stimmen. Verwirrung kommt auf.
Zur Beruhigung der Nerven einen Schluck Bier und eine Flasche Kräuter.
21.56 Uhr, Wahlhelferin Uschi Petroweit bekommt hektische Flecken, jetzt sind es 2347 Stimmen bei 2325 Wählern. Chantalle Krause kontrolliert die Wahlkabine, ob sich da noch Stimmzettel oder Wähler befinden. Fehlanzeige, nur Zigarettenkippen, eine Zahnprothese und ein Bleistiftstummel.
22.07 Uhr, dritte Zählung ergibt 2341 Stimmen bei 2326 Wählern.
Gegen aufkeimende Verzweiflung Bier und Kräuter.
Die Mädels lassen den dritten Korken knallen.
Versuch, die Wahlhelferin Chantalle Krause bei einer nochmaligen Kontrolle der Wahlkabine zu knallen frustran.
Chantalle würde ja wollen, aber „ER“ nicht.
Muss am Kräuter liegen, schöne Scheiße.
22.32 Uhr den Wahllokalleiter heraushängen lassen und Entschluss fassen.
Ist zwingend notwendig, da Bier alle und keine Wahlhelferin mehr Autofahren kann.  Festlegen, dass die Anzahl der abgegebenen Stimmen mit der Anzahl der Wähler überein zu stimmen hat!
22.47 Uhr alle Wahlscheine in den Papiercontainer werfen und den alten Bürgermeister mit 51 % zum Sieger erklären, da der im gleichen Skatverein ist.
Bis 23.42 Uhr mit den Wahlhelferinnen Flaschendrehen spielen.
Zum Glück macht bloß Chantalle mit.
Beim Bekleidungszustand „einen Socken“ in die leere Wahlurne erbrechen.
Doch zu was nütze, das Ding. Telefonisch Gattin um Abholung bitten.
Nun Wettlauf gegen die Zeit.
Schaffen, sich wieder anzuziehen, bevor Gattin erscheint.
Sekundenentscheidung.
Beim Hoseanziehen Sturz kopfüber auf den Schreibtisch, Kugelschreiber in linkes Nasenloch gebohrt.
Große Sauerei.
Zum Glück hat Chantalle ein Reservetampon dabei.
Blutung gestoppt
An altes Sprichwort gedacht.
Wer die Wahl hat, hat die Qual!

Neulich im Reisebüro

Frührentner Alfred Kosegarten betritt das Reisebüro.
"Was kann ich für Sie tun?", wird er von einer etwas streng aussehenden Dame namens Frau Schlotterbeck um die Fünfzig, die ihr getöntes Haar zu einem Dutt hochgesteckt hat, gefragt.
"Eine Reise. Eine Reise möchte ich buchen."
"Das überrascht mich jetzt total!"
"Ja? Wieso das denn?"
"Na, was kann man denn sonst noch so in einem Reisebüro tun, Räucherfisch kaufen vielleicht oder sich den Zahnstein entfernen lassen?" "Das bieten Sie auch alles an? Ist ja ein toller Service. Zahnstein entfernen ist nicht nötig, ich trage eine Prothese." Alfred schürzt beweisend die Lippen.
"Aber ich hätte dann noch gerne einhundert Gramm geräucherte Sprotten. Sind die frisch?"
Frau Schlotterbeck zieht verärgert die Augenbrauen zusammen.
"Wollen Sie mich verarschen, Mann? Sieht das hier aus wie ein Fischladen?"
"Nein, eigentlich nicht, entschuldigen Sie, aber Sie sagten doch vorhin ..."
"Unsinn, Wollen Sie nun eine Reise buchen oder nicht, ich hab noch mehr zu tun."
Alfred blickt sich im leeren Büro um und nickt zustimmend.
"Ja, wissen Sie, es ist so. Ich spiele seit zwanzig Jahren Lotto, immer die gleichen Zahlen, und nun hat es endlich geklappt! Und jetzt will ich mir eine Reise gönnen, so mit allem Drum und Dran!"
Mit Drum meint er All Inclusive und mit Dran die Nutten, denkt Frau Schlotterbeck, riecht aber ein gutes Geschäft. Ihr Ton wird deutlich freundlicher. "Da hätte ich was für Sie. Wie wäre es mit Thailand? Vierzehn Tage tagsüber am Strand und abends dann etwas, ähem,
Physiotherapie."
Alfred denkt sofort an seinen kaputten Rücken.
"Physiotherapie? So das volle Programm?"
"Es gibt nichts, was es da nicht gibt!"
Alter Lustmolch, denkt Frau Schlotterbeck verächtlich.
Aber Alfred hakt nach.
"Ich will aber auch Abenteuer erleben, es kann ruhig mal etwas gefährlich werden. Mein Großonkel war Oberleutnant beim Afrikacorps!" "Abenteuer wollen Sie? Da hab ich zwei Möglichkeiten." Frau Schlotterbeck überlegt kurz.
"Ja?", fragt Alfred gespannt. Seine Augen leuchten.
"Afghanistan."
"Wie jetzt?"
"Sie fliegen im Frachtraum einer Bundeswehrmaschine nach Kabul, werden dort mit einem Jeep abgeholt und beteiligen sich dann an Minenräumarbeiten."
Dem werde ich jetzt mal einem vom Pferd erzählen, denkt Frau Schlotterbeck.
"Minenräumaktion? Das klingt nicht uninteressant!"
"Ja, und alle drei Tage ein Bombenattentat."
"Darf ich da auch mal schießen?"
"Klar, mit einer Panzerabwehrkanone. Kostet aber extra."
"Wie viel muss ich denn da so anlegen?" Alfred ist unsicher.
"Moment!" Frau Schlotterbeck klappert zum Schein auf ihrer Tastatur und hat Mühe, sich ein Grinsen zu verkneifen. "Unterkunft im Einzelzelt, morgens Tee und Fladenbrot, mittags Ziegensuppe und jeden Abend eine Talibanesin zur freien Verfügung, das macht für vierzehn Tage mit Reiserücktrittsversicherung vierundzwanzigtausendachthundert Euro."
Alfred schluckt. "Haben Sie auch eine etwas preiswertere Abenteuerreise?"
"Klar, mit dem Bus nach Berlin, eine Woche Mietwohnung über einem türkischen Gemüsehändler, Frühstück beim meistüberfallenden Italiener, Nachtwanderung durch Kreuzberg mit Roleximitat, eine Woche stationäre Behandlung auf der Unfallchirurgie und einen Puffbesuch! Macht achttausendzweihundert."
Alfred überlegt angestrengt. "Kann man da am Preis noch etwas machen?"
"Hm, Sie könnten bis zur Nachtwanderung in einer Busbude pennen, dann wird es etwas billiger."
Busbude? Nein, danke, denkt Alfred.
"Was bieten Sie denn noch so an?", will er nun wissen.
"Reisen in alle Länder der Welt natürlich. Wie teuer darf es denn sein?"
"Ich dachte da so an Zweihundertfünfzig."
Frau Schlotterbeck verzieht verächtlich das Gesicht.
"Ha, dafür kommen Sie ja nicht mal zu Fuß in die Lüneburger Heide. Ich denke, Sie haben im Lotto gewonnen?"
"Stimmt, aber nur einen Dreier."

Himmelfahrt - oder weswegen Liesbeth seit 2008 Herrentag feiert

Erster Mai 2008, kurz nach Zehn. Rüdiger steckt misstrauisch den Kopf aus der Terrassentür und blickt nach oben. Nieselregen, acht Grad. Wird schon noch, denkt er voller Gottvertrauen. Wo bleibt die Klimaerwärmung, wenn man sie mal braucht?
"Liesbeth, ist der Kartoffelsalat fertig?", hört er sich brüllen. Ja, er ist.
"Ihr wollt bei dem Sauwetter den Herrentag doch nicht etwa auf der Terrasse verbringen?", ist ihre bange Frage.
"Sauwetter? Wetter zum Heldenzeugen!", gibt Rüdiger entschlossen zurück. Liesbeth seufzt leise. Heldenzeugen. Derlei Versuche hatte Rüdiger mit ihr schon seit Monaten nicht mehr gemacht. Schicksalsergeben zieht sie eine Regenjacke über und wischt die Plastikstühle und den Tisch trocken.
Rüdiger probiert vorsichtshalber, ob der Kräuterschnaps noch gut ist. Nach dem ersten Schluck ist er noch unschlüssig, deswegen folgt zur Sicherheit ein zweiter hinterher. Halb Elf, es klingelt. Waldi, der Dackel, schlägt ordnungsgemäß an.
"Liesbeth, es hat geklingelt! Bist du taub?"
"Ja, ich geh ja schon."
Mit großem Gejohle rollen Norbert, Kalle und Siggi ein Fass Bier durch den Flur auf die Terrasse. Dabei geht die Bodenvase von Großtante Ottilie zu Bruch.
"Schnauze, Weib!", ruft Rüdiger.
"Ich hab doch gar nichts gesagt!", verteidigt sich seine Gattin.
"Aber beinahe!" Damit hat Rüdiger nicht unrecht. "Hehe, Jungs, kommt her und nehmt erst mal einen Schluck zur Begrüßung!", lädt Rüdiger seine Freunde ein.
Die Flasche macht die Runde.
"Da, schon neun Grad!", stellt Siggi triumphierend fest. "Soll ich schon mal den Grill anschmeißen?"
"Jo, tu das, ich stech das Fass an." Mit geübten Handgriffen fängt Rüdiger an zu hantieren. Darin ist er geschickt. Leider ist das Bier vom Gerolle in dem Fass noch etwas nervös und Rüdiger sieht aus wie frisch geduscht, aber das ficht ihn nicht an.
"Liesbeth, hol ma paar Lappens und bring mir nen andern Pullover raus!" Waldi leckt eifrig an der Bierlache.
"Hehe, da ist der Köter ja eher besoffen als wir!", befürchtet Kalle.
Siggi kämpft heldenmütig mit dem Grill. Die patschnasse Holzkohle will und will nicht brennen!
"Inne Garage steht ein Kanister mit Waschbenzin, damit müsste es gehen", rät Rüdiger. "Liesbeth, wo bleibst du denn?
Beeilung! Bring ma dat Waschbenzin ausse Garage!" Liesbeth eilt mit Pullover, Scheuerlappen und Kanister herbei. "Beim nächsten Mal geht dat schneller! Soll ich mit in die nassen Klamotten den Tod holen?", ermahnt sie ihr Mann. Liesbeth schweigt. "Und sieh zu, dass du die Bratwürste und das Fleisch rausbringst!" Liesbeth huscht zurück in die Küche. Rüdiger knackt die zweite Flasche Kräuterschnaps.
"Nach dem Zeug klebt mir immer der Arsch zu, haste keinen Klaren? Und kannste deine Alte nich ma n bisschen auf Trab bringen?" Rüdiger hat, Rüdiger kann.
"Liesbeth, sei nich so lahmarschig und bring ma den Klaren aussn Kühlschrank mit, aber ein bisschen plötzlich!" Liesbeth bringt.
Inzwischen haben Kalle und Norbert das Fass dazu überreden können, seinen Inhalt in normalem Tempo herzugeben.
"Wat iss nu mit die Holzkohle?", will Rüdiger wissen. "Liesbeth, Salat und Fleisch!"
"Moment, geht gleich los!", antwortet Siggi siegesgewiss. "Ich hab die Kohle schön mit dat Waschbenzin eingeweicht, müsste nu klappen!"
Liesbeth stellt die Schüsseln mit dem Kartoffelsalat und dem Grillgut auf den Tisch.
"Haste den Klaren vergessen, blöde Kuh?", fragt Rüdiger barsch. Liesbeth schüttelt schuldbewusst den Kopf.
"Ich hab ja nur zwei Hände", erklärt sie.
"Nu werd ma nich frech, olle Zippe, man wird ja wohl noch höflich fragen dürfen." Rüdiger schüttelt verärgert den Kopf, seine Freunde sich vor Lachen.
Kurz vor Zwölf ist die vierte Flasche Klarer leer, aber das Feuer will immer noch nicht so recht in Gange gehen. Norbert isst die dritte rohe Bratwurst, Waldi erbt ein Kammkotelett. Der Wind frischt auf, der Regen wird stärker.
"Zu blöd, ein Feuer zu machen. Geht mal weg da!" Rüdiger taumelt zu seinen Freunden und gießt entschlossen den ganzen Kanister Waschbenzin auf den schwelenden Grill. Norbert hat Glück, der ist gerade pinkeln. Aber Rüdiger, Siggi und Kalle haben noch mehr Glück, sie fahren genau an Himmelfahrt gen Himmel. Der Dackel jault verängstigt, Liesbeth spricht ein Dankgebet. Rüdigers Himmelfahrt an Himmelfahrt, das hat Stil, denkt sie und gießt sich einen Klaren ein.

Der Ferrari

Diese Geschichte beruht, was die Bundeswehrmusterungsvorschrift angeht, auf einer wahren Begebenheit. Alles andere ist frei erfunden, aber hätte es nicht so sein können?
Als der Plastische Chirurg Dr. Hupendick seine Praxis betrat, traute er seinen Augen kaum. So prasselvoll hatte er seinen Wartesaal ja noch nie erlebt! Freudig rieb er sich die Hände.
Das Bild eines roten Ferraris huschte durch seinen Stirnlappen, aber dann stutzte er. Normalerweise saßen hier alternde Schabracken mit Gesichtern, deren aktentaschenartiges Aussehen förmlich nach Botox und Lifting lechzten. Oder Pummelchen, denen er die Doppelwhopper von den Hüften schlürfen sollte. Nicht mal ein schmalbrüstiges Mägdelein aus gutem Schauspielerhause blinzelte ihn erwartungsfroh an.
Dr. Hupendick sah sich genauer um, seine Sprechstundenhilfe zuckte nur entschuldigend mit den Schultern. Bis auf den letzten Platz war der Warteraum mit jungen Männern gefüllt, einige besonders langhaarige Exemplare lümmelten sogar auf der marmornen Fensterbank herum.
Stirnrunzelnd ging er in sein Sprechzimmer und studierte die erste Patientenakte.
„Benjamin Meisenring“ stand da zu lesen, gerade mal achtzehn Jahre alt und Erstpatient in dieser Praxis. Dr. Hupendick drückte auf den Knopf der Gegensprechanlage und bat den Patienten Meisenring herein. Verschüchtert die langen, wirren Haare hinter den Bügel seiner kreisrunden Nickelbrille steckend, betrat Patient Meisenring das Sprechzimmer.
„Nun, junger Mann, was gibt es denn für Probleme? Sie sind rank und schlank, wegen einer Fettabsaugung kommen Sie sicher nicht zu mir. Irgendwo entstellende Narben?“, examinierte Dr. Hupendick den jungen Mann.
„Nein, nein!“, versicherte dieser rasch.
„Penisvergrößerung?“, mutmaßte der Doktor etwas leiser. Obwohl das Gesicht des Jünglings jetzt sichtlich mehr Farbe annahm, schüttelte er energisch den Kopf.
„Ja, was führt Sie dann zu mir?“, fragte Dr. Hupendick jetzt schon etwas energischer nach.
„Ich, ich  hätte gerne, ich hätte gerne eine, äh, eine Brustvergrößerung mit Silikonkissen!“
Nun war es heraus, der Bengel war also schwul! Hupendick nickte verstehend.
„Na, mein Junge, da ist wohl mal ein erklärendes Gespräch vonnöten. Sieh mal, wenn dein Freund möchte, dass du einen weiblichen Busen hast, dann ist der gar nicht wirklich homosexuell!“
„Ist er auch nicht, er ist mit meiner Cousine verheiratet.“ Jüngling Meisenrings Stirn bedeckte sich mit dicken Schweißtropfen. „Und ich bin auch nicht schwul, Herr Doktor!“, setzte er mit Nachdruck hinzu.
„Ja, aber um alles in der Welt, willst du dann mit Silikonbrüsten?“ So ein Fall war ihm in seiner ganzen Laufbahn als Plastischer Chirurg noch nicht vorgekommen. Was Internetspiele so aus der Jugend machen können, mutmaßte er. Er wurde in seinen Betrachtungen von Benjamin Meisenring unterbrochen.
„Haben Sie denn heute noch keine Zeitung gelesen, Herr Doktor?“, war seine bange Frage.
Klar hatte Dr. Hupendick heute schon Zeitung gelesen, den Playboy auf dem Klo und das Börsenblatt beim Frühstück. Er verstand nicht recht.
„Diese hier auch?“, fragte sein Patient und hielt ihm ein überregionales Tagesblatt vor die Augen. Dr. Hupendick rückte seine Lesebrille zurecht und nahm den Leitartikel in Augenschein.
„Lebenstraum einer Krankenschwester geplatzt! Schantalle B. aus Hinterguckensheim hatte sich für zwölf Jahre bei der Bundeswehr verpflichten wollen, wurde aber ausgemustert.“
Hatte sie irgendwelche Gebrechen? Plattfüße oder extreme Kurzsichtigkeit vielleicht? Neigte sie gar zum Bettnässen? Mitnichten! Ihr gesundheitlicher Makel war, sich vor Jahresfrist bei Dr. Hupendick vermittels zweier prall gefüllter Silikonkissen ihre Oberweite von 80B auf 85D vergrößern zu lassen! Dr. Hupendick erinnerte sich, diese Operation war ihm ausnehmend gut gelungen und er hatte Mühe gehabt, bei der Nachuntersuchung seine Erektion vor der Schwester zu verbergen. Und deswegen sollte sie untauglich für die Bundeswehr sein? Sicher wegen Erregens öffentlicher Erregung in der Kompanie, mutmaßte der Chirurg, schmunzelte und las weiter. Nein, weit gefehlt! Ein findiger und überaus fachkompetenter Kollege Bundeswehrarzt hatte befunden, dass Silikonimplantate ein zu großes Sicherheitsrisiko während Kampfhandlungen darstellen würden. Bei einem Explosivgeschoss-Herzschuss in den Bergwüsten Afghanistans zum Beispiel. Da würde das zerfetzte Herz ja mit Silikon beschmiert! Und das könne doch wohl kein Mediziner ruhigen Gewissens zulassen. Bums, ausgemustert. Aus der Traum von „Miss Bundeswehr 2008“!
Dr. Hupendick verstand.
„Und da ihr alle keinen Bock auf ein wenig Grundausbildung habt, wollt ihr euch von mir Silikonbrüste machen lassen?“, fragte er nach.
„Ja, ja, Körbchengröße A würde uns schon reichen. Kann man das nicht nach der Musterung wieder entfernen?“ Benjamin Meisenring riss die Augen auf und klatschte vor Begeisterung in die Hände.
Gerade wollte Dr. Hupendick ihn hochkant aus der Praxis schmeißen, da huschte wie von Geisterhand wieder dieser knallrote Ferrari durch seinen Frontallappen. Er beruhigte sich, lächelte versonnen und sagte gelassen „Natürlich geht das, Jungs, dafür bin ich Spezialist.
Das kostet aber eine Kleinigkeit!“

Die Radpanne

(oder warum es sinnvoll ist, im ADAC zu sein)

Gespenstisch stand der gleißende Silbermond über den düsteren Wipfeln des Tanns. In der Ferne heulte ein Wolf, dahinfliegende Wolkenfetzen zerrissen das Licht.
Die Kutsche, die den jungen Helden und seine holde Prinzessin zum Schloss des untoten Grafen Waldemar bringen sollte, raste durch die Finsternis. Der wallende Mantel des Recken flatterte in dem eisigen Wind wie die Schwingen eines zornigen Adlers, die Rösser waren schaumbedeckt wie sich das tobende Meer bei Sturm mit Gischt überzieht.
Schon glaubte der wilde Kutscher, den rettenden Waldrand ereicht zu haben, schon wähnte er sich und seine bezaubernde Gefährtin in Sicherheit. Ein letztes Mal bäumte sich der Sturm auf, um seine Beute nicht entkommen zu lassen, um sie zu umschlingen mit Tod und Verdammnis.
Würden die beiden bedauernswerten Menschenkinder ihrem grausigen Schicksal entrinnen können?
Nein, denn justament konnte eine alte Föhre den Gewalten der Lüfte nicht standhalten; sie brach und stürzte mit einem grausigen Krachen vor das heranbrausende Gefährt. Wohl riss der Recke mit starkem Arm die Rösser zurück, allein, es war zu spät!
Mit einem Knirschen, das selbst einem masochistischen Scharfrichter einen eiskalten Schauder über den zernarbten Rücken gejagt hätte, bohrte sich ein knorriger Ast in das rechte Vorderrad der Kutsche, welche ruckartig stehen blieb. Nun war gutes Rad teuer! Wild wieherten die Gäule in das Dunkle der Nacht, Blitze zuckten donnernd herab.
Mit bangen Blicken spähte die Prinzessin aus dem Fond. Würde ihr junges Leben hier im Gespensterwald von Lüneburg ein jähes Ende finden?
Das Heulen der Wölfe kam näher. Dem hohen Fis war unschwer zu entnehmen, was ihr Begehr war – heißes Menschenblut!
Mit trutzigem Blicke beschloss der tapfere Jüngling, nicht zu verzagen! Nun galt es, kühlen Kopf zu bewahren. Ihm fiel McGuyver ein. Da er aber weder Büroklammer noch Kugelschreiber dabei hatte, war dieser Gedanke nutzlos. Dann erinnerte er sich an das "Chainsawmassacre", holte eine Kettensäge aus dem Kofferraum und zerlegte entschlossen die Föhre in handliche Kaminholzstücke. Während er beruhigend auf die Prinzessin einsprach, entfachte er ein loderndes Feuer, indem er kräftig seine Hacken zusammenschlug, so dass die Funken stoben. Dabei wehrte er mit einigen gezielten Bissen die Attacken der heranstürmenden Wölfe ab. Die Flammen leckten in den schwarzen Nachthimmel. Nun hatten sie es wenigstens warm und hell. Der Weg war wieder frei, aber wie sollte er das Rad reparieren? Zudem verspürte er nagenden Hunger, der ihn in Bälde schwächen würde. Doch die Prinzessin reichte ihm fürsorglich einen Doppelwhopper. Dermaßen gestärkt, rief er, obwohl schmerzlich den Milchshake vermissend, kauend aus:
"Nun will ich standhalten, sieben Tage und sieben Nächte lang!"
Das machte der jungen Dame nun doch Angst. Lautstark gab sie ihren Unmut kund.
"Was, so lange willst du hier im düsteren Wald noch dem Unbill der Witterung trotzen? Sieh zu, dass du mich auf der Stelle rettest! Ich habe morgen einen Friseurtermin!" Das war bitter! Der junge Held nickte verstehend und dachte nach. Zwischen seinen nervigen Fäusten zerbrachen knackend etliche Wolfsgenicke. Ihm wollte partout keine alte Ritterregel für derlei Situation einfallen. Doch wo die Not am größten, da die Rettung am nächsten. In diesem Fall am nächsten Baum, denn wie von Geisterhand erstrahlte neben einer knorrigen Eiche – eine profane Birke wäre zu langweilig gewesen - ein helles Licht, welches eine Fee umhüllte. Süße Sphärenklänge drangen durch das Heulen des Sturmes.
"Du bist doch die, bei der man drei Wünsche frei hat!", stellte der Recke frohlockend fest.
"Wohl wahr, drei an der Zahl. Was ist dein Begehr, holder Jüngling?", wollte die Fee erwartungsfroh wissen. Dabei hielt sie den Saum ihres Kleides bereits in den Händen. „Soll ich mich bücken?“
"Äh, kann ich den Hauptwunsch auf einen späteren Termin verschieben?", erkundigte sich der Gefragte leise mit einem Seitenblick auf seine Gefährtin.
"Nein, Absatz zwei der Feenwunschverordnung besagt ausdrücklich, dass alle Wünsche unverzüglich an Ort und Stelle zu erfüllen sind."
"Gut, dann wünsche ich mir zuerst einen Zauberstab, mit dem ich mir immer alle Wünsche erfüllen kann!" Ha, das hatte gesessen!
"Du kommst dir wohl besonders schlau vor, was? Wünsche mit magischem, esoterischem oder religiösem Hintergrund schließt die Zauberverordnung ausdrücklich aus. Ebenso Taitschieh, Hapschieh und Fengschuhie. Du musst dir schon was Materielles wünschen! Wie wäre es mit einem größeren Penis?" In seinem Mannesstolz tief gekränkt, wollte der Recke gerade zornig aufbrausen, als aus dem Wageninneren ein aufjuchzendes "Ja, ja!" erscholl.
"Nichts da! Zuerst wünsche ich mir ein Bier, ich muss nachdenken!", knurrte er.
Rums, stand eine Flasche Öttinger vor ihm. "Hehe, du schummelst, ich hab Bier gesagt!", beschwerte sich der Protagonist lautstark.
"Wir müssen sparen!", gab die Fee zurück. "Was willst du noch? Kleine Hilfestellung, denk doch mal an deine Lage!"
Lage? Verdammt, was meinte sie nur? Der Recke zog die Stirn in Falten. Dann kam ihm der rettende Einfall.
"Kannst du den Friseurtermin meiner Braut um ein paar Tage verschieben?"
"Selbstverständlich, Moment! So, das wäre erledigt, jetzt hatte sie ihn gestern. Was willst du noch? Bedenke, es ist dein letzter Wunsch!"
Der Jüngling überlegte fieberhaft. Eine neue Taschenuhr? Ein Schwert, das nie stumpf wird? Eine Streitaxt für Linkshänder? Prinzessin Adelaide mischte sich ein.
"Bedenke auch, dass ich hier heraus will. Wie wäre es mit einem neuen Wagenrad?"
Der Recke blickte empört auf.
"Wie töricht von dir, schweig still! Feenwünsche sind Männersache und nichts für dekantierte Weibsbilder!" Dann wandte er sich wieder der Fee zu und sprach:
"Ich wünsche mir ein neues Wagenrad, und das soll auch schon ausgewuchtet und montiert sein, ein gutes Profil sollte es auch haben, es geht auf den Winter zu." Die Fee nickte.
"Hättest du einfach gesagt, dass ich die Kutsche heil machen soll, hätten wir Zeit gespart. Wohlan, so soll es dann sein!"
Krachbumm! Die Rösser blickten erstaunt zurück und sahen mit großen Augen auf die reparierte Kutsche. Die Fee lächelte strahlend.
"Diesen Service gibt es aber nur für ADAC-Mitglieder!"
"Woher weißt du, dass ich im ADAC bin?", wunderte sich der junge Held.
"Vergesst nicht, dass ich eine Fee bin! Die wissen so etwas! Zudem habt ihr den Mitgliedsaufkleber an der Deichsel!", sprach das himmlische Wesen, ließ sich die Erfüllung der Wünsche quittieren und entschwebte lautlos in die Finsternis ...

Das Pferd

Amtsgericht Lüsewitz, Saal Zwei
„Angeklagter, Sie werden beschuldigt, am ersten Mai gegen 23.00 Uhr im Wirtshaus „Zum weißen Rössl“ die Serviererin Inge Krause sexuell belästigt zu haben. Wollen Sie sich dazu äußern?“
„Ich kann das erklären. Das war alles ganz anders. Ich saß mit einem Freund am Tisch und trank ein Gläschen Maibowle, als diese Frau an meinen Tisch kam. Ich erschrak mich und ließ mein Feuerzeug fallen.“
„Das ist doch nicht alles!“
„Aber das Kernstück meiner Aussage. Ich bückte mich, um mein Feuerzeug aufzuheben. Dabei unterschätzte ich die durch die Maibowle ungeheuer angewachsene Erdanziehungskraft und kam auf dem Rücken zu liegen.“
„Frau Krause hat den Tatbestand aber ganz anders beschrieben! Sagen Sie die Wahrheit!“
„Gut, als ich so auf dem Rücken lag, muss ich wohl das Bewusstsein verloren haben. Ich kann mich an nichts mehr erinnern.“
„Frau Krause und mehrere Zeugen sagen aus, dass Sie ihr unter den Rock geschaut und dann zugegriffen haben. Was haben Sie sich dabei gedacht?“
„Ich dachte, ich füttere ein Pferd, Herr Richter!“
„Dann können Sie sich also doch erinnern!“
„Ja, aber nur an das Pferd. Es war ein Rappe, Herr Richter.“
„Und was ist dann passiert?“
„Das Pferd hat gewiehert und gescheut und mir acht Gläser Bier auf den Leib gegossen!“
„Das tun Pferde für gewöhnlich nicht!“
„Deswegen hab ich mich ja auch gewundert und habe versucht, aufzustehen. Dabei hat das Pferd wohl ausgeschlagen und mich hier an der Nase getroffen!“
„Frau Krause hat nur von ihrem Selbstverteidigungsrecht Gebrauch gemacht.“
„Bloß weil ich ihr Pferd gefüttert habe? Das ist ja lächerlich!“
„Sie geben also zu, die Klägerin unsittlich berührt zu haben?“
„Nichts da, gar nichts gebe ich zu. Ich war besinnungslos. Der Wirt muss mir etwas in die Bowle gemischt haben!“
„Laut Zeugenaussagen haben Sie gar keine Bowle getrunken, sondern Unmengen Schnaps und Bier!“
„Sag ich ja, der Wirt wollte mich besoffen machen! Und dann hat er mir diese Person auf den Hals gehetzt!“
„Unsinn! Und warum haben Sie dem zur Hilfe eilenden Kellner Herbert Schmidt zwei Frontzähne ausgeschlagen? Oder wollen Sie das auch bestreiten?“
„Da müssen Sie schon entschuldigen, Herr Richter, der hat gerade etwas ungünstig dagestanden. Als ich wieder auf den Beinen war, wollte ich mich mal so richtig recken und strecken, und dabei muss es wohl passiert sein.“
„Danach haben Sie ein paar Tische umgeworfen und mehrere Gäste belästigt!“
„Belästigt, sagen Sie? Ich hab nur höflich um Feuer gebeten. Dabei bin ich gestolpert und als ich mich an drei, vier Tischen festhalten wollte, sind die plötzlich umgekippt und ich lag wieder auf dem Boden.“
„Dort lagen Sie immer noch, als die Polizei kam.“
„Sehen Sie, und habe ganz friedlich geschlafen!“
„Angeklagter, ich verurteile Sie wegen Körperverletzung, Hausfriedensbruch und sexueller Belästigung zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr.“
„Wie, ich muss gar nicht ins Gefängnis?“
„Nein, jetzt nicht, aber sowie Sie sich wieder etwas zu Schulden kommen lassen.“
„Keine Angst, Herr Richter, ich werde nie wieder ein Pferd füttern!“

Ihr erster Schultag

Die Lehrerin betritt etwas aufgeregt, aber mit frohen Erwartungen das Klassenzimmer.
Ihr schlägt ein infernalischer Lärm entgegen. Beschwörend hebt sie die Arme und bittet erfolglos um Ruhe. Das Bild, dass sich ihren erstaunten Augen bietet, macht wenig Mut.
Mit wildem Gejohle geht es über Tische und Bänke, aus dem Besenschrank quillt süßlich riechender Rauch. Noch einmal erhebt sie ihre Stimme, um die Klasse zu beruhigen, aber keiner nimmt Notiz von ihr. Dann dreht sie sich um und schreibt ihren Namen, Fräulein Gundlach, an die Tafel. Zack, trifft sie ein Papierflieger am Hinterkopf. Ein angebissener Apfel klatscht an die Tafel Fräulein Gundlach wirbelt entsetzt herum.
„Wer war das?“, kreischt sie fast schon hysterisch.
„Icke, obwohl dir dat garnüscht angehen tut!“ Ein hochaufgeschossener Bengel grinst sie frech an. Obwohl er sich in jeder Pause einen von der Palme schüttelt, sieht sein Gesicht aus wie ein Streusselkuchen. Allmählich wird es etwas ruhiger und Fräulein Gundlach schöpft neue Hoffnung.
„So. liebe Kinder, ich bin eure neue Lehrerin. Wenn ihr jetzt bitte der Reihe nach aufstehen und mir eure Namen nennen würdet!“
„Ja, und was ist dann, wenn wir das nicht würden?“, kommt es patzig aus der Ecke.
„Dann muss ich schimpfen. Da lerne ich euch besser kennen, also wie heißt du?“
Sie zeigt auf ein Mädchen, das direkt vor ihr sitzt. Das Mädchen klemmt sich eine Haarsträhne hinter ihr Augenbrauenpiercing, lässt lautstark eine Kaugummiblase platzen und antwortet lässig:
„Ick bin die Schantalle. Und du?“
„Mein Name ist Fräulein Gundlach.“ Wildes Gelächter aus der türkischen Ecke.
„Frollein! Voll krass keinen abgekriegt, die Tusse!“ Fräulein Gundlach errötet.
„Natürlich habe ich einen Freund. Er ist, aber ich weiß nicht, was euch das angeht!“
„Dachte nur, wenn du abends Langeweile hast, komm ich konkret mit meinen Brüdern vorbei und dann kriegst du es voll besorgt, eh!“
„Das wird nicht vonnöten sein. Wie ist dein Name?“
„Achmed, weissu? Mein Vater macht beste Döner in ganze Stadt!“
„Ich werde mir es merken. Wir wollen fortfahren!“ Spontan stehen mehrere Schüler auf.
„Halt, wo wollt ihr hin?“
„Du hast gesagt, dass wir fortfahren!“ Fräulein Gundlach hinterfragt erstmals in ihrer nun fast eine Viertelstunde währenden Lehrerlaufbahn ernsthaft ihre Berufswahl
„Aber ich meinte nur, dass wir mit dem Vorstellen und dem Unterrichtsstoff fortfahren!“
„Dann sag doch, was du meinst und eier nich so rum!“ Dieser Aufforderung wurde noch ein gut gemeintes „Blöde Kuh!“ nachgefügt. Fräulein Gundlach atmet tief durch, unterdrückt ein Schluchzen und fragt ein weiteres Mädchen nach ihrem Namen.
„Schackeline!“ ist die Antwort.
„Und ich bin Finn Noah Heribert!“ Ihr Banknachbar gibt unaufgefordert Auskunft.
„Seht ihr, es geht doch, liebe Kinder. Nun weiter, immer der Reihe nach!“ Zögernd fallen immer mehr Namen.
Mehmet, Igor, Jüljenne, Maik, Adolf-Tommie, Schenniver, Torben-Luka, Peleponne, Jussuf, Luka, Weinona, Luidschie, Rassel, Silvester und Dämie Muhr. Fräulein Gundlach hat genug gehört.
„Wir wollen nun mit dem Unterricht beginnen und über den Zweiten Weltkrieg sprechen. Wer weiß, wer den angefangen hat?“ Zunächst herrscht kurz Ratlosigkeit, das Antwortspektrum ist dafür dann aber breit gefächert.
„Ich jedenfalls nicht, haha!“
„Mein Opa sagt, die Juden waren Schuld!“
„Ne, die Türken!“
„Alda, ich mach dich voll fett Krankenhaus!“
„Österreich hat Deutschland überfallen und den Kaiser gestürzt!“
„Die Russen!“
„Die Franzacken sind es gewesen!“ Bei Fräulein Gundlach setzt beginnende Verwirrung ein, ihr Mund wird trocken. Ganz vorn links ergreift ein Junge mit lila Irokesenschnitt , mehreren Nasenringen und geballter Fachkompetenz das Wort.
„Ihr redet alle nur Scheiße, eh! Die Scheißnazis sind in Frankreich einmarschiert und haben versucht, Amerika zu besetzen. Vorher haben sie sich mit den Russen Polen aufgeteilt und zum Schluss Atombomben auf Tokio geworfen. Obwohl Hitler noch eine Mauer um Berlin ziehen ließ, musste er sich ergeben und nach Paraguay fliehen.“ Diese Erklärung stößt bei einer Gruppe hinten rechts nicht auf sonderlich viel Gegenliebe.
„Halt die Fresse, du pseudointellektueller Scheißpanker. Geh lieber mit die Ratten spielen!“ Klappmesser blitzen auf, Baseballschläger werden drohend in die Höhe gehoben. Achmed ergreift die Initiative.
„Hört auf, ihr blöden Kartoffelfresser! Wenn ihr hier anne Uhr dreht, könnt ihr euch euren Stoff woanders kaufen! Was für einen konkret krassen Eindruck mach ihr denn auf die neue Tusse hier!“ Mit einem bezaubernden Lächeln sieht er zu Fräulein Gundlach herüber und greift sich in den Schritt. Erste Tränen  laufen ihr über das Gesicht.
„Die Schmalzfedern aus Spaghettonien waren auch mit dabei!“, tönt es aus dem bisher neutral wirkenden Mittelblock.
„Passe auffe, wasse du sagen! Meine Onkel ist Cosa Nostra!“ Ein Junge mit schmalem Oberlippenbart und gegeltem Haar springt wütend auf. Seine Freundin Wanessa kann ihn kaum beruhigen. Wieder rettet Achmed die Situation.
„Is doch scheisendreckegal, wer gemacht hat Scheisendreckkrieg! Is lange her, interessiert konkret keine Sau, eh! Deine Mutter is so fett, die zieht bei DSF LKWS, du Pizzafresser! Lass die Tuss nu weitermachen!“ Mit einer gönnerhaften Geste erteilt er der mittlerweile teilnahmslos ins Leere starrenden Fräulein Gundlach das Wort, doch Luigi gibt sich noch nicht geschlagen!
„Fresse, Kümmel. Du hast mir nixe zu sagen. Sonst wir kommen nachts mit Grieche Monopopolos und mache dir Dönerbude kaputt!“
„Bissu schwul oder was? Ich hol meine Brüder und dann kriegst du auf Fresse! Und, Adolf, nimm die Hand runter, du meldest dich ja gar nich!“ Adof-Tommie senkt den Arm, Igor und Alexander stimmen „Trink, Brüderlein, trink!“ an und holen je eine Wodkaflasche aus ihren Schulmappen. Das entspannt die Situation. Der rechte deutsche Block beginnt mit den Russen friedlich Brüderschaft zu trinken, die Pizzafraktion schmiedet Mordkomplotte und die anatolische Jugendgruppe stimmt über Haschischpreise ab. Der Punker kaut auf einem Pilz und spielt mit seiner Ratte. Unpolitische Klassenkameraden spielen an sich, blättern in Pornoheften oder schauen gelangweilt aus dem Fenster. Ist eben mal wieder nichts los in der Schule. Das Pausenklingeln hört Fräulein Gundlach schon nicht mehr.

Als sie einige Wochen später aus der Nervenheilanstalt entlassen wird, nimmt sie eine Anstellung im Geschäft von Achmeds Vater an und verkauft Döner mit ohne alles und extra scharf Soße.
Und schön viel Knoblauch.

Die Entführung

Der Funkverkehr vom Tower zur entführten Lufthansamaschine auf dem Rollfeld ist hergestellt.
„Hallo? Spreche ich mit den Kidnappern?“
„Wir sind keine Kidnapper, sondern Mitglieder der Befreiungsorganisation Blutiger August!“
„Auch gut. Mit wem spreche ich?“
„Das tut nichts zur Sache. Wenn Sie nicht einhundert inhaftierte Gesinnungsgenossen von uns frei lassen, sprengen wir die Maschine in die Luft!“
„Moment, so einfach ist das nicht. Das ist gar nicht gestattet. Außerdem kann ich nur fünfzig Mann freilassen. Ab einundfünfzig muss der Staatssekretär persönlich verhandeln.“
„Dann holt ihn her!“
„Das geht nicht, der ist im Urlaub. Also, reichen fünfzig?“
„Hundert, sonst sprengen wir das Flugzeug in die Luft!“
„Dazu brauchen wir vorher die Passagierliste in drei Ausfertigungen. So steht es in den Regularien.“
„Interessiert mich nicht. Ich gebe Ihnen eine Stunde Zeit.“
„Das wird schon mal gar nichts. Wir brauchen mindestens eine Woche, bis die Entlassungspapiere für Ihre Freunde ausgestellt sind. Dann noch die ärztliche Abschlussuntersuchung, Abgabe der Gefängniskleidung, das kann dauern.“
„Wir können doch unmöglich eine Woche hier mit den Geiseln im Flugzeug sitzen bleiben!“
„Das hätten Sie sich vorher überlegen sollen. Lassen Sie die Geiseln doch einfach frei!“
„Und womit soll ich dann noch Druck auf Sie ausüben?“
„Sie haben doch die Maschine, die kostet ein paar Millionen.“
„Aber die ist doch versichert!“
„Das sind die Passagiere auch. Sie sehen, Sie haben gar nichts gegen uns in der Hand. Geben Sie auf!“
„Niemals! In fünf Minuten erschießen wir die erste Geisel!“
„Stopp, ich protestiere energisch! Das Gesetz schreibt die Anwesenheit eines Arztes bei Hinrichtungen zwingend vor!“
„An Bord ist ein Gynäkologe!“
„Der zählt nicht. Ich schicke Ihnen einen erfahrenen Gefängnisarzt mit einem Krankenwagen.“
„Gut, der Wagen soll sich langsam mit einer weißen Fahne dem Flugzeug nähern.“
„Wie groß?“
„Der Wagen?“
„Nein, die Fahne.“
„Egal.“
„Egal haben wir nicht. Ich kann Ihnen 45x70 cm und 60x100 cm anbieten.“
„Die kleine!“
„Eine gute Wahl. In gut zwei Stunden wird der Arzt bei Ihnen sein.“
„In fünf Minuten hab ich gesagt!“
„Wir tun unser Möglichstes, glauben Sie mir. Soll ich Ihnen in der Zwischenzeit etwas zu essen schicken lassen?“
„Sie machen mich noch wahnsinnig! Ich zünde jetzt die Sprengladungen.“
„Ich muss Sie darauf hinweisen, dass Sie sich damit strafbar machen. Haben Sie überhaupt eine Sprenglizenz?“
„Die brauche ich nicht. Ich erschieße jetzt eine Geisel.“
„Halt, zuerst brauchen wir die Personalien der Geisel. Bitte stellen Sie diese fest und setzen uns in Kenntnis. Ebenso Ihre und die Ihrer Kumpanen.“
„Wozu das denn? Außerdem bin ich allein.“
„Weil alles seine Ordnung haben muss!“
„Wir sind gegen Ihre Ordnung!“
„Das mag ja sein, aber Sie stehen in einem gestohlenen Flugzeug auf unserem Flugplatz, da müssen Sie schon nach unseren Regeln spielen.“
„Und die wären?“
„Sie lassen sofort die Geiseln frei und kommen mit erhobenen Händen aus der Maschine!“
„Und wenn ich mich weigere?“
„Dann sprengen wir das Flugzeug selber in die Luft und erschießen alle Gefangenen Ihrer Organisation, das sind mehr als doppelt so viele wie im Flugzeug sitzen. Und, wer sitzt nun am längerem Hebel?“
„Das würden Sie niemals tun!“
„Und ob!“
„Der Druck der Weltöffentlichkeit würde Sie zum Rücktritt zwingen!“
„Warum? Offiziell haben Sie doch das Flugzeug gesprengt!“
„Scheiße, das habe ich nicht bedacht! Was nun?“
„Ganz einfach. Erschießen Sie sich! Dann können Sie hinterher immer noch behaupten, von Sicherheitskräften erschossen worden zu sein und schon sind Sie ein Märtyrer!“
„Das muss ich mir erst mal durch den Kopf gehen lassen.“
„Lassen Sie sich lieber eine Kugel durch den Kopf gehen, andernfalls sprengen wir das Flugzeug in fünf Minuten.“
„Und dann bin ich wirklich ein Märtyrer?“
„Klar doch! Ich gebe Ihnen mein Ehrenwort, anschließend fünfzig Ihrer Genossen frei zu lassen!“
„Das würden Sie tun?“
„Wenn ich das doch sage!“
„Und was ist, wenn ich mich nicht erschieße, sondern mich ergebe?“
„Verderben Sie uns nicht den Spaß! Ihre Heiligsprechung wäre dann natürlich im Arsch. Das können Sie nicht wirklich wollen!“
„Nein, will ich auch nicht. Aber da gibt es ein Problem!“
„Ich höre.“
„Die Pistole ist gar nicht echt!“
„Sie sind gar nicht bewaffnet?“
„Nicht wirklich.“
„Dann schneiden Sie sich mit Ihrem Taschenmesser die Pulsadern auf!“
„Das Messer ist mir bei der Sicherheitskontrolle weggenommen worden!“
„Mist, Sie haben aber auch Pech, Mann. Fragen Sie den Kopiloten, ob er vielleicht so freundlich ist und Sie erwürgt!“
„Gut, mach ich.“

„Hier spricht der Kopilot. Der Entführer ist offenbar verrückt geworden und hat mich gebeten, ihn zu erwürgen. Was soll ich tun?“
„Würgen Sie ihn nur, bis er ohnmächtig ist. Dann fesseln Sie den Kerl. Ich schicke in zehn Minuten einen Wachmann vorbei, um die Entführung ordnungsgemäß zu beenden.“

Zufrieden schaltete der Elektrikerlehrling Timo Kleinschmidt das Funkgerät aus und lehnte sich zurück. Was einem doch alles so passieren kann, wenn man mal in den Tower gerufen wird, um eine Glühbirne zu wechseln

Der Baumarkt

Gestern mal wieder im Baumarkt gewesen. Was ist eigentlich ein Turbowinkelschleifer mit integriertem Tangentialrotor? Ich werde die Finger davon lassen, dann hab ich sie länger. Fragt mich plötzlich einer, ob ich hier beschäftigt sei. Hätte eben nicht mit roter Latzhose einkaufen fahren sollen. Einem inneren Drang folgend bejahte ich. Dann hätte er da mal eine Frage. Das Loch für den Teich sei ausgehoben und nun wisse er nicht, was für eine Folie er verwenden solle. Folie ist out, sagte ich. Ich riet ihm zu zehn Litern atmungsaktivem Klarlack. Man müsse eben mit der Zeit gehen. Und an die Umwelt denken.
Später die Verkäuferin an der Kasse zu einer schwarzen Messe eingeladen. Sie sagt, es käme ihr komisch vor, dass sie nachts um zwei ohne Schlüpfer in meine Gartenlaube kommen solle. Hab ihr irgendwie recht gegeben. Zwei ist zu spät. Deswegen umdisponiert. Halb zwei. Sie sagt, ich spinne. Als ob ich acht  Beine hätte! Hab dann aus Rache einen Akkuschrauber mit gedüngter Gartenerde beworfen. Und geschworen, mir nie wieder im Baumarkt mein Magnum zu besorgen. Weil ich noch erregt war, ist beim Ausparken ein kleines Missgeschick passiert. Die Oma muss im toten Winkel gewesen sein. Toter Winkel, gutes Stichwort.
Naja, sie war aber auch schon über siebzig. Was hat die auch vor dem Baumarkt zu suchen. Und dann noch im toten Winkel. Das provoziert das Unglück geradezu. Hoffentlich bezahlt ihre Versicherung meine verbeulte Stoßstange auch postum. Vorsichtshalber mit Omas Personalausweis zur Polizei gefahren und Anzeige wegen Sachbeschädigung und seelischer Grausamkeit erstattet. Bin jetzt wieder in diesem netten Sanatorium. Die Verpflegung ist gut, auch das Unterhaltungsprogramm. Nach den Tabletten sehe ich tolle Filme, ohne dass der Fernseher an sein  muss.  Spiele viel Dame. Hab deswegen Schmerzen beim Stuhlgang.
Ich denke, Schach ist gesünder. Werde langsam misstrauisch. Vermute Verschwörung. Alle laufen hier in weißen Klamotten rum.  Vermisse meinen Baumarkt sehr...

Der Mai ist gekommen

Es ist vollbracht. Wer bis hier hin gelesen hat, der hat den April überstanden.
Was nicht jeder von sich behaupten kann. Nein, dies soll ganz gewiss keine Anspielung auf eine allgemein bekannte Lattenkreuz-Nagel-Konstruktion sein.
Jetzt tue ich, was ich bisher noch nie getan habe. Ich schreibe etwas, dass nicht meinem von Äthylalkohol und Apfelschorle zerfressenen  Denkapparat wie einst ein Reh entsprungen ist.
Sondern ich zitiere einen mir leider unbekannten Künstler, der feinsinnig feststellte:
„Stirbt der Bauer Anfang Mai, ist der Mai für ihn vorbei.“
Wer sich jetzt auf weitere Bauernregeln freut, den muss ich enttäuschen.
Die Geschichte – ab hier wieder die meinige -  nimmt einen ganz anderen Verlauf.
Der Mai ist gekommen.
Wenn ich das Radio leiser stelle und das Ohr fest an die Wand presse, kann ich mit Fug und Recht von meiner Nachbarin dasselbe behaupten.
Der Mensch an sich ist zwar Dauerbrünstler, verspürt aber, wohl animiert durch die wärmenden Strahlen der Maisonne, besonders in diesem, darob auch Wonnemonat genannt, das Verlangen, sich fortzupflanzen.
Oder zumindest Handlungen an sich, anderen Mitmenschen oder Haushaltsgeräten vorzunehmen, die dem Akt der Kindeszeugung zumindest entfernt ähneln.
Allein wes Grundes?
Liegt es nur an den Sonnenstrahlen, wie uns manche kahlköpfige Wissenschaftler, die Sex längst durch Golfspielen substituiert haben, glauben machen wollen?
Oder an der knapper werdenden Kleidung, die ab Mitte des Monats immer mehr von den sekundären Geschlechtsmerkmalen erkennen lässt?
Haben die Pornofilmverkäufer etwa Aktionswochen?
Gibt der Onkel Doktor Viagra und die Pille umsonst ab?
Was kann der Anlass sein, dass Frauen in kurzen Röcken, rote Handtaschen schwingend, akute Paarungsbereitschaft signalisieren?
Dass sonst seriöse Männer aller Berufsgruppen zu sabbernden Sexmaschinen mutieren und sich alle fünf Minuten in den Schritt greifen?
Liegt es am lustigen Gezwitscher der Vögel? Am erhöhtem Eierverzehr über die Ostertage? Mitnichten.
Es ist der Beginn der Grillsaison!
Vorbei ist die Zeit des stumpfsinnigen Vorsichhinvegetierens vor dem Fernsehgerät.
Endlich kann ein Mann wieder ein Mann sein.
Nicht die Zentralheizung hoch regeln!
Nein, wie zu Urzeiten eigenhändig Feuer machen!
Rohe, blutige Fleischstücken über glühender Holzkohle garen.
Zugegeben, die Holzkohle ist an der Tanke gekauft und die Kuh auch nicht selbst erlegt, aber immerhin!
Dem sich über Lärm und Qualm aufregenden, plötzlich irgendwie an einen Neandertaler erinnernden Gartennachbarn in Ermangelung einer Holzkeule eins mit dem Spaten über den Schädel ziehen! Da fließt das Testosteron wie Bier auf dem Oktoberfest durch die Adern des Mannes. Und wenn Frauchen salatmachend ihrem urwüchsig agierenden Männchen aus dem Küchenfenster zuschaut, dann wird ihr ganz feucht, äh, warm ums Herz und sie stellt gleich noch ein paar Pils mehr kalt. Und hat abends ganz bestimmt keine Migräne ...

Der Cowboy

Unbarmherzig senkte sich der Abend über die Prärie.
Der einsame Cowboy saß schon seit Tagen ohne Schlaf, Whisky und feste Nahrung im Sattel.
Nur ein Gedanke beseelte ihn und trieb ihn voran: Rache!
Er war ein Cowboy der allerhärtesten Sorte.
Selbst wenn ihm einer sagen würde, dass Cowboy Kuhjunge hieß, würde sich sein markantes Gesicht um keinen Millimeter verziehen.
Der böse Indianer, den er vorhin beim Pferdediebstahl erwischt hatte, lag jetzt mit einer Kugel im Kopf am Ufer des Flusses. Verdammt harter Hund, dachte der einsame Cowboy.
Die Rothaut starb, ließ sich aber nichts anmerken, murmelte er anerkennend.
Die Lichter von Silvertown erschienen am Horizont, während er mit seinem Achtunddreißiger aus der Hüfte rückhand trotz eines Pfeilhagels sechsundzwanzig hinter ihm her galoppierende rachsüchtige Comanchen in die ewigen Jagdgründe schickte.
Er erreichte die Stadt, in der er seine Todfeinde vermutete, hielt vor dem Saloon, stieg ab und band sein Pferd an einen Parkscheinautomaten. Mit einer geschickten Bewegung, die den erfahrenen Saloongänger und gnadenlosen Revolvermann erkennen ließ, stieß er die Pendeltür auf und betrat mit wiegendem Cowboygang den Saal. Als er an der Garderobe seine Lederweste abgeben wollte, stellte er fest, dass in seinem Rücken noch ein Comanchenpfeil steckte. Mit einem Ruck riss er ihn heraus und zerbrach ihn über dem Knie. Sorgfältig schob er die Garderobenmarke in die Gesäßtasche seiner vorgewaschenen Jeanshose und begab sich, lässig zu den Pokerspielern hinüber grüßend, zum Tresen. Der Wirt schaute ihn fragend an. „Whisky!“ Was sonst hätte ein angeschossener Cowboy auf Rachefeldzug nach Sonnenuntergang auch anderes bestellen sollen? Mit Caipirinha hätte er sich doch bis auf die Knochen blamiert!
Der Cowboy leerte das Glas mit einem Zug, schob es dem Wirt zu und sagte „Noch einen!“
Der alte Mann hinter dem Tresen kam dem Wunsch des Cowboys eilfertig nach.
„Gibt´s was Neues?“, wollte der Cowboy nun wissen. „Du weißt verdammt gut, was ich meine!“
„Die Dawson-Brüder sind in der Stadt.“, antwortete der Alte leise.
Die Augen des Cowboys verengten sich zu schmalen Schlitzen. Die Dawson-Brüder!
Mit denen hatte er mehr als nur eine Rechnung offen. Sie waren der Grund für ihn, all die Entbehrungen auf sich zu nehmen.
„Alle sieben?“, fragte er nach. Der Wirt nickte stumm.
„Was sagt der Sheriff dazu?“
„Nichts. Kann nichts mehr sagen. Sie haben ihn umgelegt!“, stieß der Alte zwischen den Zähnen hervor.
Der Cowboy wusste jetzt, was zu tun war. Eiskalte Wut stieg in ihm empor.
Das letzte Mal verspürte er diesen unbändigen Zorn, als ihm morgens beim Kacken der rechte Hausschuh ins Klo gefallen war. Er bat den Wirt um ein Pflaster für seine Schusswunde, holte seine Weste von der Garderobe und ging hinaus in die Nacht. In seiner Erregung übersah er den Strafzettel am Halfter seines Pferdes, warf sich in den Sattel und ritt los wie der Teufel. Nach einer halben Stunde gestreckten Galopps fiel ihm ein, dass er vergessen hatte, den Wirt nach dem Aufenthaltsort der Dawsons zu fragen. Das war aber nicht so schlimm, denn er hatte ebenso vergessen, den Zügel des Pferdes vom Parkautomaten zu lösen, so dass er noch immer vor dem Saloon stand. Der arme Gaul brauchte dringend eine Verschnaufpause und er noch ein paar Whisky.
Wieder betrat er den Saloon, verzichtete auf die Abgabe seiner Weste und fragte den Mann hinter dem Tresen: „Wo sind sie?“. „Oben, bei den Mädchen.“ Der Cowboy spürte, wie sich seine Nackenhaare aufrichteten und sich sein Schließmuskel verkrampfte. Nervös zuckte sein Zeigefinger. Langsam ging er die Treppe zu den Etablissements empor. Ja, da standen sie! Sieben Paar Reiterstiefel, fein säuberlich aufgereiht. Vor dem kleinsten Paar hielt der Cowboy inne. Während er mit der linken Hand an die Tür klopfte, zog er rechts seinen Revolver.
„Wer ist da?“, wollte eine zarte Frauenstimme aus dem Inneren des Raumes wissen. „Zimmerservice. Ein Drink für den Gentleman auf Kosten des Hauses. Wir haben Aktionswoche!“, gab der Cowboy zur Antwort. „Dann nur hinein!“, vernahm er die krächzende Stimme des jüngsten Dawson-Bruders. Der Cowboy stieß die Tür auf, sein Revolver spie Tod und Verderben. Tödlich getroffen sank Billy Dawson in die rosa Seidenkissen. „Ich bitte, die Unannehmlichkeiten zu entschuldigen!“, röchelte er höflich zu der Dame. „Halb so schlimm, du hast ja vorher bezahlt!“, bekam er zur Antwort.
Ob dieser frohen Kunde erleichtert, verließ der Cowboy das Zimmer. Aus den anderen sechs Räumen war aufgeregtes Stimmengewirr zu vernehmen. Eine Tür flog auf und ein leicht verschwitzter Dawson-Bruder stolperte in langen Unterhosen, aus dessen Schlitz ein bläulichroter Zapfen ragte, auf den Flur. „Was ist hier los?“, schrie er verärgert.
Der Revolver des Cowboys gab ihm die Antwort. Der zweite Dawson-Bruder war tot, bevor er auf dem schwarzweiß karierten Kokosläufer aufschlug. Der Cowboy atmete erleichtert auf. Jetzt hatte er es nur noch mit fünf Gegnern zu tun, eine Routineaufgabe also.
Jetzt flogen gleich mehrere Türen gleichzeitig auf. Der Cowboy warf sich blitzschnell auf den Boden und schickte drei weitere Todesgrüße auf die Reise. Jetzt begann ernste Gegenwehr und ein Kugelhagel aus den Waffen der beiden ältesten Dawsons prasselten auf den Cowboy ein. Nur durch geschicktes Hinundherwerfen vermied er es, lebensgefährlich getroffen zu werden. Die Luft roch nach Blei, Blut und Pulverdampf. Der Cowboy nahm hinter einem Kaugummiautomaten Deckung. Eine Salve aus den Waffen der Dawsons durchschlug das dünne Blech und hunderte bunte Kugeln von Blasenkaugummis rollen über den Fußboden. Zweiundzwanzig, dreiundzwanzig, vierundzwanzig!“, zählte der Cowboy in Gedanken die Schüsse mit. Jetzt waren die Kammern der vier Revolver der Dawsons leer geschossen!
Er trat hinter dem Kaugummiautomaten hervor und drückte siegessicher zwei mal ab. Peng! Klack! Sein Großvater hatte ihn gelehrt, beim Kartenspiel nicht nur die Augen der Gegner, sondern auch die eigenen mitzuzählen. Nun stand er dem letzten der Dawsons mit leerer Waffe gegenüber.
Ein Handgemenge schien unausweichlich. Zum Glück hatte der Cowboy wenigstens eine Nagelfeile dabei. Diese wütend schwingend, stürzte er sich auf den ältesten Dawson, um die Sache zu Ende zu bringen. Kurz bevor er ihn jedoch erreichte, fasste sich dieser an die Brust, stöhnte auf, verdrehte die Augen und schlug der Länge nach hin. Der Cowboy steckte die Nagelfeile zurück in ihr Etui und fühlte nach dem Puls des Mannes. „Nichts mehr zu machen!“, stellte er fachmännisch fest. Dann wandte er sich ab und ging die Treppe hinunter in den Schankraum. Der Wirt sah ihn wie immer fragend an. Der Cowboy nickte nur kurz.
„Whisky!“, stieß er hervor und setzte hinzu: „Lass sieben Särge kommen und sag dem Typen von der Hausratsversicherung Bescheid!“.
Er blutete aus zahlreichen Wunden. Am ärgerlichsten war der Magendurchschuss, denn der Whisky lief ihm vorne wieder heraus und durchnässte auch die letzten trockenen Stellen seines Cowboyhemdes. Er würde nicht umhinkommen, in den nächsten Tagen den Wundarzt aufzusuchen, um sich verbinden zu lassen. Zur Änderungsschneiderei würde er sich auch begeben müssen, denn für seinen linken Hemdsärmel war jetzt keine Verwendung mehr und die Weste musste geflickt werden.
Aber im Großen und Ganzen konnte er mit dem Ausgang des Kampfes zufrieden sein.
Seine Mission war beendet. Die Dawsons würden nie wieder auf seiner Ranch Pferdeäpfel für ihre Erdbeerplantage klauen und seine Mutti eine dumme Kuh nennen, nie wieder!

Die Windstärken

0 Windstille. Der Rauch aus Bauer Klaasens Pfeife steigt senkrecht empor. Spiegelglatte See. Käptn Brise spielt gelangweilt mit einem Tauende.

1 Leiser Zug. Der Rauch aus Bauer Klaasens Pfeife treibt kaum merklich ab. Käptn Brise spuckt verächtlich Kautabak auf leicht gekräuseltes Wasser. Windkrafträder müssen immer noch manuell bewegt werden.

2 Leichte Brise. Klaasen hört Blättergeraschel. Die Kräuselwellen interessieren Käptn Brise nicht die Bohne, er setzt die Segel und geht zum Kacken unter Deck.

3 Schwache Brise. Bauer Klaasen sieht sich bewegende Zweige. Brise immer noch beim Kacken.

4 Mäßige Brise. Klaasen vernimmt ein leises Rauschen in den Ästen. Käptn Brises Klopapier ist alle. Mist!

5 Frische Brise. Bauer Klaasen knöpft seine Weste zu. Käptn Brise hört Meeresrauschen und geht wieder an Deck.

6 Starker Wind. Bauer Klaasens Blick wandert besorgt zu der alten Pappel neben dem Kuhstall. Käptn Brise hört den Seewetterbericht und trinkt einen Schluck Rum.

7 Steifer Wind. Bauer Klaasen schwankt leicht. Die Mütze geht verlustig und landet auf dem Misthaufen. Käptn Brise holt das Vorsegel ein und macht eine besorgte Miene.

8 Stürmischer Wind. Bauer Klaasen stemmt sich dagegen und stampft Richtung Scheune. Der Gesichtsausdruck von Käptn Brise wirkt entschlossen, als er das Großsegel auf Halbmast holt.

9 Sturm. Bauer Klaasen hat die Scheune fast erreicht und hält sich an der alten Pappel fest. Käptn Brise beschließt, eine Schwimmweste anzulegen, rutscht auf den nassen Planken aus und fliegt auf die Fresse. Brecher bilden sich.

10 Schwerer Sturm. Bauer Klaasens Pfeife steigt senkrecht empor. Äste brechen aus der Pappel, vereinzelt beginnen die Kühe um Hilfe zu rufen. Käptn Brise beginnt zu brechen.

11 Orkanartiger Sturm. Bauer Klaasen sieht die Bäuerin durch die Luft fliegen. Er macht seinen Frieden mit Gott. Käptn Brise wird beinahe vom abbrechenden Großbaum erschlagen.

12 Orkan. Die Pappel bricht und fällt auf den Kuhstall. Mehrere Kühe fliegen durch die Luft. Käptn Brise sieht nichts mehr. Das Meer brüllt.

13 Superorkan. Die Erde tut sich auf und verschlingt Bauer Klaasens Scheune mitsamt Heu. Käptn Brise treibt auf haushohen Wellen und singt: „Das kann doch einen Seemann nicht erschüttern!“

14 Megaorkan. Bauer Klaasen ist im Himmel. Plötzlich hört er die Bäuerin rufen: „Steh endlich auf, du fauler Sack, es hat Sturmwarnung gegeben!“ Käptn Brise liegt in den Armen einer Seejungfrau.

Fazit: Glücklich ist auf Dauer nur der Schipper, nicht der Bauer.

Eine Kartoffel

Eine Kartoffel hat es nicht leicht. Erst sitzt sie ein Vierteljahr im Boden, sieht keine Sonne. Sie übt sozusagen das Beerdigtsein. Dann kommt die Ernte und wenn sie Pech hat, bekommt sie schon mal eins mit der Hacke über. Aber auch wenn das nicht passiert, ist ihr nicht sonderlich viel Glück beschieden. Zunächst wird ihr bei lebendigem Leib die Haut abgeschnitten. Und dann der qualvolle Tod in heißem Salzwasser! Auch die Verarbeitung zu lecker Kartoffelpuffer ist für eine Kartoffel nicht direkt angenehm. Stell Dir vor, Du hauchtest Dein Leben an einer großen Reibe aus! Zum Glück ist die Kartoffel Anhänger des Wiedergeburtsglaubens. Eine Reinkarnation als 4 Sterne - Koch käme ihr da gelegen. Und es würde nur noch Nudeln geben, die sind ja tot, wenn man sie kocht. Vegetarier sind Ökothrophosadisten. Wir töten unsere Tiere, bevor wir sie verzehren, nicht so die Fleischverneiner. Rohkost ist da Trumpf. Jede anständige Möhre erschaudert bei dem Gedanken, lebendig und bei vollem Bewußtsein von den kariösen Zähnen eines Ökopenners zermalmt zu werden. Man sollte Frischgemüse vor dem Verzehr wenigstens durch Schockfrosten euthanasieren. Blumenkohl und Kohlrabi kann man mit einem Fleischklopfer betäuben. Porree wird am grünen Schwanz gepackt und einmal schnell mit dem weißen Ende auf die Herdplatte gedroschen. Schwierig wird es bei Obst wie Äpfel und Birnen. Wie euthanasiert man eine Birne? Da wird sich seitens Wissenschaft und Bundesregierung viel zu wenig Gedanken gemacht. Selbst die Grünen wenden sich lieber anderen Themen wie „Wie kommen wir am schnellsten wieder an die Macht?“ Wo bleibt denn da der Naturschutzgedanke und die humund einmal schnell mit dem weißen Ende auf die Herdplatte gedroschen. Schwierig wird es bei Obst wie Äpfel und Birnen. Wie euthanasiert man eine Birne? Da wird sich seitens Wissenschaft und Bundesregierung viel zu wenig Gedanken gemacht. Selbst die Grünen wenden sich lieber anderen Themen wie „Wie kommen wir am schnellsten wieder an die Macht?“ Wo bleibt denn da der Naturschutzgedanke und die humanistischen Grundwerte unserer Gesellschaft? Und warum werden manche Arten geschützt und manche nicht? Wer kümmert sich um die Erhaltung der im Aussterben befindlichen Trichinen? Und sind Fiebermücken nicht auch Geschöpfe Gottes? Wer bestimmt, was Unkraut ist und was nicht?
Fragen über Fragen...

Experten

Als Wilhelmine Dingelbein am Sonnabend ihre Zeitung aufschlug, hüpfte ihr Herz vor Freude.
Nein, natürlich nicht darüber, dass irgendein Trottel einen Werkstattwagen auf der Magnetschiene vergessen hatte und deswegen das Wunderwerk der Technik 23 Leuten den Garaus machte.
Und auch nicht, dass Borussia Mönchengladbach erstmals seit dem Bau der Pyramiden an der Tabellenspitze der Bundesliga stand.
Das war Oma Wilhelmine gelinde ausgedrückt scheißegal.
Ihre Freude hatte einen anderen Grund.
Sie rückte ihre Lesebrille mit dem schwarzen Horngestell über ihren trüben Augen zurecht und fuhr mit dem von der Gicht gekrümmten Zeigefinger die Zeilen entlang.
Ihr Vertrauen in die Regierung hatte sich gelohnt. Nie hatte sie gezweifelt.
Da stand in großen Lettern:
„Merkel und Beck wollen in Sachen Gesundheitsreform nun Sachverständige hinzu ziehen.“
Ja, ist das denn die Möglichkeit? Seit einem Jahr wird gestritten, vorgeschlagen, abgestimmt, genörgelt, verunglimpft und nun zieht man plötzlich Sachverständige hinzu!
Also irgend welche Leute, die von der Sache etwas verstehen, ganz im Gegensatz zu unseren bewundernswerten Politikern.
Es muss ein ganz schlauer Kopf gewesen sein der den Gedanken gebar, in Sachen Gesundheitsreform auch mal einen zu befragen, der ein wenig vom Gesundheitswesen versteht! Oma Dingelbein war stolz auf ihre tüchtige und schlaue Regierung!
Seitdem dieser Herr Merkel den alten Sack Adenauer abgelöst hat, läuft es wieder viel besser, fand sie.
Verteidigungsminister, die nie gedient haben, Verkehrsminister ohne Führerschein, Druckereiarbeiterin und Sonderschullehrer als Gesundheitsminister, das nenne ich doch mal kompetent regieren! Da kann es doch nur besser werden! Es ist ganz einfach. So einfach, dass es schon wieder genial ist. Der Verteidigungsminister holt sich einfach Rat von ein paar alten Generalsstäblern, der Bauminister fragt am Stammtisch ein paar Architekten oder einen Maurer und die Sache ist geritzt!
Oma Dingelbein fasste durch das beherzte Vorpreschen der Regierung auch für ihr eigenes Projekt Mut. Seit einem Jahr versuchte sie sich ernsthaft, aber nur wenig erfolgreich daran, die Grammatikregeln der finnischen Sprache neu zu ordnen. Dieser Zeitungsartikel hatte ihr die Augen geöffnet. Gleich Montag würde sie in Erfahrung bringen, wo Finnland liegt und wie die Hauptstadt heißt. Ja, genau das würde Oma Dingelbein tun. Nie würde sie sich je wieder beschweren, dass sie sich Rheumasalbe und Hämorrhoidenzäpfchen selbst kaufen muss. Dass jetzt auch Leute mit Sachverstand an der Gesundheitsreform mitarbeiten, flößte ihr Vertrauen ein. Regierungen müssen eben Vorbild für den Wähler sein!

 

Dr. Frank Hess
Hohendorfer Chaussee 37
17438 Wolgast OT Hohendorf
drfrankhess@web.de

designed 2009 by Andy Storm - www.andy-storm-photoart.de